Die EU und der Sozialstaat
Was wird aus der Sozialstaatlichkeit der EU-Mitgliedstaaten im EG/EU-isierungsprozeß?, das ist die Frage, der Prof. Dr. Hans Pfaffenberger, emeritierter Hochschullehrer in den Fachgebieten Sozialpädagogik/Sozialarbeit aus Trier im folgenden Beitrag nachgeht.
Die EU beruht auf dem noch gültigen EWG-Vertrag von 1957 und hat inzwischen sowohl Phasen der Weiterentwicklung als auch der Stagnati ...
Was wird aus der Sozialstaatlichkeit der EU-Mitgliedstaaten im EG/EU-isierungsprozeß?, das ist die Frage, der Prof. Dr. Hans Pfaffenberger, emeritierter Hochschullehrer in den Fachgebieten Sozialpädagogik/Sozialarbeit aus Trier im folgenden Beitrag nachgeht.
Die EU beruht auf dem noch gültigen EWG-Vertrag von 1957 und hat inzwischen sowohl Phasen der Weiterentwicklung als auch der Stagnation durchlaufen. Es ist heute schon ein Europa der zwei und mehr Geschwindigkeiten, wie u.a. das Schengener Abkommen und seine Umsetzung, das opting-out Däneirtuks iind Großbritanniens ausweisen. Von diesem Pltänoinen des Stillstands und Fortsclueiteiis, das sich irr1 politisclien Kräftespiel und Auslmndlrmgsprozeß der beteiligten Akteure mit uiiterschiedliclie~iI nteressen itnd Zielen abspielt, spreclie ich als EG/EU-isienuigsprozeß. Dieser ist keineswegs ~iieui n Prozeß der Iritegration - derui eine solclie Integration liat sich auf verscliiedenen Dirnerisioiieii iind bei gewissen Fragestelliirigeri als politiscli ~iiclit iiiaclibar, iiiclit zweckiii,ißig oder iiiclit koriseiisfälug lieraiisgestellt. Deiiiziifolge werden verschiedene Prozeß- iind Verfalueiisvxiaiiteii "erfiiiideii", die leichter lierstellbar, besser akzeptierbar iind politisch wirks'anier sind: K00I'diliie~lg statt Harmonisiemg, Koliäsioris- statt Integrationspolitik, Zwei- iiiid Melir- Gescliwiridigkeitsverfahren iisw. Nur auf diesem Wege der Aufweicliiirig, der opting-out-Toleranz, der Akzeptanz einzelstaatlich verscliiedener Gescliwiiidigkeiten bei der Aruiäliening sozialpolitisclier, arbeitsreclitliclier lind anderer Standards - als Koliäsio~ ispolitik bezeichnet -, konnten überliaiipt "Fortscluitte " iind EG-relevante Verändentngen erreiclit werden. Welche Aiiswirkiirigeii liat 111111 dieser EGIEUisienirigsprozeß auf Sozialpolitik iirid damit aiif die S~zialst~tiiclikedietr EU iind ilirer ei~uelnen Mitgliedstaaten? Aiisziigehen ist hierbei vo~nei ndeiitigeii iind andauernden Vomig wirtscliaftspolitisclier Ziele (Wirtscliaftswaclistiim iind Wettbewerbsfäliigkeit) seit Gründung der EWG, während andere teilpolitisclie Ziele liöchstens indirekt erreiclit werden sollten, so die Verbessening der sozialen Siclienirigssysteiiie qiiasi als Nebenprodiikt des Wirtscliaftswaclistiims. Eine Aiisriali~riev on der Priorität der Wirtscli, aftspolitik stellt die Siidenveitenirig (die Aiifrnluiie Griechenlands 198 1 sowie Portugals und Spaniens 1986) dar, die ziir in~iere~Sita - bilisiemng und Demokratisiemng der betreffeliden Staaten beitragen sollte. Sicher brachte (und bringt) sie der Gemeinscliaft und dem Integrationsprozeß tiielir wirtscliaftliclie Scliwierigkeiten sowie Probleme bezüglich sozialpolitisclier Fortscluitte als Vorteile. Somit