Wie vereinbart Mensch Beruf und Privatleben?
Wenn das Problem wie oben formuliert würde, wären wir (wer?) einen Schritt weiter. Dann würde es als gesamtgesellschaftliches anerkannt und es würde landauf, landab darüber debattiert, eine Tripartite zu seiner Lösung würde einberufen, Diskussionsrunden organisiert... Leider sieht die Realität anders aus. Die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben steht im Ruch ein Frauenthema zu sein. In ...
Wenn das Problem wie oben formuliert würde, wären wir (wer?) einen Schritt weiter. Dann würde es als gesamtgesellschaftliches anerkannt und es würde landauf, landab darüber debattiert, eine Tripartite zu seiner Lösung würde einberufen, Diskussionsrunden organisiert... Leider sieht die Realität anders aus. Die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben steht im Ruch ein Frauenthema zu sein. In den Köpfen (der meisten Männer und vieler Frauen) sind die Frauen doch noch immer eher zuständig für das Private und die Männer eher für das Öffentliche. Daran hat auch das Schlagwort der Frauenbewegung von vor 30 Jahren - das Private ist politisch! - wenig geändert. Das ist die eine Perspektive.
Die andere Perspektive: Die Frauen sind zunehmend berufstätig. Auch wenn einige Zeitgenossen meinen, sie müssten die bei MÃnnern nie gemachte Differenzierung anbringen zwischen jenen, die müsse und jenen, die wollen, wird ihr Recht aufErwerbstätigkei von keinem mehr ernsthaft in Frage gestellt Die Zahl der Scheidungen ist ein Beleg dafüdra Âd ie Ehe als Existenzgrundlage ziemlich unsicher geworden ist Die Frauen sind zunehmend berufstäti auch wenn sie Kinder haben. Sie sind es - als einzelne und insgesamt - wohl in unterschiedlichem Maßaeb er der * Trend, daÂB erufsiätigkeei in konstitutives Merkmal von Frausein in unserer Gesellschaft wird, scheint unumkehrbar. Das hat das Leben der Frauen grundlegend veränderdt enn die Haus- und Erziehungsarbeit ist ihnen geblieben. In zehn Jahren haben die Männe bei ihrer tägliche Mitarbeit im Haus zehn Minuten zugelegt.' Ein wichtiger Akteur, um das Thema aus der Frauenecke zu holen und als ein alle, Männe wie Frauen angehendes zu konstitutieren, sind die Gewerkschaften. Das Abstrahieren von der Reproduktionsspär und das Ignorieren des Wechselverhältnisseb eider Lebenswelte konnte durchgehen, solange die Mehrheit ihrer Mitglieder Männe waren. Mit der zunehmenden Präsen von Frauen in der Arbeitswelt und in den Gewerkschaften ist das Beharren auf alten Einstellungen und Konzepten nicht nur als pa triarchalisch zu bewerten, es ist auch strategisch falsch. Wollen die Gewerkschaften Organisationen aller Arbeitnehmerinnen sein, so müsses ie offensiv füe ine Gleichstellung von Männer und Frauen in der Arbeitswelt eintreten, indem sie ua. Konzepte füei ne Arbeitszeitpolitik entwickeln, die beschäftigungspo litische Ziele bewußun d explizit (und nicht nurunter "ferner liefen") mit gleichstellun~politischenv erknà ¼pfen FürdPi arteiengi1t:Es isteineandere Politikje nachdem, ob ich die die Erziehungsleistung an sich honoriere, wie das in Luxemburg der Fall ist (Erziehungszulage, Baby-Jahre in der Rentenversichmng), oder ob ich der in den Arbeitsmarkt integrierten Frau - ebenso wie dem Mann - im Fall der Elternschaft Zukunft der Arbeit Möglichkeites chaffe, Erwerbstätigkeuin d Kindererziehung miteinander zu verbinden. In diesem ZUsammenhang soll daraufhin gewiesen werden, da Schweden trotz einer hohen Erwerbsquote seiner Frauen die höchst