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Die Geburt unserer Tochter (26 Monate) würde ich als ziemlich katastrophal bezeichnen. Obwohl ich einen alternativen Geburtsvorbereitungskurs besucht hatte, klappte es nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Anfangs habe ich die Wehen gut vertragen und weg- geatmet. Im entscheidenden Moment jedoch, d.h. während der Übergangsphase verlor ich den Faden. Die ungeduldige und unfreundliche Hebamme, die mit Hut und Mantel an der Tür stand und heimgehen wollte und mir prophezeite, es würde mindestens noch 10 (!) Stunden dauern, half mir überhaupt nicht weiter. Also schrie ich nach dem Arzt und einer Periduralanästhesie. Die Hebamme schnaubte, rief den Arzt herbei und drohte mir, daß ich nun liegenblei- ben müsse und nicht mehr umhergehen dürfe.
Der Arzt setzte die Periduralanästhesie so ein, daß ich die Wehen noch etwas spürte und mitpressen konnte, so daß unser Kind nicht mit der Zange geholt werden mußte. Die Hebamme hat mir auch einen ziemlich großen Schnitt verpaßt.
Doch Gottseidank war mir (zwei und nicht zehn Stunden später) dies alles egal, als ich unsere Tochter auf dem Bauch liegen hatte. Der Schmerz, die Auf- regung, alles war vergessen. Die Hebamme war mir ebenfalls egal. Meinem Mann war ich dankbar, da er mich beim Pressen so gut unterstützte und mir in den Wehepausen mit einem nassen Lappen das Gesicht abwischte. Aber ich glaube vis-à-vis der Hebamme konnte er sich auch nicht richtig durchsetzen, da er an ihre Kompetenz glaubte.
Die Geburt unseres zweiten Kindes (Sohn, 2 Monate) war hingegen eine reine Bilderbuchgeburt. Ich hatte wieder den alternativen Vorbereitungskurs besucht und wußte diesmal genau, was mich erwartete. Ich wollte mich nur auf mich selbst verlassen und keiner Hebamme ausgeliefert sein. Ich hatte von Anfang an sehr starke Wehen und war also zuversichtlich, daß es schnell gehen würde. Ich verließ mich völlig auf mein Gefühl. Zum Glück war die Hebamme freund- lich und einfühlsam, als mein Mann und ich nachts um 2 Uhr eintrafen. Ich atmete die Wehen eine nach der anderen weg und war völlig entspannt. In den
Pausen massierte mir mein Mann den Rücken. Obwohl die Hebamme der Meinung war, daß es noch dauern würde, wußte ich, daß unser Kind schnell kommen würde. Ich habe mich an meinen Mann gehängt und geatmet, was das Zeug hält. Als ich den Drang zum Pressen verspürte, mußte ich auf den Gebährstuhl, obwohl ich das Kind lieber im Hocken bekommen hätte, da ich die Wehen so leichter aushielt. Ich mußte nur 2-3mal pressen, da war unser Sohn schon da. Ich habe mich an meinen Mann geklammert und dreimal laut aufgeschrien. Es tat mir sehr gut, mich ganz gehen zu lassen und "offen" zu
denken. Es ging alles so schnell, daß der Arzt und die Kinderschwester zu spät kamen. Mir hat das nichts ausgemacht, ich fand es schön mit meinem Mann und der Hebamme allein zu sein. Als unser Sohn dann auf meinem Bauch lag haben wir lautes wirres Zeug geredet und uns wie die Wahnsinnigen gefreut! Nur zwei Stunden von der ersten bis zur letzten Wehe hatte die Geburt gedauert und es mußte diesmal auch nicht geschnitten werden. Ich glaube jetzt, daß eine Geburt viel mit der inneren Einstellung zu tun hat!
Jutta
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