Orientierung an Jesus Christus
Ansätze zu einer Theologie der Arbeiter
A. JESUS, DER VERKUENDER DES REICHES GOTTES
Jesu Verkündigung war das Reich Gottes. Für ihn
war es keine Utopie, d.h. etwas, das (noch) keinen
Ort in unserer Welt hat. "Das Reich Gottes ist
mitten unter euch" Lk 17,21.Wenn er hier auch seine
eigene Person meinte, so dachte er ganz sicher
nicht griechisch-metaphysisch, sondern verstand
darunter das, was er tat. Reich Gottes ist nicht
eine ...
A. JESUS, DER VERKUENDER DES REICHES GOTTES
Jesu Verkündigung war das Reich Gottes. Für ihn
war es keine Utopie, d.h. etwas, das (noch) keinen
Ort in unserer Welt hat. "Das Reich Gottes ist
mitten unter euch" Lk 17,21.Wenn er hier auch seine
eigene Person meinte, so dachte er ganz sicher
nicht griechisch-metaphysisch, sondern verstand
darunter das, was er tat. Reich Gottes ist nicht
eine fixe beschreibbare Grösse - als solche ware
sie Herrschaft legitimierend und sicher von Jesu
damaligen Gegnern akzeptabel gewesen - sondern eine
lebenspraktische Kategorie, keine Theorie, sondern
Praxis.
Was tat Jesus?
Er negierte bestehende gesellschaftliche Grenzen.
Er hielt dafUr, dass es ein mdchtiges Zeichen des
Reiches Gottes sei, wenn er sich mit Ausgestossenen,
gesellschaftlichen Minderheiten, wie damals
die mit den ROmern kollaborierende Milner, den
Dirnen usw. an einen Tisch setzte und mit ihnen
ass. Und tatsdchlich hat dieses Verhalten viel Dynamit
in sich. Man denke nur, wir Arden Ahnliches
tun, mit gewissen Kreisen verkehren, wUrde nicht
auch in unserm Bekanntenkreis entsprechedes GeflUster
laut werden? Jesus wusste, dass Reich Gottes,
das mitten unter uns ist, nur in Handlungszeichen
bei uns ist. Genau das wollen ja die synoptischen
Wundergeschichten klar machen. Genauso
sagen dies die Gleichnisse Jesu aus: Das Reich Gottes
ist nur in Zeichen da, wie der Samen ist es
da, aber dieser Samen iiberrascht uns durch die
Grosse des Baumes, den er hervorbringen wird; oder
das Feld, das beset wird, einiges geht zwar daneben,
geht nicht auf, aber das meiste bringt vielfache
Frucht. Das kleinste Zeichen, das man handelnd
setzt, verweist auf Gewaltiges, das kommen
wird.
B. JESUS, DER VERKUENDIGTE AUFERSTANDENE
Klassische Modelle der Theologie (Inkarnationsoder
auch die Aszendenztheologie) kOnnen sehr
leicht gesellschaftslegitimierend gebraucht werden.
Sie Lassen sich ohne weiteres umfunktionnieren in
Legitimation des Bestehenden, bestehender Herrschaft.
Es geht zwar um den geschundenen Knecht,
der aber als Herr das Happy-End des menschlichen
Lebens erreicht hat. Der Pantokrator legitimiert
die Kratie, die Herrschaft. An seinem Leib sind
die Spuren der Knechtschaft fast verschwunden oder
aber ver-herr-licht. Gott wird oberster Herrscher,
der Herrschaft delegiert, der zum Herrscher einsetzt
(Aszendenztheologie) zunachst den Sohn und
durch diesen all die grossen und kleinen, weltlichen
und kirchlichen Herrscher. Gerade weil der
Sohn Gottes vom Herrn zum Knecht wurde (Inkarnationstheologie),
um dadurch in seine eigentliche
Herr-schaft einzugehen, wird Herr und Knechtschaft,
Befehl und Gehorsam, Gehorsam bis zum Tod legitimiert.
Fur eine Theologie der Arbeitswelt ist solche
Theologie - falls sie keine Leerformel ist, was
sie heute meist ist - unannehmbar, da sie bestehende
Machtverhaltnisse legitimieren wUrde; herrschende
Konzerne und Banken und beherrschte Klassen
als den Willen Gottes ausgeben wUrde, der ja
genauso unerforschbar ist, wie die profitorientierten
Strategien der Top-Manager, fur den einfachen
Mann. Mit solcher Theologie wird der geknechtete,
schuftende, ausgebeutete Mensch auf ein herr-liches
Jenseits vertrOstet. Hier Knecht, jenseits
Herr (vom Herrn diesseits Weiss man es nicht so genau;
aber Herr bleibt Herr)
Tod und Auferstehung Jesu mUssen also in anderem
Lichte betrachtet werden, sollen sie VerkUndigung
sein fur die arbeitenden Menschen, befreiende, heilende
VerkUndigung.