Geburtenrate in Europa aufweist. Dies nicht aufgrund direkter natalistischer Anreize sondern durch arbeitsrechtliche Regelungen, die es Eitern, also Männer wie Frauen ermtiglichen, Erwerbstä tigkeui nd Kindererziehung unter einen Hut zu bringen. Allzuoftsprechen die politischen Akteure bei uns noch von der "Wahlfreiheit" und übersehen da diese das Privileg einiger Wohlhabender ist oder sich bei nähere Hinsehen als Beschönigun einer durch die Umständeaufgezwungene Lösungsstrate gie herausstellt. Es gibt wahrscheinlich keine andere Lebensphase, wo man dermaßea uf beides - Einkommen und Zeit - angewiesen ist, wie in der Zeit der FamiliengrŸn dung. Auf der anderen Seite darf davon ausgegangen werden, da volle Berufstätigkei und Elternschaft sich unter zeitlichen Gesichtspunkten ausschließen Um so mehr wie hierzulande ein notorischer Notstand zu beklagen ist, was die Zahl der Kinderbeireuungsplä tz angeht. Gutverdienende Eltern haben Spielräumf üin dividuelle iiisungen, dadurch da sie teilzeit arbeiten undIoder auf bezahlte Dienstleistungen zurückgreifefà ¼di e Verrichtungvon Hausarbeiten und die Betreuung der Kinder. Schlechter gestellte Haushalte, dazu gehöre viele Alleinerziehende, haben diesen Spielraum nicht. Deshalb ist die Verkürzun der Arbeitszeit auch ein sozialpolitisches ~ e b o t . Das Stichwort 'Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ... ein Synomym füd ie Rücksichtslosigkedie s ... Erwerbssystems gegenübe dem Leben außerhald er Arbeit Von besonderer Brisanz ist die Negation der Lebensbedürfnissd er nachwachsenden Generation und die Diskriminierung derer, die sich diesen widmen. Das ... "Nonnalarbeitsverhaltnis" unterstellt einen "Normalarbeitnehmer", der sein ganzes Leben nach den Anforderungen der Erwerbstätigkeeii nrichten kann und will, dessen Arbeitskraft sich außerhald es Erwerbssystems reproduziert, im übrige aber abrufbar und einsatzfähi ist wie die der Maschine. Die Inanspruchnahme der Arbeitskraft außerhal des Erwerbssysterns ist nicht vorgesehen, jedenfalls nicht in einem Zeitvolumen, der mit den Beanspruchungen durch die Erwerbsarbeit in Konflikt geraten könnte Kinder beanspruchen aber die Zeit von Erwachsenen in einem Ausmaà und einem Rhythmus, der diejenigen, die sich diesen Ansprüchen icht entziehen (könnenf)a st unausweichlich in Konflikt mit dem Zeitregime der Erwerbsarbeit bringen. Ingrid Kurz-Scherf Im folgenden sollen Konzepte und Ãoeberlegunge zu Formen der Arbeitszeitverkürzunv orgestellt werden, die von demDGB nahestehenden Wissenschaftlerimen entwickelt worden sind. Bei der Kurze der Zusammenfassung geht vieles verloren von der Komplexitäu nd Differenziertheit ihrer Ausfiihrungen. Das wird in Kauf genommen, da hier in erster Linie Anregungen füd ie Diskussion bereitgestellt gestellt werden sollen und die durch das Gerede von der Globalisierung verursachte Lähmun der Vorstellungskraft etwas aufgebrochen werden soll. Freizeitkonten Gudrun Richter und Martina Stackelbeck stellen in ihrem Buch "Beruf und Familie", das 1992 in dem dem DGB nahestehenden "Bundn-Verlag erschienen ist, die Arbeitszeitpolitik als ein Instrument der Annä herun der beiden Lebenswelten dar. Sie entwerfen das Grundkonzept eines flexiblen Hternurlaubs, dessen Kernstüc ein Freistellungskonto ist: Eine festgesetzte Anzahl von Monaten, die Eltern zur Verfà ¼gungsteheunm sich von ihrer Arbeit freistellen zu lassen. Die Freistellung kann ganz oder teilweise erfolgen, d.h. man kannsich beurlauben lassen oder