Bio- und bibliographische Einführung
Hans Küng, der zur Zeit bekannteste und umstrittenste Theologe innerhalb der katholischen Kirche, wird am 19. Mari 1928 in Sursee in der Schweiz geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Luzern tritt er 1948 ins
Päpstliche Collegium Germanicum in Rom ein. Während 3 Jahren studiert er Philosophie an der Päpstlichen Universität Gregoriana, anschliessend 4 Jahre Theologie. Das theologische Stu ...
Hans Küng, der zur Zeit bekannteste und umstrittenste Theologe innerhalb der katholischen Kirche, wird am 19. Mari 1928 in Sursee in der Schweiz geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Luzern tritt er 1948 ins
Päpstliche Collegium Germanicum in Rom ein. Während 3 Jahren studiert er Philosophie an der Päpstlichen Universität Gregoriana, anschliessend 4 Jahre Theologie. Das theologische Studium schliesst er mit einer Lizenziatsarbeit über die Rechtfertigungslehre Karl Berths ab. Hier in Rom, wo Küng im Geiste strengster katholischer Tradition erzogen wurde, feiert er am 11. Oktober 1954 seine Primiz in St.Peter, nachdem er am Vortage
in der Kirche des Ignatius von Loyola die Ordination empfangen hatte.
Von 1955-1957 setzt er sein Studium am Institut Catholique und an der Sorbonne in Paris fort. Er beginnt mit der Arbeit über die "Menschwerdung Gottes" bei Hegel. In diese Zeit fallen seine ersten persönlichen Kontakte mit dem protestantischen Theologen Karl
Barth, Uber dessen Rechtfertigungslehre KUng seine
theologische Doktorarbeit schreibt. Die Dissertation
erscheint 1957 als KUngs erstes Buch unter dem Titel:
"Recht/ientigung. Die Lehte Katt Banths und eine bethotisehe
Beeinnung". Hier wird der Ansatz gelegt zu
KUngs spaterer Beschaftigung mit dkumenischen Fragen,
denen er ein immer grosser werdendes Interesse entgegenbringen
wird.
In den Jahren 1957-1959 ist KUng in der praktischen
Seelsorge tatig als Vikar an der Hofkirche in Luzern.
1959 wird er Wissenschaftlicher Assistent fur Dogmatik
an der Universitat Munster unter Professor Hermann
Volk, dem jetzigen Bischof von Mainz und Kardinal.
Im Januar 1959 hat Johannes XXIII. das Zweite
Vatikanische Konzil angekUndigt, und KUng fUhrt mit
den Kardinalen D4ner und Montini erste Gesprache Uber
Konzil und Wiedervereinigung. Seine Ueberlegungen
zu diesem Thema erscheinen 195o als Buch: Konzit
and Wiedefwenei►igung. Etneuenung ats Rug in di_e EinheLt.
gleichen Jahr wird er zum ordentlichen Professor
fur Fundamentaltheologie an die Universitat
TUbingen berufen. Er ist 32 Jahre alt.
In der darauffolgenden Zeit halt er zahlreiche Vortrage
zur Vorbereitung des Konzils und studiert eingehend
die protestantische Theologie, vor allem die
historisch-kritische Exegese Ernst Kasemanns. Die
Vorlesungen und Seminare der Jahre 196o-1964 behandeln
vornehmlich Themen der Christologie und Ekklesiologie.
1962 wird Hans KUng von Papst Johannes
XXIII. zum offiziellen Theologischen Konzilsberater
ernannt. Er spricht in Rom und auf Reisen in verschiedenen
Uhdern Uber Program, Wesen und Wirklichkeit
des Konzils. In diese Periode fallen die Publikationen:
StAuktueLen den K,ietche / Damit die Weft gtaube.
Stie6e an junge Men:schen. I Kieehe £m KonzLt.
1963 Ubernimmt er den neubegrUndeten Lehrstuhl fUr
Dogmatik und dkumenische Theologie und .wird gleichzeitig
Direktor des Institutes fur iikumenische Forschung
in TUbingen.
