Welches Bibliothekssystem?
Universität Luxemburg
Im Luxemburger Wort N°156, vom 3. Juli 1867, S. 1, im Artikel “Die Gründung einer Universität in Luxemburg : Teil III�, welcher zur Errichtung einer “freien Universität für das gesamte katholische Deutschland� in Luxemburg-Stadt beitragen sollte, las man unter Punkt 6: “Luxemburg besitzt eine reiche Stadt-Bibliothek, eine werthvolle Sammlung physikalischer Instrumente, ein gut einge ... Im Luxemburger Wort N°156, vom 3. Juli 1867, S. 1, im Artikel “Die Gründung einer Universität in Luxemburg : Teil III�, welcher zur Errichtung einer “freien Universität für das gesamte katholische Deutschland� in Luxemburg-Stadt beitragen sollte, las man unter Punkt 6: “Luxemburg besitzt eine reiche Stadt-Bibliothek, eine werthvolle Sammlung physikalischer Instrumente, ein gut eingerichtetes chemisches Laboratorium, ein archäologisches Museum und eine Naturaliensammlung, welche schon jetzt der Beachtung werth sind [...]“. Die “Stadtbibliothek�, die seit 1850 nicht mehr in kommunaler Trägerschaft war, als Beispiel für beste Forschungsbedingungen, sollte das “deutsche Episcopat� von der Eignung des Standortes Luxemburg überzeugen... Die Gesamtausgaben für die Universität hätten ca. 850.000 Franken betragen und hätten auch zur “Gründung oder Vervollständigung ihrer Bibliothek� benutzt werden können (LW N° 229, 28.09.1867, [S. 2]). Man rechnete mit 400-600 Studenten (LW N° 206, 31.08.1867, [S. 2])... Es kam nicht dazu. Die “außerordentlichen� Vorteile Luxemburgs, d.h. die unentgeltliche Überlassung aller notwendigen Gebäude und die volle Lehrfreiheit (LW N° 254, 27.10.1867, [S. 1]), konnten die Bischöfe in Fulda nicht überzeugen; das Projekt wurde wegen der unsicheren Weltlage und Finanzierung, sowie wegen staatsrechtlicher Bedenken (LW N° 51, 29.02.1868, [S. 1]), auf unabsehbare Zeit verschoben. Erstaunlich bei dieser Geschichte ist, dass 136 Jahre später u.a. die Nachfolgeinstitution der damaligen Ein-Mann-�Stadt-Bibliothek�, die Nationalbibliothek Luxemburg, zur Vermarktung, von phantastisch anmutenden Rahmenbedingungen für eine Universitätsgründung herhalten muss. Der Gesetzgeber hat schließlich im Gesetzesprojekt (N° 5215) über die Kulturinstitute, in Artikel 10, einer späteren “Bibliothèque nationale et universitaire de Luxembourg� (abgekürzt: BNUL) bereits Rechnung getragen: “Elle pourra exercer des fonctions de bibliothèque universitaire selon des modalités à convenir avec les instances compétentes.� Und was eine “luxemburgische katholische Universität� angeht, so wird bereits jetzt hier zu Lande gelästert, dass es wohl nur noch eine Frage der Zeit sein wird, ehe der (7.) Campus des Priesterseminars (Johannes-XXIII-Zentrum) der Universität Luxemburg zugeschlagen wird ... Ist-Zustand Im Gegensatz zur obigen Zeitungsmeldung ist die Nationalbibliothek diesmal nicht allein. Zur Nationalbibliothek, mit ihren ca. 900.000 Medieneinheiten (ME), ca. 900 Print-Abonnements (ohne Geschenkabos / 3.923 elektronische Periodika), insgesamt fast 44 Stellen und 35 Öffnungsstunden pro Woche (montags geschlossen/ samstags morgens geöffnet), gesellen sich folgende ehemalige Bibliotheken: - die Bibliothek des Centre universitaire: ca. 120.000 ME, ca. 450 Abonnements, 3 ganze Stellen und 50 Öffnungsstunden pro Woche (von Montag bis Freitag - ebenso bei den nachfolgenden Bibliotheken). Ihr Bestand ist zum großen Teil im BibNET.lu-Verbundkatalog (Betriebssystem ALEPH) verzeichnet. Sie ist die einzige Bibliothek mit reinem Präsenzbestand (keine Ausleihe). Institutsbibliotheken existieren