Von geteilter Arbeit zur Arbeitsteilung
Die Entwicklung der heutigen Arbeitsverhältnisse
Waren die Arbeitsverhaltnisse immer so, wie die klassischen Denksche-mata sie vermitteln? Haben die Manner und die Frauen immer räumlich voneinander getrennt gearbeitet, die einen ausser Hauses und bezahlt, die anderen im Haus und ohne Lohn? Kann man die Behauptung auf-stellen, dass die Hausarbeit sich erst mit und durch die aufkommende
Lohnarbeit entwickelt hat? Welche Versuche wurden gemacht, ...
Waren die Arbeitsverhaltnisse immer so, wie die klassischen Denksche-mata sie vermitteln? Haben die Manner und die Frauen immer räumlich voneinander getrennt gearbeitet, die einen ausser Hauses und bezahlt, die anderen im Haus und ohne Lohn? Kann man die Behauptung auf-stellen, dass die Hausarbeit sich erst mit und durch die aufkommende
Lohnarbeit entwickelt hat? Welche Versuche wurden gemacht, un denen im Haushalt arbeitenden zu helfen und sie ihrer Isolation zu entreissen? Wie ist die Situation heute? Bedeutet die Arbeitszeitverkürzung ein Mehr an Freizeitmöglichkeiten für Mann und Frau?
Fragen eines lesenden Arbeiters
Wer baute das siebentorige Theben?
In den Büchern stehen die Namen von Königen.
Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?
Und das mehrmals zerstörte Babylon -
Wer baute es so viele Male auf? In welchen Häusern
Des goldstrahlenden Lima wohnten die Bauleute?
Wohin gingen an dem Abend, wo die chinesische
Mauer fertig war
Die Maurer? Das grosse Rom
1st voll von Triumphbbgen. Wer errichtete sie?
Ueber wen triumphierten die Caesaren? Hatte das
vielbesungene Byzanz nur Palaste fUr seine
Bewohner? Selbst in dem sagenhaften
Atlantis
BrUllten in der Nacht, wo das Meer es verschlang
Die Ersaufenden nach ihren Sklaven.
Der junge Alexander eroberte Indien.
Er allein?
Caesar schlug die Gallier.
Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?
Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte
Untergegangen war. Weinte sonst niemand?
Friedrich der Zweite siegte im Siebenjahrigen
Krieg. Wer siegte ausser ihm?
Jede Seite ein Sieg.
Wer kochte den Siegesschmaus?
Alle zehn Jahre ein grosser Mann.
Wer bezahlte die Spesen?
So viele Berichte.
So viele Fragen.
Bertolt Brecht
Wenn ich meinem Beitrag Brechts "Fragen eines
lesenden Arbeiters" voranstelle, dann nicht umsonst,
da si p doch ein typisches Beispiel fUr
literarisch festgehaltene "geschlechtsspezifische
Arbeitsteilung" sind. Wer hat denn die Manner geboren,
die das siebentorige Theben bauten? Wer hat
die Kinder grossgezogen, die das mehrmals zerstdrte
Babylon wieder aufbauten? Wer lag nachts hei
den Bauleuten des goldstrahlenden Lima? Bauten
nicht vielleicht Chinas Frauen mit an der grossen
Mauer? Wer weinte um die, Uber die die Caesaren
triumphierten? Verschlang das Meer nur Manner? Mit
wem zwangsverheiratete Alexander denn seine Offiziere?
Auch Caesars Koch hatte wenigstens eine
Mutter. Als Philipp von Spanien weinte, lachte
da nicht eine Elisabeth?
Es ist aber mUssig, zu versuchen, die Fragen
Bertolt Brechts im Sinne einer lesenden Arbeiterin
.umzuformulieren, wenn sic sich nor um Krieg und
Ausbeutung drehen. Die Frage bleibt, ob es denn
10
DOSS)
nirgends eine Zeit gegeben hat, in der Mann und
Frau zusammengearbeitet und gekampft haben, in der
sie Arbeit und Leben teilten, jeder nach seinem
Kbnnen und Wollen, ohne dass nur der eine von ihnen
in die Geschichte eingeht und beim Dichter Erwahnung
findet und die andere versinkt in die
anonyme Masse der Unbekannten und Sprachlosen? In
der Tat ist noch jemand unbekannter als der unbekannte
Soldat: seine Frau.
Es wird aufzuzeigen sein, dass die geschlechtsspezifische
Arbeitsteilung, wie wir sie heute kennen,.
nicht "naturgegeben, sondern erziehungs- und
traditionsbedingt" ist" (BHS,* 3/81, S.76). Verarbeitet
wurde ein Artikel von Michael Mitterauer
"Gesch)echtsspezifische Arbeitsteilung in vorindus.
