Gedanken zur Schaffung einer "Hospiz" - Struktur in Luxemburg
Zuerst möchte ich die Begriffe klären: In unserem Land besteht Verwechslungsgefahr mit dem Ausdruck „Hospice civil“ unter welchem man eine Kategorie Altersheim, wie das „Hospice du Rham“ z.B., versteht. Aus diesem Grund wird das Projekt „Hospiz“ in Luxemburg „Centre d’accueil pour personnes en fin de vie“ genannt werden. Ich werde jedoch weiter das Wort „Hospiz“ gebrauchen. ... Zuerst möchte ich die Begriffe klären: In unserem Land besteht Verwechslungsgefahr mit dem Ausdruck „Hospice civil“ unter welchem man eine Kategorie Altersheim, wie das „Hospice du Rham“ z.B., versteht. Aus diesem Grund wird das Projekt „Hospiz“ in Luxemburg „Centre d’accueil pour personnes en fin de vie“ genannt werden. Ich werde jedoch weiter das Wort „Hospiz“ gebrauchen. Dieses Haus steht jedem Menschen zur Verfügung, ob alt oder jung, auch für Kinder ist eine Abteilung vorgesehen. Die Betreuung schwer kranker, unheilbarer, sterbender Patienten soll im Hospiz in familienfreundlicher Atmosphäre so gestaltet werden, dass auch noch ihre letzten Tage lebenswert bleiben. Das Hospiz ist das noch fehlende Glied in der Kette der palliativen Betreuung, es soll nicht die Palliativstationen in Krankenhäusern und in Geriatrie-Zentren ersetzen, sondern ergänzen. Über diese Art Institution, aber auch über den Begriff „Paliative Betreuung“ möchte ich in diesem Beitrag meine Gedanken zum Ausdruck bringen, Ideen und Suggestion formulieren, aber ich vertrete keine Institution wie Amiperas oder OMEGA 90, ich stehe allein hinter meinen Aussagen, für welche ich die ganze Verantwortung trage. Ich bin nicht Fachfrau für Palliativpflege und April 2002 Sterbehospiz 37 nicht Seelsorgerin irgendeiner Weltanschauung. Bei der Teilnahme am diesjährigen Kongress von OMEGA 90 habe ich viele Ideen gesammelt. OMEGA 90 wird von 6 Organisationen getragen, welche sich zusammenfinden um ihre, manchmal verschiedenen Meinungen zum Ausdruck und zum Konsens zu bringen, im Respekt der Weltanschauungen eines jeden zum Thema: „Wie helfe ich Sterbenden am besten“. Aus diesen Gründen scheint es mir sehr wichtig, dass OMEGA 90 das Projekt unter seine Fittiche nimmt und nicht eine konfessionelle Gesellschaft. Dieses Hospiz soll weltanschaulich pluralistisch und offen sein. Es ist selbstverständlich, dass gläubige Menschen ihre Seelsorge bekommen können, aber auch nicht religionsgebundene, laizistische Betreuung soll angeboten werden können. Vor allem sollen Familien in die palliative Pflege miteinbezogen werden und auch praktische Hilfe bekommen, wobei die „bénévoles“ von OMEGA 90 gefordert sind. Es scheint mir auch wichtig zu sein, hier AIDS-Kranke zu betreuen, gleichgeschlechtliche Labenspartner, Freunde, Mitglieder von Wohngemeinschaften sollen mit Familien gleichgestellt werden. Wenn keine menschliche Familie vorhanden ist, wenn der kranke Mensch allein lebt, hat er oft ein geliebtes Haustier bei sich. Haustiere gehören auch zur Familie. Man sollte, in Zusammenarbeit mit den Tierschützern, darüber nachdenken, wie man Katzen, kleine Hunde, Vögel, Fische, in die Hospiz-Struktur einbinden könnte. Noch ein Gedankengang: Ich habe diesen Beitrag am 8. März, das heißt am internationalen Frauentag, niedergeschrieben. Ich möchte die hervorragende Rolle der Frauen in der Hospiz-Bewegung und im Bereich der Palliativpflege würdigen: Cecily Saunders war die Begründerin des ersten Hospiz in England; Elisabeth Kübler-Ross, die weltbekannte Wissenschaftlerin vom Sterben und Tod; Marie de Hennezel, lange tätig in Palliativstationen in Frankreich ist Autorin von mehreren Büchern. Ich denke auch an die zahlreichen Frauen, welche sich den sterbenden Menschen als Ärztinnen, als Pflegepersonal, als „bénévoles“ widmen, und an das meist weibliche Publikum des diesjährigen Kongresses, was aber die Verdienste der männlichen Vertreter nicht schmälern soll. Frauen prägen den Lebensanfang, sie begleiten auch den Menschen bis zum Tode, sie haben vielleicht das bessere Einfühlungsvermögen ins menschliche Leiden. Palliativpflege soll nicht auf das Hospiz beschränkt bleiben, sie soll in allen Krankenhäusern, in Alten- und Pflegeheimen, und in der ambulanten Pflege ihren festen Platz bekommen, sie soll ein Menschenrecht werden. Palliativpflege soll auf keinen Fall ein Privileg der wohlhabenden Klasse sein, sie soll sozial abgesichert werden, sonst kann man nicht von einem Menschenrecht sprechen. Abschließend noch ein paar Gedanken zum aktuellen Thema „Euthanasie“ Dieses „böse“ Wort bedeutet eigentlich nur „schöner Tod“ und enthält gar nicht die Begriffe „Freitod“ oder „Töten“. Die Verfechter der Palliativpflege und die Euthanasie-Befürworter setzen sich eigentlich beide für ein menschenwürdiges Sterben ein. Nur der Weg ist anders. Palliativpflege bedeutet: Die Schmerzen so weit lindern, dass das Leben noch in den letzten Tagen erträglich und lebenswert bleibt. Euthanasie bedeutet: Schmerzen, wenn sie unerträglich werden, durch herbeigeführten Tod ein Ende setzen. Mein Traum, meine Vision, ist folgende:Die Euthanasie-Debatte könnte wesentlich entschärft werden, wenn die palliative Betreuung in allen Strukturen, wo gestorben wird, so weit ausgebaut und gefördert wird, dass wir zu einer neuen Sterbe-Kultur finden, dass wir die letzten Tage unseres Lebens als die vielleicht kostbarsten unseres Lebens leben können, dass wir wieder mehr in unseren eigenen vier Wänden alt werden und sterben können, und wir die dazu notwendige Hilfe bekommen können. Wenn die unerträglichen Schmerzen gelindert werden können, verliert der Tod seinen Schrecken. Beim Streicheln meiner geliebten Katze habe ich darüber nachgedacht, wie unglücklich ich wäre, wenn ich ohne meinen Liebling aus meinen vier Wänden ausziehen müsste. Sie ist eben meine Familie, und sie müsste mich, wenn sie dann noch lebt, auf meinem letzten Weg begleiten können. Marianne Wehenkel Beim Streicheln meiner geliebten Katze habe ich darüber nachgedacht, wie unglücklich ich wäre, wenn ich ohne meinen Liebling aus meinen vier Wänden ausziehen müsste. Sie ist eben meine Familie, und sie müsste mich auf meinem letzten Weg begleiten können. 215 36 2 Wehenkel, Marianne Gedanken zur Schaffung einer "Hospiz" - Struktur in Luxemburg Sterbehospiz Luxembourg Dossierbeitrag Gedanken zur Schaffung einer „Hospiz“ – Struktur in Luxemburg
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