die Arbeitszeit reduzieren. Das Vollzeitarbeitsverhältni bleibt bestehen. "Der Umfang und die Lage der iäg liehen Arbeitszeit ebenso wie Höchst bzw. Mindestgrenzen füd ie wöchentlich bzw. monatliche Arbeitszeit sollen weitestgehend im Rahmen betrieblicher Aushandlungsprozesse bestimmt werden, wobei demRechtsanspruch der ArbeitnehmerInnen aufeine Reduzierung der Arbeitszeit auf bis zu 50% Rechnung getragen werden m u à Ÿ . ~ Angesichts der Notlage bei der Bereitstellung von Kinderbetreuungsplätze in Deutschland (gilt auch in Luxemburg) plädiereR ichter IStackeIbeck fü36 Monate pro Kind als Umfang des Freistellungskontos. Diese müsse zwischen Vater und Mutter gleichmä ÃgŸe teilt werden, um die Risiken (Diskriminierung, Karriereeinbußend)i e mit einer Arbeitsunterbrechung verbunden sind, auf beide zu verteilen. Die Freistellungszeiten sind also nicht Ãoebertragbar AIleinerziehenden steht selbstverständlic das ganze Volumen zur Verfügung Im Falle der vollständige Beurlaubung ist ein Einkommensausgleich von 90% des Bruttogehalts vorgesehen, wobei zu bedenken ist, da die Unkosten, die mit der Erwerbstätigkei zusammenhänge (Transport, Berufskleidung etc.) wegfallen. Dieses Modell gibt es nicht nur auf dem Papier, in Schweden ist es praktisch erprobt. Zu den Rahmenbedingungen muà gesagt werden, da Schweden immer eine Politik der Vollbeschäftigun betrieben hat; Mittel dazu ist eine aktive Arbeitsmarkpolitik. Die Frauenerwerbsquote ist hoch und der Anspruch der Frauen auf Erwerbstätigkei ist als soziale Norm anerkannt. Es gibt ein umfangreiches und vieraltiges wenn auch nicht ausreichendes Angebot an Kinderbetreuungsplä tzen Seit den 70er Jahren kann man sich in Schweden aus verschiedenen Gründete ilweisevon der Arbeit freistellen lassen, d.h. man arbeitet faktisch teiizeit, das Vollzeitarbeitsverhältnbi esteht jedoch weiter. Hier soll sich auf das Recht der Eltern auf Arbeiisbefreiung konzentriert werden, das in Schweden mit einer Elternversicherungverbunden ist, die Teil der staatlichen ~ozialversicheruni~st~. Ab 1955 gab es eine Mutterschaftsversicherung, die es berufsiätige Muttern erlaubte, nach der Geburt eines Kindes 6 Monate bezahltenMutterschaftsurlaub zu nehmen. Sie wurde durch die Elternversicherung ersetzt, die seit 1974, um die Verantwortung beider Eltern füd ie Kinderbetreuung zu unterstreichen, den Anspruch auf bezahlten Urlaub füb eide Eltern festlegt. Die Bezahlung beträg9 0% des Bruttoverdienstes. Der Eltern- 32 forurn nr 169 Zukunft der Arbeit uriaub, der seit Juli 1985 pro Kind (bis es 8 Jahre alt ist) 15 Monate beträgits t verbunden mit dem Recht auf Weiterbeschäftiguna mselben Arbeitsplatz. Das Gesetz bestimmt, da Väteu nd Mütten ach der Inanspruchnahme des Elternurlaubs nicht schlechter gestellt werden dürfen Ein weiteres Kernstücd er Hternversicherungistder Ptiegeuriaub, der fŸ maximal 90 Tage pro Kind bis zum Alter von 12 Jahren (bei schwerer Krankheit bis zum Alter von 16 Jahren) gewährw ird. Außerde steht den Väter nach der Geburt eines Kindes 10 Tage Vaterurlaub zu, der ebenfalls uber die Elternversicherung finanziert wird. Neben diesen durch die Elternversicherung finanzierten Freistellungen gibt es noch Möglichkeite zur Beurlaubung bzw. Arbeitszeitverkürzungd ie ohne Lohnausgleich, allerdings mit Arbeitspla tzgarantie genutzt werden können "Die bezahlteund unbezahlte Freistellung kann flexibel gehandhabt werden, so da die Eltern entsprechend ihrer jeweiligen Arbeitsund Lebenssituation individuelle