trieller Zeit" (BHS, 3/81, S.77 ff) und ein Bei
trag von Reinhard Sieder "Hausarbeit oder: die
'andere Seite der Lohnarbeit" (BHS, 3/81, S.90ff)
1. Biosoziale Ursachen
Mitterauer unterstreicht, dass "geschlechtsspezifische
Arbeitsteilung keine anthropologische Konstante
ist" (S.78). In der Tat gelten auf der ganzen
Welt bestimmte Arbeiten als typisch weiblich,
andere als den Mannern vorbehalten. "Tatigkeiten,
die generell dem Mann zugewiesen werden, sind besonders
risikoreich, erfordern eine raumliche
Entfernung vom jeweiligen Wohnplatz, bewirken eine
hohe physische Belastung und bedUrfen einer
kontinuierlichen AusUbung Uber langere Zeit. Umgekehrt
{asst sich fdr die speeifisch weiblichen
Tatigkeiten feststellen, dass sie weniger gefahrdend
sind, dass sie unmittelbar am Wohnplatz bzw.
in dessen nachster Umgebung ausgeibt werden kbnnen,
dass sie weniger Kbrperkraft erfordern und dass
sie sich leichter unterbrechen lassen" (S.78).
Man wies den Frauen also vorwiegend Aufgabenbereiche
zu, die ihr haufige Schwangerschaften und
lange Stillzeiten ermbglichen. Nach der Ausrottung
der Hebammen durch die Hexenprozesse und mit ihnen
ihr Wissen um EmpfangnisverhUtung, waren die
Frauen im Durchschnitt lo bis 15 Mal im Leben
schwanger. Trotzdem heirateten die Frauen in
West- und Mitteleuropa im Durchschnitt um die
Mitte 20, also rund 10 Jahre spater als die Frauen
im Mittelmeerraum. Wahrend dieser zehn "ledigen'
Jahre Ubten sie vor allem Aussentatigkeiten
aus, die eine verheiratete Frau nicht mehr wahrnehmen
konnte und/oder durfte (Sennerei, Fischerei,
Transportwesen). Es bestand oft kein Unterschied
zwischen den Arbeiten dieser ledigen Frauen
und den Tatigkeiten jUngerer Manner.
Auch mUssen wir uns von der Vorstellung befreien,
dass die Frauen immer mit ihrer ausserhauslichen
Arbeit aufhbrten, wenn sie Kinder bekamen.
"Stillzeiten konnten durch den frUhen Uebergang
zu Kuhmilch radikal verkUrzt v,erden. Obwohl sich
dadurch die Kindersterblichkeit erhbhte, wahlte
man vielfach im Interesse des Arbeitseinsatzes
der Mutter diesen Weg. Das Stillen von Kindern
musste Uberhaupt nicht durch die leibliche Mutter
erfolgen. In manchen Gegenden Europas war das
Ammenwesen stark verbreitet und keineswegs nur
in den Oberschichten. Als einer der GrUnde
diese Kindesweggabe wird das Interesse an
einer kontinuierlichen Arbeitstatigkeit der Frau
genannt. In Lyon wurde etwa ein Drittel aller
Sauglinge zu Ammen aufs Land gegeben, weil ihre
in der Seidenverarbeitung tbtigen MUtter keine
* BHS: Beitrage zur historischen Sozialkunde,
Wolfgang Neugebauer Verlag, Salzburg
in: insel taschenbuch 745
Zeit fUr sie hatten. Die Sterblichkeit unter
diesen Kindern war sehr hoch. Grundsatzlich lasst
sich sagen, dass in der alteuropaischen Gesellschaft
Interessenskonflikte keineswegs durchgehend
zugunsten des Ueberlebens der Kinder entschieden
wurde oder entschieden werden konnte.
Die Zusammenhange zwischen Arbeitsbelastung der
MUtter und Kindersterblichkeit waren den Zeitgenossen
vielfach bewusst. "Wenn die Seidenraupen
wachsen, gehen die kleinen Kinder ins Paradies",
lautet ein aus SUdfrankreich Uberliefertes Sprichwort.
(S. 79)
Gewisse Tatigkeiten der Manner werden fUr MUtter
oder schwangere Frauen unmbglich , wenn sie
lange Abwesenheit von zu Hause mitsichbringen
(Meeresfischerei, z.B.) oder grosse Wendigkeit
verlangen, wie die Jagd. Trotzdem konnten die
meisten Arbeiten auf den Bauernhbfen und umso
mehr im stadtischen Handel und Handwerk problemlos
von schwangeren oder stillenden Frauen verrichtet
werden.
Gab es denn eigentlich auch Aufgabenbereiche, an
denen die Manner nicht teilhatten? Lange Zeit
war die Gynakologie eine ausschliesslich weiblichE
Domane, weil es im Mittelalter mancherorts den
Mannern bei Todesstrafe verboten war, Frauenmedizin
zu praktizieren. In anderen Gebieten, wie
der weiterverarbeitenden Textilindustrie gab es
sehr wenig Manner, weil die Frauen anscheinend
dafUr eine grbssere Geschicklichkeit besassen.
Mitterauer aber hebt hervor, dass Uberall dort,
wo man die kleinen Jungen frUh in den feinen
Textilarbeiten unterrichtete, sie genauso geschickt
und behend waren wie die Frauen.
