Strategien der Bewältigung
Die psychosoziale Situation HIV-positiver Menschen in Luxemburg und der potentielle Beitrag des Christentums
Der Umgang mit dem Thema HIV/Aids in der luxemburgischen Gesellschaft hat sich deutlich gewandelt: War es zu Beginn der HIV/Aids-Epidemie undenkbar, Kondome oder Homosexualität in den Medien zu thematisieren, so fand im Laufe der Zeit ein gesellschaftlicher Adaptionsprozess an die HIV/Aids-Thematik und damit verbunden eine Ent-Tabuisierung statt. Gleichzeitig wurden die Rechte der Aids- und Droge ... Der Umgang mit dem Thema HIV/Aids in der luxemburgischen Gesellschaft hat sich deutlich gewandelt: War es zu Beginn der HIV/Aids-Epidemie undenkbar, Kondome oder Homosexualität in den Medien zu thematisieren, so fand im Laufe der Zeit ein gesellschaftlicher Adaptionsprozess an die HIV/Aids-Thematik und damit verbunden eine Ent-Tabuisierung statt. Gleichzeitig wurden die Rechte der Aids- und Drogenpatienten sowie der Migranten thematisiert und verbessert. Vor allem seit die Versorgung mit Medikamenten, der sog. Highly Active Antiretroviral Therapy (HAART oder ARV – Antiretrovirale Medikamente) mit lebensverlängernder Wirkung wenigstens in Europa flächendeckend verabreicht werden, wird HIV/Aids eher als eine chronisch behandelbare Krankheit und als ein Randproblem in Luxemburg angesehen. Dadurch ergibt sich die paradoxe Tatsache, dass eine negative Korrelation zwischen psychosozialer und Medikamentenversorgung entsteht. Durch die lebensrettende Funktion der Medikamente verschwindet das Gefühl der Bedrohung aus dem gesamtgesellschaftlichen Bewusstsein, es wird nicht mehr thematisiert und somit verschwindet auch das Gefühl für die Notwendigkeit der psychosozialen Betreuung und für die psychosoziale Lage HIV- positiver Menschen. Die Folge ist Stig- matisierung und Diskriminierung HIV-positiver Menschen und damit einhergehend quälende Einsamkeit und fehlende soziale Unterstützung. Obwohl die meisten Menschen gut über HIV/Aids informiert sind, hat ihr Bewusstsein dafür ab- und das Risikoverhalten zugenommen, was sich in steigenden Infektionszahlen niederschlägt, v.a. bei den Hauptbetroffenengruppen der Jugendlichen, Drogenabhängigen, Gefängnisinsassen und Migranten. Die Prävalenzrate in Luxemburg beträgt ca. 0,2% (Comité de surveillance du Sida 2010), was im europäischen Durchschnitt relativ hoch ist und in erster Linie auf den hohen Migrantenanteil zurückgeführt wird (den Zahlen des Comité de surveillance du Sida von 2010 nach kamen 44 der 64 Neu-Infektionen 2009 aus Ost-r europa, 17 aus Subsahara-Afrika und 3 aus Lateinamerika). Somit stellt sich für die luxemburgische HIV/Aids-Arbeit die Herausforderung der Modernisierung ihrer gruppenspezifischen Präventionsstrategien. Effektiver HIV/Aids-Arbeit steht derzeit entgegen, dass zu sehr bestehendem Material vertraut wird und unkonventionelle Methoden aufgrund der bestehenden Strukturen und Entscheidungshierarchien schwierig durchzusetzen sind. Aber es gibt durchaus Versuche, innovative Methoden in die luxemburgische HIV/Aids-Arbeit einzubringen. So werden beispielsweise im Hinblick auf das psychosoziale Wohlergehen der Klienten in der HIV/Aids-Beratungsstelle des Roten Kreuzes alternative Angebote wie Yoga und Sophrologie angeboten und mit unterschiedlichsten NGOs und kirchlichen Trägern kooperiert. Die Reduktion von HIV/Aids in der Luxemburger Homosexuellen-Szene wird durch die Tatsache erschwert, dass diese recht klein ist und in benachbarte ausländische Städte ausweicht. Erfolge wurden im Drogenbereich mit Spritzen, Methadon, Substitution etc. und in der Aufklärung (homosexueller) Jugendlicher verzeichnet. Deswegen sollten hier entsprechende innovative Konzepte weiter verfolgt werden. Die Schwierigkeit moderner Herausforderungen in der Prävention besteht v.a. darin, Gruppen zu erreichen, die man vorher nicht erreichen wollte, konnte oder musste. Aufgrund der hohen Zahl