traten an die Stelle der ursprüiigliclie~i Idealvorstellurig einer iiiögliclist raschen imd weitgehenden Integration bald andere Modelle, wie die euies Europas der zwei (oder ~nelu) Geschwindigkeiten, die Vorstellung eines "Kenieuropa", das unausgesprochen einen Rückziig auf die ursprüngliclien Gründerstaaten bedeiiteii würde. Unter dem Primat der Wirtschaftspolitik Ist die EU auf derii Wege zliiii Sozialstaat? Und sind die EU-Mitgliedsstaate11 auf dein Wege ni mehr Sozialstaatliclikeit? Diese vereirifaclieiicie Foniiuliemng für ein ganzes Bündel von Fragen bedarf der Differenzierung: 1. Die EU ist nicht auf dem Wege zuIn Sozialstaat, weil sie nicht aufden1 Wege ni ei~ie~Sttia at, sondern zu einem Staatenbund ist. Desl~zlbs i~id und bleiben die diese Staatengeriiei~iscliafbt ildenden Nationaistaaten Sozialstaaten verscliiedener Eiitwickliings-stufen, Aiisprägii~igsgrade iind Stniktin-eigerilieiteri. 2. Aiigestrebt wird über die Wirtsch,aftsgeirieinscliaft luriaus, die iiii weseiitliclieri diircli den Biiuieiutxarkt erreiclit ist, eine Wirtschafts- und Wälmingsuruon. eine Politische Union (GASP), aber keine Sozialuiiion. 3. Die bis lieiite die Integration bestiiiiiiiende Biruie~uituktpolitikli at wirtscli'aftliclie Ziele iiiid Regrüiidiuigeii, sie benilit auf einem ökonornistisclien Kalkül. Soziale Koriiponenten entli31t sie nur dort, wo diese als Abbau von Handlungslieiiirruiisse~ vi erstanden werden, z.B. lunsichtlicli Arbeits- iind Unfallscliiitz. Dies gilt aiicli fiir bildiirigspolitisclie Maßiialuiie~ui rid Riclitliiiieii, wie die gegenseitige Anerkennung von Bildiuigsabscliliisseri, Diplonien iisw., die in erster Linie die Freizügigkeit der Ware Arbeitskraft gewährleisten sollen Diese Regelii~igeisi ind also niclit prirniir sozialpolitiscli begründet, sondeni auf wirlscliaftspolitisclie Ziele des EG-Binnenmarktes ausgerichtet: Sie sollen den freien Verkelu von Dieiistleishirigen, Arbeitnehmern und Selbständigeii (sowie von Waren und Kapital) siclierstelleii. Nur insoweit, als soziale und sozialplitisclie Regeluiigeii zur Flankierung oder Stützu~igw irtschaftliclier Entwicklung notwendig oder zweckinäi3ig erschienen, fanden sie den Weg iri Ziel- und Aiiftragsformulierungen der EU. So fonniiliert die allgeineirie Formel irn Art. 130a EWGV die Absicht "die l~iiotiisclieE iitwickliiiig der Geirieinscli'aft als Garizes zu förderri" iirid die Verpfliclihirig, "den wirtsclkaftliclie~iii rid soziale11 Zusanuiieiiliang zu stärken". Aus solchen Foniiidieniiigsc~s2tzeiwi ird von maiicheri Aiitoreri eine sog. soziale Dirneiisioii der EU heraiisgelesen iiiid abgeleitet. Diesen allgeineirien Absiclitserkläniiigeii steht aber die Realität der Eiidprodiikte des politisclieii Prozesses irn Marsch diirch die Institiitioneri und Org'ane der EU gegenüber: Um dcas Gmdrechtsdefizit des EU-Rechtes zu beseitigen, lnt das Europäisclie Parlanie~it (EP) aIri 12.04.1989 eine "Erkläniiig der Gnindrechte iiiid Gniridfreilieiten" bescldossen, die aiicli sog. soziale Gni~idrecliteb einhaltet (v.a. Zusiclieni~ig sozialen Scliiitzes in Art. 15). Da solclie Empfelilurigeri des EP aber iuiverbiridlicli sind iiiid niclit ziuri