Bei den meisten Arbeitsvorgangen scheint es also
schwierig, biosoziale Ursachen fUr die geschlechtsspezifische
Arbeitsteilung zu finden. Lediglich
kbrperlich anstrengende Arbeiten oder Tatigkeiten,
die einen langere Zeit von zu Hause fernhielten,
schienen den Frauen vorenthalten, wahrend sie
in der Nahe von Haus, Hof, Betrieb ziemlich alle
Arbeitsgange verrichten konnten.
2. Soziale Wertunt en
"Wahrend der weitgehende Ausschluss von Frauen aus
manchen mannlichen Tatigkeitsbereichen als sinnvoile
soziale Reaktion auf biologische Unterschiede
gesehen werden kann, ist dies umgekehrt nicht
der Fall. Es gab keine vernUnftigen GrUnde, warum
Manner von Tatigkeiten wie Kochen, Waschewaschen,
Hausreinigen u.a. ausgeschlossen sein
ten, wie das fUr die meisten historischen Gesell-
11
DOSSIER
schaften zutrifft. Die Ausgrenzung eines spezifisch
weiblichen Tatigkeitsbereiches scheint mehr
noch als die eines mannlichen die Folge von kulturellen
Wertungen gewesen zu sein. Aufgrund
bkonomisch rationaler Kriterien festgelegte Zuordnungen
von Arbeitsbereichen bewirken kulturelle
Definitionen von Mannlichkeit und Weiblichkeit,
die dann eine gewisse Eigendynamik entwickeln und
sich weit Uber ihre Entstehungsbedingungen hinaus
erhalten." (S.80)
So wird in der Tat jede Mannerarbeit als wichtig
und ehrenwert angesehen, was bei Frauenarbeit
noch lange nicht immer der Fall ist. FUr Manner
wird Frauenarbeit erst ehrenvoll, wenn sie fUr die
gleiche Arbeit, die Frauen Tag fur Tag umsonst
machen, bezahlt werden: so ist Koch ein ehrenwerter
Beruf, ebenso wie Fensterputzer z.B. Fine
Frau, die dieselben Arbeiten verrichtet, ist "nur-
Hausfrau". Als schlimmstes Schimpfwort galt im
frUhen 20. Jh. in Finnland das Wort "knappsu",
das bedeutet "einen Mann mit weiblichen Interessen
und weiblichem Auftreten. Im Vergleich dazu
sind Massenmbrder oder Hochstapler oder RUckfallsdieb
als Ehrentitel zu werten" (Orvar Tofgren,
Arbeitsteilung und Geschlechtsrollen in Schweden,
Ehtnologia Scandinavia, 1975, S. 64ff).
Ueberall, wo Manner mehr als nor zeitweilig "Frauenarbeit"
verrichten, werden sie belachelt und diskriminiert.
Und trotzdem gibt es ausreichend Beispiele,
wo ein Uebergang von Frauenarbeit auf die
Manner stattgefunden und sich stabilisiert hat.
Mitterauer fUhrt das auf verschiedene Ursachen
zurUck, wie z.B. eine "technische Innovation, die
eine wesentliche Veranderung des Arbeitsvorganges
bedeutete" (S.82): der Uebergang von der Hand -
zur WassermUhle, die EinfUhrung des Pflugs, oder
die VerknUpfung eines Berufes mit hohem Prestige,
wie herrschaftlicher Koch, z.B. Auch scheinen die
Manner weibliche Tatigkeitsbereiche Ubernommen zu
haben, wenn sie hbhe Ertrage abzuwerfen begannen
oder wertvollere Materialien verarbeiteten. "So
durften die Naherinnen vielfach mit Leinenstoff
arbeiten. Das Wolltuch blieb den Schneidern vorbehalten"
(S.82).
Besonders ertragreich war in der landlichen Heimindustrie
das typisch weibliche Gebiet des Spinnens.
Aus diesem Grund sind uns zumal aus Unterschichten
Beispiele bekannt, wo Manner die Haushaltsarbeiten
Ubernommen haben, um ihren Frauen die notwendige
Zeit zum Spinnen zu Uberlassen. Besonders verbreitet
war die "Mitarbeit der Frauen im gemeinsam
gefUhrten Familienbetrieb, und zwar besonders bei
all den Tatigkeiten, die im Haushalt ohnehin von
den Frauen allein verrichtet wurden, wie das
Weben oder Backen. Auch halfen die Frauen haufig
in den Handelsbetrieben oder Kaufhausern mit, allerdings:
"Den Kriterien geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung
entsprechend konzentrierte sich die
Frauenarbeit auf die innerhauslichen Mbglichkeiten,
etwa auf Tatigkeiten im Kontor. Handelsfahrten
als Aussenarbeit waren grundsatzlich Sache des
Mannes" (S.85).
Trotzdem sowohl auf dem Land als auch im ganzen
stadtischen Bereich der Anteil der Frauenerwerbsarbeit
betrachtlich war und ihr Arbeitseinsatz dem
der Manner um nichts nachstand, gab es lout Mitterauer
keine Frauenberufe im modernen Sinn, weil' sie
"haufig eng mit hauswirtschaftlichen Tatigkeiten
verflochten waren und nicht kontinuierlich ausge-
Ubt wurden" (S.85).
