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Der erste Wochentag
Schiefgelaufen ist ganz offensichtlich die «Sache mit dem ersten Wochentag». Als es nämlich mit dem christlichen Glauben anfing, war der erste Wochentag der Tag nach dem Ruhetag. Der erste Wochentag ist – biblisch gesehen – unser heutiger Sonntag. Nach altchristlicher Auffassung war er eben kein arbeitsfreier Tag, sondern der erste Werktag der Woche. Der Tag, an dem nach dem biblischen Mythos (Gen 1,3) Elohim-Gott mit der «Schöpfung» begann, indem er sagte: «Es werde Licht», und das Licht von der Finsternis schied. Ein Kapitel weiter heißt es in Gen 2,3: «Und Elohim-Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, denn an ihm ruhte er von seinem ganzen Schöpfungswerk.»
Der erste Tag ist demnach immer wieder der Tag nach dem Sabbat, der Tag nach dem Ruhetag. Diesen siebenten Tag, den Sabbat, feierten die ersten Christen zusammen mit ihren jüdischen Brüdern als Ruhetag. Auf dem sogenannten Apostelkonzil (wohl anfangs der fünfziger Jahre, so an die zwanzig Jahre nach der Kreuzigung Jesu) wurden den Christen aus den nicht-jüdischen Völkern «keine weiteren Lasten (des jüdischen Gesetzes) auferlegt», abgesehen von den unbedingt erforderlichen. Das war damals: 1° Enthaltung von Fleischstücken aus Tieropfern zu Ehren heidnischer Götter: derartiges Fleisch konnte auf dem Markt gekauft werden. 2° Diesem gleichgestellt wurde alles Fleisch, das nicht nach jüdischer Art geschlachtet (geschächt) worden war; und 3° Enthaltung von Unzucht. (siehe Apg. 15, 19+20 sowie 28+39). Von einer Aufhebung des Sabbatgebots geht keine Rede, obschon die Beobachtung jenes Gebotes eines der Merkmale war, an denen Juden in der nichtjüdischen Welt ausgemacht werden konnten. Den Christen aus den nicht-jüdischen Völkern scheint das Festhalten am Sabbat keine jener «Lasten» gewesen zu sein, von denen sie durch den Beschluss des «Apostelkonzils» befreit worden waren.
Jede Woche einen öffentlichen Ruhetag
gab es nur bei den Juden. Die anderen Völker kannten zwar durchweg die Siebentagewoche.
(In Rom, dessen Wochentagsnamen auch wir noch gebrauchen, begann die Woche mit dem Tag des Saturn, es folgten die Tage des Sonnengottes Sol, der Mondgöttin Luna, des Kriegsgottes Mars, des Handelsgottes Merkur, des Obergottes Jupiter, und als letzter der Tag der Venus [bei den Germanen der Tag der Freia].) Doch keinem jener anderen Völker war der Gedanken gekommen, an einem bestimmten Wochentag alle Arbeit und alle Geschäfte ruhen zu lassen. Man darf sich deshalb fragen, warum die vier bis zum heutigen Tag in den Kirchen gelesenen Evangelien hartnäckig wiederholen, es sei am ersten Wochentag gewesen – als sich gerade wieder Licht und Finsternis schieden -, da Frauen aus dem Schülerkreis des Jesus zum Grab ihres Meisters gegangen waren, um dort zu erfahren, er sei auferweckt worden (Mk 16,2; Mt 28,1; Lk 24,1; Jo 20,1). In dieser Einmütigkeit der Evangelien wird sichtbar, welche Rolle der erste Wochentag für den Glauben der Urchristen spielte: Mit dem ersten Werktag der neuen Woche war für die Jesuschüler eine neue Weltepoche eingeleitet.
Frauen hatten vor den «Aposteln» verstanden: Am letzten Arbeitstag der Woche (unserm Freitag) hatte ihr Meister sein Lebenswerk vollendet (siehe Jo 19,30) und war dabei gestorben. Am Sabbat, dem Ruhetag, krümmte JHWH keinen Finger. Doch am ersten Wochentag «begann er wieder zu arbeiten». Die erste Tat zu Beginn der neuen Woche war die Auferweckung seines lie-
Mit dem ersten Werktag der neuen Woche war für die Jesuschüler eine neue Weltepoche eingeleitet.