allenfalls in der Art von Handapparaten in den Büros der Professoren. - die Bibliothek des Institut Supérieur de Technologie (IST) auf Kirchberg: ca. 12.000 ME, ca. 130 Abonnements, 1 ganze Stelle und 40 Öffnungsstunden pro Woche. Der aktive Bestand ist vollständig im BibNET.lu-Verbundkatalog. - die zwei Bibliotheken des Institut Supérieur d’Etudes et de Recherches Pédagogiques (ISERP) in Walferdingen mit zusammengefasst ca. 42.000 ME. Das “Centre de Documentation Pédagogique� besitzt ca. 80 aktive Abonnements, 2 ganze und 1 halbe Stellen und 36,25 Öffnungsstunden pro Woche - das “Evéil aux Sciences�-Dokumentationszentrum 1 ganze und 1 halbe Stelle, sowie 27 Öffnungsstunden pro Woche. Beide BiblioUniversität Luxemburg: Welches Bibliothekssystem? Jean-Marie Reding Universität Der Autor, Präsident der Bibliothekarsvereinigung ALBAD, leitet an der Luxemburger Nationalbibliothek die Abteilung für die Pflicht-exemplare. Februar 2004 11Dossier theken werden katalogmäßig gerade erst aufgebaut: ein Teil der Bestände befindet sich in einem Katalog mit dem Auslaufmodell-Betriebssystem ELICA, ein anderer Teil im BibNET.lu-Verbundkatalog. - das Institut d’Etudes Educatives et Sociales (IEES): beide Bibliotheken des IEES sind in Livingen zusammengeführt worden: ca. 18.000 ME, 31 Abonnements, 1 ganze Stelle und 40 Öffnungsstunden pro Woche. Als Datenbank dient ACCESS. - und die Bibliothek der Luxembourg School of Finance in Gasperich, die gerade erst im Aufbau begriffen ist: ca. 100 ME, 60 Abonnements, noch kein festes Personal, sowie noch keine festen Öffnungszeiten. Luxemburg-Limpertsberg, -Kirchberg, -Gasperich, Walferdingen, Fentingen-Livingen und Esch/Belval - dies sind die aktuellen Standorte der Universität Luxemburg. Ein “Splitting� ist also bereits Realität. Wie zu beobachten ist, arbeiten die meisten oben genannten Bibliotheken immerhin schon, mit ganzen oder nur Teilen von Beständen, im BibNET.lu-Verbund, zusammen. Somit ist die Verwirklichung eines nationalen Universitätsbibliotheksgesamtkatalogs schon in greifbare Nähe gerückt - es fehlen allerdings Gasperich, Fentingen- Livingen und das zukünftige Esch/Belval. Die Informatisierung der Zettelkataloge schreitet weiter voran, auch wenn manche alte Karteikarten den Bibliothekaren noch Kopfzerbrechen bereiten. Sie entsprechen nicht alle den seit 1961 international festgelegten Katalogisierungsregeln (ISBD - International Standard Bibliographic Description). Ein anderes Problem ist die Erfindung von Schlagwörtern durch Generationen von unqualifizierten Bibliothekaren oder durch ungeübte Verbundteilnehmer. Auch Schlagwörter sind genormt. Gesetzeslage & Typus Das Gesetz des 12. August 2003 über die Universität Luxemburg enthält kein spezifisches Kapitel über die Universitätsbibliothek(en). Artikel 13 (5) soll die Kooperation zwischen den verschiedenen Bibliotheken möglich machen: “L’Université met en oeuvre des activités de coopération scientifique, notamment en passant des accords avec des institutions, des organismes, des sociétés et des établissements de recherche nationaux ou internationaux.