Resilienz und Hoffnung
„Wenn wir auf die Regierungen warten wird es zu spät sein. Wenn wir alleine handeln wird es zu wenig sein. Aber gemeinsam werden wir rechtzeitig und richtig was bewegen können.“ Nach einer Welle der Entrüstung über gescheiterte Klima-, Wirtschafts- und Sozialgipfel in den letzten Jahren darf wieder selbst mit angepackt werden! Inspiration liefert die Bewegung der sogenannten „Transi ... „Wenn wir auf die Regierungen warten wird es zu spät sein. Wenn wir alleine handeln wird es zu wenig sein. Aber gemeinsam werden wir rechtzeitig und richtig was bewegen können.“ Nach einer Welle der Entrüstung über gescheiterte Klima-, Wirtschafts- und Sozialgipfel in den letzten Jahren darf wieder selbst mit angepackt werden! Inspiration liefert die Bewegung der sogenannten „Transition Towns“, („Städte im Wandel“) in der es um Gemeinschaften geht die Nahrungsmittel selbst anbauen, lokal wirtschaften, eigenes Geld drucken und Stromkooperativen gründen. Ausgehend von Großbritannien in 2006 breitet sich die Bewegung wie ein Lauffeuer aus: Heute gibt bereits an die tausend lokale Initiativen in mehr als 30 Ländern. „Transition“ heißt den geplanten Übergang in eine postfossile, relokalisierte Wirtschaft zu gestalten. Angesichts der ökologischen, energetischen und wirtschaftlichen Krisen, geht es darum, die Menschen zu inspirieren und zu ermutigen, statt Ihnen Angst einzujagen und ein schlechtes Gewissen zu machen. Diese Bewegung hat nicht die Anmaßung alle Antworten parat zu haben. Es sind vielmehr Menschen die aus dem Handeln lernen, die verstehen, dass wir nicht darauf warten können, dass jemand an unserer Stelle handelt. Initiiert vom irischen Permakulturalisten Rob Hopkins, lässt die Bewegung sich dem Gedanken des „Eco-Communalism“ zuordnen. Diese Umweltphilosophie propagiert angesichts schwindender Rohstoffe und negativer ökologischer Auswirkungen der Globalisierung die Idee des „einfachen Lebens“, der regionalen bzw. lokalen Wirtschaft sowie der Nachhaltigkeit und der wirtschaftlichen Selbstversorgung. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die Gestaltungsprinzipien der Permakultur, die es insbesondere landwirtschaftlichen, aber auch allgemein-gesellschaftlichen Systemen ermöglichen sollen, so effizient und energiesparend wie natürliche Ökosysteme zu funktionieren. Auch in Luxemburg ist vor etwa zwei Jahren eine solche Initiative entstanden. Der Grundgedanke von CELL (Centre for Ecological Learning Luxembourg) ist es einen nachhaltigen Lebensstil in der Praxis zu erproben, eine Kultur der Solidarität zu fördern und die Fähigkeiten aufzubauen, um in einer post-fossilen Welt leben zu können. Die Plattform wird so zum Experimentierfeld für eine resilientere – d.h. eine gegen Schocks und Krisen widerstandsfähigere – Gesellschaft. Nach der Gründung von CELL entstand schnell der Wunsch einiger Menschen im eigenen unmittelbaren Lebensumfeld loszulegen. Wie Pilze aus dem Boden sprießen sie hervor, kleine Aktionsgruppen mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten (alte Pflanzensorten, Permakultur, Mobilität, ...) und regionale Initiativen, darunter eine Gruppe in Luxemburg Stadt und eine im Süden namens „Transition Minett“. Seit Anfang 2012 arbeiten sie auf konkreten Projekten, darunter eine Einkaufskooperative (von Bio-Produkten), eine Energiekooperative, ein Solarmobil, Gartenaktivitäten, öffentliche Veranstaltungen ... Ein Leitmotiv ist der Garten, denn hier wird wie nebenbei beantwortet, wie mensch Nahrung wertschätzen, Ernährungssouveränität sichern und die lokale Wirtschaft stärken kann. Das sogenannte Urban Gardening kann viele verschiedene Formen annehmen, z.B. Gemeinschaftsgärten oder Lebensmittel- kooperativen. Im Trierer Raum gibt es den Frauengarten, der Gartenarbeit mit Integration von Frauen verbindet, in Beckerich wird an Projekten zur Lokalisierung der Wirtschaft gearbeitet und im Süden des Landes entsteht eine Lebensmittelkooperative. Die Gruppe in Luxemburg Stadt hat sich das Thema „Gemeinschaftsgarten“ als Ausgangspunkt ihrer Transition vorgenommen. Hier werden nicht nur Karotten, Tomaten und Spargel angebaut, es wird auch zusammen gelebt, verhandelt, ausgetauscht, dokumentiert und gelernt. Der Garten erweist sich als kollektiver Entwurf zur sozialen Gestaltung einer postfossilen Gesellschaft. Es ist demnach nie „bloß“ ein Garten, sondern immer auch ein Lebensgewebe. Gärten sind ein Ort des Widerstandes, eine Reaktion auf den gefühlten Verlust von Gestaltungsmöglichkeiten und Freiräumen. Jenseits der Lust am Gärtnern sind diese Projekte oft von emanzipatorischen Ideen und einem Gefühl der Solidarität motiviert. Es wird gepflanzt mit dem Bewusstsein, gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Zusammenhänge zu hinterfragen und dem Willen auf unterschiedlichsten Ebenen Veränderung zu bewirken. Ein anderes Vorhaben ist die Produktion von Energie „in Bürgerhand“: Bürgerinnen und Bürger werden zu Mitinhabern von regionalen Energieversorgern und zeigen wie alternative Energien an Bedeutung gewinnen können. Das Kapital bleibt in der Region und hilft somit, die Lebensqualität und Attraktivität einer Region zu steigern. Eine Solarstrom-Kooperative in Bürgerhänden ist im Rahmen von Transition Minett in der Entstehungsphase. Solche von Bürgern initiierte und getragene Initiativen bergen ein enormes Potential, Lösungsvorschläge zu erproben. Das Modell der „Transition Towns“ ist ein soziales Experiment, das mit Hoffnung und Einfallsreichtum Antworten auf unsichere Zeiten vorschlägt. Dieser positive Ansatz darf jedoch nicht in Blauäugigkeit münden, denn gute Ideen bergen das Risiko dass sie schnell durch ein weniger innovatives Establishment vereinnahmt werden. Es gilt, eine feine Balance zu halten zwischen Kooperation mit unterschiedlichen Akteuren – darunter Gemeinden – und Mut zur Selbstbestimmung sowie Kritik am Bestehenden. Denn Probleme kann man bekanntlich nicht mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind!
Diesen Artikel als PDF ansehen.
Größe: 0.42 MB