Wahrend der Konzilszeit, die KUng zeitweise in Rom
verbringt, widmet er sich vor allem ekklesiologischen
Fragen, besonders den Fragen nach Freiheit in
der Kirche und der Wahrhaftigkeit der Kirche. Die
beiden BUcher, die daraufhin entstehen, gehdren wohl
zu den wichtigsten Werken des Theologen. Es sind
dies Die Kitche (1967) und Wahnha4tigkeit. Let Zukung
deA 'Cahe (1968). Die Erneuerung der Kirche
ist nicht bloss akademisches Diskussions- und wissenschaftliches
Forschungsobjekt des Universitatsprofessors,
sondern mehr noch pastorales Anliegen und Engagement
des Christen Hans Kling. In seinen kritischen
Stellungnahmen zu innerkirchlichen Fragen tritt er
fUr eine Kirche mit "menschlichem Antlitz" ein, die
den Glaubigen Hilfe und nicht Hindernis in ihrem
Christsein ist. Der kleine Band Wozu Ptiesten? (Eine
Hiegel, 1971 erschienen, gehdrt gleichfalls zu die- ip
ser engagierten und positiv-kritischen Richtung.
Nach Gastprofessuren in New York und Basel, erscheinen
197o gleich zwei weitere Werke, die dem international
anerkannten, aber auch schon kirchlich
kontroversierten Theologen, nicht nur Anerkennung
und Lob einbringen sollten. Einerseits handelt es
sich um das schon vor dem Konzil begonnene Werk Uber
die Hegelsche Christologie mit dem Titel: Menschweedung
Gotte4. Eine Ein6UhAung in Hegets Theotogisches
Denizen ats Ptotegomena zu einet kiin4tigen
ChAiztotogie. In diesem Buch geht es Uber die philosophische
Auseinandersetzung mit Hegel hinaus um die
Frage nach Gott und nach Christus, sowie die Geschichtlichkeit
Gottes und die Geschichtlichkeit
Jesu. Die Denkansatze fur die spateren Werke Chnist
.Ja, etwa ein Festmeter!wie immer, abet nicht Mese gewnhnlichen Scheite, wir dachten
/nen an etwas Elegantes, Teak vieileicht oder Mahagoni, und nett zugeschnitierd.
*.1m$
Sein und Existient Gott? liegen hier schon vor. Andererseits
geht es um das Buch Un6ehtbat? Eine An6nage
das sich mit dem Unfehlbarkeitsausspruch des kirchlichen
Lehramtes auseinandersetzt. Dieses Buch wird
aufs heftigste umstritten und bekampft, die theologische
Debatte erstreckt sich auf Jahre und gibt
Anlass zu weiteren Publikationen zu dem Thema, so der
von Karl Rahner herausgegebene Samelband Zum Ptoham
den Ureiektbatheit, die Bilanz der Kontroverse
mit dem Titel Fektban herausgegeben von KUng und die
spater erschienene Dokumentation zu dem"Fall Kling"
Um nichts ai4 die Wahnheit, herausgegeben von Walter
Jens. Die kritische Anfrage "Unfehlbar?" hatte KUng
namlich ein Lehrverfahren der rdmischen Glaubenskongregation
eingebracht. Er war schon vorher wegen verschiedenen
Anmerkungen in seinen BUchern Uber die Kirche
von Rom aus gemassregelt worden.
Nach dieser eher bewegten Phase, wendet sich der Theologe
wieder dem eigentlichen Christlichen zu. 1974
erscheint das Werk Cheist Sein, das zur Zeit meistverkaufte
Werk KUngs. In diesem Buch geht es um Jesus,
den Christus, um sein Programm, um sein Evangelium,
und es will verstandlich machen, was es heisst christglaubig
zu leben in einer Welt, in der Christ sein
nicht gerade selbstversthndlich ist. "Christ sein"
das auch fur Rom geschrieben ist, will nach Ansicht
seines Autors "nun doch endlich die wohlfeilen Klischees
vom destruktiven Kirchenkritiker, Papstfeind
und DogmenzertrUmmerer" aus der Welt rhumen. Auch
hat Kling dieses Buch nicht geschrieben, "well er
sich selbst fair einen guten Christen, sondern well er
Christ sein fur eine besonders gute Sache halt."