Best'mdteil von EU-Reclit oder iiatio~~~ler Reclitsverbi~idliclikeitenw erden, weisen sie niir aiif eine notwendig einzufüluende soziale Diiiietisioii des EU-Reclites Iiin. Deshalb hat das Eiuopäische Parlarrieiit eine "E~itscliließii~zigu r sozialeii Dirne~isiori des Biiuie~unarktes" 1989 verabschiedet: Die Bekämpfung der Amiit und der Beincliteiligiuig wird als Teil des Kanipfes für die Me~ischerueclite betrachtet, weil "'jeder Me ~tschA ~ueclita iif irieiisclieiiwürdige iind aniieliriibare Leberisbediiigiirigeri iiiid eine angertiessene Woluiiing liat; jedem Meiisclien die Hilfe iiiid firnnzielle Unterstiitning gewdut werden 1tiiu1, die er beriötigt, tun menschenwürdig leben zii können."' Diese Aiiregiiiigeii hat die Europäisclie Ko~ruiiission aufgegriffen lind einen Entwurf für eine "Gemei~iscl~aftscliardtae r sozialen Gnindrechte" nir Bescliliißfassiiiig durch den Eiiropäischeri Rat vorgelegt. Auf dessen Sitzung ain 09.12.1989 wiirde eine "Gemeinschaftscharta der sozialeii Gniridreclite der Arbeitrieluiier" von elf der zwölf Mitgliedsländer (opting-out Großbritanniens) angenoitirnen, die den ursprii~ igliclienE ntwirf aiif Rechte für Arbeitnehiner reduziert iirid in anderen Punkten verwässert, bei denen die Vorscliläge des Ko~mlissionsentwurfes und die weitreichenden Vorstelliingen des EP niclit übeniomnen wiirden Iii diesein Ziisainiiie~ iti~mwgi rd die Koinrnissioii zwar aiifgefordert, rechtliche Regelungen vorziiscldagen, was sie init ilirein Aktionsprogramm vorti 29.1 1.1989 aiicli tat, doch bleibt angesichts der Uneinigkeit iii sozialpolitischeii Fragen desseii Umsetzung in verbindliclies EU-Reclit außerordentlicli fraglich, obwohi es zentraie sozialplitische Themen ohnehin kaum berührt (z.B. schlägt es unter dem Punki "Beliinderte" eine "Richtlinie über eine Verbessemng der Teilnahme von Arbeitnehmern mit eingescluär~kterM obilität arn Verkelu" vor). Das "Scliicksal" der Sozialcliarta ist symptoinatisch und exeinplarisch für die sog. soziale Dimension der EU: sie wurde auf dem Weg zur Entscheidung von Instanz zu Instanz abgeschwächt , ist a n Ende ohne verbindliclienReclitscliai.akter eine lose "Selbstverpfliclitung" der Unterzeicliner und wiirde selbst in dieser reduzierten Fonri niclit von allen unterzeichnet. Hier zeigt sich Pessin in: Le Monde deiitlich die sozialpolitisclie Scliwäclie der EU, die gerade Iiier ein Europa verscliiederier Geschwindigkeiten, ja verschiedener Ziele ist! Die tiefgreifenden Unterscliiede in Gruiidpositionen der Sozialpolitik offenbarten sich noclunals iii der Niclihinterzeichnung des Maastricliters Sozialprotokolls (das britische opting-out). Bei diesen unüberbrückbaren Differenzeii geht es einmal um die Frage der EU-Kompetenzen, d.h. wie weit sozialpolitische Probleme EU-rechtlich geregelt werden können oder sollen; zum anderen aber uni mehr oder weniger Sozialstaatlichkeit, um weitergehende sozialpolitisch positive Entwicklungen. Was das der Charta zugrundeliegende Ziel eines "solidarisclien Eiuopa" betrifft, so ließ die Kommission aus dem Munde ihres Präsidenten zwar wissen, daß sie dieses teile und dazu alle vertraglichen Möglichkeiten nutzen wolle, v.a. Art. 