ben Sohnes Jesus (siehe Mt 3,17b, 17,5; Mk 1,11; Lk 3,22, 9,35). In Analogie zur «ersten Schöpfung» war dies Werk bereits getan, bevor der erste Sonnenstrahl leuchtete, bevor die ersten Frauen ans Grab kamen, um den Leichnam ihres Rabbi zu salben. Mit dem ersten Werktag der neuen Woche war eine neue Weltepoche eingeleitet, eine Neuschöpfung. Das war der Glaube der Jesusschüler. Mit dem ersten Wochentag begann deshalb auch ihre Arbeit. Es hieß ja, am Aufbau dieser neuen Welt dort weiterzufahren, wo der Tod hinter die Weiterarbeit des Jesus einen definitiven Schlusspunkt gesetzt hatte. Der Tag des Herrn (Jesus), wie der erste Wochentag bald genannt wurde, war nun mal kein Ruhetag, sondern der erste Werktag der neuen Weltwoche. All dies ist der «Christenheit» in Vergessenheit geraten und hat wesentlich dazu beigetragen, die Schieflage der Kirche zu verschlimmern. So sehr, dass in allen heutigen Kalendern aus dem ersten Wochentag der siebente gemacht wurde. Im offiziellen liturgischen Kalender der römischen Kirche wird durchnumeriert: und zwar vom Montag bis zum Freitag, von der «feria secunda» bis zur «feria sexta» (= «zweiter» bis «sechster Wochentag»). Einzige mir bekannte Ausnahme von der allgemein üblichen Zählung ist die portugiesische Woche, die der offiziellen römischen folgt: die fünf Tage von Montag bis Freitag gelten immer noch als «zweiter» bis «sechster Tag».
Wenn die junge Christengemeinde abends in Jerusalem zusammenkam zum Brotbrechen und zum Gebet (Apg. 2,42), war sie den ganzen Tag ihrer Berufsarbeit nachgegangen. In der gleichen Apostelgeschichte (20,7) erzählt der Verfasser: «… als wir [in Troas] am ersten Wochentag zum Brotbrechen versammelt waren», war ein Junge bei der Predigt des Paulus eingeschlafen und aus dem Fenster gefallen. Die älteste Erwähnung des ersten Wochentages in einem christlichen Dokument finden wir im 1. Brief an die Korinther 16,2. Dort schreibt Paulus: «Je am ersten Wochentag lege jeder von euch zur Seite und horte, was immer seinem Wohlstand entspricht, damit nicht erst dann, wenn ich komme, Sammlungen stattfinden.» Bei dieser Sammlung ging es um die Unterstützung der Jerusalemer christlichen Gemeinde. Es ging also dabei nicht an erster Stelle um das «Brotbrechen», sondern um den Dienst an den Armen. Die neue Weltordnung muss damit beginnen, dass die Armen, Kranken, Ausgegrenzten und Schwachen in ihre Menschenrechte eingesetzt werden. Es ging nicht um das, was wir heute «Caritas» nennen: ganz und gar nicht um eine milde Gabe, sondern um strikte
Gerechtigkeit: jeder soll beiseite legen «nach seinem Wohlstand». Es war demnach so, dass die Korinther zwar ihren Beitrag zur Linderung der Not in Jerusalem zu ihrer wöchentlichen Versammlung am ersten Wochentag mitbringen sollten, aber das war nicht der Beliebigkeit überlassen: Die in allerlei Bedrängnisse geratene Jerusalemer Gemeinde hatte ein striktes Recht darauf, dass alle Schwestern und Brüder mit ihr teilten.
In der Liste seiner Vorhaltungen an die Adresse der Korinther geht Paulus zum Schluss auf die Missbräuche ein, die sich in ihre Zusammenkünfte eingeschlichen hatten: «Wenn ihr also am selben Ort zusammenkommt, so ist dies Essen nicht das Essen des Herrenmahls. Denn jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg. Und während der eine hungert, ist der andere berauscht. … Verachtet ihr vielleicht die Gemeinde Gottes, dass ihr die zuschanden macht, die nichts haben?» (1. Kor 11,17ff) Allerdings sagt Paulus an dieser Stelle nicht, an welchem Tag diese Zusammenkünfte stattfanden, doch schon sehr früh war es Tradition geworden, sich als christliche Gemeinde am ersten Wochentag zu versammeln. Dabei brachen die auf Christus Getauften das Brot miteinander
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PIEUX MENSONGES
par Marcel Gérard
(Imprimerie rapidpress ISBN 2-9599947-2-8)
L’auteur dénonce les pieux mensonges du culte marial, de la messe et de l’interprétation de la Rédemption.
