Humanitäre Hilfstransporte
Eine Erfahrung für sich
Nachdem ich mehrere Wochen in einem Flüchtlingslager im ehemaligen Jugoslawien gearbeitet hatte und wieder nach Luxemburg zurückgekehrt war, habe ich mit ehemaligen Freiwilligen den Entschluß gefaßt, daß unser Einsatz nicht einfach so, mit der Rückkehr aus dem Krisengebiet, beendet sein sollte. Wir setzten uns zusammen und überlegten, wie wir den Flüchtlingen von zuhause aus helfen könnte ...
Nachdem ich mehrere Wochen in einem Flüchtlingslager im ehemaligen Jugoslawien gearbeitet hatte und wieder nach Luxemburg zurückgekehrt war, habe ich mit ehemaligen Freiwilligen den Entschluß gefaßt, daß unser Einsatz nicht einfach so, mit der Rückkehr aus dem Krisengebiet, beendet sein sollte. Wir setzten uns zusammen und überlegten, wie wir den Flüchtlingen von zuhause aus helfen könnten. Die Idee, einen Transport mit humanitären Hilfsgütern zu organisieren, lag auf der Hand. Die Motivation war groß, doch niemand hatte geahnt, wieviel Zeit und Nerven ein solches Vorhaben kosten würde.
Die Probleme begannen gleich bei der Suche nach einem geeigneten Warenlager. Da unsere Organisation (Pax Christi Luxemburg) nur beschränkt finanzielle Mittel zur Verfügung hat, nahmen wir dankend den Vorschlag an, kostenlos die Räumlichkeiten der Beggener Kirche benutzen zu dürfen. Daß die Hilfsgüter zuerst in den Keller getragen werden mußten, um sie dort auszusortieren und sie dann in einheitliche Kisten zu verpacken, um sie später auf den ersten Stock zu tragen, wo sie sortiert und gestapelt werden konnten, störte uns nicht.
Als die Vorbereitungen abgeschlossen waren, konnte die eigentliche Sammlung beginnen. Gesammelt wurde alles, woran es den Flüchtlingen fehlte: Kleider, Schuhe, Nahrungsmittel, Wolle, Babysachen, Hygieneartikel und vieles mehr.
Obwohl es uns an Spendern nicht fehlte, war es doch erstaunlich, wieviele Leute ablehnend auf unseren Aufruf reagierten mit dem Argument, daß man nie wisse ob und wo die Sachen überhaupt ankommen.
Hierzu kann ich bloß sagen, daß ich noch keinem begegnet bin, der einen Hilfstranport organisiert ohne zu wissen, wo die Sachen hinkommen sollen und der nicht alles Mögliche unternimmt, daß sie auch an der richtigen Stelle ankommen. Es stimmt, aß in den Zeitungen immer wieder von Transporten berichtet wird, die ihr Ziel nie erreichten. Aber es ist doch wohl bekannt, daß viele Zeitungen lieber negative als positive Schlagzeilen dmkkeii. Würden sie näriilich auch überall jene Transporte berichten, die ihr Ziel erreichten, niüßte rrian feststellen, daß nur ein iiuniiiialer Prozentsatz der Transporte beschlagnahiiit oder gestohlen wird oder einfach verschwindet. Desweiteren stiiiutit es, daß zeitweilig in verschiedenen Gegenden (Gott sei Dank nur in Ausnahrrieregionen) bis m 50% der Ladung als Tribut abgegeben werden iiiußte, uni uherhaupt Zugang mrii Krisengebiet zu erhalten. Man darf aher nicht vergessen, d;iß die restlichen 50% schon viele Meiischeii vor deiii sicheren Hunger- oder Kältetod gerettet hahen. Wenn diese Maßnahiiien uns davon abhalten würden, weitere- Transporte zu organiseren, würden wir daiiiit diese Politik der Menschenverachtung und Menschenzerstiimng billigen und sogar indirekt unterstützen! Auch der erforderliche Papierkrieg katui nerventiitende Auswirkungen hahen. Wenn die Spendenbescheinigungen noch probleiiilos erledigt werden können, so beginnen bei den Zollpapieren und allen übrigen Geriehitiigungen und Bestätigungen die Probletiie. Es ist so, daß die Hilfstransporte