100a (betrifft die Schaffung und das Fuiiktioiiiereii des Bi~inenniarktes)s owie Art. 118 a EWGV (Sicherheit und Gesundheit der Arbeitneluner). Hieran zeigt sich aber erneut die einseitige Auswahi sozialpolitisclier Teilziele und die Instrumentalisiening sozialpolitisclier Regtilieruiigeri und Maßiil?lutieii nir Erreichwig wirtsclidtspolitisclier Ziele. Selbst das iiti Maastricliter Vertragswerk offiziell eirigefiilute, urspniiiglicli aiif soziale Sachverlialte bezogene Siibsidiaritätspririzip wird so iiiterpretiert: "Nur weiui die ökoiioirusclieii Griiiide deiitlicli fiir eine Geirieiiiscliaftszustäiidigkeit sprecheii, sollte die Koiripeteiiz (für Maßidunen lind Regeliiiigen sozialer Ordnungspolitik) auf die Geitieinscliaft iibergelien". Dabei gilt es "zwei Klippeii" (Delors) ni venneideii : "soziales Diuripiiig aiif Kosten derfortgescluitteiisten Länder" und "ni eiiie~igerideV orscluifteii, die den Mitgliedsstaaten niit (wirtscliaftlicliem) Entwicklungsnickstand uruiiöglicli nmclien würden, ilue koitiparative~Vi orteile (d.11. ilue sozialpolitisclieii Eritwickluiigsrückstäiide, H.P.) zu iiutzeii". Aus dieser Siclit sind also ~ozialst~tliclie Defizite iiiclit baldiiiöglichst abziibaiieii, soiideni als koiiiparative Vorteile irr1 verscldrfteil Wettbewerb zii iiiitzeii. D'uiiber luriaus köriiieri Mitgliedsstaate11 "itiit Hilfe ilues Sozialsysteiiis" (iiii Klartext: diircli Sozialabbaii) "ilue Wettbewerbsf3ugkeit flexibel wiederlierstelleii" oder stärkeii. So köiuiteii aiicli gezielte rntioiiale Strategien zur Verbesserurig der Wettbewerbspositioii iii der sicli iritegriereiiden Geiiieiriscliaft zii eiiieiri Abbaii liöherer sozialer Mit dem EURO verschwindet das Soziale I Für den Herausgeber der Publikation "Zur Internationalisierung und Supranationalisierung der Sozialpolitik", Hans Pfaffenberger, ist diese Entwicklung gleichbedeutend mit dem Abbau der Sozialstaatlichkeit und nach wie vor vom ursprünglichen Ziel, der wirtschaftlichen Integration, geprägt. Die fortschreitende Regression der sozialen Sicherungssysteme möchten die Autoren (Studenten der Uni Trier) einer kritischen Bestandaufnahme unterziehen und zentrale Fragestellungen der nationalen als auch internationalen Sozialpolitik in einem work-in-progress Bericht dokumentieren. Als Einführung stellen S. Alpers und A. Amend die Geschichte und den Aufbau der Sozialpolitik in den Europäischen Mitgliedstaaten sowie den Vereinten Nationen dar. lm Anschluß erörtern M. Klein und S. Rouhi anhand der Menschenrechte (UN-Charta) und der sozialen Grundrechte (Europäischen Rat) potentielle Säulen einer zukünftigen supranationalen Sozialstaatlichkeit. J. Kornbeck erläutert am Beispiel Großbritanniens das Prinzip des opting-out zur Adaption national-kongruenter EU-Bausteine als Symptom einer Spannung zwischen nationaler Wettbewerbssicherung (Status quo) und supranationaler Sozialpolitik. Hans Pfaffenberger verweist auf eine düstere Zukunft der EU-Sozialstaatlichkeit, die "keinesweg nur ein Prozeß der Integration", sondern "in Gestalt der lückenhaften oder fehlenden EG-Sozialpolitik nur gewolltes Instrument oder Medium des Sozialabbaus" ist. Das Buch schließt mit einer Sammelrezension aktueller Publikationen aus dem englischen Sprachraum, die einen Blick über den nationalen Tellerrand ermöglichen. Hans Pfaffenberger (Hg.): Zur Internationalisierung und supranationalisierung der Sozialpoltik, Zentrum für europäische Studien, Universität Trier, 54286 Trier, 1996, 10.