Gsungswege zur Vereinbarungvon Beruf und Familie wähle können - Die Eltern könne uber die Aufteilung der verschiedenen Freistellungsmöglichkeite selbst entscheiden. (...) - Bezahlte und unbezahlte Freistellungsmöglichkei ten könne mi teinander kombiniert werden. - Eltern könne bis zu dreimal imJahr ihr Arbeitsvolumen verändern - Die erstattungsfähigeT age im Rahmen der Elternversicherung könne ab ganze, halbe oder Vierteltage in Anspruch genommen werden. Prinzipiell kann so mit Hilfe des Elterngeldes bei nahezu vollem Lohnausgleich in Teilzeit gearbeitet werden, z.B. fü die ersten vier Lebensjahre des Kindes ... Beide Elternteile könne nicht gleichzeitig in bezahltem Eltemurlaub fü das gleiche Kind sein (ausgenommen der Vaterurlaub); sie könne jedoch uber die Möglichkei der Kombination bezahlter und unbezahlter Teilfreistellung in derselben Zeit ihre Erwerbsarbeitsstunden reduzieren bzw. sich freistellen lassen. - Jeder Elternteil ist verpflichtet, den Arbeitgeber übde ie Freistellung zu unterrichten, aber er ist nicht verpflichtet mitzuteilen, welche Art der Freistellung der andere Elternteil nimmt. Die einzuhaltenden Ankà ¼ndigungsfristeu nterscheiden sich je nach Situation; sie reichen von höchstenz wei Monaten füB eurlaubungen bis zum Wegfall der Ankündigungs frist, wenn das Kind erkrankt." Hat sich aufgrund dieser Regelungen etwas an der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung verändert Die Erwerbsquoten der Männde und Frauen haben sich in Schweden angenähertd .h. die Erwerbsbiographien der Frauen sind kontinuierlicher geworden, sind weniger durch Unterbrechungen der Erwerbstä tigkeit gekennzeichnet. Und welche Auswirkungen sind auf die Beteiligung der Väte an der Kindererziehung festzustellen? Der Prozentsatz der Väte an den Nutzem des Eltemurlaubs ist von 1974 bis 1986 von 3% auf 23% gestiegen. Anhand der Verteilung der erstatteten Tage auf Mütteu nd Vätes ieht die Väterbeteiliguna llerdings ungünstigea us: 93,7% der erstatteten Tage entfallen auf die MütterD ie Freistellung infolge einer Krankheit des Kindes wird in etwa zu gleichen Teilen von beiden genutzt. "Es zeigt sich, da Freistellungen auf Basis der Elternversicherung Ãoeberwiegen von Frauen in Anspruch genommen werden. Kurzzeit-unterbrechungsmà ¶glichkeite wie Väter und Pflegeurlaub werden dagegen von den betroffenen Männer in starkem Maß wahrgenommen. Eine Beteiligung von Väter am Elternurlaub wächs mit steigendem Familieneinkornmen sowie höhere Einkommen und zunehmender beruflichen Qualifikation der Partnerin. Väter die im öffentliche Dienst beschäftig sind, beteiligen sich häufigea mElternurlaub als dies bei ihren Kollegen in der Privatwirtschaft der Fall ist." 5 Die beiden Autorinnen kehren die Probleme, die fŸ Kamil die Betriebe durch den völlige oder teilweisen Aus- ^^È fall von Arbeitskräfte infolge des Elternurlaubs entstehen, nicht unter den Teppich. Ein Problem, das die Betriebe bei uns auch jetzt schon kennen, wegen des Schwangerschafts- und Mutterschaftsurlaubs, und das, da nur die Einstellung von Frauen es mit sich bringt, sich diskriminierend auf diese auswirkt. Die verschiedenen innerbetrieblichen Strategien (Vertretungslà ¶sungenU mverteilung) werden auf ihre Risiken und Chancen hin untersucht und es werden Gsungswege (wie z.B. Poolbildung) fü kleine und mittlere Betriebe aufgezeigt. Arbeitszeitgestaltung nach individuellen Bedürfnisse Um die oben angesprochenen betrieblichen Aushandlungsprozesse innerhalb