größtenteils von Freiwilligen organisiert werden. Das bedeutet, daß diese Leute tagsüber arbeiten oder die Schulbank drücken. Es ist aber uniiiöglich, die notwendigen Paiere nach 18 Uhr oder übers Wochenende zu besorgen. Es iriuß sich also jeiiiand finden, der während der Öffnungszeiten der Verwaltung Zeit hat, sich uiii den Papierkraiii zu küiiuiiern. Spannend wird es dann, wenn der Lastwagen an der Grenze des Ziellandes steht und deiii Fahrer erklärt wird, seit dein Vortag seien neue Papiere zuin Überqueren der Granze erforderlich. Inforriuitionen, die in Luxeiiiburg oft nicht zu erhalten sind. Während die einen sich uiii den Papierkrarii küiiuiiern, sortieren die andem die gesaiiuiielten Sachen aus und verpacken sie in einheitliche, der11 Inhalt nach beschriftete und abgewogenen Kisten. Leider riiuß jeder gespendetet Artikel einzeln kontrolliert werden, denn es gibt Leute (Gott sei Dank sind sie eine Ausnahiiie), die eiiie solche Saiiiiiielaktion iiiit der Müllabfuhr verwechseln. Daß die gespendeten Kleider nicht neu sind, ist selbstverständlich, wenn iiian allerdings wegen der vielen Löcher nicht iiiehr erkennen kann, ob es sich uni eiiie Hose oder ein Heriid handelt, wird's peinlich. Außerdeiii versteht wohl jeder, daß wir bloß gewaschene Unterwäsche an die Flüchtlinge verteilen können. Auch die Lebensmittel niüssen einzeln auf ihr Verfallsdaturii überprüft werden, daiiiit wir solche aussorteiren können, die teilweise schon seit einigen Jahren abgelaufen sind. Bereits angebrochene Packungen werden selbstverständlich nicht verschickt. Es wäre wohl zieiiilich erniedrigend, wenn ein Flüchtling eine bereits angebissene Tafel Schockolade ausgehändigt bekäiiie. Auch beiiii Aussortieren der Hygieneartikel findet inan erstaunliche Sachen: fast leere Shaiiipooflaschen, eine Plastiktüte iiut nicht mehr einzeln verpackten Tarnpons oder einfach nur gebrauchte Zahnbürsten. In solchen Motrienten fragt man sich, ob es noch iiriiiier Leute gibt, die nicht wissen, daß es sich bei Flüchtlingen urn Menschen handelt! Teddy's, mit denen nicht iiial niehr der Hund spielen möchte, sind aber noch gut genug für Kinder, die in einerri Flüchtlingslager aufwachsen iriüssen. Für diese Kinder scheinen auch Puzzles m genügen, bei denen fast die Hälfte der Teile fehlt. Recycling ist OK, aber Schulhefte, in denen nur noch in etwa tünf Seiten unbeschrieben sind, gehören doch wohl eher in den Papiercontainer als in eine Saiiiiiilung für Flüchtlinge. Aber Gott sei Dank sind die hier aufgelisteten negativen Erfahrungen größtenteils Ausnahiiien. Die iiieisten Hilfstransporte erreichen "probleiiilos" ihr Ziel und viele Leute spenden fast neuwertige und sorgfältig ausgesuchte Sachen. All diesen Leuten riiöchte ich hier ein großes Dankeschön aussurechen. Ein Dankesch& i r i i Nariien der Menschen, die in ihrer Not die Hilfstransporte nicht nur als notwendige nuiterielle Hilfe ansehen sondern auch ab nioralischen Unterstützung. Und wenn iiian dann iiii Krisengebiet bei der Verteilung in die dankbaren Gesichter schaut, in deren Augen zuiii Teil Freudentränen stehen, wenn sie einen wariiien Winterriuintel erhalten, dann sind all die Strapazen und Moniente der Eiiipörung vergessen und die Motivation zum Organisieren eines neuen Hilfstransports wächst. Paul Gieres 16 forum nr 170 170 15 2 Gieres, Paul Humanitäre Hilfstransporte. eEine Erfahrung für sich. Jugoslawien Beitrag Humanitäre Hilfstransporte - eine Erfahrung für sich
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