- DM K. Schneider Staridards aid das gertieiriscliaftsweite, ziuiäclist niedrigere Niveau fiiluer~D ie liäiifig gezogene Scldußfolgening lautet: "Aiis diesen ökoiionusclieii Gründen wid vor dem Hiiitergmnd der Iustorisclieri Situatioii der EG als einlieitliclieiii Markt oluie eiiilieitliclieii Staat bietet sich Siibsidiarität als gniiidlegendes Prinzip fiir die soziale Ordniiiigspolitik der Gertieiiiscliaft an Die Mitgliedsländer bleiben danacli uri wesentliclieri frei iii der Gestaltung iluer sozialeii Ordiiiiiigspolitik." Bestimmend sind also niclit sozialpolitische Zielsetzurigeii fiir ein "solidarisclies Eiiropa", sonder11 wirtscliaftliclie Gegeberilieiteii uiid Wettbewehszwkige, in diesein Falle die Austarierung sozialer Mi~ideststan~rditsu t der1 (wirtscliafts- iind entwickliiiigspolitisclie~i) Bediiigungeii des (wirtscliaftliclien) Aiifliolprozesses weniger eiitwickelter Läiider. Die Begrüiidurigeii iiiid Ableituiigeri des Subsidiaritätspriruips uiid der sog. Koliäsioiispolitik sclieiiieii deslialb kaiirn eine ge~rieiiisaiiie Sozialpolitik iriit geineinsaiien Zieleit uiid Regelungen aiif den Weg ni bringen, soiideni jeweils eiiuelstaatliclie Sozidpolitikeri iin Dieiiste natioiialer wirtscliaftspolitisclier Stntegieii. Ob diese daiui zii iiielir oder weiiiger Sozialstaatliclikeit fiilu-eil, bleibt offen: Es ist das Resultat iiuierstaatiiclier politischer Prozesse, an deiieri eberiso wie aiif EUEbene Akteiire uiiterscliiedliclister und konträrer sozialpolitisclier Staidpiiiikte beteiligt sind. Europa - auch eine sozialstaatliche Größe? Die Koniplexität iirid Divergenz von Positioiien iiiid Iriteresseri sowie die ii~iterscluedliclieröi koiioiriisclieii Erttwickliingsriiveaiis iind sozialpolitisclieii Standards der eiruelrieii Mitgliedsstaaten lasse11 die Probleriiatik einer genieiiisaiiieri Sozialpolitik auf deiri Weg zii iiielir Sozialstaatliclikeit eraiuieil Ziigleicli taiiclit die Frage aiif iiacli den Riickwirkiirigeii dieses scliwierigeii EU-Prozesses aiif die eiruelstaatliclieii Sozialpolitikeri. Die Iiitegratioii, das Wegfallen vor1 iiatiorialen Grerizeri bringt riiclit niu wirtscliaftliclie Vorteile, es sclmfft aiicli iieiie Probleirie diircli das eritgreiizte Aufeiiniiderpralleii vor1 Volkswirtsclmfteii uriterscluedliclister Wirtscliaftskraft. Die zelui reiclisteii EU-Regioiieri liabeii das zweieiidialbffaclie Pro-Kopf-Einkoriiitien der zelui änristeii Regiorien Diese neu eiitstarideiien Probleirie emarigeii die Ei~ifiilinuig der sog. Koliäsiorispolitik, die aristelle einer Aiigleicliiing ökoiiortiisclier iiiid sozialpolitischer Eiitwickliuigsii4veai~ die vorsiclitige, alliti3iliclie Steiienirig und Aiisbalaiicieniiig korifligierender Prozesse iiiid aiders'utiger Arbeitsteiliuigs~ riodellese tzte. Iii diese111K ontex? ist voii der 0.g. Niitniiig koiriparativer Vorteile tiiid vor1 