von Migranten in Luxemburg werden kultursensible Angebote für spezifische Migrantenpopulationen zunehmend wichtiger. Ein gelungenes Beispiel eines innovativen Programmes zur Integration HIV-positiver Migranten stellt das 2006 gegründete Projekt „Oppe Famill“ der HIV/Aids-Beratungsstelle des Roten Kreuzes dar, bei dem Migranten mit HIV in luxemburgischen Familien untergebracht werden. Mit der katholischen Kirche in Luxemburg verbindet die HIV/Aids-Beratung eine langjährige Zusammenarbeit, v.a. im Rahmen der Delegation an psychosoziale und psychotherapeutische Angebote der Kirche. In den Bereichen der Krankenbetreuung, der psychosozialen Begleitung und der Ent-Stigmatisierung hat die Kirche in Luxemburg eine wichtige Rolle inne, die sie v.a. über die Caritas wahrnimmt. Da scheinbar unser naturwissenschaftliches westliches Verständnis von HIV/Aids zur Beseitigung der gravierenden psychosozialen Folgen nicht sehr viel beitragen kann, diese aber für das Fortschreiten von Aids aufgrund der Interdependenz zwischen Psyche und Immunsystem elementar sind, erscheint es sinnvoll, gesellschaftliche Institutionen, deren originäre Aufgabe das psychosoziale Wohlergehen der Menschen ist, einzubeziehen. Hier haben Religionen eine Menge an Kompetenz und Unterstützung, aber auch Ressourcen und bestehende Infrastruktur anzubieten. Dass Solidarität mit HIV-positiven Menschen in der christlichen Kirche nicht immer den spirituellen Tugenden gemäß praktiziert wurde, darf als besondere Verantwortung gesehen werden. Entsprechende Reflexionsprozesse sind in den meisten christlichen Kirchen im Gange. Aber auch heute noch werden homosexuelle Menschen von der katholischen Kirche diskriminiert und die Ansicht verbreitet, dass Kondome unbrauchbar, kontraproduktiv und löchrig seien. So bekräftigte Papst Benedikt XVI. anlässlich einer Afrika-Reise im März 2009 zum wiederholten Male die Abneigung des Vatikans gegen Kondome, scheint allerdings in seinem im November 2010 erschienenen Buch diese kompromisslose Linie etwas zu lockern: „Es mag begründete Einzelfälle geben, etwa wenn ein Prostituierter ein Kondom verwendet, wo dies ein erster Schritt zu einer Moralisierung sein kann, ein erstes Stück Verantwortung […] Aber es ist nicht die eigentliche Art, dem Übel der HIV-Infektion beizukommen.“ (Papst Benedikt XVI. & Seewald 2010) Kondom und Feuerwehr Erny Gillen betont im Interview, dass die katholische Kirche in Luxemburg der Linie des Vatikans folgt, „[…] nämlich zu sagen: Die wichtigste Art und Weise sich zu schützen ist die Liebe von Mensch zu Mensch. Es geht darum, eine Beziehung zwischen Menschen nicht auf ihre Geschlechtlichkeit zu reduzieren.“ Gegen dieses Ideal spricht aber nach den Worten Gillens die Realität. Es gibt Situationen, in denen dieses Ideal der Beziehung nicht erfüllt wird und da wird dann auf das zurückgegriffen, was Gillen eine „Feuerwehr-Ethik“ nennt: „D.h., wir halten Feuerwehren bereit für den Fall, dass es brennt. Deshalb gehen wir aber nicht hin und stecken Häuser an damit die Feuerwehr beschäftigt wird! Aber wenn es brennt, dann ist man froh um diese Feuerwehr […] Die Frage stellt sich, ob man das Kondom als Mittel, Gesundheit zu schützen, nicht doch auch akzeptieren müsse im Sinne eines geringeren Übels, wie die Feuerwehr auch ein geringeres Übel ist? Auch die Feuerwehr zerstört mit dem Wasser mindestens so viel, wie sie gegen das Feuer ausrichtet...“ Die Interviewpartner sind sich einig, dass sich die Verpflichtung, anderen Menschen beizustehen, eindeutig aus den christlichen Schriften ergibt. Hier zitieren sie Jesus: „Ich bin krank gewesen und ihr habt mich nicht besucht“ und „Kommt her zu mir, die ihr alle mühselig und beladen seid.