Ergänzung statt Gegensatz
Wirtschaftlichkeit und soziale Eingliederung. Zur Arbeit von Inter-Actions
Seit den Rezessionen von 1973/74 und 1980/81 ist Europa mit einer steigenden Zahl von
Arbeitslosen konfrontiert. Diese schubweise Zunahme der Arbeitslosigkeit wurde durch die
Rezession der Jahre 1992/93 erneut bestätigt. Heute liegt die offizielle Arbeitslosenrate in der
Europäischen Union bei 11 Prozent. Luxemburg, obgleich mit drei bis vier Prozent nicht n ähnlich
dramatischem Umfang betr ...
Seit den Rezessionen von 1973/74 und 1980/81 ist Europa mit einer steigenden Zahl von
Arbeitslosen konfrontiert. Diese schubweise Zunahme der Arbeitslosigkeit wurde durch die
Rezession der Jahre 1992/93 erneut bestätigt. Heute liegt die offizielle Arbeitslosenrate in der
Europäischen Union bei 11 Prozent. Luxemburg, obgleich mit drei bis vier Prozent nicht n ähnlich
dramatischem Umfang betroffen wie andere EU-Staaten, sieht sich ebenfalls einer steigenden
Anzahl Arbeitssuchender gegenüber.
Mit einem Territorium von 2.586 Quadratkilometern und 430.000 Einwohnern
ist Luxemburg ein ausgesprochen
kleiner Staat. Zieht man von einem
beliebigen Punkt des Landes aus einen
Kreis mit einem Radius von 50 Kilometern.
landet man automatisch im Ausland.
Die Inlandsbeschäftigung umfasst
230.000 Beschäftigte, wovon 68.000
Grenzpendler aus Frankreich, Belgien
und Deutschland sind. 91 Prozent der
Grenzpendler wohnen in einer Region,
die einen Gürtel von ungefähr 45 Kilometer
um das Land legt. FEHLEN
ermittelt für die gesamte Region, unter
Einbeziehung (les Grossherzogtums. für
1993 eine Arbeitslosenquote von neun
Prozent (,ch|cn,\VV5.S.7). Heute sind
Ü/X) Menschen in Luxemburg arbeitssuchend
gemeldet, 3,2 Prozent der
Erwerbsbevölkerung (\).während noch
Anfang der 70er Jahre überhauptkeine
Arbeitslosigkeit registriert wurde.
Die beschäftigungspolitischen Initiativen
der öffentlichen Hand bei der Eing\
iedc,unz Arbeitsloser konzentrieren
sich derzeit in erster Linie auf dcii sog.
zweiten Arbeitsmarkt. An dieser Tatsache
ändert der im Anschluss an den
Conseil européen extraordinaire sutl'emploi
augearbeitete Plan d'action
//u tinoo le en 'avert,- de /'o/y,/o/ (PAN)
(2) nur wenig.
Hu- die Arbeitssuchenden bietet jedoch
die Beschäftigung auf dem zweiten
Arbeitsmarkt eine grundlegend andere
A,hci/scMahmng, als in Unternehmen
auf dem regulären Arbeitsmarkt. Für
Chic bestimmte Kategorie Arbeitssuchender
mug ersteres eine adäquate
Lösung sein, jedoch ist Vorsicht bei
einer Verallgemeinerung dieser «Eingliederungsform
» geboten, da sie, ans/
uu den Übergang in den ogu|uon
Arbeitsmarkt zu fördern, diesel', insofern
über |Üogc,c Zeit eine Unterforderung
der Betreffenden stattfindet,
auch behindern kann. Insbesondere bei
jküngerein Arbneitssuc-hendegn ist eien
n, 'Aufenthalt' auf dem zweiten
Arbeitsmarkt soweit nur möglich zu
vermeiden. Eine integration auf dem
ersten Arbeitsmarkt, gg[ mi t den notwendigen
vorbereitenden und begleitenden
Massnahmen muss auf jeden
Fall prioritär sein.
Aufgrund dieser Überlegungen, beschreitet
die asbl Inter-Actions in bezug
auf ihre Eingliederungsaktivitäten seit
Anfang der 80er Jahre einen eigenen
Weg. Mit der Gründung eigenständiger
Unternehmen, wie Polygone s.ù.d.
(*1981). B4 Construction sùz|
(*1989) und Ecotec (*1994) ` die
marktfähige Dienstleistungen anbieten,
stellt diese Organisation Arbeitsplätze
für schwer vonniuc|huo. jüngere
Arbeitssuchende im regulären Arbeitsmarkt.
unter konkurrierenden Bedingunoen
bereit.
Die " Structure
d'encadrement socioéconomique
(SESE) ^,
von Inter-Actions
Die Arbeit, dh. die adüqun/ entlohnte
&,h,i/, nimmt eine zentrale Stelle im
gesellschaftlichen |nocgmÜnospn`ncsu
dn. Ube, dus Einkommen erlangt die
grosse Mehrzahl der Menschen Zugang
zu weiteren, fu, die Existenz notwendige
Funktionen: Wohnen, Ausbildung,
Versorgung (Nahrung, Bekleidung,
Gesundheit) und Erholung, die zum Teil
eng miteinander verbunden sind. Ohne
eine ausreichend entlohnte Tätigkeit
droht unausweichlich der soziale Abstieg
und das Abgleiten in die Armut.
