Von einem der auszog, ein Hausmann zu werden...
Eine verheiratete Frau hört nach einigen Jahren mit ihrer beruflichen Tätigkeit auf, um sich ganz ihren Kindern und ihrem Haushalt zu widmen. Die berühmte Wahl: Kinder oder Karriere. Aber kein Problem: sie erhält Haushalts- und Taschengeld und sollte ihr Mann sterben, bekommt sie eine Witwenrente. Finanziell ist ihre Zukunft auch nach dem Tode ihres Mannes gesichert, obschon die schwere und un ...
Eine verheiratete Frau hört nach einigen Jahren mit ihrer beruflichen Tätigkeit auf, um sich ganz ihren Kindern und ihrem Haushalt zu widmen. Die berühmte Wahl: Kinder oder Karriere. Aber kein Problem: sie erhält Haushalts- und Taschengeld und sollte ihr Mann sterben, bekommt sie eine Witwenrente. Finanziell ist ihre Zukunft auch nach dem Tode ihres Mannes gesichert, obschon die schwere und unerlässliche Hausarbeit eine Rente an sich verdienen würde.
Jetzt stellen wir uns vor, der Mann hört auf mit seiner bezahlten Lohn-arbeit, um sich um den Haushalt und die Familie zu kümmern. Zugegeben, eine etwas abstruse Vorstellung, denn wer käme als Mann schon dazu, freiwillig das zu tun, was seine Geschlechtsgenossen so gerne ihren Partnerinnen überlassen? Aber es sollen schon einige seltene Exemplare des "homo domesticus" gesichtet worden sein, auch in den so engen Luxemburger Breitengraden.
Greifen wir ein Exemplar dieser Spezies heraus
und nennen es Hanno Neumann. Hanno Neumann hat
vor kurzem allen zustandigen Instanzen mitgeteilt
er habe jegliche "occupation salariee" aufgegeben
und wolle sich kUnftig um die Erziehung seiner
Kinder und um den Haushalt kUmmern. Seine Frau
wUrde den Familienunterhalt bestreiten. Vollkommen
verstandlicher Entschluss 6brigens, wenn man
weiss, dass seine Frau mehr verdient und einen
Beruf hat,der ihr Spass macht.
Hanno ist etwas mlIde heute, denn beim gestrigen
Kegelabend hat er semen ehemaligen Kollegen erklaren
wollen, wie gut es ihm geht und dass seine
kleine Tochter gestern zum ersten Mal.... Aber
our ungern erinnert er sich an ihre dummen Bemerkungen
von wegen unter dem Pantoffel stehen (als
ob eine ausgewogene, gleichberechtigte Partnerschaft
nicht mbglich ware), oder dem Verblbden
bei der stupiden Hausarbeit (die gleichen, die
lauthals verkUnden, "ihre" Frau brauchte nicht
zu arbeiten und die sie nur zu gerne an den Herd
fesseln). Nur einer hat Hanno nachher bei der
Garderobe gesagt, er wUrde ihn fUr semen Mut bewundern,
er wtirde auch gerne, aber seine Familie
wUrde nie... Das mit der Familie war bei Hanno
auch nicht problemlos: "Deshalb haben wir dich
nicht so lange zur Schule geschickt", hatte sein
Vater eingewandt und dabei vergessen, doss er
Hannos Schwester ahnliche Vorhaltungen nicht
gemacht hatte. Seiner Mutter war die Arbeit, die
sic selbst ein Leben lang gemacht hatte, (Ur ihren
Sohn nicht gut genug. Hanno begann zu ahnen,
dass er eine Menge Kraft brauchte, um gegen den
Strom zu schwimmen, um so zu leben, wie er leben
wollte, und nicht wie die Gesellschaft es von ihm
erwartete. Wahrend in Belgien die Hausmanner vor
kurzem einen Brief, in dem das Luxemburger "Eta-
Frauen rentenversichert sind, erhielt er vor
kurzem einnBrief, in dem des Luxemburger "Etablissement
d'Assurance contre la Vieillesse et
l'Invalidite" bedauerte, ihm mitteilen zu mijssen,
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dass er seine bis dahin in die Kasse eingezahlten
Betrage nicht zurikkerhalten kbnne, "da die Erstattung
der bei der Alters- und Invalidenversicherung
eingezahlten Beitrage nur fUr weibliche
Versicherte vorgesehen ist". Eine Witwerrente
durch seine Frau kann er auch vergessen, denn
der Artikel 194 des "Code des Assurances Sociale5
sieht vor: "Les dispositions concernant les pensions
de veuve et d'orphelin sont egalement
applicables au profit du veuf et des enfants
d'une femme qui en raison de l'incapacite de
travail de son mari, a pourvu en tout ou en
majeure partie A la subsistance de la famille".