C. VERSUCH EINER CHRISTOLOGIE ALS ANTWORT AUF DIE
AUFGEWORFENE SOTERIOLOGISCHEN*FRAGEN
1) Da es zuviele Herren auf der Welt gibt, die Elend
schaffen und von den Elenden profitieren,
wollen wir nichts mehr von Herren hdren, wenn wir
von Jesus Christus sprechen. Wir sagen daher auch
nicht mehr "Herr" zu ihm.
Wir brauchen nicht zu ihm zu kriechen.
Wir brauchen nicht vor ihm zu knien.
Er ist kein UnterdrUcker wie die Diktatoren, Geldbesitzer
und Prdsidenten. Er hat kein System, in
dem wir funktionieren sollen nicht einmal ein
kirchliches.
Er ist nicht Kyrios "Herr".
Er ist nicht Herr Direktor
Er ist nicht Herr Doktor
Er ist nicht Herr Pfarrer
Er ist nicht Herr President
Er ist nicht Herr Ingenieur
Er ist nicht Herr Meister
Er ist nicht Herr Vorarbeiter
Er ist Jesus
2) Jesus hatte komische Ideen. Er meinte, unsere
ungerechte Welt wUrde sich verdndern in eine gerechte
wundervolle Welt und die nannte er Reich
Gottes. Er war aber kein Traumer. Denn er sah ein,
dass das Reich Gottes nicht von alleine kommen
wUrde. Jeder sollte etwas tun. Er fing sogar damit
an. Er meinte in der neuen Welt dUrfe keiner
sQuatsch nicht! Das war immer so!«
Zeichnung: Wolter
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den andern verabscheuen oder hassen oder mit dem
anderen nichts zu tun haben wollen oder gar ausbeuten.
Und so redete er mit jedem, ass mit jedem,
hielt sich mit jedem auf.
Gott, sagte er, ist kein grausam gerechter Richter;
der alle Menschen unerbittlich nach ihren Taten
beurteilt, sondern er ist der "Vater", der immer
da ist fUr jedes seiner Kinder. Deshalb kann kein
einzelner und keine Gruppe von sich behaupten die
reine und auserlesene Gruppe zu sein.
Er rief die Menschen seiner Zeit auf, die ihre eigenen
Ideen hatten oder sich als Masse treiben
liessen, umzukehren, weg von ihrem gewohnten Leben
und seiner Botschaft zu glauben, ihm zu vertrauen,
dass das, was er verkUndete kommen werde und dass
es viel grosser sei, als das, was er fUr arme notleidende
Menschen tun kOnne. Das was er tat, wenn
er andern half, sah er als Zeichen an fUr das
Grosse, was da kommen werde.
Seine Botschaft brach ihm schliesslich das Genick.
Die Machtigen und die Frommen seiner Zeit konnten
sein Tun - Reich Gottes in kleinen Zeichen verwirklichen
- nicht ertragen:
- Im Namen Gottes zu verzeihen sei Gotteslasterung
- Mit SUndern und Randexistenzen (Milner, Huren)
ein Mahl zu halten und zu behaupten, das sei ein
Bild, wie Gott den armen und verkommenen Menschen
begegnet.
All das kbnne hdchstens eine besoffene Idee eines
Fressers und Saufers sein oder eines Gotteslasterers.
Weil Jesus aber darauf beharrte, dass alle so tun
sollten, wie er, und well er Anhanger hatte- vielleicht
nicht viele, aber doch so viele, dass er
lastig wurde- entschlossen die Herren sich, Jesus
aus dem Wege zu raumen. Er wurde hingerichtet wie
ein Sklave: nackt am Kreuz.
3) Die Herren hatten wieder gesiegt. Das System
hatte wieder recht. Aber da waren einige wenige
seiner Anhanger, die das zwar anfangs auch meinten
weshalb sie heimgingen (nach Emmaus etwa) oder
sich angstvoll versteckten vor dem Zugriff der Herren
hinter verriegelten TUren. Ihnen ging aber
plOtzlich ein Licht auf:
Das, was Jesus getan und gesagt hatte, war die Botschaft,
die aus Unmenschen (den Eroberern und Eroberten,
den Herren und Sklaven usw.) endlich Menschen
machen konnte.
Jesus war fUr seine Botschaft konsequent in den
Tod gegangen, hatte bis zuletzt zu seinem Tun und
Handeln gestanden.
Und es ging ihnen weiter auf:
Nicht die Herren und die Frommen haben recht, sondern
Jesus, der fUr seine Botschaft Ermordete.