rtiögliclieii gezielteii Strategien der sozialpolitisclieii Eritlashiiig, d.1~de s Sozialabbaiis, nigiiristeil der Wettbewerbsfäliigkeit die Rede. Hier zeicliiieii sich Gefäludungeri sozialpolitisclier Standards durcli die Rückwirkiiiig des EGEUisieniiigsprozesses aiif die eiimlstaatliclieii Soforurn nr 176 zidpolitikeii ab. Das in Maastriclit ausdnicklicli eiiigefiiirte Siibsidiaritätspritizip begiiiistigt die Uiiisetziiiig solclier iiatioiialstaatliclier Strategien (soweit iiiclit ökononiisclie Griinde iiiid Aiiswirkiiiigeii scliwenviegeiid dagegen spreclieri) zii Lasten eirier geirieiiiscliaftliclieii Sozialpolitik. Ein solclier Trend niiri Sozialabbaii ist iii deii westliclicii Iiidiistrielärideni von den USAReagaiioiiiics aiisgclierid iiber deii britisclieii Tlmtclierisiiiiis seit Jalueii iii Gang iiiid Iiat aiicli die Staaten des skaiidiii;ivisclieii Sozidstaatsiiiodells scliori vor dereii Beitritt eriaßt. Haiidelt es sicli bei diese111 uiuverselleii Pliäiioiiieii in westliclieri Iiidustriestaateii tatsäclilicli iii erster Lirue iiin die ökoiioiiiisclie Fmge der Fiiiarizierbarkeit des Sozialstaates? Oder riiri eiiie gniridsätzlicliere Krise der kapitalistisclieii Wirtsclirifts- iuid Gesellsclt?fisordniiiig, oder (wie der britisclie Soziaiwisseriscliaftler Deakiii veniiiitci) iiiii eiiie "Krise der Werte", also eine soziokiiltiirelle Problematik, bei der es tiiii Prioritäten von Werten. etwa Solidarität vs. Effizienz, oder von Teilpolitikeii, etwa Wirtscliaftspolitik vs. Sozialpolitik gellt? In welclieiii Ziisaiiiiiienliaiig stellt diese kriseiiliafte Eiitwickliiiig der Sozialstaaten iiut dein zeitlicli gleiclilaufeiideii EGJEUisienuigsprozeß'? Handelt es sicli Iiier iiiii ein ni- Siilliges Ziisaiiurieritreffeii politisclier Trends iiiid Teiideiizwerideii in eiiier Krise oder eiiieni Uiiibnicli der Werte, uiii eine11 koiignieiiten politisclien Prozeß der Untenverfiiiig sozidstaatliclier iiiid sozialpolitisclier Gniridsätze iind Leistungen iiiiter das Diktat ökoiioit~stisclieii Kalkiils, iiiii eine Tendenz ziiiii Soziaiabbaii, die durcli die Eiitgreiiziuig der Probleiiie iiiid Krisen iiii Iiitegratioiisprozeß initiiert oderverstakt wiirde oder iirii die Verstarkiirig einer dlgeriiei~ieiig. lobdeii Sozialabbaiiteiideiiz diircli den Anpassiiiigsdnick des laiifeiiden wirtscliaftliclieii Iiitegratio~ isprozesses der EU, welelie irr1 Falle der poteritielleri Beitrittsstaate~iii ii sonisageii voniiseileiideii Geliorsaiii gar schon vor dein Beitritt iibenioriiirieii wirde? Die EU bestellt ziuZeit aus 15 i~ztioiideiSi ozialstaaten irut allen bereits erwäluiten Uiiterscliede ii auf verscluedeiieii Ebeneii. Iiii Gegensatz nir relativen Hoiiiogeiutät der iirspriingliclieii Seclis (Gni~iderst~teibim) cliteii vor alleiii die Enveiteniiigeii iiiit deiii Block der änristeii Lälider - Irlaiid, Portiigal, Spaiueii, Grieclieiilaiid - eiiie eiioniie Vergrößeniiig dieser Uiiterscluede iuid iiiit der erlieblicli vergrößcrteii Heterogeiiität aiicli eiiie Vers~li~irfiiidiger Probleiiie iiii sozialpolitisclieii Bereich. Die letzte Erweitenuig - iiut deiii Beitritt von Scliwedeii iiiid Österreicli d s wirtscliaftlicli stiirkereri