eines konzeptionellen Rahmens und nach verbidniichen Regeln ablaufen zu lassen, ist es hilfreich die von Ingrid ~ u r z - ~ c h e r f entwickelten Umsetzungsmodalitäte ihres Konzeptes der optionalen Arbeitszeit zu beachten. Ingrid Kurz-Scherf, ebenfalls eine dem DGB nahestehende Wissenschaftlerin, entwirft die Grundprinzipien eines Konzeptes der Arbeitszeitgestaltung, das von differentiellen individuellen Zeitbedürfnisse ausgeht. Ihre Vorstellungen sind aber nicht dekkungsgleich mit dem Leitbild der Zeitsouvexäniiä das eher aus einer grün-ökologischE cke kommt und das beinhaltet, da jeder frei entscheidet, ob er Zukunft der Arbeit innerhalb des Dilemmas Geld oder Zeit das eine oder andere vorzieht Der Konstruktionsfehler des ... Erwerbssystems ist seine Ignoranz gegenà ¼be der dauerhaften Reproduktion der Arbeitskraft im Generationenwechsei. sei. Dieser ~onstruktionsfehlewr ird traditionell dadurch geheilt, da die (männlichenA rbeitskräft von der Beanspruchung durch ihre Kinderdadurch befreit werden, da dafüih re Ehefrauen zuständi sind, die ihrerseits am Erwerbssystem gar nicht oder nur phasenweise bzw. reduziert teilnehmen. In jedem Fall ist die Reproduktion der Arbeitskraft die Privatsaehe der Beschäftigten und sofern die Frauen oder auch einzelne Männe beides, also Familie und Beruf, miteinander vereinbaren wollen, ist auch dies ihre Privatsache. Ihr Zeitbudget wird dann eben von zwei Seiten beansprucht, und die Nachteile, die sich in beiden Bereichen aus dieser "Doppelbelastung" ergeben, müsse individuell verkraftet werden. Allenfalls muà der Staat durch das Angebot staatlich finanzierter Kinderbetreuung die "Doppelbelastung" reduzieren. Die Strukturen der Erwerbsarbeit setzen auf jeden Fall die reproduzierte Arbeitskraft voraus, die den "üblichen Anforderungen voll genügwt er diesen Anforderungen nicht voll genüge kann oder will, muà die damit verbundenen Nachteile hinnehmen. Ingrid Kurz-Scherf Bisher war die Normalarbeitszeit das dominante Zeitmuster, sowohl weil es häufigerwaa ls auch weil es als gesellschaftliche Norm funktionierte. Dies wirkt sich diskriminierend auf abweichende Zeitmu- Ster aus, die nun mal das Los vieler berufstätige Frauen sind. Faktisch wie normativ verliert die Normalarbeitzeit jedoch zunehmend an Gewicht. Das ihr entsprechende Zeitmuster betrifft nur noch eine kleine privilegierte Minderheit, auf die sich die Gewerkschaften konzentrieren. Da sie sowieso fü Frauen noch nie zutraf, geht Kurz-Scherf so weit zu sagen, sie trüg die Züg einer patriarchalen Bastion. Sie geht mit den Gewerkschaften hart ins Gericht: "Tendenziell hat sich die im Prinzip der Normalarbeitszeit enthaltene Intention einer Vereinheitlichung der Arbeits- und Lebenschance in der Praxis ins Gegenteil verkehrt Tatsächlic lenkt die Fixierungdergewerkschaftlichen Arbeitszeitpolitik auf die Normalarbeitszeit im Sinne einer Einheitsnorm (mit der darin enthaltenen negativieren Stigmatisierung aller nicht mit dieser Vorgabe kompatiblen Zeitmusterund -prä ferenzen) die zunehmende Differenzierung der Arbeitszeitmuster und die Vielfalt der individuellen Zeitpräferenze in zunehmende soziale Ungleichheit, statt dieser entgegenzuwirken. Die Heterogenitä und Inkonstanz der Zeitmuster und -p~ferenzen wird von den Gewerkschaften überwiegena ls Gefahrdungsozialer Standards und der eigenen Position im gesellschaftlichen Kräfteverhältwn ahrgenommen, ohne da dieser Gefährdun wirksam gegengesteuert würdoe hne daÂs ie als Produkt auch