Aber nicht nor weil diese Tatigkeiten nicht bestandig
zum Unterhalt der Familie beigetragen haben,
waren sie weniger prestigetrachtig als die des
Mannes. "Generell wird man sagen kOnnen: Die Bewertung
der Frau und ihrer Arbeit h3ngt nicht so sehr
von deren realer Bedeutung flit- den Lebensunterhalt
ab, als von tradierten Wertvorstellungen der jeweiligen
Oeffentlichkeit. Wird nach diesen die Frau
minder eingestuft, so wirkt das ouch auf ihre
Arbeit zurUck. (Nun hat aber) in einer von Mannern
dominierten Oeffentlichkeit die tatsachliche Bedeutung
weiblicher Arbeit fUr deren Bewertung wenig
Relevanz. Die generelle Minderbewertung weiblicher
Arbeit, die sich im interkulturellen Vergleich
nachweisen lasst, ist eine Folge der Vorherrschaft
von Mannern in der oeffentlichen Meinung " (S.86).
Massgeblich fUr die Wertvorstellungen in einer
Gesellschaft ist die Stellung derjenigen, die sie
schaffen. Doss politische Aktivitaten frUher ausschliesslich
und heute majoritar von Mannern ausgeUbt
werden, flihrt Mitterauer au[ den historisch
und anthropologisch belegbaren Weg Heeresversammlung
--4 Gerichtsversammlung politische Versammlung
zurUck. Da die Frauen von militarischen
Aktivitaten ausgeschlossen waren, wurden sie ouch
vompolitischen Bereich ferngehalten: sogar wo
ihnen (als Herrscherin etwa) eine Mannerdomane
zustand, blieben die "zentralen Flihrungspositionen"
Mannern vorbehalten.
Mit der in der Industriegesellschaft aufkommenden
Frauenerwerbsarbeit ausser Houses ist es dennoch
nicht zu einer Aufwertung des Status der Frau
gekommen und manche Berufe werden heute noch mit
einem leichten Lacheln als Frauenberufe abgewertet
und die Manner, die sie ausUben, nicht ganz
fUr voll genommen. Frauen aber, die in die sogenannten
Mannerberufe vorstossen wollen, treffen
noch heute auf ungeahnte Schwierigkeiten und
werden zuerst einmal nach ihrem Aussehen und donn
nach ihrem Kbnnen beurteilt, und manche sind
Uberrascht, wenn sie trotzdem (!) tUchtig sind.
Zusammenfassend wollen wir noch einmal die
Hauptthesen Mitterauers festhalten:
1) Es kam zur geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung,
und dies in alien Kontinenten und zu
allen historischen Epochen, well die Gesellschaft
den Frauen Arbeiten in der Nahe ihres Wohnbereiches
zuwies, die ihnen haufige Schwangerschaften
und lange Stillzeiten ermdglichten.
2) Es gab ouch aber die Wertvorstellungen einer
mannerdominierten Gesellschaft, die die Frauen
in Aufgabenbereiche einschr5nkten, die noch heute
als typisch weiblich gelten und jedenfalls welt
entfernt von den Hebeln der politischen Mocht
sind.
3) Da ein solcher Sachverhalt ausserst bequem
fUr die Manner ist, erfUllt er doch den doppelten
Zweck, ihnen eine kostenlose Haushalterin und
Kinderamme zu verschaffen, und ihnen die "chasse
gardee" der einflussreichen Positionen allein zu
Uberlassen, andert er sich auch mit dem verstarkten
Eintreten der Frauen in alle Berufssparten
nicht.
3. Mai geschichtEzhe Entwicklung der Fk..;usarbeit
1. Der Weg von der Frau zur Haus-Frau
Durch die meistens raumlich eng beieinanderliegenden
Arbeitsorte der Frauen, ihre Wohnung und ihr
Arbeitsplatz, waren Haus- und Erwerbsarbeit in
vorindustrieller Zeit meistens eng miteinander verbunden
und kbnnen fUr diese Epoche nicht getrennt
12
OSSIEI 111111111111111111111111
werden. Herstellen von Lebensmitteln, Kleidung,
Gebrauchsgegenstanden, all diese Tatigkeiten
"waren evidenter Bestandteil eines Wirtschaftsbetriebs
und nicht - wie heute - 'unsichtbare'
Dienstleistung an Mann und Kindern." (S.91). Erst
mit dem Aufkommen der Massenlohnarbeit kommt es
auch zur Hausarbeit, "(deren) Wesen sich aus ihrem
spezifischen Verhaltnis zur Lohnarbeit ergibt.
Wahrend diese verge9ellschaftet ist und Arbeitskraft
gegen Lohn oder Gehalt verausgabt, stellt
Hausarbeit im privaten Bereich von Haushalt und
Familie unentlohnte Arbeitskraft her: durch Geburt,
Aufzucht und Erziehung kUnftiger Arbeitskrafte
ebenso wie durch die taglich notwendigen
Arbeiten zur kdrperlichen und seelischen Regeneration
der arbeitenden Menschen. Hausarbeit, in
diesem umfassenden Sinn auch als 'Reproduktionsarbeit
bezeichnet, ist also an die massenhafte
Existenz von Lohnarbeitsverhaltnissen gebunden.