Inter-Actions bietet seit 1986 ein integriertes
Konzept zur (\Vi,Jc,)üngU,'
Jcmngjung'rArbeitssochendc, his 30
Jahre in den Arbeitsmarkt no. Letztere
werden, wenn sie ein arbeitsmarktgerechtes
Leistungsniveau erreicht
haben, an andere (traditionelle)
Betriebe weitergeleitet. Dieses Konzept
beruht auf den bereits cn,Üho/cn Unternehmen,
auf der *o/iu|püJogngischcn
Betreuung, die von den Betrieben abgekoppelt
ist und schliesslich auf das
interne Ausbi|Jongsxys/c. Die wirtschaftlichen
Aktivitäten sind formal von
den sozialen getrennt, im Sinn, eines
outsourcing der sozialpädagogischen
Betreuung der Arbeitnehmer an Inter-
Actions. demandeurs d'emploi (pop.cible)
Atelier
Schlaifmillen
Polygone
s.6 K.i.
B4 Construction Ecotec
marché de 'emploi
accompagnement socio-pédagogique
Die Zielgruppe
Die von Inter-Actions angebotenen
Massnahmen richten sich an junge,
sozial schwächere, Arbeitssuchende bis
30 Jahre. Diese Altersgrenze liegt
begründet in der vorhandenen Regelung
anderer öffentlicher sozialer Massnahmcn.
wiedus",evcnuminimumâo,unh
" (RMG), auf dem erst ab diesem /\|oc,
und unter gewissen Voraussetzungen
ein Anrecht besteht. (3) Bei der erreich-
\cn Gruppe handelt es sich in erster
Linie um Personen ohne anerkanntem
Schulabschluss (7296) mit Alkohol- und
Drogenproblemen (ca. 50%) und/oder
Justizproblemen (50%). Jeder vierte ist
Ex-Häftling. 44 Prozent waren bis zu
sechs Monate orbcitu|os, die restlichen
Teilnehmer waren über sechs Monate
ohne Beschäftigung (4).
Beschreibung der
marktorientierten Betriebe
«L'intégration progressive par le travail
productif». Unter diesem Motto wurde
1986 die SESE eingeführt. Bereits mit
der Gründung des ersten Eingliederungsuntc,
nchmens im Gossherzogtum, der
Firma Polygone s.ù.r]. (1981), beabsichtigten
die Initiatoren kein Unternehmen
zu simulieren, sondern ein marktfähiges
Instrument der sozialen Arbeit
einzurichten. Die Anforderungen des
Marktes sollten unmittelbar innerhalb
des Unternehmens . spürbar sein, damit
auch die Teilnehmer adäquat an einem
arbeitsmarktfähigen Leistungsniveau
orientiert würden. Aus d en eventuell
längerfristig zu erwirtschaftenden
Gewinnen könnte eine Anschubfinanzic,
ung für neue soziale Initiativen
geleistet werden.
Heute umfasst die SESE drei Unternehmen
mit unterschiedlichen Tätigkeitsbe,
richen ` aber mit der gleichen zentralen
Zielsetzung und zwar «la promotion
dans le marché du travail de personnes
défavorisées»:
- Polygone s.ü.d. : bietet u.a. Dienstleistungen
an in d e n Bereichen Abriss,
Baustellenreinigung, mobile Toiletten-,
Container- und Bürocontainervermietung.
- B4(Construchon*.àd.: Bau von Ein-
[umi\icnhuusen"Dmbuuun und Reparatu-
re'n'.
Ecotec a.ü.d.: Gewerbeabfalltrennung
und -verwertung.
In den beiden erstgenannten Unternehmen
sind die Teilhaber Gesellschaften
ohne Gewinnzweck. Im Falle von Eco'
tec hat sich die asbl Inter-Actions mit
einem Partner aus dem traditionellen
Unternehmensbereich zusammen getan.
Betriebswirtschaftliche
Aspekte
Di e Entwicklung der Betriebe spiegelt
sich in erster Linie in der stetigen Steigerung
der Umsätze. Die Umsatzentwicklung
der Fa. Polygone war bis 1985
deutlichen Schwankungen unterworfen.
Erst ah diesem Jahr konnte der Betrieb
stabilisiert und der Grundstein für die
Weimnntwick|ungêc|egt werden.
Leistung und Produktivität wachsen
kontinuierlich. Dies zeigt sich ebenfalls
in der Produktivität. Pno Vollzeitstelle
wurde 1996 28 Prozent mehr geleistet
als im Vorjahr. Der Umsatz pro Mitarbeiter
liegt bei 1 .7 Mio LOFDohr
(1997). Diese wirtschaftlichen [rgcb'
nixsc müssen selbstverständlich vor
dem Hintergrund der im Unternehmen
beschäftigten Personell betrachtet werden.
Der Anteil der zur Zielgruppe zählenden
Beschäftigten an der Gesamtbelegschaft
beläuft sich auf ca. 50 Prozent.
Bezogen auf die Kostenstruktur
liegt der Anteil der Personalkosten mit
5096 für ein Eingliederungsunternehmen
relativ niedrig. Es sei betont, dass
März 1999
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