der eigenen Politik reflektiert würd und vor allem ohne da gerade die Heterogenitäu nd Inkonstanzauch als positive Herausforderungund Chance zur Reaktivierungdes arbeitszeitpolitischen Mandats der Gewerkschaften begriffen würden. Demgegenübder oht die Verabsolutierung des PMzipes der individuellen ZeitsouvexänitÃzu einer völ ligen Deregulierung der Arbeitszeiten und zur Verstä rkuns ozialer Ungleichheiten zu führeBn ei den erhebbaren Zeitpräferenze müsse die jeweiligen Entstehungshintergriinde ni treflektiert werden: Der Begriff "Präferenz unterstellt, da jeder übed ie gleichen Freiheitsgrade verfügutm sich füZ eit, gegen Einkommen oder füE inkommen, gegen Zeit zu entscheiden. Das Leitbild er optionalen Arbeitszeit versucht den schlechten Dualismus von Normalarbeitszeit und ZeitsouveränitÃau fzulöseni ndem es von beiden einen GrundzugübernimmV on der Zeitsouveräniià das Bedürfnni ach individueller Zeitgestaltung, von der Normalarbeitszeit die Schutzfunktion des festen Orientierungsrahmens. Da die Arbeitszeitpolitik gegenwärti ziemlich blockiert ist, lastet sie beiden Sozialpartner an. "Auf beiden Seiten dominiert eine propagandistische Negation der Komplexitäd er jeweils eigenen Interessenlage." Die schroffe Gegenüberstellunv on Kapital und Arbeit ist zwar fir die Selbstdefinition der jeweiligen Interessenverbänd notwendig, verstellt aber den Blick füm öglich Gemeinsamkeiten und Kompromißmoglichkeiten "Die Verabsolutierung des prinzipiellen Widerspruchs zwischen und der prinzpiellen Interessenharmonie in den beiden 'Lagern' verhindert nicht nur einen vernünftige Ausgleich tatsächlic konfligierender Interessen, sondem mindert auch die Realisierungschance der jeweils verfolgten Ziele. Indem das Konzept der individuellen Zeitsouveräni seitens der Gewerkschaften programmatisch nur so weit aufgegriffen wird, wie es a) die Interessendivergenzen und -konflikte in den eigenen Reihen nicht thematisiert und b) im klaren Widerspruch zu arbeitszeitpolitischen Konzepten der Arbeitgebeseite steht, werden die in diesem Konzept liegenden Chancen, den Spielraum genereller Arbeitszeitverkürzungez u erweitern und gleichzeitig die mit dieser Strategie intendierte Wirkungen zu verstärkens ystematisch übersehenD ie pauschale Frontstellungzu den arbeitszeitpoli tischen Konzepten der Arbeitgeber verhindert paradoxerweise darübeh inaus die Konzentration der 'Abwehrkrä fte und der Schuizfunktion der Gewerkschaften auf diejenigen Elemente der Arbeitgeber-Strategien, die tatsächlic den gemeinsamen Interessen der Beschä ftigte und den von den Gewerkschaften verfolgten Anliegen diametral entgegenstehen." Insofern Kurz-Scherf die differentiellen Lebensumstä nd vonMänner und Frauen, die Verschiedenheit derLebenslagenund diesozialen Ungleichheiten, die (keineswegs einheitlichen) Erfordnemisse der Betriebeund die krisenhafte Beschäftigunglagde ie Anforderungen an eine ökologisch Wirtschaftsweise, usw., usf., insofern sie dies alles mitdenkt, werden ihre Ausführunges ehr komplex, aber auch resistent gegen eine allzu pauschale Kritik. Freistellungskonten und optionale Arbeitszeitgestaltungstehen nicht im Widerspruch zu einer generellen ArbeitszeitverkürzunIgm Gegenteil, auch bei einer allgemeinen VerkürzungdeA rbeitszeiten - füM enschen mit Kindern wäre ine Verkürzund er Tagesarbeitezeit am günstigste - könne durchaus Umstä ndeW echselfälld es Lebens eintreten, die vor- - - - - 34 forum nr 169 Zukunft der Arbeit übergehendE rhöhunged es erwerbsfreien