“ Außerdem zeigen sie Parallelen zu den buddhistischen „Götterboten“ auf (Buddha sah als junger Königssohn auf einem Ausflug einen Greis, einen Kranken und einen Leichnam, wodurch er sich des ewigen Leidens im Kreislauf des Lebens bewusst wurde, dem Lebewesen auf alle Ewigkeiten durch die Wiedergeburt ausgesetzt sind), wenn sie Jesus zitieren, der sagt, dass sich „in Kranken und deren Begleitung Gott verherrlicht“. Ob Lepra damals, Krebs oder Aids heute, „die christ- liche Verpflichtung kumuliert sich in einem Wort: Mitgefühl“ (Margret Mines, eine Nonne in der australischen Aids- Arbeit). Dieses Bekenntnis gegen jede Art von Diskriminierung gibt Jesus auch in seinem oft zitierten Ausspruch „Wer von Euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein“. Die Interviewpartner leiten daraus ab: bedingungsloses Mitgefühl (ein Austra- lier, der seit Jahrzehnten buddhistischer Mönch in der thailändischen Aids- Arbeit ist), das Verbot von Diskriminierung und Menschen in irgendeiner Art zu rich- ten (australische Studentin, die über HIV/Aids promoviert), das Gebot, immer zuerst an die ei- gene Sünde zu denken und nicht nach den Gründen für die Krankheit zu fra- gen (Leiter der evangelischen Aids- Arbeit in Chiang Mai im Norden Thailands), eine Verpflichtung der Kirche, speziell im Zusammenhang mit HIV/Aids ak- tiv zu werden (Leiter der evangelischen Aids-Beratungsstelle Hannover). Einig sind sich die Interviewpartner darin, dass die religiösen Gegensätze für die HIV/Aids-Arbeit keine Rolle spielen und die Gemeinsamkeiten, die sich in einer Art interreligiösem spirituellen Wertekanon kumulieren, die entscheidende Basis für die HIV/Aids-Arbeit darstellen. Dabei muss HIV/Aids als ein soziales und nicht als ein moralisches Problem gesehen werden. Dies betrifft die Diskussion um den Gebrauch von Kondomen, deren moralische Konnotation einen konstruktiven Umgang mit der Auswahl angemessener Schutzmaßnahmen und den Austausch von objektiven Argumenten verhindert. Das christliche Dogma des Schutzes des Lebens gebietet jedoch die Propagierung von Kondomen, da diese Leben retten können. Letztlich ist es Aufgabe einer effektiven HIV/Aids-Aufklärung, Menschen alle Möglichkeiten der Verhinderung einer HIV-Infektion aufzuzeigen und den Res- pekt gegenüber ihrer Selbstverantwor- tung insofern zu bewahren, als dass nicht nach moralischen Kriterien selektiert wird. Bipolare Einteilungen wie Sünde/nicht Sünde, Gut oder Schlecht sind dabei kontraproduktiv. Henry Gödertz von der HIV/Aids-Beratungsstelle des Roten Kreuzes in Luxemburg-Stadt, sieht die Rolle der christlichen Kirche in diesem Zusammenhang ganz pragmatisch: „Und das Einzige was bleibt, ist, dass eben immer noch Abstinenz und Treue propagiert wird […] Ja, warum nicht? Das ist ja Ihr Job. Das stört mich eigentlich nicht. Jeder kann ja eigentlich selbst wählen was er will.“ Die christliche Kirche hat mannigfaltige Stärken, wie z. B. die ausgeprägte Infrastruktur (Gesundheitszentren, Kirchen, Bildungs- und Pflegeeinrichtungen), dörfliche Anbindung, Erreichbarkeit der Menschen, Stabilität, Unabhängigkeit (v.a. von Finanzierungen), Vorbildfunktion als Lehrer und Berater und spirituelle Unterstützung der Menschen. Diese Stärken nutzend, sollte die Begleitung von Menschen auf ihrer spirituellen Reise wertneutral und undogmatisch geschehen und sie in ihren Rechten und Bedürfnissen unterstützen. Dadurch verbieten sich Missionierungsabsichten und Bevormundung. Im Rahmen ganzheitlicher Konzepte findet die Begleitung auf der physischen, psychischen, spirituellen und sozialen Ebene statt und kann z.B. die Tätigkeitsfelder Seelsorge, Hausbesuche, Sterbebegleitung, Beratung und Unterstützung, Notprogramme, spirituelle Führung, Meditation, Gesundheitsprogramme und Pflege umfassen. Das Ziel ist das psychosoziale und psychische Wohlergehen aller, wobei HIV-positive Menschen psychosozialen Problemen ausgesetzt sind, die wenig von anderen Institutionen oder dem sozialen Umfeld aufgefangen werden. Psychosoziale Probleme HIV-positiver Menschen Die größten psychosozialen Probleme HIV-positiver Menschen in Luxemburg bestehen in der Vereinsamung