� Und Artikel 27, e) über die Zusammensetzung des Universitätsrats sieht einen Repräsentanten des wissenschaftlichen Personals der Bibliotheken vor, der vom Personal der Bibliotheken ausgewählt wurde. Über Budgets möchte der Autor hier nicht spekulieren - Erwerbungsetats variieren traditionsgemäß von Bibliothek zu Bibliothek und von Jahr zu Jahr. Nur eins ist klar: die Mehrsprachigkeit ist Fluch und Segen zugleich für das luxemburgische Bibliothekswesen. Auch die Bibliotheksfläche muss mehrsprachigen Beständen Rechnung tragen. Dazu kommt eine systematische Freihandaufstellung, welche für Studenten heutzutage selbstverständlich ist. Die Magazinbibliotheken - es sei denn, sie erfüllten wichtige Archivzwecke - sind nicht mehr zeitgemäß. Der Personalaufwand bei der Freihandaufstellung ist natürlich auch höher als in Magazinbibliotheken. Heutige Bibliotheken werden nach betriebswirtschaftlichen Kriterien, vor allem der “Dienstleistung am Kunden� (Leser), unter die Lupe genommen. Die Qualität des “Service�, ein Punkt, welcher bei der Splittingdebatte der Nationalbibliothek 1997/98 sehr vernachlässigt wurde (außer vom “aufmüpfigen� Personal), ist außerordentlich wichtig. Dann der 2. wichtige Punkt: es gilt nicht, die “Zielgruppen� aus den Augen zu verlieren. Auch eine Universitätsbibliothek muss ihre Zielsetzungen und ihr Benutzerprofil genau kennen und ihre sämtlichen Ressourcen dementsprechend einsetzen. D.h. vor allem auch, dass eine Universitätsbibliothek nicht plötzlich Aufgaben anderer Bibliothekstypen übernimmt, ihr Medien-, Personal- und Finanzkapital aufteilen muss und eventuell zur Volksbespaßungsanstalt verkommt. Stichwort Bibliothekstypen: Es handelt sich bei den betroffenen Bibliotheken um eine Mischung aus zwei großen wissenschaftlichen Bibliothekstypen: Nationalbibliothek und Hochschulbibliotheken, welche unterteilt sind in Universitäts- und Fachhochschulbibliotheken. Diese Trennung fällt in Luxemburg schwieriger aus, da der größte Teil der Bestände der Nationalbibliothek aus nicht-luxemburgischer Literatur besteht. Über die Qualität dieser Sammlungen lässt sich streiten (für höhere Universitätszwecke oder nur Universität Die Praxis, Universitäts-bibliotheken als Abstellgleis für verkrachte Existenzen zu missbrauchen, existiert in unseren Nachbarländern nicht mehr seit dem 19. Jahrhundert. Eine Bibliothek steht und fällt mit ihrem Personal. Mit schlechter Bibliothek sinkt die Qualität der Hochschule erheblich. 12 forum 233 Dossier populärwissenschaftliche Literatur von Gymnasialniveau) - die Quantität ist allerdings für Universitätszwecke (Studium, Lehre und Forschung) eindeutig unzureichend. Weswegen die Beanspruchung der Abteilung Internationaler Leihverkehr (“Prêt international�) der Nationalbibliothek (momentan 1,5 Personen & 1 studentische Hilfskraft) durch die “Université du Luxembourg�, angesichts der wissenschaftlichen Bibliothekswüste Luxemburgs, voraussichtlich regelrecht explodieren wird. Der internationale Leihverkehr darf übrigens seit Jahrzehnten, laut Verträgen mit der IFLA (International Federation of Library Associations and Institutions), nur über die Nationalbibliothek erfolgen. Personal Das Personal einer professionellen Universitätsbibliothek setzt sich zusammen aus: - Im höheren Dienst: Bibliothekaren des Höheren Bibliotheksdienstes (abgekürzt: HB / heute: Magisterzusatzstudium / frz.: “conservateur�, eine in Frankreich geschützte Betitelung), mit abgeschlossenem Hochschulstudium und 11/2 - 2jährigem bibliothekarischen Zusatzstudium, und Fachreferenten (frz: “responsable de discipline� / vergleichbar mit “bac+4� in Luxemburg), mit mindestens einem Magister- oder Doktortitel, allerdings ohne bibliothekarisches Zusatzstudium. Aus der Berufsgruppe der HB werden gewöhnlich die Bibliotheks- und Abteilungsleiter rekrutiert. Generell verschlagworten die Bibliothekare des HB und Fachreferenten die hochspezialisierte Literatur (Sacherschließung auf hohem Niveau), welche in der Regel vorher von Diplom-Bibliothekaren katalogisiert wurde (Formalerschließung). Seit dem 19. Jahrhundert sind sogenannte “Professorenbibliothekare�, welche die Funktion des Lehrbeauftragten und des Bibliothekars (Doppelamt) in einem verkörpern, ausgestorben. - Im mittleren Dienst: Diplom-Bibliothekare, mit drei- (Belgien) bis vierjährigem (Deutschland) Fachhochschulstudium. Sie befassen sich mit sämtlichen Aspekten des Bibliothekswesens (Hauptfächer: Bibliotheksverwaltung, Bibliothekstyplogie, Bibliographie- und Informationsdienst, Formal- und Sacherschließung). - Andere: Verwaltungspersonal, Magaziner, technisches Personal (Informatiker nicht vergessen!), Raumpfleger, usw. Bemerkung: Die Praxis, Universitätsbibliotheken als Abstellgleis für verkrachte Existenzen zu missbrauchen, existiert in unseren Nachbarländern nicht mehr seit dem 19. Jahrhundert. Eine Bibliothek steht und fällt mit ihrem Personal. Mit einer schlechten Universitätsbibliothek sinkt auch die Qualität der Hochschule erheblich. Vergleich Werfen wir einen Blick über die Grenzen: Deutschland besitzt 250 Hochschulen (79 Universitäten) mit fast 3.600 Bibliotheken (einschließlich Institutsbibliotheken) von sehr unterschiedlicher Größe. Sie bieten 1,9 Millionen (abgekürzt: Mio) Studenten ca. 157 Mio Medien, hauptsächlich Bücher, und 534.000 Zeitschriftenabonnements an. Die Erwerbungsmittel im Jahre 2000 betrugen fast 202 Mio Euro. Die meisten Universitätsbibliotheken, mit meist Volluniversitätscharakter, besitzen 1,5 - 2,5 Mio größtenteils einsprachige Medieneinheiten (ME), wobei außerdem berücksichtigt werden muss, dass auch regionale Sammlungen, z.B. in ihrer Eigenschaft als Landesbibliotheken, inbegriffen sind. Die gedruckten und elektronischen Zeitschriftenabonnements belaufen sich im Durchschnitt auf 5.000 - 10.000 Titel pro Bibliothek. Die deutschen Fachhochschulbibliotheken besitzen dagegen im Durchschnitt ca. 250.000 ME und haben bis zu 1.000 Periodika abonniert. Lehrbuchsammlungen, welche auch in LuxemUniversität Was ist grauenvoller: eine oft geschlossene, erbärmlich ausgestattete Fakultäts- bibliothek pro Standort, gleich nebenan, oder eine vollwertige Zentralbibliothek mit flexiblen Öffnungszeiten ein paar Kilometer weiter entfernt? Beides zusammen können wir uns auf Dauer nicht leisten. Februar 2004 13 Dossier burg dringend benötigt werden, wurden seit den 1960er Jahren aufgebaut. Ein deutsches Problem, welches sich auf viele Länder, auch Luxemburg, übertragen lässt besteht darin, dass die traditionellen Universitäten ein zweischichtiges Bibliothekssystem (nicht im Sinne von “Bibliotheksbetriebssystem�!) besitzen, wo neben der zentralen Universitätsbibliothek eine gewisse Zahl von selbständigen Seminar-, Instituts- und Fakultätsbibliotheken (Präsenzbibliotheken) besteht. Während nun die Universitätsbibliothek die allgemeine, fächerübergreifende Literatur erwerben soll, konzentrieren sich die Institutsbibliotheken, die über eigene Erwerbungsmittel verfügen, auf die Literatur ihres Faches, insbesondere die hochspezielle Forschungsliteratur. Die Nachteile dieses Dualismus sollten durch kooperative Maßnahmen zu mildern sein. Jedoch blieb die praktische Umsetzung der Einschichtigkeit bis heute eine schwierige Aufgabe. Kommen wir zu den Nachteilen dieser Zweischichtigkeit, welche in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht unbedeutend sein sollten: Die ständigen Preissteigerungen bei Zeitschriften (fast 12% pro Jahr!), die Verfügbarkeit und Verwaltung elektronischer Ressourcen (bitte nicht unterschätzen!) und der Einsatz fachlich qualifizierten Personals sind Faktoren, die