Zeitvolumens erfordern. Die Arbeitezeitreduziemng, unter weicher Formauch immer, wird nichtg per se und automatisch die Arbeitsteilung zwischen Männer und Frauen verbessern. Der täglich Kleinkrieg damit die Beteiligung der Männe an der Haus- und Familienarbeit die bisherige einminutige Steigemngpro Jahrüberschreitet wird leider weiterhin auf der Tagesordnung bleiben. Hier sind noch andere Handlungsbereiche gefordert ... Brigitte Stolz-Willig fordert: "Eine an der Gleichstellung der Geschlechter orientierte Arbeitszeit- und Sozialpolitik hätt gerade auch Männer Angebote zu machen, ihre Arbeitszeitmuster und Biographien flexibler zu gestalten." Trotzdem ist die Arbeitszeitreduzierung ein wichtiges Element fŸ die Gleichstellung von Männer und Frauen. Weil sie allen Frauen im erwerbsfahigen Alter das Nachgehen einer bezahlten Arbeit ermöglich und somit ihre finanzielle Unabhängigkei sicherstellt sowie ihre Position innerhalb der Partnerschaft stärktA uch wenn die Arbeitszeitreduziemng nicht automatisch die Beteiligungder Männerande Hausund Erziehungsarbeit vergrößesro verstärks ie doch immerhin füd iese den Legitimationsdruck fü ihre Nichtbeteiligung. d.s. 1 Helena Hirata, Le travail des femmes: nouveaux partages, nouvelles divisions. in: Femmes et partage du travail, p.13 2 Richter/Stackelbeck, S.142 3 "Die schwedische Sozialversicherung wird hauptsächlich d.h. zu85%, durch Arbeitgeberabgaben finanziert - 15% werdendurch Steuern abgedeckt. Direkte Arbeitnehmerbeiträgw ie in der Bundesrepublikgibtes nicht -sie werden quasi mittelbar, durch relativ hohe Einkommensteuersätze rhoben. Die Höh der Arbeitgeberabgaben orientiert sich an der Lohnsumme. Durch Abschließe geringfügigedr .h. sozialversicherungsfreier Beschäftigungsver hältnissb esteht damit füd en Arbeitgeber nicht die Möglichkeit die betrieblichen Ausgaben überproportionaz u reduzieren. Die Unternehmen haben somit keinen finanziellen Anreiz, das B e schäftigungsvolumee inzelner unter die Geringfiifigkeitsgrenze zu drücken. (Richter/Stackelbeck, S. 120) 4 Richter/Stackelbeck, S.127f 5 Richter/Stackelbeck, SI30 6 Kurz-Scherf, Normalarbeitszeit und ZeitsouveränitÃA¤ uf der Suche nach Leitbildernfüei ne neue Arbeitszeitpolitik, in: Seifen, S.37f 7 Kurz-Scherf, in: Seifert, S. 66 . 8 Kurz-Scherf, in: Seifert, S.67 9 Stolz-Willig, Wandel in Familien und Partnerschaften und Arbeitszeitpolitik, in: Seifert, S. 200 Bibliographie: - Gerhard Bäcker Brigitte Stolz-Willig (Hrsg.), Kind, Beruf, sozialeSicherung. Zukunftsaufgabe des Soziaktaats, Köln Bund-Verlag 1994 - CID-Fernmes; Frauenabteilungen von FNCTTFEL, LCGB, OGB-L (Hrsg.), Frauen überdenke die Arbeitswelt Familienorientierte A rbeitsgestaltung und Defizite sozialer Sicherung, Luxemburg 1996 - Helena Hirata, Daniele Senotier (sous la dir. de), Femmes et partage du travail, Paris, Syros 1996 - UrsulaM ülleHr iltraudSchmidt- Waldherr (Hrsg.), FrauenSozialKunde. Wandel und Differenzierung von Lebensformen und BewußtseinB lelefeld, AJZVerlag 1989 -Gudrun Richter, Martina Stackelbeck, Beruf und Familie. Arbeitszeitpolitik fir Eltern kleiner Kinder, Köln Bund-Verlag 1 992 -Hartmut Seifert (Hrsg.), Jenseits der Normalarbeitszeit. Perspektiven fŸ eine bedürfitisgerechter Arbeitszeitgestaltung, Köln Bund- Verlag 1993 169 31 5 Schlechter, Dominique Wie vereinbart Mensch Beruf und Privatleben? Arbeit Deutschland Dossierbeitrag Wie vereinbart Mensch Beruf und Privatleben?
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