Lälideni - wird vor allein fiir diese Läiider selbst sozialpolitisclieii Aiipassiiiigsdnick iiiid AiSordenirigeii in Riclitiiiig der Koliäsiorispolitik bedeuten. Iiii Ziige des fortsclireiteriden EGIEU-isiemiigsprozesses, der vor alleiii den wirtscliaftliclieii Ziisaiiiiiienscliliiß (sprich: Grenzenlosigkeit iiacli iririeii) vorprograriiiiuert hat, eiitstelit besonders bei Enveiteniiigeri die Frage, ob dieses nisaiiuiieiiwacliseiide Eiiropa iiiir eiiie wirtscliaftliclie, oder aiicli eiiie sozialstaatliclie Größe werden wird. Die Aiiswirkiiiigeii sozialpolitisclier Art aiif die Mitgliedsstaaten sind je imcli Wirtscliaftskraft iuid Sozialstaatsiiiodell diircliaus iiiiterscliiedlicli: Fiir die wirtscliaftlicli starkereil iuid entwickeltereii Sozidstaaten, denen iiifolge der Siibsidi'ariät die Ziistäiidigkeit fiir Sozialpolitik in volleni Uiiifaiig verbleibt, koiifligiereii wirtscliafts- iuid sozialpolitisclie Ziele iiiid M~aßiialuiieii erlieblicli, so daß diircli die EU-bestiriuiieiide Orieiitieniiig an Wirtscl~7ftswac~ishiiiiii d Wettbewerbsfäliigkeit dereii sozialstaatliclie Staiidards gefiludet siiid. Enveiteniiig der EU durcli weitere Beitritte, d.1E~i itgreiiniiig aiicli sozialpolitisclier Probleiiie, und Siibsidiarität, d.li. Verlageniiig der Probleinlösiiiigsaiifgabe iiacli iiriteii, wirken koiiiplexitäts- lind probleiristeigenid. Da die EU von voniliereiii aiif öko~ioirusclieZ iele iiiid wirtscliaftspolitisclie Mittel aiisgericlitet war, 1mt ein eiitsprecliender Prozeß sozialpolitisclien Nacliderikens und des Fiiideiis einer gerueiiisaiiien, sozialpolitisclieri Koiizeptioii iiocli gar nicht begoiuieii bzw. ist ari der Koiiiplexität iiiid Hetero- Die Integration, das Wegfallen. von nationalen Grenzen bringt nicht nur wirtschaftliche Vorteile, es schafft auch neue Probleme durch das entgrenzte Aufeinanderprallen von Volkswirtschaften unterschiedlichster Wirtschaftskraft. genität gescheitert. Statt dessen kam es zu ad- Anstrengungen im Ringen um mehr Sozialsh~thoc- Absiclitserklämiigen und Maßnahmen zur lichkeit mobilisieren Flankiening und Stützung des ökornisclien Prozesses oline übergreifende, die grundlegende So- Prof. Dr. Hans Pfaffenberger zialstaatsdiskussion aufgreifende Konzeption, deren Felgen letztlich die sozialstaatliche Pro- Vzir forum überarbeitet von Klaus Schneider) blemlösungskapazität aiif allen Ebenen J + ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ L schwächt. Hans Pfaffenberger (Hg.): Zur Internationalisie- Die Progiiose ist düster - doch sie sollte alle so- rung und Supranationalisierung der Sozialpolizialstaatlicli engagierten Akteure m vermeluten tik, Zentrum für europäische Studien, Band 32, 1996 176 4 5 Pfaffenberger, Hans Prof. Dr. Die Eu und der Sozialstaat. Sozialstaat EU Beitrag Die EU und der Sozialstaat Beim europäischen Integrationsprozeß ist auszugehen vom eindeutigen und andauernden Vorrang wirtschaftspolitischer Ziele, während andere teil politische Ziele höchstens indirekt erreicht werden sollten, so die Verbesserung der sozialen Sicherungssysteme quasi als Nebenprodukt des Wirtschaftswachstums.
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