Georges Hengesch, Barbara Veit
forum-Gespräch mit Barbara über die Möglichkeiten grüner Politik
g.h.: Welche Chancen sehen Sie in der bestehenden Alternativszene? Kann sie Vorbild sein, oder ist es vielmehr so, dass die grosse Mehrheit
der Bevölkerung die ganze Alternativszene in eine grüne oder rote Schublade drängt und dann gar nichts mehr von all diesen Problemen
und Warnungen, die Sie in ihrem Buch beschreiben, hören will?
B.V.: Die Gefahr hat es sicher eine Zeitlang gegeben ...
g.h.: Welche Chancen sehen Sie in der bestehenden Alternativszene? Kann sie Vorbild sein, oder ist es vielmehr so, dass die grosse Mehrheit
der Bevölkerung die ganze Alternativszene in eine grüne oder rote Schublade drängt und dann gar nichts mehr von all diesen Problemen
und Warnungen, die Sie in ihrem Buch beschreiben, hören will?
B.V.: Die Gefahr hat es sicher eine Zeitlang gegeben, als die Grünen begannen, politische Erfolge zu haben. Nun ist es speziell in der BRD
so, dass die Grünen dermassen stark sind. Die Gefahr ist sicher gegeben, dass die Alternativszene in eine gewisse Ecke verdrängt und diffamiert
wird. Natürlich hatte sie auch selbst Mühe, sich darzustellen und sich den andern in irgendeiner Weise zu vermitteln. Wir alle erschrecken ja immer,
wenn einer ganz anders arbeitet, lebt oder aussieht. Das weiss man ja noch aus den 6oer Jahren mit der Studentenrevolte; das hat es immer
gegeben. Ich glaube aber, dass die Entwicklung inzwischen dahin geht - und das sieht man auch an den Wahlergebnissen - dass die Grünen durchaus nicht mehr in eine Ecke gedrängt werden, sondern immer mehr Menschen sich der Richtigkeit dieses politischen Versuchs bewusst werden. Und inzwischen
leben viele Menschen ouch direkter mit
den Alternativen. Ueberall gibt es z.B. Laden,
in denen es Naturkost gibt, wo die Menschenwieder
miteinander reden. Ich glaube, dass die Vorurteile
schon erheblich weniger geworden sind. Hier
ist die eigentlich revolutionare Kraft, die
sanfte revolutionare Kraft der Zukunft.
g.h.:Meinen Sie jetzt die gesamte Alternativszene
oder speziell die GrUnen?
B.V.:Die GrUnen bestehen ja im Grunde genommen
aus unheimlich vielen Facetten. Die GrUnen
sind Ja eigentlich keine richtige Partei, sie
sind ja derart aufgespiittert. Und das ist gerade
das Positive daran. Es ist jetzt allerdings unbedingt
notwendig, dass daraus kein totalitares
System entsteht. Genau dagegen wehren sich die
GrUnen ja besonders.
g.h.:In Ihrer Kritik des Konsumismus zitieren
sie Erich Fromm, der den Bogen vom Normalkonsum
von GUtern zum Konsum von Politikern
schlagt ( "Wir wahlen politische Vertreter, die
wir weder brauchen noch wollen wUrden, wenn wir
bei vollem Verstand waren.") WUrden Sie diese
Aussageauchauf die aktuelle politische Landschaft
beziehen?
6.V./Aber natUrlich! Ich meine, wenn die Menschen
nicht vbllig zugedeckt waren von Traditionen
und Konsum und Angst v.a. vor Veranderung,
dann wUrden sie sicher nicht jemanden wie
Reagan oder Frau Thatcher oder ouch Herrn Kohl
wahlen. Herr Kohl versucht ja offensichtlich,
uns in die 5oer Jahre zurUckzufUhren, was Ja wirklich
beim besten Willen nicht zu machen ist.
Die Probleme sind derart drangend, doss so eine
unentschlossene Regierung mit so wenig Alternativvorschlagen
eigentlich niemand, der bei vollem
Verstand ist, wahlen kann. Aber es ist ja heute
so, doss Politiker wie Hamburger angepriesen werden.
Wenn Sie die Wahlplakate sehen, stellt man
keinen Unterschied mehr fest: es geht ja nicht
mehr um Ideen oder um Programme. Ideen und Programme
haben erst wieder die GrUnen reingebracht:
sie bieten Argumente und Programme und keine Leute,
keine Hamburger an. Und dos erschreckt ja
ouch die etablierten Parteien. Deswegen andert
sichauchwas!
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