Die Schrift an der Wand und die Buchstaben auf meiner Haut
Da ist etwas. An dem will ich teilhaben. So gelange ich zur Welt. Ich habe auch etwas. Das will ich mitteilen. Das stelle ich in Worten vor. So komme ich zur Sprache. Das Sprechen ist von Anfang an auf den anderen ausgerichtet. Und es ist stets auch etwas anderes. Sprachen entstehen durch Sprache, und da gibt es am Ende für alle wohl nur eine. Die hängt mit dem Öffnen und Schließen des Mundes ... Da ist etwas. An dem will ich teilhaben. So gelange ich zur Welt. Ich habe auch etwas. Das will ich mitteilen. Das stelle ich in Worten vor. So komme ich zur Sprache. Das Sprechen ist von Anfang an auf den anderen ausgerichtet. Und es ist stets auch etwas anderes. Sprachen entstehen durch Sprache, und da gibt es am Ende für alle wohl nur eine. Die hängt mit dem Öffnen und Schließen des Mundes zusammen. Jeder nimmt seine Sprache mit, wenn man ihn in die Schule steckt, und dort bildet sie das notwendige Gegenstück zu dem, was an der Tafel steht. Da sitzt er unter anderen, und man ist nun versucht, ihn sprachlich auf den zeitgerechten Nenner der Epoche zu bringen, in der er zu leben hat. Dazu ist er freilich nicht geboren, dazu wird er mit Fug abgerichtet. Die pädagogische Zucht hat sich als Einrichtung nie vom Stallgeruch befreit. Die sprachliche Anleitung stellt das Geschirr bereit, das den Schüler auf das Leitbild abstimmt. Hier verpflichten Pläne als Wegmarken zu Realien, denen humanistische Reste etwas Seele einschnüren. Ob er will, was er soll? Das ist so nicht ganz seine Entscheidung und das ist auch nicht ganz sein Leben. Das ist überall gleich und hier und da noch gleicher. Wie schief der Pisa-Segen als Vorwand oder Vorwurf über einheimischen Schulgemeinden hängt, bleibt Ansichtssache. Er hat eine Debatte ausgelöst oder wurde in diesem Sinne genutzt. Eine politisch eingeleitete Aktion der Selbstzündung. Die Lehrerschaft ist aufgerufen, darüber nachzudenken, was im Wesentlichen hervorzubringen wäre. Jetzt wird die Institution zum Brandstifter in den eigenen Tempeln musealer Behütung. Damit tritt die Kompetenzdebatte zu Tage: als Fremdwort, als Rätsel, als Ärgernis, als Fanfare produktivis- tischer Schwärmerei. Industrie und Wirtschaft haben ein Konzept, das sich auf die Schule überträgt. Es geht um erkennbare und anerkannte Handlungen sprachlicher Art, die sich in ihrem Ablauf und in ihrer Wertschöpfung eben evaluieren lassen. All dies bleibt zu beschreiben, im Portfolio zum Beispiel, und Schüler wie Lehrer gewinnen hierbei Einblick in die Organisation einer Entwicklung. Der Schüler nutzt multiple Ressourcen zur Konstruktion des eigenen Projektes und hält die Phasen seines Fortschreitens im Dokument fest. Er weiß um das Zustandekommen seines Lernens, um die Möglichkeiten und die Grenzen. So lernt er wirklich. So wird er reflexiv. Das macht im besten Falle Sinn bei ihm und bei anderen. Implizit war wohl einiges oder vieles von all dem an den meisten Lernorten immer so, allein die Schulen erleben die verordnete „Finnlandisierung“ als Klimawechsel. Dem Gymnasium war die Frage der Anwendung, die man etwas umständlich als Zweckrationalismus beschreibt, stets unbequem. Die indus- trielle Patenschaft hat nun die Funktionalität der Sprache, ihre Brauchbarkeit als Gesten sachlicher Anwendung in den Vordergrund gerückt. Hier werden die Grundfertigkeiten: Hören, Sprechen, Lesen, Schreiben als Abläufe lern- und lehrbarer Prozesse aufbereitet. In der Lerngemeinschaft übt der Schüler Szenarien der sozialen und beruflichen Kommunikation in diversen Varianten ein, die von der Redefähigkeit bis zur Deutung einer Gebrauchsanweisung reichen. Dies ist nicht nur auf dem Hintergrund europäischer Konvergenzen von einleuchtender Bedeutung. Die Beherrschung sprachlicher und sprecherischer Verhaltensmuster bilden die Grund- lagen eines Handwerks der Freiheit, das sich etwas großspurig als Autonomie darstellt. Die Instrumente und Techniken beruflicher Qualifikation bestehen immer zu großen Teilen aus der Sprache. Vic Jovanovic ist Deutschlehrer und Lehrbeauftragter im Stage pédagogique. marcomarella962 Hier steht die Schule in der Verantwortung. Die vielschichtigen Erwartungen und Möglichkeiten eines dreiteiligen Schulsystems auf multikulturellem Hintergrund bedürfen gewiss einer sensiblen Ausformung in den Lehrplänen. Da ist es schon Sache des Lehrers, die vielen Sprachen im Unterricht zu einer gemeinsamen zusammenzubringen. Vieles von dem, was das Ausland bemüht, ist als sprachliche Produktion in Luxemburg selbstverständlich, ohne dass die Schule sich einmischt. Allerdings gibt es keine systematischen außerschulischen Verstärker, die sich in realen Situationen als wesentliche Stützangebote voraussetzen und nutzen ließen. Dahingegen hängt in den Klassenräumen eine gewichtige literarische Tradition, die nur einen Scheingegensatz zum funktionalen Sprachenunterricht abgibt. Fiktionen bleiben Teil des Spracherwerbs, als Anlass und als