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und füreinander. Gerade auf dieses Letzte
pocht Paulus. Es geht dabei auch um das, was
der «Herr am Abend vor seinem Leiden
gemacht hatte». Das nämlich hat Paulus «vom
Herrn her überkommen: in der Nacht, da er aus-
geliefert wurde, nahm der Herr Jesus Brot,
sagte das Dankgebet, brach es und sprach: Das
ist mein Leib für euch – das tut zu meinem
Gedächtnis. Ebenso auch den Becher nach dem
Mahl … Wer also auf unwürdige Art das Brot
isst und den Becher des Herrn trinkt, verschul-
det sich am Leib und Blut des Herrn. Darum
prüfe sich der Mensch, und so mag er vom Brot
essen und aus dem Becher trinken. Denn der da
isst und trinkt, der isst und trinkt sich das
Gericht, so er den Leib nicht unterscheidet» (1
Kor 11,23-29).
Was Paulus den Korinthern vorwirft, hat man
Schulkindern der letzten Jahrhunderte als
«unwürdige Kommunion», als «Empfang der
heiligen Kommunion im Stande der Todsünde»
verkauft! Darum ging es Paulus jedoch keines-
wegs. Oder sagen wir: Paulus verstand unter
«Todsünde» nicht das gleiche, was die Kate-
cheten und Prediger während mehr als einem
Jahrtausend den «Gläubigen» untergejubelt
haben. Im Gegensatz zur Paulusliste enthielt die
viel spätere Kirchenliste nämlich alles
Mögliche, von der Verletzung des (kirchlich
eingeführten) «Nüchternheitsgebotes» bis zu
Empfängnisverhütung, Mord und Ehebruch,
Vernachlässigung der Sonntagsmesse und
Fleischessen am Freitag (wobei die beiden letz-
ten auch wieder nur Kirchengebote sind bzw.
waren). Mit der Liste dieser «Todsünden» wur-
den bis vor dem zweiten Vatikanischen Konzil
die erwachsenen Gläubigen vom Empfang des
heiligen Brotes – Paulus würde sagen: vom Bre-
chen des Brotes – abgeschreckt. Wehrlosen
getauften Schulkindern wurde mit dem Paulus-
satz «der isst und trinkt sich das Gericht» die
Hölle heiß gemacht. Paulus schreibt zwar vom
Leib [des Herrn], den man unterscheiden muss.
Was er sich aber dabei dachte, ist spätestens im
Mittelalter auch noch aus dem christlichen
Bewusstsein verschwunden. Für Paulus ist
nämlich der «Leib [des Herrn]» nicht nur das
Brot (s. 1 Kor 10,16+17, vgl. 1 Kor 12,12ff).
Die ganze Gemeinde ist ebenfalls «Leib». Auf
griechisch heißt diese Gemeinde «koinonia»,
was im lateinischen mit «communio» übersetzt
wurde. Wer darüber mal richtig nachdenkt, dem
wird es aufgehen, welchen Unsinn jemand
redet, der behauptet, ein Kind habe «seine erste
Kommunion gemacht». Wer «communio»
gleichbedeutend mit «Gemeinde» versteht, dem
ist klar: Keiner kann eine Gemeinde machen.
Die besteht immer schon vor ihm. Bei ihrer
Taufe werden die Kandidaten ja in dieselbe auf-
genommen. Und keiner kann «seine»
Gemeinde machen, denn sie «gehört» keinem
einzigen der Kirchenglieder, nicht dem Pfarrer,
nicht einmal dem Papst. Der Einzige, der von
«seiner» Gemeinde reden könnte, wäre ihr
Herr. Nach christlichem Glauben: der Herr
Jesus. Aber noch etwas denkt Paulus mit: «Was
ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt,
das habt ihr mir getan». Dieser Satz sieht zwar
im Mattäusevangelium, scheint aber ein
wesentlicher Satz christlichen Glaubens gewe-
sen zu sein. Würde Paulus sonst den Korinthern
es zum Vorwurf machen, dass sie den «Leib des
Herrn» nicht unterscheiden, ihn nicht wieder-
erkennen in den Armen, die hungern, nackt und
würdelos leben müssen, wie Gekreuzigte? Dass
Paulus es so meint, geht aus der Fortsetzung
seines Briefes hervor: «Deshalb gibt es unter
euch so viele Schwache, Distanzierte und jede
Menge Abgefallene. Wenn wir aber mit uns sel-
ber ins Gericht gingen, würden wir nicht gerich-
tet. Wenn wir allerdings vom Herrn gerichtet
werden, werden wir erzogen, damit wir nicht
mit dem ganzen Universum verurteilt werden. Also, meine [Schwestern und] Brüder, wenn ihr zum Essen zusammenkommt, so nehmt Rücksicht aufeinander. So aber jemand großen Hunger hat, soll er doch [vorher] zu Hause essen, damit ihr nicht zum Gericht zusammenkommt. Wenn ich euch besuche, habe ich zu diesem Thema noch mehr zu sagen» (1 Ko 30-34).