Damit itsie als Arbeit der ganz dberwiegenden
Mehrzahl der Frauen so jung wie die Durchsetzung
der Lohnabhangigkeit fUr die Mehrzahl der Erwerbstatigen"
(S.90).
Je mehr Markt und Handel GUter anboten, die bis
dahin von den Frauen produziert wurden, umso
weniger mussten diese produzieren und umso mehr
wurden ihnen wichtige Aufgabenbereiche entzogen.
Zeitlich parallel zu dieser Entwicklung kam es
zur Aufwertung der Frau in ihrer Rolle als Mutter
und Erzieherin. Je mehr die Frau als Gattin und
Mutter an das Haus und an ihre Kinder gebunden
wird, mit all dem emotionalen Ballast, den das
oft beinhaltet, umso starker geht ihr wirtschaftlicher
Einfluss quantitativ und qualitativ zurUck,
Diese Entwicklung ist sozialgeschichtlich von
fundamentaler Bedeutung. Die alte Hauswirtschaft
lbst sich auf, die Lohnarbeit ausser Hauses setzt
sich verstarkt durch und es kommt zur raumlichen
Trennung von Wohn- und Arbeitsort. Diese Trennung
fUhrt dazu, dass die Arbeit des Mannes sich ausserhalb
der Familie verlagert und aufgewertet
wird, wahrend die Frau "domestiziert", d.h. auf
ihre Aufgabe in Heim und Familie eingeschrankt
wird.
Wie immer, wenn sich so ein tiefer Strukturwandel
vollzieht, ist es notwendig, ihn ideologisch zu
zementieren. Die immer lieber und haufiger gelesenen
Romane trugen vom frdhen 19. Jh. das ihre
dazu bei, dem Mann die Attribute stark, tapfer,
rational und der Frau die Eigenschaften schutzbedUrftig,
unselbststandig, emotional zuzuschreiben.
Diese Eigenschaften verlangten von ihren
Tragern ein entsprechendes Benehmen, so dass
nach einiger Zeit die Manner und die Frauen sich
schliesslich so benahmen wie die Erziehung und die
Gesellschaft es von ihnen verlangte. Jedes Uebertreten
dieser Regeln (etwa ein Mann, der Warme
und Zartlichkeit zeigt, eine Frau, die ihren
Mann ! steht), wirkt(e) lacherlich und wurde nur
als Ausnahme,die die Regel bestatigt, geduldet.
In den bUrgerlichen Kreisen des 19. Jh. liessen
die Frauen ihre Hausarbeit von Dienstpersonal
verrichten und ihre Tatigkeit beschrankte sich
schliesslich ausschliesslich auf Reprasentation
und Reproduktion, beides unbezahlte Aktivitaten.
Frauen der unteren Schichten verdingten sich oft
als Hauspersonal und verrichteten Hausarbeiten
als Kbchinnen oder Stubenmadchen gegen Lohn.
Auch gab es viele Frauen, die Zimmer oder our
Betten an Untermieter weitergaben. Auch ihre
Arbeit kann man zur bezahlten Hausarbeit rechnen.
Au der Jahrhundertwende aber nahmen das hausliche
Dienstpersonalwesen, das Bettgehertum und einige
selbststandige "Haushaltsdienstleistungsberufe"
(wie Wascherinnen z.B.) sehr stark ab und damit
verlor die bezahlte Hausarbeit an Bedeutung. An
ihre Stelle trat fUr die Frauen der unteren
Schichten die Lohnarbeit ausserhalb eines privaten
Haushaltes, was einen vordergrUndigen Vorteil
beinhaltete: die Lohnarbeit ermbglichte eine Eheschliessung.
Viele Frauen, die bis dahin fUr andere
Leute gegen Loon gewaschen, geputzt und gekocht
hatten, "taten es jetzt aus Liebe' (und
gratis!) fur ihren Mann und ihre Kinder "(S.92).
Die Mbglichkeit zu heiraten, aber auch der acht-
Stunden-Tag in der Industrie, die absolut unpersbnliche
Beziehung zu einem Arbeitgeber machten
die ausserhausliche Lohnarbeit attraktiv. Also
mussten immer mehr Frauen der BUrgerschicht ihre
Hausarbeit ohne Personal (und weiterhin ohne
Lohn verrichten. "Trotz der materiellen Unterschiede,
dem Zwang zur Doppelrolle durch Hausarbeit und
Erwerbstatigkeit in den unteren Schichten und
trotz technischer Entlastung der Hausarbeit bUrgerlicher
Frauen kann also von einer gewissen Homogenisierung
von den Arbeitsbedingungen der Frauen
gesprochen werden. Die bUrgerliche Frau und das
ehemalige Dienstmadchen, beide verrichten unentgeltliche
Hausarbeit". (S. 92)
Entlohnung_der Hausarbeit?