Vier Jahre sphter, zu seinem 5o.Geburtstag publiziert
KUng ein weiteres Monumentalwerk: ExiztieAt Gott?
ein Buch, das sich mit der Gottesfrage in der Neuzeit
auseinandersetzt. Wie "Christ sein" 1st auch dieses
Bach fur ein breites Publikum geschrieben, in einer
Sprache, die auch von Nicht-Theologen verstanden
wird. Dies dUrfte wohl einer der GrUnde sein, weshalb
die beiden letzten Bucher von Ong von so vielen Lesern
mit Begeisterung aufgenommen warden sind. Aber
nicht nur deswegen: sondern vor allergy , well hier der
Versuch gemacht wurde das Wesentliche des christlichen
Glaubens fir die Menschen unserer Zeit auszusagen.
Dass dieser Versuch gelungen ist, wird wohl niemand
KUng abstreiten kbnnen, auch jene Kritiker nicht, die
mit diesen oder jenen Shtzen und Ansichten nicht einverstanden
sind.
Neben diesen grossen Werken verfasst KUng zahlreiche
Aufshtze and Artikel. Er schreibt hauptshchlich fur
die beiden theologischen Zeitschriften "Concilium"
deren MitbegrUnder, and fur die "TUbinger Theologische
Quartalschrift n , deren Mitherausgeber er ist.
Ferner ist er Herausgeber der Reihe "Teologische Meditationen".
Als eigene Schriften in dieser Reihe
seien erwahnt: Wa6 in den Kikehe btizaen mu,s.6 /
the -4:n FiteTheit I Gott und daz Lad / Gottesdienst-
Waumf
Dieser Ueberblick Uber die wichtigsten Stationen und
Werke aus dem Leben flans KUng ist keineswegs vollstNn-
Spitzengruppe
Welcbe theologisch-religiosen Bucher der
70er jahre „verdienen es am meisten zu
iiberdauern"? Diese Frage stellte das angesehene
US-amerikartisdae Wochenmagazin
„Christian Century' an 89 ihrer wissenschaftlichen
Rezensenten, die unter 15 000
in den 70er Jahren erschienenen theologisthreligiiisen
Blichern auszuwählen hatten.
Nach dem Bach eines amerikanischen Kirchenhistorikers
(Sidney. E. Ahlstrom: „Eine
religidse Gesthichte des amerikanischen
Volkes") entschieden diese sith fiir „Christ
sein". das Buda des katholisdien Tiibinger
Theologen Hans Kling. Unter den ersten
zwnif sind neben Kung immerhin nod] drei
weitere Europaer: Jurgen Moltmann „Der
gekreuzigte Gott" (Platz 4), Eberhard
Busch „Karl Barths Lebcnslauf" (Platz 9)
und Eduard Schillebeeckx „Jesus. Die Gesthichte
von einem Lebenden" (Platz 12).
Der siidamerikanische Befreiungstheologe
Gustavo Gutierrez kam mit seinern Budt
„Theologie der Befreiung" ad den Matz 6.
in: Publik-Forum, Nr. 25-26/1979
dig. Er soll nur einen Gesamteindruck vermitteln Uber
den Weg und das l4erk eines Mannes, der eine der widersprUchlichsten
Figuren der katholischen Christenheit
darstelit. Er stbsst sowohl auf begeisterte Zustimmung
wie auf aggressive Ablehnung. Wer ist er
wirklich, dieser Theologe und Wissenschaftler, Seelsorger
und Schriftsteller, Prediger und Professor,
Priester und Polemiker, Katholik and Oekumeniker?
Sicherlich nicht ein neuer Luther, wie manche von
ihm behaupten, wenn gleich sein engagiertes- and fur
viele unbequemes- Eintreten fur eine wahrhaftige
Kirche ihn in die NNhe einer prophetischen Gestalt
rUckt. Edmèe Ewers
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