Wann hat der Sonntag den Sabbat abgelöst?
Gesetzlich im Jahr 321. Durch zwei Erlasse des Kaisers Konstantin. Es wurde genau das verboten, weswegen die ersten Christengemeinden am ersten Wochentag als einem Arbeitstag festhielten: er symbolisierte ja den Beginn der neuen Weltwoche, sogar der neuen Schöpfung. Von diesem Symbolgehalt mit weitesitragenden Konsequenzen hatte Konstantin – wie von vielen anderen christlichen und auch jüdischen Dingen – nicht die blasseste Ahnung. Es ging ihm um einen wöchentlichen Ruhetag. Warum aber hat er nicht ganz einfach den jüdischen Sabbat dazu erklärt? Doch wohl nur, weil die Juden im römischen Reich nicht wohl gelitten waren. Den Sabbat als wöchentlichen Ruhetag einzuführen wäre politisch unklug und nicht durchzuführen gewesen. Man darf sich sogar fragen, ob Konstantin überhaupt wusste, dass Jesus kein Gott, sondern ein Jude war, und die Christengemeinden Ableger von jüdischen Gemeinden. Hatte sich vielleicht der antijüdische Affekt bereits im vierten Jahrhundert bei den Jesusschülern unter den [Heiden-]Völkern so tief eingefressen, dass sie sich ihrer jüdischen Herkunft selber nicht mehr voll bewusst waren? Dass sie selber nicht mehr um ihre Verantwortung für eine neue Schöpfung wussten?
Die «Sache mit Ostern».
Der erste Wochentag hat nichts mit dem jüdischen Pessach, dem jüdischen Osterfest, zu tun. Pessach hat nämlich nichts mit einem bestimmten Wochentag zu tun. Eher schon mit dem Mond, näher gesehen mit dem Vollmond, und ganz nahe gesehen mit dem ersten Vollmond im Frühjahr. Der fiel jedes Jahr auf den 15 Nisan. Und das ist der Frühlingsmonat. Vollmond ist bei den Juden übrigens am 15. eines jeden Monats. Und der Vollmond konnte schon damals in den Nächten aller Wochentage scheinen. Konstantin, den Römer, interessierte dies wahrscheinlich gar nicht. Ihm ging es lediglich darum, die «neue Religion der Christen» in sein Machtgefüge einzubauen. Er wußte: die Chris-
ten feierten an jedem ersten Wochentag das Gedächtnis ihres Herrn. Er wußte aber nicht, dass deshalb der Tag der Sonne bei ihnen noch lange kein Ruhetag war. Ihn zum Ruhetag zu machen, zerstörte die Symbolik des «Herrentages», des ersten Werktags. Jene Symbolik hatte 300 Jahre vor Konstantin die Christen dazu gebracht, den jeweils ersten Werktag der Woche zum Herrentag zu stempeln, zum Tag, an dem der Neue Weg begann, zum Tag der «communio», der Gemeinschaft, die sich mit ihren Herrn eins machte, um seinen Weg fortzusetzen.
Sabbat oder Sonntag?
Menschen, die ehedem in den Kirchen das Sagen hatten, setzten den Sonntag gleich mit Freisein von «knechtlicher Arbeit» (ein Ausdruck der kaum noch gebraucht wird). Heute erheben jene, die jetzt das Sagen haben, ihn zum Tag der Familie, manchmal reden sie auch noch von der Möglichkeit an einem «Gottesdienst» teilzunehmen. Dies letztere schon ein bisschen schamhaft, weil europaweit die sogenannten «Gottesdienste» kaum noch von zehn Prozent der Getauften regelmäßig «besucht» werden. Dass der Sonntag nicht der Sabbat ist, wird von Christen gar nicht mehr gewusst. Sie haben ja auch im Religionsunterricht nicht mehr gelernt: «Gedenke, dass du den Sabbat heiligst», sondern: «Gedenke, dass du den Sonntag haltest.»