Eine logische Schlussfolgerung drangt sich nun
auf, die ouch von der frUhen Frauenbewegung gezogen
wurde. Hausarbeit und Kindererziehung sind nun
einmal fUr das Funktionieren und Weiterbestehen
der Gesellschaft unerlasslich. Die Manner kbnnen
sich nur dem beruflichen und bffentlichen Leben
widmen, well zu House jemand ihnen die Unterhosen
wascht und die Hemden bUgelt: also muss die Hausarbeit
entlohnt werden. Wenn diese Forderung um
die Jahrhundertwende unierhOrt war und heute noch
immer zu emotionsgeladenen Diskussionen Anlass
13
Staubsauger von 1909 uncl Nilimasclus' le von 1890
gibt, aber auch heute noch immer nicht verwirklicht
ist, riskiert sie einen wichtigen Sachverhalt
zu verschleiern: die Tatsache dass die Hausarbeit
nur durch Frauen zu verrichten ist, wird
nirgends und von niemand in Frage gestellt. Heute
wird aber immer mehr auf die Gefahr hingewiesen,
die durch die Entlohnung der Hausarbeit entstehen
wUrde: die Frau wijrde umso mehr an das Haus gebunden
und kdnnte nicht einmal mehr den Wunsch nach
einem eigenen Einkommen als Ursache fUr eine
ausserhausliche Tatigkeit angeben.
Diese Frage wird wohl erst gerecht gelbst werden
kbnnen, wenn die Aufteilung der Hausarbeit zwischen
Mann und Frau, und damit auch die Reduzierung
ihrer ausserhauslichen Berufstatigkeit, geregelt
ist.
Rationalisierung der Hausarbeit?
Wir alle kennen die Bilder der alten KUchen unserer
GrossmUtter (warum eigentlich nicht Grossvater?):
ein gemUtliches Chaos von Tbpfen, Schranken,
Kannen, Krautern, tiefen Lampen, dem Herd
mit den schweren BUgeleisen. Als am Anfang des 20.
Jh. besonders in den USA der Taylorismus, "die
wissenschaftliche BetriebsfUhrung" mit dem Ziel
durch Rationalisierung der Arbeitsmethoden einen
grbsstmbglichen Profit zu erzielen, semen Siegeszug
durch die industriellen Unternehmen antrat,
sollte diese Erkenntnis ouch auf den privaten
Haushalt angewendet werden. Wie in der Industrie
eine hbhere Produktivitat durch Zerlegung einer
Arbeit in einzelne Gesten erreicht werden sollte,
so sollte auch dos Prinzip der "efficiency" in
der KUche durchgesetzt werden. "Die Idee war, die
KUche vom 'Schmuckkastchen in eine 'Werkstatt'
umzuwandeln." (S.93)
Zweckmassigkeit, Einfachheit, klare Linien setzten
sich durch, nicht nur in der KUche, sondern ouch
im Wohnbereich. Ueberall wurde Arbeitsersparnis
angestrebt. Doch was in der Industrie den Zweck
der Kostenreduzierung visiert, kann mit der Motivation
im Haushalt nicht funktionieren, du dort
keine Ldhne gezahlt und keine Produkte hergestellt
werden, die mbglichst billig nach aussen verkauft
werden sollen.
Und so entwickelte sich die "Taylorisierung" des
Haushalts, die ursprUnglich als Hilfe fUr die Hausfrau
gedacht war, zu einer weiteren subtilen
Fessel. Durch die Rationalisierung und die zunehmende
Technisierung entstand mehr Freizeit
und ein grbsserer Freiraum fUr die Frau. Womit
den mbblieren? Da sich nun schon wissenschaftli
che Methoden in diesen Bereich eingeschlichen
hatten, warum nicht in dieser Richtung weiterfahren?
Haushaltsschulen kamen auf, pseudowissenschaftliche
Artikel Uber Ernahrung, Medizin oder
Padagogik tauchten immer haufiger in den Zeitschriften
auf. "Durch die 'Verwissenschaftlichung'
und Hervorhebung des 'ideellen' Zwecks von Haushalt
und Hausarbeit sollte der fehlende bkonomische
Anreiz ersetzt werden und Hausarbeit als
geistig anspruchsvolle, auch fUr gebildete Frauen
akzeptable Arbeit dargestellt werden. Den Anspruch
auf Entlohnung der Hausarbeit haben die Vertreterinnen
der Rationalisierungsbewegung explizit
abgelehnt. Dos Kriterium fUr den 'Erfolg' von
Hausarbeit sei nicht ihre Bezahlung, sondern dos
Wohlbefinden, die GemUtlichkeit, die Zufriedenheit
und dos GlUck der Familienmitglieder. Ein
Gewinn, der sich nicht in Geldwert angeben liesse.
