Das schwarzafrikanische Kino
Auszug aus einem Artikel von Pierre Haffner in "Kino in Schwarzafrika"
Unsere Überlegungen zum Kino in Afrika haben
gezeigt, daß die afrikanischen Filmemacher eine Außenseiterposition
innehaben, um die sie zudem noch
ständig kämpfen müssen. Anders als viele arabische,
asiatische oder nordafrikanische Länder verfügten
die Länder Schwarzafrikas zum Zeitpunkt ihrer Unabhängikeit
weder über eine produktionstechnische
Infrastruktur noch über Techniker o ...
Unsere Überlegungen zum Kino in Afrika haben
gezeigt, daß die afrikanischen Filmemacher eine Außenseiterposition
innehaben, um die sie zudem noch
ständig kämpfen müssen. Anders als viele arabische,
asiatische oder nordafrikanische Länder verfügten
die Länder Schwarzafrikas zum Zeitpunkt ihrer Unabhängikeit
weder über eine produktionstechnische
Infrastruktur noch über Techniker oder Regisseure:
Paul Vieyra, der erste Filmemacher Schwarzafrikas
mit entsprechender Ausbildung, hatte sein Studium
am Institut des Hautes Etudes Cinématographiques
(IDHEC) in Paris kurz vor der Unabhängigkeit abgeschlossen.
In dieser Hinsicht - nicht so im Verleihund
Abspielbereich - begannen all diese Staaten bei
Null, mit unterschiedlichen Erfolgsaussichten und
einer ihnen eigenen Dynamik, die wir im folgenden
kurz umreißen wollen. Zu diesem kinematographischen
"Nichts" sei noch angemerkt, daß fast alle
Staaten gleich zu Beginn einen service cinématographique
einrichteten - oder bereits vorhandene Strukturen
zu staatlichen Einrichtungen ausbauten (Zaïre,
Kenia, Mozambique...) -, dessen Aufgabe meist darin
bestand, die Entwicklung dieser jungen, unabhängigen
Staaten zu dokumentieren.
Diese Institutionen produzierten vorwiegend Filmwochenschauen,
gelegentlich auch nationale Propaganda-
Dokumentarfilme; zu diesem Zweck wurden
Techniker ausgebildet. Im Verlauf der folgenden
zehn Jahre verloren diese Propagandamethoden an
Kraft, was sicher auch zusammenhing mit der
schwindenden Macht der herrschenden Ideologien.
Die staatlichen Fernsehanstalten' haben häufig die
Funktionen dieser Institutioven übernommen (in den
englischsprachigen Ländern hat das Fernsehen das
Kino sogar auf den zweiten Platz verwiesen), darunter
auch die Ausbildung von Technikern, wobei die
Kinoleute meist als Beamte in den Staatsdienst übernommen
wurden.
In dieser Situation kam bei manchen jungen Leuten
der Wunsch auf, selbst Filme zu machen, irisbeson
dere wenn sie eine Ausbildung hinter sich hatten
(viele schwarzafrikanische Erstlingsfilme sind Abschlußfilme
einer europäischen Filmhochschule) -
ein Wunsch umso drängender, je stärker ihnen
bewußt wurde, daß dieser riesige Kontinent bisher
stumm und blind geblieben war, bestenfalls eine exotische
Kulisse für das "dominante" Kino abgegeben
hatte. Die einzelnen Staaten, wie auch die ehemaligen
Kolonialmächte sperrten sich dagegen nicht und
tolerierten, wenn auch häufig ohne große Begeisterung,
die Entstehung jener Strukturen, die in 30
Jahren mehrere hundert Kurzfilme und fast 200
Spielfilme hervorbrachten. Über diese Produktion
wollen wir uns im folgenden einen Überblick verschaffen.
Die französischsprachigen
Länder
Nicht überall bestanden die gleichen Möglichkeiten.
Zwischen 1960 und 1980 übernahm der Senegal,
trotz einer quasi nicht- existenten, einem Land wie
Zaïre beispielsweise weit unterlegenen Infrastruktur,
eine führende Position. Etwa 30 Spielfilme, darunter
ein so bedeutendes Werk wie das des Schriftstellers-
Filmemachers Sembène Ousmane, auf das wir noch
zurückkommen werden, aber auch so bedeutende
Film wie "Jom" von Babacar Samb, "Touki-Bouki"
von Djibril Diop-Mambéty, "En résidence surveillée"
von Paulin Vieyra, darunter Filmemacher der
jüngeren Generation wie Safi Faye, Ben Diogaye
Beye, Mouss Bathily und Amadou Saalum Seck. Der
senegalesische Staat trat nicht in allen Fällen als Produzent
auf - er verbot sogar die Filme Safi Fayes, die
die Agrarpolitik anprangerten und fünf Jahre lang
den Film "Ceddo",worin die Auswüchse des Islam
beklagt wurden -, in den meisten Fällen jedoch
spielte er die Rolle des Mänris. Der Niger profitierte
von der Anwesenheit - noch vor der Unabhängigkeit
- des Filmemacher-Ethnologen Jean Rouch, um den
L'originalité des cinémas d'Afrique Noire parmi les cinémas du
Tiers Monde
C'est sous ce titre que Pierre Haffner, maître de conférences à l'Université
de Strasbourg il va diriger un stage qui aura lieu au Centre national
de l'audiovisuel (CNA) du 20 au 22 juillet.
