Entwicklung der Völker, konkret
Leserbrief
Vor 25 Jahren haben die Luxemburger "Jongbauer a
Jongwenzer Bond" ein Entwicklungsprojekt in der
Obervolta begonnen. Die damals eingeführte sogenannte
"Traction Asine" dürfte heute noch prinzipiell
eine Grundform der "Hilfe zur Selbsthilfe"
sein. Leider hat aber die Methode der Entwicklungs
hilfe unserer Jungbauern z.B., wie sovieles im
Laufe dieses Vierteljahrhunderts eine gewisse Evolu ...
Vor 25 Jahren haben die Luxemburger "Jongbauer a
Jongwenzer Bond" ein Entwicklungsprojekt in der
Obervolta begonnen. Die damals eingeführte sogenannte
"Traction Asine" dürfte heute noch prinzipiell
eine Grundform der "Hilfe zur Selbsthilfe"
sein. Leider hat aber die Methode der Entwicklungs
hilfe unserer Jungbauern z.B., wie sovieles im
Laufe dieses Vierteljahrhunderts eine gewisse Evolution
durchgemacht.
In der Februarnummer des "Letzebuerger Duerf" wurde
ganz klar in Aussicht gestellt, in einer nachsten
Ausgabe wUrde Uber die Projekte der JB & JW
in Burkina Faso (frUher Obervolta) berichtet. Zufellig
hatte ich in der Zwischenzeit lengere Gespreche
mit verschiedenen frUheren Entwicklungshelfern
dieses Projektes und kenne somit ihre genauen
Vorstellungen. Die Entteuschung dUrfte
jetzt um so grosser sein fUr diese Herren, nachdem
jetzt die Bestandaufnahme von der Luxemburger
Delegation am Kongress in Uagadugu verbffentlicht
wurde und eine klare aber um so entteuschendere
Trendwende zutage gebracht hat.
Aus der Hilfe zur Selbsthilfe von damals ist eine
regelrechte Hilfe zur Ausbeutung der fruchtbarsten
Gegenden der Sahelzone zugunsten der internationalen
Handelskonzerne geworden. Hauptabsatzmarkt
ist Europa. GrUne Bohnen aus dew Sahel fUr Europa.
Als hetten wir hier Lebensmittelknappheit. FOY- Unbeteiligte
ist das eine VerrUcktheit. FUr die anderen
wohl ein gutes Gescheft. Ein Gescheft mit
dem Hunger.
Allzugerne wird in unseren Tagen dem Papst so viele
Fehltritte nachgetragen. Sind es nicht eher die
profiliertesten Katholiken, die oft viel welter
daneben treten wie der "Polenpapst". So ist z.B.
unser "Luxemburger Wort" derart begeistert, um die
Behauptungen eines President Reagan zu verbffentlichen,
nach denen der Papst dessen SUdamerikapolitik
voll und ganz unterstUtze. Wem dabei der
Kragen platzt, kann schon leicht die am folgenden
Tag im Luxemburger Wort verbffentlichte Widerrufung
dieser Verbffentlichung Ubersehen. Das Resul
tat: die beneidenswerte Popularitet des Papstes
aus Polen ist gebrochen. Dass unsere Jungbauern
in ihrer Zeitung eine Entwicklungshilfe im Interesse
der Welthandelskonzerne propagieren, dafUr
kann auch der Papst nicht.
WUrden die pepstlichen Enzykliken vorrangiger in
der katholischen Presse berUcksichtigt als die
WUnsche und Aussagen der im Pensionsalter ergreister,
aber offensichtlich unentbehrlichen Manager
der Welthandelskonzerne (z.B. President Reagan
oder der Generalsekreter der Luxemburger Bauernzentrale),
dann hetten wir mit Sicherheit ein
besseres Klima zur Vorbereitung des Papstbesuches.
Hilfe zur Selbsthilfe kbnnte auch in unserer Presse
erfolgen, wenn den Lesern etwas mehr zum Selbst-
Uberlegen gelassen wUrde, anstatt dass man uns mit
fertigen, oft grundfalschen Argumenten Uberflutet.
Die pepstlichen Enzykliken, gekoppelt wit miner
entsprechenden Gesellschaftsanalyse were ein gewissenhafter
Ausgangspunkt.
Traction Asine, das heisst heute, an der Basis,
mit primitiven Mitteln, fUr jedermann verstendlich,
Aufklerung machen Uber die Realiteten unserer
Gesellschaft. Ich glaube, das ist auch der innigste
Wunsch des sich zum Besuch vorbereitenden
Papstes.
Camille Mailliet
Mitglied der Nationalkommission Justitia
et Pax; aktives aber etwas vereinsamtes
Mitglied der Arbeitsgruppe Entwicklung
der Völker.
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