Tendenzen zur Zentralisierung eindeutig begünstigen. Beispiel Deutschland: in einem zweischichtigen Bibliothekssystem arbeiten qualifizierte Bibliothekare generell in der zentralen Universitätsbibliothek, während ehrenamtliches oder schlecht bezahltes studentisches Personal an Instituts- und Seminarbibliotheken beschäftigt ist. In Deutschland gibt es an den neueren, seit den späten 1960er Jahren gegründeten Universitäten ein meist einschichtiges Bibliothekssystem mit nur noch einer Bibliothek, die beide Funktionen, die der zentralen Universitätsbibliothek und die der dezentralen Institutsbibliotheken übernimmt. Einschichtige Bibliothekssysteme haben die Vorteile der einheitlichen Leitung gegenüber dem gesamten Bibliothekspersonal und der zentralen Zuweisung und Verteilung der Erwerbungsmittel. Die bibliothekarischen Arbeitsgänge sind alle zentralisiert. Ältere deutsche Universitäten dazu zu bewegen, die großen Fehler der Vergangenheit, das Auseinanderfallen in Instituts- und Universitätsbibliotheken, rückgängig zu machen, war von wenig Erfolg gekrönt. Der Widerstand der Professoren, “die sich für ihre Institute Bibliotheken in eigener Regie wünschten, in denen sich die Tradition der privaten Gelehrtenbibliothek fortsetzen konnte� (Jochum, S. 183), ist bis zum heutigen Tage feststellbar. Auch Frankreich kämpft mit Vielschichtigkeitsproblemen. Die mit dem Gesetz des 20. März 1855 dort geschaffenen klaren Verhältnisse (eine Universität besitzt eine Zentralbibliothek, welche alle Fakultätsbibliotheken unter sich vereinen soll) haben nicht überall zu einschichtigen Bibliothekssystemen beigetragen. Durch mannigfaltige Kooperationssysteme können mehrere Bibliotheken auf unterschiedliche Art mit den Universitäten assoziiert sein. Verschiedene Organe, wie z.B. der “Service commun de la documentation (SCD)�, sollen zu einer effektiven Zentralisierung der Finanzressourcen beitragen. Einen guten Überblick der Lage erlaubt das kleine Que-sais-je?-Buch von Casseyre/Gaillard. Unser drittes Nachbarland, Belgien, schließlich, versucht seit den 1980er Jahren ebenfalls versprengte Fakultätsbibliotheken in Zentralbibliotheken zusammenzuführen. Aber je größer die Fakultätsbibliotheken sind, desto schwieriger wird es, sie zu integrieren. Zweischichtiges Luxemburg Luxemburg besitzt nun ein zweischichtiges Universitätsbibliothekssystem, sollte alles seinen bisherigen Lauf nehmen. Die “Université du Luxembourg� ist vorerst auf mehrere “Campus� (Plural laut Duden identisch mit dem Singular) verteilt. Eine zentrale Universitätsbibliothek zu bestimmen, ist unbedingt nötig, um eine Basisstruktur zu schaffen. Über die Frage, welche Standortbibliothek nun Koordinierungsstelle wird, braucht nicht lange diskutiert zu werden: die Nationalbibliothek ist bereits jetzt Koordinierungsstelle des BibNET.lu-Verbundes, wie es im KulturinstiUniversität Wer ist oder wer wird überhaupt für welche Bibliothek zuständig sein? Wird es eine einheitliche Leitung geben? Könnte der Universitätsrektor auch Leiter aller Universitäts-bibliotheken, einschließlich der National- bibliothek, sein? Wird die Zweischichtigkeit hier zu einem lustigen Kompetenzenkrieg führen? 