Gleichheit?
Dass der Wohlstand nicht gleich verteilt ist, Wohlgefühl schon gar nicht, und selbst die äußeren Lebensbedingungen nicht, sind alles Binsenwahrheiten. Wie der Wohlstand tatsächlich in Luxemburg verteilt ist, bleibt allerdings ein Staatsgeheimnis. Während man schon 1970 errechnen konnte, dass in Brasilien die 5% Reichsten des Landes 39% des Volkseinkommens bezogen (gegenüber 29% 10 Jahre ... Dass der Wohlstand nicht gleich verteilt ist, Wohlgefühl schon gar nicht, und selbst die äußeren Lebensbedingungen nicht, sind alles Binsenwahrheiten. Wie der Wohlstand tatsächlich in Luxemburg verteilt ist, bleibt allerdings ein Staatsgeheimnis. Während man schon 1970 errechnen konnte, dass in Brasilien die 5% Reichsten des Landes 39% des Volkseinkommens bezogen (gegenüber 29% 10 Jahre vorher), während die 40% Ärmsten im Lande einen Anteil von nur 8% des Volkseinkommens zur Verfügung hatten, während 1970 in Brasilien die 20% Reichsten 17mal soviel konsumierten wie die 20% Ärmsten, während damals in Kolumbien das Verhältnis sogar 1:31 und in Gabun 1:35 war, während 1980 das Verhältnis in Brasilien ebenfalls auf 1:33 angewachsen war, während es in Schweden bei 1:5 lag, während der Bericht über die menschliche Entwicklung der UNPD 2002 festhielt, dass das Einkommen des reichsten Prozent der Weltbevölkerung so hoch ist wie das der ärmsten 57% der Weltbevölkerung und die reichsten 5% der Weltbevölkerung 114mal so viel besitzen wie die ärmsten 5% der Weltbevölkerung, ist es bisher nicht möglich gewesen, ähnliche Daten über die Reichstumsverteilung in Luxemburg zu erhalten. Immerhin ist es forum nunmehr gelungen, von der Luxembourg Income Study (LIS) die Dezilverteilung der Gesamtgeldeinkünfte der von ihr erfassten repräsentativen Luxemburger Haushalte für das Jahr 2000 zu bekommen. Die nebenstehende Grafik zeigt das Ergebnis: Die reichsten 10% der LIS-Stichprobe konzentrieren sich bei 21,9% aller Einkünfte aus der Stichprobe. Die ärmsten 10% müssen hingegen mit 4,3% der Einkünfte auskommen. Als Einkünfte wurden erfasst: Arbeitslöhne, Kapitalzinsen, Auszahlungen aus der Sozialen Sicherheit, aber keine Einkünfte aus Mietverträgen. Das Verhältnis zwischen den oberen 20% und den unteren 20% liegt dem STATEC zufolge 1999 bei 4,6 (4). Eine Dezilverteilung nach Vermögen ist nirgends erhältlich. Eine Auswertung der Angaben über Einkünfte und Vermögen der Steuerverwaltung durch den STATEC ist nicht gestattet. Die Regierung hat wohl Angst vor solchen Zahlen. Nach Abschaffung der Vermögenssteuer (2006) wird selbst die Steuerverwaltung nicht mehr imstande sein, die Sozialstruktur der Luxemburger Gesellschaft zu erfassen. Immerhin teilt der STATEC in seinem Sozial- und Wirtschaftsprofil Luxemburgs (4) mit, dass in Luxemburg 26% der Bevölkerung ein Einkommen haben, das geringer ist als 60% des verfügbaren Medianeinkommens – das entspricht dem EU-Durchschnitt. (Das Median- einkommen ist das mittlere Einkommen, das die Gesamtbevölkerung in zwei Hälften teilt: jene die mehr und jene die weniger verdienen. Es ist nicht mit dem Durchschnittseinkommen zu verwechseln. Zu beachten ist ferner, dass beim verfügbaren Einkommen auch Mieteinkünfte berücksichtigt werden, Steuern und Soziallasten aber abgezogen werden.) Nach Auszahlung von sozialen Zusatz- einkommen fällt dieser Anteil auf 12%: sicher ein positives Indiz für die Effizienz der Luxemburger Sozialversicherung. mp (1) Rudolf H. Strahm, Überentwicklung – Unterentwicklung. Ein Werkbuch mit Schaubildern und Kommentaren über die wirtschaftlichen Mechanismen der Armut, Stein/Nürnberg 31978 (2) Rudolf H. Strahm, Warum sie so arm sind. Arbeitsbuch zur Entwicklung drer Unterentwicklung in der Dritten Welt mit Schaubildern und Kommentaren, Wupperthal 21985 (3) Wolfgang Kessler, Weltbeben. Auswege aus der Globalisierungsfalle, Oberursel 2002 (4) Portait économique et social du Luxembourg, éd. p. STATEC, Luxembourg 2006
Diesen Artikel als PDF ansehen.
Größe: 0.38 MB