Modell. Zudem kontextualisieren sie nachhaltig in einer zunehmenden Multiliteralität den soziokulturellen Ansatz. Alle entscheidenden sprachlichen Formate lassen sich größtenteils aus literarischen Diskursen heraus entwickeln und an ihnen erproben. Hier hilft die Tugend aus der Not. Die schulische Eigenart braucht eher die Maßarbeit als die Konfektion. In einer Gemeinschaft des Lernens darf der Sprachenlehrer sich nicht ausschließlich der beklemmenden Vorstellung beamteter Phantasie ausgeliefert sehen. Aber da gibt es noch etwas. Der Schüler lernt nicht nur für Europa oder die globale Industriegesellschaft. Er lernt, und dies außerhalb jeder modischen Einschwörung, für sich. Und als solcher dürfte er sich mehr bedeuten als die Summe der Verrichtungen, die er einem beruflichen Überbau ableistet. In sich trägt er seine Vergangenheit und eine Fähigkeit zur Zukunft. Auch diese Bewusstseinsebenen sind als Sprache strukturiert. Als Diskurse stoßen sie an andere Klänge, auch literarische. Literaturunterricht lässt sich nicht als Kolonialisierung betreiben. Die heiligen Kühe sind trocken und die Lehrer als Seelenführer suspekt. Allein die Literaturen richten ihre Welten. Es sind Monumente, in denen sich eine Sinnzuweisung vollzieht, die mehr darstellt als das Leben in den Fabriken. In der Addition seiner brauchbaren Gesten erfasst man nicht den Einzelnen. Zu sich gelangt nur, wer aus den Verordnungen herausfindet. In den Texten klingen die eigenen Stimmen nach und helfen auf dem Wege der Verdeutlichung. In der Teilnahme an verflossenen und gegenwärtigen Diskursen entstehen Gegenwelten und zuweilen werden Utopien beschworen. Diese Selbstfähigkeit hat auch ihre Bedeutung im praktischen Leben. Individualität ist häufig das Objekt beschriebener Blätter. Die symbolischen Formen der Kulturalität bilden Stufen der eigenen Existenz und erschließen die Varianten eines Weltenexperimentes. Die Schulen verantworten ein Ermöglichungspotential, das aus der Beschränkung dekretierter Funktionalität hinaus hilft. Sprachunterricht in Luxemburg hat so immer auch mit Literatur zu tun. Im Zusammenwirken unterschiedlicher Diskurse kommt es zum Gemeinsamen jenseits curricularer Verkündigung. Neben alle berechtigten Erwartungen und Fertigkeiten tritt hier die Selbstkompetenz als Angebot. Was der Schüler sich dort aneignet, hat er irgendwie immer schon gehabt, und es geht ihm als Abbild unter die Haut. Der so Gezeichnete bewegt sich in eine Welt hinein, die er darstellt und die ihn darstellt. Dies tut seiner Brauchbarkeit in der globalen Gemeinde keinen Abbruch. Im Gegenteil. Es ist dazu die beste Voraussetzung. Im Alten Testament gerät der König Belsazer in Schwulitäten, weil er in lästerlicher Weise den Mund zu voll genommen hat. Dem Wort an der Wand hat er kein eigenes entgegenzuhalten. Er weiß sein angeschriebenes Menetekel nicht einmal auszudeuten. So kommt er zu Fall. Die Schriften der Institution stehen weiterhin als Zeichen an der Wand. Aber ich kann ihnen mit meinen Texten aufwarten. Dann und wann geraten auch diese zum Anschrieb. Das ist keine Großraumdebatte in litteris. Das sind die Grenzen meiner Sprache. In einer Gemeinschaft des Lernens darf der Sprachenlehrer sich nicht ausschließlich der beklemmenden Vorstellung beamteter Phantasie ausgeliefert sehen. Portfolio européen des langues Le Portfolio européen des langues (PEL) est un document dans lequel tout apprenant en langues peut consigner ses connaissances linguistiques et ses expériences culturelles, ce qui peut l’inciter à réfléchir sur son apprentissage. Le PEL est conçu en trois parties. Il contient un Passeport de langues que son détenteur met régulièrement à jour. Une grille lui permet de définir ses compétences linguistiques selon des critères reconnus dans tous les pays européens et de compléter ainsi les traditionnels certificats scolaires. Le Passeport de langues Europass, une version électronique du Passeport de langues standard pour adultes, a été élaboré conjointement par le Conseil de l’Europe et l’Union européenne. Il peut être complété en ligne ou téléchargé. Le PEL fournit aussi une biographie langagière détaillée englobant toutes les expériences faites dans les diverses langues ; cette partie est destinée à orienter l’apprenant dans la planification et l’évaluation de son apprentissage. Un dossier rassemblant des travaux personnels attestant des performances atteintes complète le tout. Les modèles de portfolios diffèrent selon les pays et les contextes éducatifs. Ils sont tous examinés par un Comité européen de validation (Conseil de l’Europe) qui leur affecte un numéro d’acccréditation. A noter : Les modèles ne sont pas disponibles auprès du Conseil de l’Europe. Jusqu’à présent 80 modèles ont été accrédités, dont aucun au Luxembourg. Informations détaillées et documents : www.coe.int/portfolio/fr Source : http://www.coe.int/t/dg4/linguistic/Portfolio_FR.asp#TopOfPage
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