14 forum 233 Dossier tutsgesetz des 28.12.1988, Artikel 8 (“constitue et gère le fichier central des bibliothèques relevant des institutions publiques�) und im neuen Gesetzesprojekt (N° 5215), Artikel 10 (“d’assurer des tâches de coordination des bibliothèques luxembourgeoises, en particulier de gérer le catalogue collectif de ces bibliothèques�), geschrieben steht. Auch verfügt diese Institution, welcher man für die Zukunft 50 Mitarbeiter mehr versprochen hat, über das dazugehörige spezialisierte, wenn auch total überforderte, Personal. Sie müsste als Koordinierungsstelle für alle Bibliotheken der gesamten Hochschule fungieren. “Koordinierungserlasse�, die das Zusammenspiel zwischen zentraler Universitäts- und dezentralen Institutsbibliotheken einer Hochschule regeln, herauszugeben, ist eine Aufgabe, deren Festschreibung der Gesetzgeber nachkommen muss. Eine andere ganz große Frage wird sein: Wer ist oder wer wird überhaupt für welche Bibliothek zuständig sein? Wird es eine einheitliche Leitung geben? Könnte der Universitätsrektor auch Leiter aller Universitätsbibliotheken, einschließlich der Nationalbibliothek, sein? Wird die Zweischichtigkeit hier zu einem lustigen Kompetenzenkrieg führen? Der BibNET.lu-Verbund beschränkte sich bis jetzt nur auf technische Aspekte (z.B. Standardisierungs- und Informatikprobleme) - die Aufgabe eines Konfliktlösers zu übernehmen, wäre Neuland. Fazit Wie jede Universität, die nicht möchte, dass ihr Ressourcenverschwendung vorgeworfen wird, müsste die “Université du Luxembourg� heute und jetzt Schritte zum Aufbau eines einschichtigen Universitätsbibliothekssystem unternehmen. Der Umstand, dass die Fakultäten auf mehrere Standorte verteilt sind, sollte nicht abschrecken. Denn was ist grauenvoller: eine oft geschlossene, erbärmlich ausgestattete Fakultätsbibliothek pro Standort, gleich nebenan, oder eine vollwertige Zentralbibliothek mit flexiblen Öffnungszeiten ein paar Kilometer weiter entfernt? Beides zusammen können wir uns auf Dauer nicht leisten. Unsere jetzigen Unibibliotheken sind noch klein, überschaubar und wandlungsfähig in jeder Hinsicht. Alles bleibt möglich. Kleininstitutionelles Denken ist fehl am Platz. Der politische Wille, der auch eine Universität quasi aus dem Nichts hervorgezaubert hat, ist auch hier gefordert. Eine Universität, eine Bibliothek, wäre die perfekte und wirtschaftlich vernünftigste Lösung, auch wenn die Universität selbst bereits auf mehrere Standorte verteilt ist. Die Diskussionen über die Ein-Campus-Universität sind ja bereits gelaufen. Der Autor hütet sich davor, an dieser Stelle nun eine Zentralbibliothekstandortdebatte anzufangen - diese Frage wird politisch entschieden. Aber es ist nun einmal einfacher, Hörsäle, Klassen- und Büroräume in der Landschaft zu zerstreuen und wieder zusammenzuführen als wissenschaftliche Bibliotheken. Eine effiziente Bibliothek gehört zur Grundlage jeder Universität. Überhaupt über diese Institution erst nachzudenken, wenn der Universitätsbetrieb bereits angelaufen ist, zeugt sowieso von keiner großen planerischen Weitsicht. Casseyre, Jean-Pierre/Gaillard, Catherine: Les bibliothèques universitaires. - 2e éd. - Paris: Presses Universitaires de France, 1996. (Que sais-je? 2714). Jochum, Uwe: Kleine Bibliotheksgeschichte. – 2., durchges. und bibliogr. erg. Aufl. - Stuttgart : Reclam, 1999. Seefeldt, Jürgen/Syré, Ludger: Portale zu Vergangenheit und Zukunft: Bibliotheken in Deutschland / im Auftrag der Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände herausgegeben. - Hildesheim [u.a.]: Olms, 2003. Universität Eine effiziente Bibliothek gehört zur Grundlage jeder Universität. Über diese Institution erst nachzudenken, wenn der Universitätsbetrieb bereits angelaufen ist, zeugt von keiner planerischen Weitsicht.233 10 5 Reding, Jean-Marie Universität Luxembourg Welches Bibliothekssystem? Universität Beitrag 10 forum 233 Dossier
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