Faktuell 53

Sandwich-Gesellschaft

Während die in Luxemburg geborene Bevölkerung in der Mitte des Bildungsspektrums zu finden ist, sind Zuwanderer1 eher am unteren und oberen Ende desselben überrepräsentiert. Dies ist das wichtigste Ergebnis einer neuen Veröffentlichung der Universität Luxemburg und des Luxembourg Institute of Socio-Economic Research (LISER), die sich auf die Ergebnisse der Volkszählung 2021 stützt.2 Die Studie zeigt, dass das Bildungsniveau der Bevölkerung insgesamt zwar weiter steigt, die Personen mit luxemburgischem Pass jedoch überwiegend über mittlere Bildungsabschlüsse verfügen. Auf der verwendeten vierstufigen Skala befinden sich insgesamt 62,3 % von ihnen auf den beiden mittleren Stufen: 45,3 % haben als höchsten Bildungsabschluss einen Sekundarschulabschluss und 17 % einen Bachelor (oder einen vergleichbaren kurzen postsekundären Abschluss). Bei der vorangegangenen Volkszählung 2011 waren es 56,6 % (43,2 % + 13,4 %). Damit setzt sich der seit Jahren beobachtete Trend fort, den Guy Kirsch, emeritierter Professor für Neue Politische Ökonomie an der Universität Fribourg/Schweiz, als Sandwich-Gesellschaft beschrieben hat: Die Luxemburger bilden den „Schinken“ zwischen den beiden migrantischen Brotscheiben.3

Répartition de la population de 15 ans et plus par niveau d’éducation et par origine en 2021

Die Abbildung vergleicht die Einheimischen, d. h. die in Luxemburg Geborenen unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit, mit den Zugewanderten für die vier Bildungsniveaus. Fast die Hälfte (47,4 %) der in Luxemburg geborenen Personen hat als höchsten Bildungsabschluss einen Sekundarschulabschluss, ein knappes Viertel (22,8 %) einen Grundschulabschluss, 16,6 % einen Bachelor- und 13,2 % einen Masterabschluss oder höher. Migranten sind an beiden Enden der Verteilung stärker vertreten. 28,6 % haben den niedrigsten Bildungsabschluss und 27,8 % den höchsten. Der Anteil der hochqualifizierten Zuwanderer nimmt stark zu: Von den in den letzten fünf Jahren Zugewanderten haben 43,3 % das höchste Bildungsniveau, bei den vor sechs bis elf Jahren Zugewanderten sind es 34,2 %.

Innerhalb der Zuwanderung lassen sich zwei Gruppen unterscheiden, die beiden Sandwichscheiben, um im Bild zu bleiben: Neben der klassischen Arbeitsmigration, die gering qualifizierte und schlecht bezahlte, körperlich anstrengende Arbeitsplätze besetzt, gibt es eine zweite, hochqualifizierte Zuwanderung, die im Französischen mitunter als „immigration dorée“ bezeichnet wird.4 Aufgrund des starken Wirtschaftswachstums benötigt der luxemburgische Arbeitsmarkt mehr Arbeitskräfte, als er lokal zur Verfügung stellen kann. Aus diesem Grund steigt die Zahl der Zuwanderer, und mit der Tertiarisierung der Wirtschaft nimmt auch die Zuwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte zu.

Pourcentage de résidents titulaires d’un master ou plus par commune en 2021. Personnes nées au Luxembourg, à gauche, et personnes nées à l’étranger, à droite.

Diese beiden Zuwanderergruppen unterscheiden sich vor allem durch ihr Geburtsland. So haben beispielsweise 45,6 % der in Frankreich geborenen Zuwanderer einen Master- oder höheren Abschluss. Einige EU-Herkunftsländer, aus denen kleinere Kontingente von Hochqualifizierten kommen, belegen den Braindrain aus wirtschaftlich benachteiligten Regionen. 67,7 % der in Griechenland geborenen Zuwanderer haben den höchsten Bildungsabschluss, gefolgt von Polen (55,7 %) und Spanien (52,1 %). Zwei weitere, wenn auch noch kleinere Gruppen hochqualifizierter Zuwanderer kommen aus Russland (63,8 %) bzw. Indien (56,0 %). Demgegenüber weisen die Herkunftsländer der klassischen Arbeitsmigration ein deutlich niedrigeres Bildungsniveau auf: Zuwanderer aus Kap Verde, Montenegro und Portugal verfügen insgesamt über die niedrigsten Bildungsabschlüsse.

Localisation des résidents les plus diplômés à Luxembourg-Ville et ses environs par cellule de 200 m en 2021

Ein Kapitel über die räumliche Verteilung des Bildungsniveaus zeigt, dass 52 % der Bevölkerung in Luxemburg-Stadt über das höchste Bildungsniveau verfügen, dieser Anteil jedoch in einer Entfernung von 5 km auf 32 %, in einer Entfernung von 20 km auf 15 % und in einer Entfernung von 35 km auf 8 % sinkt. Die Karte zeigt, wo die Einwohner mit den höchsten Bildungsabschlüssen in der Hauptstadt und ihrer Umgebung wohnen.

Andere Auswertungen zeigen, dass sich die Einheimischen nicht so stark in und um die Hauptstadt konzentrieren wie die Zuwanderer. Die höchsten Anteile von Einheimischen mit Master-Abschluss finden sich in den nordöstlich der Hauptstadt gelegenen Gemeinden wie Niederanven, Junglinster etc.


1 Im Text wird das generische Maskulinum verwendet.

2 Die Studie basiert auf 346 888 Einwohnern im Alter von 15 Jahren und älter, die sich nicht mehr in Ausbildung befinden und bei der Volkszählung sowohl ihr Geburtsland als auch ihren Bildungsabschluss angegeben haben. https://statistiques.public.lu/fr/recensement/niveaux-education-population-luxembourg.html (letzter Aufruf: 2. Dezember 2024).

3 Guy Kirsch, „Le Luxembourg, un ‚sandwich‘ immobile“, in: La Voix du Luxembourg vom 2. Dezember 2006, S. 7.

4 Fernand Fehlen, „L’immigration dorée“, in: Der Luxemburg Atlas, Köln, Emons, 2009, S. 170-171.

 

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