und dem Rückzug aus dem sozialen Leben. Ein US-amerikanischer Interviewpartner von „World Vision“ (eine internationale evangelikale Entwicklungshilfsorganisation und die größte christliche Nichtregierungsorganisation) bringt diese Problematik auf den Punkt: „Menschen sterben an Einsamkeit bevor sie an den physischen Folgen sterben“. Mit der HIV-Infektion gehen Nähe und Solidarität verloren, sowohl gesellschaftlich als auch persönlich, es wird zunehmend schwieriger, langfristige Beziehungen und ein befriedigendes Sexualleben zu führen. Das Virus erzwingt eine andere Lebenssicht und stellt ein Trauma dar. Nach den Worten Jan van Wijngaardens (HIV/Aids-Koordinator bei der UNESCO Thailand) tendieren infizierte Menschen zu kurzfristigen sexuellen Beziehungen und zu promiskuitivem Verhalten, weil sie sich auf diese Weise nicht mit ihren Ängsten auseinandersetzen müssen. Die psychosoziale Situation HIV-positiver Menschen wird in vielen Fällen erschwert durch Mehrfach-Stigmatisierungen, schwierige Sozialisationshistorien, gesellschaftliche Isolierung, Nichtakzeptanz, Verarmung etc. Auch das abstrakte Gefühl, Schuld und Sünde auf sich geladen zu haben, erschwert die Situation vieler HIV-positiver Menschen – Depression, Schuldgefühle, Angst und Hilflosigkeit sind so ständige Begleiter. Viele Interviewpartner kritisieren, dass die massiven Nebenwirkungen der ARVs und die entsprechende psychosoziale Belastung zu wenig thematisiert werden. Die betroffenen Menschen müssen sehr auf ihre Gesundheit achten, sich eine geduldige und optimistische Haltung aneignen und einen strengen Zeitplan in der Medikamenteneinnahme einhalten, um die Nebeneffekte zu minimieren. Henry Gödertz von der Aids-Beratung Luxemburg merkt an, dass dies nicht zuletzt auch ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Situation ist, die durch Individualisierung, Vereinzelung und Sinnsuche gekennzeichnet ist. Vor diesem Hintergrund ist psychosoziale und spirituelle Betreuung besonders wichtig. Gödertz plädiert dafür, Raum für Bedürfnisse zu öffnen: „Ich glaube, man muss hören was die Leute suchen, ob das dann eine gewisse Spiritualität ist […] dass sie in die Kirche gehen, dass sie Yoga machen, dass sie beten, dass sie meditieren, was auch immer sie suchen; wir müssen ihnen einfach die Möglichkeit bieten dies zu tun.“ Aufgrund ihrer Einsamkeit, Sinnsuche oder Fluchttendenzen werden HIV-positive Menschen auch einfache Opfer für Sekten, Esoterik, Wahrsager, Drogenabhängigkeit etc. Andererseits haben sie wesentlich bessere Voraussetzungen für Achtsamkeit und Reflexion, da sie sich sehr mit sich, ihrem Körper und ihrer Spiritualität auseinandergesetzt haben. Ein thailändischer Interviewpartner sieht hier eindeutigen Nachholbedarf in Europa: „Western societies have been focusing on the material aspect of condoms and antiretrovirals, they are not looking on all the related factors, the factors related to the well-being of the person with HIV.“ Bewältigungsstrategien Interessanterweise scheinen sich die Schlussfolgerungen der westlichen und der buddhistischen Psychologie hinsichtlich der Bewältigungsstrategien sehr zu ähneln. Globales Ziel beider Disziplinen ist es, durch den Aufbau aktiver problembezogener Bewältigungsstrategien und die Entwicklung von Offenheit für Angebote sozialer Ressourcen (wie soziale Unterstützung) das psychische Gleichgewicht zu verbessern und das Befinden positiv zu beeinflussen (Klöpfer 2009). Dies bestätigen die Untersuchungsergebnisse von Weilandt (1998), die in einer Querschnittsuntersuchung mit 224 Menschen in Deutschland zum Zusammenhang von psychischen und physischen Variablen bei Menschen mit HIV/Aids feststellte, dass das psychische Gleichgewicht von HIV-Patienten: hauptsächlich determiniert wird durch den kognitiv-emotionalen Umgang mit der HIV-Infektion (v.a. durch interne psychische Ressourcen); nicht von der physischen Befindlich- keit abhängt (z.B. vom