Mit einem bitteren Lacheln denkt Hanno an die Arbeitstage,
die schon morgens um 6 Uhr anfangen
und sich bestimmt nicht in ein Acht-Stunden-Schema
pressen lassen. Was also die "incapacite de
travail" angeht ... Allerdings gehdren die Hausfrauen
ja zur "population non-active".
Schon am 5. Juli 1977 hatte der Wirtschafts- und
Sozialrat in einem Gutachten zur Reform des Pensionsrechtes
die Meinung vertreten, die Renten
sollten bei Todesfall an den Jberlebenden "conjoint"
ausbezahlt werden. Fast zehn Jahre ist
das jetzt schon her und noch inner ist nichts
geschehen. 1980 hatte der damalige Arbeitsminister
Jacques Santer geschrieben: "Le gouvernement
est tout a fait conscient du probleme et il entend
y apporter une solution appropriee le moment
venu". Da Hausarbeit aher keine richtige
Arbeit ist, war der Arbeitsminister wohl ouch
nicht zustandig.
Je mehr Hanno an all diese Diskriminationen und
Schikanereien denkt, - und dabei sind noch nicht
einmal die Telefonanrufe in Betracht gezogen,
durch die Verwaltungen sich informieren, ob er
Invalide, geistig behindert oder nur vorLibergehend
arbeitsunfahig sei, umso wUtender wird er. Hat
doch nicht gestern eine mehrkbpfige Kommission
geklingelt, um zu kontrollieren, ob er seine Hausarbeit
ordentlich mache! Wenn man von Diskriminierung
des Mannes spricht, wird man im besten Falle
unglaubig belachelt: enddoch ist sicmanchmal
flagrant.
Etwas aber versteht Hanno nicht: seit einiger Zeit
erlebt er jetzt die Verachtung der Hausarbeit am
eignen Leibe, die Geringschatzung der Kinderpflege
und Erziehung. Wie konnten denn Generationen von
Frauen mit dem Bewusstsein leben, eine Arbeit zu
verrichten, die in den Augen der meisten Manner
nicht viel wert ist? Vielleicht well sicwussten,
dass ein Nachmittag mit einem Kind erfUllender
sein kann als die Sorge um Zahlen, Statistiken
oder PS-Starke von Autos.
Er weiss, dass seine Familie eine wahre Familie
ist, dass seine Kinder eine Mutter endeinen Vater
haben, die die Ausgeglichenheit der Menschen ausstrahlen,
die ihren Weg bewusst gewahlt haben.
Dann ist es letztlich egal, ob man flit- einige
ein "sieur" ist,"qui a cesse toute activite saleriale",
wenn man weiss, doss es Beschaftigungen
gibt, die um so vieles bereichernder sein kbnnen
als manche "activites salariales".
shb
Alle Zitate stammen aus der Korrespondenz, die
Marianne und Fern Tholl-Hoesdorff mit diversen
Verwaltungen gefUhrt haben, um Ferns Statut als
Hausmann zu legalisieren. Wir danken ihnen heiden
ganz herzlich, dass sicuns ihre Unterlagen zur
VerfUgung gestellt haben. 87 23 2 Simone Baldauff-Beck Von einem der auszog, ein Hausmann zu werden... Familie Psychologie Luxemburg Dossierbeitrag
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