Les cinémas du Tiers Monde présentent une grande variété de productions.
Un parcours synoptique entraîne le cinéphile de puissantes nations
cinématographiques, parvenues à structurer leur 7ème Art sur le
modèle euro-américain, vers des Etats encore actuellement pratique
ment dénués d'infrastructures pour le cinéma, ou laissant la pratique cinématographique
à une sorte d'artisanat lié au hasard. C'est, dans l'ensemble,
le cas des cinémas négro-africains. L'objet du stage, défini par
Pierre Haffner, est de marquer, par une série de comparaisons et d'oppositions
avec d'autres cinémas du Tiers Monde, l'originalité des cinémas
d'Afrique Noire, particulièrement de l'Afrique Noire Francophone.
Pierre Haffner a publié de nombreux ouvrages et articles sur le cinéma
africain. Nous présentons ci-contre une brève présentation du cinéma
d'Afrique Noire Francophone, parue en allemand dans la revue CICIM.
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Stage au
Centre
national de
l'audiovisuel
(CNA) du 20
au 22 juillet.
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sich zwischen 1960 und 1970 eine richtige 'Schule'
bildete, mit Talenten wie Oumarou Ganda, Moustapha
Alassane oder Inoussa Ousseini und, in neuerer
Zeit, Djingarey Maiga, Amadou Soumana oder
Mariama Hima. Den Filmemachern scheint es immer
irgendwie zu gelingen, einen Produzenten zu finden,
sie erhalten aber auch beträchhtliche Unterstützung
von staatlicher Seite.
Anders sieht die Situation in der Elfenbeinküste aus.
Désiré Ecaré, Henri Duparc und Timité Bassori befassen
sich, stärker veilleicht als alle anderen, mit
dem Problem der kulturellen und geistigen Entfremdung
: "Visages de femmes", "La femme au
couteau"... Diesen Filmemachern der 'ersten' Generation
wurde noch die Unterstützung der französischen
Coopération zuteil. Später versuchten sich
auch jüngere Filmemacher in dieser Richtung, so z.B.
Fadika Kramo-Lanciné - dessen Spielfilm "Djeli"
vom Landwirtschaftsministerium der Elfenbeinküste
gefördert wurde -, Moussa Traoré, Jean-Louis Loula,
Kitia Touré. Im gleichen Zug entwickelte sich eine
entschieden kommerzieller ausgerichtete private
Filmproduktion. Ähnliches ließ sich auch lange Zeit
in Gabun beobachten, dank massiver staatlicher Unterstützung
durch Präsident Bongo persönlich. Dies
bleibt nach wie vor rätselhaft, da auf dem afrikanischen
Kontinent nur selten ein Personenkult das filmische
Schaffen inspirierte - nicht einmal in Guinea,
wo kein Film ohne die Schirmherrschaft der Demokratischen
Partei und ihres Generalsekretärs Sékou
Toure möglich ist. Die interessantesten von den französischsprachigen
Ländern vielleicht von allen
Ländern Schwarzafrikas - sind Mali und Burkina
Faso. Mali bereichert das Kino um einen einzigartigen
Ton, was insbesondere der Persönlichkeit Souleymane
Cissés zu verdanken ist, der in "Baara",
"Finye" oder "'Yeelen" von den gesellschaftlichen
Widersprüchen seines Landes mit einem außerordentlichen
Gespür für Plastizität und Dialektik
erzählt. Trotz dieser unabhängig produzierten Filme
sollte man diejenigen von Issa Traoré, Kalifa Dienta,
Alkaly Kaba oder Cheik Oumar Sissoko nicht vergessen,
bei denen der Staat kräftig mitfinanzierte. In
Burkina Faso konnten sich, aufgrund einer aufgeklärten
Kulturpolitik und dank der Professionalität und
des Engagements von Filmemachern wie Gaston
Kaboré, Idrissa Ouedraogo, Emmanuel Sanon oder
Sanou Kollo, verschiedene neue Richtungen entwickeln,
die über die soziale und ethnolographische
Bestandsaufnahme hinausgehen.
Das Kino Kameruns, Benins und Madagaskars entstand
dank so starker Persönlichkeiten wie Daniel
Kamwa, Dikongue-Pipa, Jean- Marie Téno, Richard
de Médeiros, Benoît Ramampy und Raymond Rajaonarivelo,
und unter Mitwirkung des französischen
Staates. In Guinea, Kongo und Zaïre etablierte sich
mit Filmemachern wie Moussa Diakité, Sébastien
Kamba, Jean-Michel Tchissoukou und Ngangura
Mweze eine interessante staatliche Produktion. Mauretanien
und Äthiopien haben dagegen nur geringen
Anteil an den Werken Med Hondos oder Haile
Gérimas, die zu den hervorragendsten afrikanischen
Filmemachern zählen. Beide arbeiten fern ihres Heimatlandes,
in Frankreich bzw. in den Vereinigten
Staaten .
Auszug aus einem Artikel von Pierre Haffner in
"Kino in Schwarzafrika" (CICIM 27/28) 119 52 2 Pierre Haffner Das schwarzafrikanische Kino Auszug aus einem Artikel von Pierre Haffner in "Kino in Schwarzafrika" Kino Afrika International Beitrag
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