Krankheits- geschehen oder externen psychischen Anforderungen); nicht durch den aktuellen Immunsta- tus, sondern deutlich mehr durch in- terne Ressourcen geprägt ist; stark von dem habituellen Umgang mit potentiell angstauslösenden Situationen beeinflusst wird (wie also das Indivi- duum gewohnheitsmäßig mit Ängsten umgeht). deutlich mit Gesundheits-Kontrollat- tributionen, also der Überzeugung, in welchem Maße man fähig ist, die ei- gene Gesundheit zu kontrollieren, kor- reliert (internale Kontrollattributionen führen zu vermehrtem gesundheitsre- levantem Verhalten und tragen zur Ei- genverantwortung und somit nach Weilandt (1998) zum psychischen Wohlbefinden bei); mit der generellen Fähigkeit der kons- truktiven Bewältigung interner und externer Anforderungen korreliert; sehr von der Wahl der Krankheitsver- arbeitungsstrategie (Coping) abhängt. Ein aktiver Umgang mit der HIV- Infektion wirkt angstreduzierend, wo- hingegen depressives, ablenkendes und vermeidendes Coping die positive psy- chische Befindlichkeit vermindert. Dr. Russ Phillips (Buddhist und Prof. für Psychologie an der Missouri Western State University) et al. befragte 2009 550 Buddhisten zu belastenden Lebensereignissen. Die resultierenden buddhistischen Coping-Strategien sind nahezu deckungsgleich mit den oben aufgeführten Variablen, was bedeutet, dass Ressourcen wie Optimismus, soziale Unterstützung, positive Angstbewältigungsmechanismen, Verantwortungsübernahme etc., unabhängig von der Kultur, den Umgang mit der Krankheit deutlich vereinfachen. Es kommt also ganz wesentlich darauf an, wie man sein Leben (er)lebt, um eine Weiterentwicklung der Krankheit möglichst lange hinauszuzögern oder gar zu verhindern. Kulturübergreifend ist festzustellen, dass in der HIV/Aids-Präventions- und Beratungsarbeit spirituelle Werte wie Zusammenarbeit, Mitgefühl, die Sicht des Menschen an sich und nicht als Symp- tomträger, Respekt vor der Person und der Würde jedes einzelnen Menschen, nicht wertende oder richtende Strategien der Schlüssel zum Erfolg zur Entstigmatisierung HIV-positiver Menschen und damit ihrer gesellschaftlichen Anerkennung liegt. Viele Präventionsmaßnahmen haben gezeigt, dass eine bloße Vermittlung der Fakten nicht zum gewünschten Erfolg und der Reduktion von Infektionszahlen führen, sondern dass diese Entstigmatisierung und eine Internalisierung der Übernahme von Verantwortung für sich und seine soziale Umwelt notwendig ist. Hier kann der „modernen“ Verknüpfung von Geld und Glück und der Kommodifizierung (also die Kommerzialisierung) von Sexualität Religion eine Rückbesinnung auf das Selbst, die Nachhaltigkeit und die Spiritualität entgegensetzen. Literatur Comité de surveillance du sida (2009/2010). Rapport d’activité 2009/2010. Luxembourg. Abrufbar unter www.sante.public.lu Klöpfer, C (2009): „Coping-Prozesse bei HIV/Aids-Patienten aus der Perspektive westlicher und buddhis- tischer Psychologie“. In: AGEM (Arbeitsgemeinschaft Ethnomedizin): Curare – Zeitschrift für Ethnomedizin und Transkulturelle Psychiatrie. Doppelheft 32 (1+2) zu dem Thema „Kultur, Medizin und Psychologie im Trialog I: Bilanzen im interdisziplinären Arbeitsfeld Ethnologie & Medizin“, S. 48-63 Klöpfer, C. (2011). Aids und Religion. Der psychologische Beitrag von Buddhismus und Christentum zu Präventionsstrategien gegen die psychosozialen Folgen von HIV/Aids. Ein Vergleich zwischen Südostasien und Europa am Beispiel Thailands und Luxemburgs. Göttingen: V&R UniPress (im Druck) Papst Benedikt XVI., Seewald, Peter (2010). Licht der Welt: Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit. Ein Gespräch mit Peter Seewald. Freiburg: Herder Phillips, R. (2009). „Spiritual Coping in American Buddhists: An Exploratory Study“. In: International Journal for the Psychology of Religion, 19(4), S. 231-243. Weilandt, C. (1998). Menschen mit HIV und AIDS – Ressourcen, Belastung und Bewältigung. Berlin: Sigma.