Mit anderen Worten: Liebe ersetze den Lohn fijr
Hausarbeit." (S.94)
Die Ablehnung der weiblichen Berufsarbeit verlief
im 19. Jh. quer durch alle sozialen Schichten und
politische Gruppen. Adel, KleinbUrgertum, Klerus,
Sozialdemokraten und Sozialisten waren sich einig
in der Auffassung, dassdie Frau vornehmlich Haus-
Frau sein sollte, wenn ouch die Motivationen dieser
Schichten und Gruppen verschieden waren."Wenn
es der ersten Gruppe vor allem um die Verteidigung
wirtschaftlicher Interessen (namlich die Konkurrenzfahigkeit
der Klein- und Mittelbetriebe gegen-
Uber der Grossindustrie, die mit bil)igen weiblichen
Arbeitskraften zusatzliche Produktionsvorteile
besass), aber natUrlich ouch um die Bewahrung
ihrer Auffassung von Familie zu tun war, war andererseits
die Angst um die Arbeitsplatze der
Manner, vor Lohndruck und vblligem Zerfall der
proletarischen Familie bestimmend fUr die Haltung
mancher sozialistischer Theoretiker." (Birgit
Bolognese-EeuchtenmUller, Berufliche Motivation
und Arbeitseinstellung erwerbstatiger Frauen im
19. und 20. Jahrhundert, BHS 3/81, S. 110).
Wahlte eine verheiratete Frau dennoch eine ausserhausliche
Erwerbstatigkeit, wurde die Tatsache,
doss ja schon ein Lohn in der Familie war, dazu
benutzt, sie weniger zu bezahlen. sine alleinstehende
Frau brauchte anscheinend nicht so viel
zu verdienen, da sie ja fijr niemanden zu sorgen
hatte (dieses Prinzip wurde allerdings nicht bei
alleinstehenden Mannern angewandt; sie verdienten
mehr); eine verheiratete Frau brauchte keinen
so hohen Lohn, weil ihr Einkommen ja nur ein
Zusatzeinkommen war.
Ein weiterer Beweis, wie unvereinbar Familienaufgaben
und Beruf schienen, ist die Tatsache, doss
die deutschen Lehrerinnen und Beamtinnen ms 1918
nicht heiraten durften, und danach our in Ausnahmefallen
im Staatsdienst bleiben durften.
Den Frauen wird also im Lauf der Jahre dos Bewusstsein
ihrer Arbeit immer mehr entfremdet. Sic
vollenden ihre Schulbildung sehr oft nicht ("sie
heiratet ja doch..."),begnUgen sich mit wenig
befriedigenden Arbeiten, weil sic ihre Situation
als Lohnempfangerin meistens als vorlibergehend
ansehen. Daher war (ist) ihre Arbeit fUr sehr
viele Frauen ein Gebiet, mit dem sic sich rational
kaum auseinandersetzen, dos sic nicht zu
andern versuchen und our "passiv" erleben. Die
Erziehung der Frau zu einem "duldenden" Wesen,
die politischen Einsatz als unweiblich stigmati
siert, bremst gewerkschaftlichen und politischen
Einsatz der Frauen. Spatestens hier wird dos
Problem zu einem Politikum.
Sozialisierung der Hausarbeit?
Vor der wachsenden Doppelbelastung der Frauen und
dem drohenden Zerfall der proletarischen Familie
machten sich einige Sozialdemokraten und Sozialisten
um die Jahrhundertwende Gedanken, wie man
die Hausarbeit anders organisieren kbnne. Lili
Braun (siehe Kasten) und Otto Bauer schlagen
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DOSSIER
MIRIMP11111111111•01111•11111111•111=
gegen 1919 vor, die Orte der hauslichen Arbeit
wie Waschkiiche, Kinderzimmer, Helzungskeller
zu zentralisieren, um somit erstens die
Arbeit zu erleichtern, aber ouch um den Wohnbereich
arbeitsfrei zu halten und es der Familie
zu ermdglichen, sich in diesem ausschliesslich
den Zusammenleben vorbehaltenen Raume zu entfalten.
"Davon werde der Mann profitieren, der nicht mehr
so oft ins Gasthaus flieht, wenn er neben seiner
Wohnung auch Lesezimmer, Spiel- und Unterhaltungs_
raume findet" (S.94).
In der Praxis allerdings sollten sich diese Zentral
lkUchen als kaum praktikabel erweisen. In Wien
wurde 1919 ein EinkUchenhaus gebaut, denn - so
argumentierte Therese Schlesinger, "fUhrende
Theoretikerin der Sozialistischen Frauen Oesterreichs",
- "es (bedeutet) eine arge Verschwendung
an Material und Arbeitskraft, .. wenn in einem
House au[ dreissig Herden gekocht wird, dreissig
Feuer unterhalten werden mUssen und dreissig abgerackerte
Frauen sich abmiihen, um dreissig magere
Mahlzeiten herzustellen" (1921) (s.94). In diesem
EinkUchenhaus sollten "insgesamt in 270 Zwei- und
Einzimmerwohnungen vor allem Ehepaare mit
berufstatigen Frauen Aufnahme finden. Wenn man den
Speisesaal nicht benlitzen wollte, brachte ein
Speiseaufzug das Essen von der KUche direkt
in die Wohnung. In jedem Stockwerk besorgte ein
Dierstmadchen die nbtigen Arbeiten. Die Wasche
wurde in der ZentralwaschkUche zum Selbstkostenpreis
gewaschen. Alljahrlich wurden Hausbewohner
gewahlt, die fUr die Verwaltung und FUhrung der
ZentralkUche verantwortlich waren. ... Die Nationalsozialisten
mit ihrem ausgepragten Instinkt
ein 'gesundes Familienleben sperrten nach
ihrer MachtLibernahme Speisesaal und ZentralkUche
sofort wieder zu."(S. 95)
Dieses Modell blieb eine Ausnahme. In Wohnanlagen
mit mehr als 300 Wohnungen wurden in Wien zwar
ZentralwaschkUchen errichtet, aber es wurden keine
professionellen Wascherinnen eingestellt, sondern
die Arbeiterfrauen mussten selber waschen unter
Aufsicht eines Mannes, des Herrn Waschmeisters.