Nun ist ja, einstweilen noch auf Deutschland beschränkt, die «Sonntagsruhe» oder der «Tag der Familie» anscheinend durch die Öffnung der Geschäfte bedroht. Niemand fragt, worum es im dritten der zehn Gebote wirklich ging. Desgleichen fragt niemand, worum es «am ersten Wochentag» ging und eigentlich immer noch gehen müsste.
Für die Kinder Israels geht es offensichtlich um die Sabbatruhe aller Hausbewohner, die Haustiere eingeschlossen (s. Ex. 20,10; Dt. 5,14). Was war der ursprüngliche Sinn dieser Sabbat-
Pancho (Le Monde)
Der erste Wochentag wurde im Glauben der Jesusschüler sozusagen zum «Sakrament», zum «Zeichen und Werkzeug» ihrer Verantwortung für die neue Schöpfung.
ruhe? «Denn in sechs Tagen hat JHWH Himmel, Erde und Meer gemacht und alles, was dazu gehört: am siebten Tag ruhte er. Darum hat JHWH den Sabbattag gesegnet und ihn für heilig erklärt.» (Ex. 20, 11) «Achte auf den Sabbat … Denk daran: als du in Ägypten Sklave warst, hat dich JHWH, dein Gott, mit starker Hand und erhobenem Arm von dort herausgeführt. Darum hat es dir JHWH, dein Gott, zur Pflicht gemacht, den Sabbat zu halten.» (Deut. 5, 12+15) Zwei Begründungen des Sabbatgebotes: die erste geht von der Schöpfung aus, die zweite von der Befreiung aus der Sklaverei, sozusagen als zweite Schöpfung.
Die junge Christengemeinde heiligte den Sabbat indem sie die beiden Begründungen ineinander verschachtelt sah: Neuschöpfung und Befreiung durch Jesus von Nazaret, den sie als den Messias verstanden. Er hat ihnen Befreiung gebracht, hat sie frei gemacht, aus der alten Welt eine neue zu machen, aus der alten Schöpfung das Reich Gottes. Damit wollten sie am ersten Wochentag, unserm Sonntag beginnen. Das Reich Gottes – Mattäus nennt es durchweg «Reich der Himmel» – sollte sichtbar, in erreichbare Nähe gerückt werden, auch wenn es noch nicht das endgültige ist; die Richtung sollte angegeben werden, in der das «Himmelreich» zu suchen und zu erwarten sei. Oder anders gesagt: ein im reduzierten Maßstab funktionierendes Modell des Gottesreiches sollte entstehen. Man könnte eine Menge Bilder erfinden, um anzudeuten, worum es der jungen Christengemeinde ging. Sie selber haben eine
Menge solcher Bilder erfunden; vielleicht gehen sie sogar auf den Jesus selber zurück: das Bild vom Senfkorn, das zum großen Baum wird, in dem alle Vögel des Himmels nisten. Oder das Bild vom Schatz, vor dem alles andere verblasst. Sie sind den meisten Getauften irgendwie noch bekannt. Und wurden doch total verzeichnet. Total ins «jenseitige» Leben verlegt. Herauskam dabei der bekannte Spruch, die Kirche habe sich aus der Politik herauszuhalten. Wobei «die Kirche» zuerst einmal mit der «Hierarchie», und «die Politik» mit «Parteipolitik» gleichgesetzt wurde.
Zum Sabbat zurückkehren?
Ist es denn nicht egal, an welchem Wochentag man Ruhetag oder Familientag feiert, oder sich der Besinnung hingibt? Natürlich wäre es das, täte man es wenigstens. Doch dazu ist der jüdische Sabbat da. Nicht jedoch der christliche erste Wochentag. Mit jener konstantinischen gesetzlichen Festschreibung zum Feiertag ging etwas ungeheuer Wichtiges komplett verloren. Jene Vorstellung nämlich, die den ersten Wochentag im Glauben der Jesusschüler sozusagen zum «Sakrament», zum «Zeichen und Werkzeug» ihrer Verantwortung für die neue Schöpfung machte. Dafür steht meine Behauptung, die heutige Schieflage der Kirchen gehe ebenfalls zu Lasten der Verschiebung des Ruhetags, des Sabbat, auf den ersten Wochentag.
Kirchberg, am 10. November 1999
Jupp Wagner
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