Sollten die Herren weiter recht haben, wenn sie
unterdrUckten, aus dem Wege raumten und ermordeten,
dann wUrde es niemals MENSCHEN geben, sondern immer
nur Herren und Knechte. Da sie aber einsahen,
dass Jesus recht hatte, well all die Herren und
Knechte berufen sind, Menschen zu werden, gilt es
das laut zu verkUnden und sich auf die Seite dessen
zu stellen, der wirklich recht hat. Also verkUndeten
sie:- Jesus hat recht, er hat uns gezeigt,
was der MENSCH ist, ER SELBST IST DER MENSCH, wir
mUssen uns an ihm orientieren. Dies alles fassten
sie in dem Bekenntnis zusammen: "Gott hat Jesus
auferweckt".
(Das Thema Auferstehung beinhaltet selbstverstandlich
mehr als ich hier darlegen kann. FUr diesen
schon zu lang geratenen Artikel mag es genUgen)
D. FORDERUNGEN DER CHRISTOLOGIE AN DIE HEUTIGE
GESELLSCHAFT
Der Mensch ist immer noch nicht. Es gibt immer
noch Herren und Knechte: Kapitaleigner-Lohnempfanger;
Besitzende-Arme; Funktionare-Befehlsempfanger;
Bosse-Untergebene usw..
Der Mensch ist aber erst, wenn diese Unmenschen
nicht mehr sind. Eine erste Forderung mUsste demnach
lauten:
Kampf gegen das System des Unmenschen. Weg mit den
Grenzen, die uns hindern Mensch zu werden. Die
Menschwerdung ist die Vernichtung des Unmenschen.
Das Wie aber macht uns Kopfzerbrechen.
Zwar gibt es Heilstheorien,aber ihre Tauglichkeit
muss in Frage gestellt werden.
Der Kampf der UnterdrUckten gegen ihre Bedranger
ist legitim, ja muss stattfinden, wenn Uberhaupt
ein Schritt auf den Menschen zu getan werden soli.
FUr "katholische" Ohren grOber ausgedrUckt:
Klassenkampf muss sein.
Aber das Ziel kann nicht kommunistisch sein: eine
neue Herr-schaft,die Diktatur des Proletariats.
Damit entsteht doch nur der neue Unmensch; andere
Herren, neue Knechte.
Das Ziel kann nur die Umkehr der Herzen sein, die
Vernichtung der Gesinnung: Herr ist Herr und Max
ist Max.
Das Ziel kann nur Abscheu sein vor der Ausbeutung,
vor dem Vernichtungstrieb, vor dem Kriegen und
Morden und der RUstung dazu.
(Die Gesinnung ist keine Privatsache, sondern wird
gesellschaftlich vermittelt)
Nicht ein neuer Herr und neue Knechte schaffen eine
neue Welt, sondern nur der neue Mensch, gefunden
in Christus.
Ein langsames Fortschreiten vom Unmenschen zum
Menschen ist eine Utopie. Der Mensch entwickelt
sich nicht in der Geschichte vom "Wilden" zum Menschen.
Die Gesellschaft entwickelt sich nicht
durch kleine Schritte zur klassenlosen Gesellschaft
Kleine Schritte mOgen das Unrecht kleiner machen,
aber das kleinere Unrecht ist noch kein Recht.
Der Sozialismus sieht wohl das Ziel, das zu erreichen
ware und kampft auch dafUr, vergisst aber dar-
Uber die Radikalitat der Forderung,Mensch zu werden.
Es gibt ihn eben nicht,den halben Unmenschen
oder den halben Menschen. Es ist sinnlos einen
Bruder-Herrn oder Bruder-Knecht zUchten zu wollen.
Entweder ist man MOrder oder man ist es nicht. Es
gibt den guten MOrder nicht: Niemand kann zwei
Herren dienen.
Mensch sein kann nur in die Welt hereinbrechen,
gewaltsam, gewaltig. Neue Werte mUssen gelten:
Solidaritat, Respekt, Teilen, Geben, Vergeben, Einstehen
usw. Wo immer einer solidarisch ist, wo einer
den anderen respektiert, wo einer teilt, usw.
bricht der Mensch ins Unmenschtum ein, ganz und
radikal.
FUr Christen gilt hier vorrangig die Orientierung
an Jesus, sei es durch Erfassen, wie und wer er
war, sei es durch Erinnerungssymbole (Nur Symbole
kOnnen uns vermitteln, was der Mensch ist im Gegensatz
zum Unmenschen, da in ihnen die Radikalitat
enthalten ist).
Wenig StUtze sind leider die Kirchen als Institutionen,
da diese sich selbst nach dem Herrn und
Knecht Schema richten und Jesus ihnen oft zur
Leerformel wird.
Schmitz Ren6
* Soteriologie: Heilslehre
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