Waschtag war nur einmal im Monat und jede Frau
musste sich genau an die ihr zugewiesene Zeit
halten. So wurde der Druck ,der auf ihnen lastete
noch grosser. Hinzu kam noch ein moralischer
und psychischer Druck, der durch eine vielfaltige
Kontrollstruktur des privaten Wohnbereichs verursacht
wurde: der Herr Waschmeister, der Hausmester
und der Wohnungsinspektor, der einmal monatlich
den Zustand und die Sauberkeit der Wohnungen
inspizierte. All dies trug dazu bei, doss die
Frauen sich ouch zu House von Mannern Uberwacht
fUhlten, wo man sie zwar die Arbeit alleine machen
liess, sic aber einer demUtigenden Kontrolle
aussetzte. Nie, ouch von fortschrittlichen Richtungen
nicht,wurde die Zuweisung_der Hausarbeit
an die Frau in Frage gestellt.
Und heute?
Gewerkschaften verlangen immer kUrzere Arbeits
zeiten. Kannte man im 19. Jh. Arbeitswochen von
72 und mehr Stunden, wind heute von einer 35-
Stunden-Woche gesprochen. Mit einer einfachen
Subtraktion kann man dos Mehr an Freizeit schnell
errechnen. Ist es aber ouch ein Mehr an Freizeit
fur die berufstatige Frau? "Rationalisierte"
Uchen-Labors, technische Hilfen im Haushalt und
sehr oft menschliche Hilfen (aus Portugal etwa),
mOssten doch den Freiraum fUr die berufstatige
Familienmutter betrachtlich vergrbssern. Doch alles
spricht dagegen. "Es gibt sogar Anhaltspunkte
dafUr, doss die durch Reduktion der Arbeitszeit
entstehenden LUcken von erhbhten ReproduktionsbedUrfnis
der Manner und Kinder sofort in Beschlag
genommen werden". (S.96)
Fin Beispiel dafUr ist die Erziehung der Kinder.
Dadurch, doss die Kinderzahl pro Famille abgenommen
hat, haben die Eltern (die Mutter?) mehr
Zeit, sich auf die einzeinen Kinder zu konzentrieren.
Sic mUssen bei Schularbeiten helfen,
von einem Turnier rasch den Sportdress mOglichst
weich wasehen, nun die besten Mahlzeiten auf den
Tisch bringen und dauernd Uber die neuesten padagogischen
und psychologischen Erkenntnisse auf
dem laufenden Sein. Dos setzt natUrlich eine
gewisse Schulbildung der Mutter voraus; wenn sic
ihrem Kind nicht ausreichend bei den Aufgahen
helfen kann,"entsteht nicht selten ein psychischer
Druck, dos Gefiihl 'dem Ideal der guten
Mutter' nicht genUgen zu kbnnen. Dies wind als
subjektives Versagen interpretiert,obwohl es in
Wirklichkeit Ausdruck eines defizienten, undemokratischen
Schulsystems ist." (S.96)
Trotz eines verstarkten Zustroms der Frauen zum
Arbeitsmarkt wurde dos Bild der weiblichen Arbeit
nicht aufgewertet. Eine Frau, die vollberufstatig
ist, wind inner noch als so "unausgelastet" angesehen,
doss sic nebenbel ouch noch Kbchin, Waschfrau,
Putzfrau, Krankenschwester, Lehrerin, Diplompsychologin,
Geliebte sein kann. Fine Frau,
die ausschliesslich fUr ihren Haushalt und ihre
Familie da ist, geniert sich meistens, dos
"Nur"-Hausfrau zuzugeben. Es scheint fi- die
Frauen fast nie mbglich zu sein, einen postiven
Bezug zu ihrer Arbeit herzustellen, well die
Gesellschaft sowohl die Frauenerwerbstatigkeit
oft belachelt (aber gerne von ihr profitiert),
als ouch die Hausarbeit nicht einmal eines Lohnes
fUr went erachtet und als vollkommen selbstverstandlich
annimmt, doss die Frauen sic gerne und
gratis verrichten.
sbb
in: Putz! Frauen (Fischer TB)
15 87 10 6 Simone Baldauff-Beck Die Entwicklung der heutigen Arbeitsverhältnisse Von geteilter Arbeit zur Arbeitsteilung Arbeitswesen Frauen Gesellschaft International Dossierbeitrag
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