Das Kulturministerium hat in den letzten Monaten gleich zwei Studien zum Kulturleben in Luxemburg veröffentlicht. Die eine beschäftigt sich mit den kulturellen Praktiken von Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 21 Jahren1, die andere mit denen der Gesamtbevölkerung ab 16 Jahren2. Beide unterscheiden sich sowohl in der methodischen Herangehensweise als auch im Anspruch der Auswertung. Die Jugendstudie wurde vom LISER durchgeführt und ausführlich dokumentiert und kommentiert. Sie basiert auf einer aus dem Bevölkerungsregister gezogenen Zufallsstichprobe von 30 000 Jugendlichen, von denen 6 056, also 20 %, geantwortet haben. Durch diese Selbstselektion entsteht eine Stichprobenverzerrung. Diese fällt jedoch wesentlich geringer aus als bei der zweiten Studie, die auf einer Umfrage mit 1 981 Teilnehmern basiert, die entweder telefonisch oder über das hier schon öfter kritisierte ILRES-MyPanel rekrutiert wurden.3Bislang ist erst eine Kurzfassung davon veröffentlicht.

Die Soziologie hat gezeigt, dass kulturelle Praktiken im Allgemeinen und auch deren „feine Unterschiede“ sehr stark von der Stellung innerhalb der Gesellschaft und insbesondere vom Bildungshintergrund der Familie abhängen und sowohl Ausdruck als auch Motor sozialer Ungleichheit sein können. Dies wird auch durch die LISER-Studie bestätigt, die die gesellschaftliche Position über den Bildungsgrad der Erziehungsberechtigten und deren beruflichen Hintergrund operationalisiert. Sie kommt zu dem Schluss, dass Jugendliche aus privilegierten Schichten weitaus häufiger aktiv in den Bereichen Kunst und Freizeitgestaltung sind, Kultureinrichtungen öfter besuchen und häufiger lesen. Jugendliche aus weniger privilegierten Milieus verbringen ihre Freizeit eher zu Hause, haben einen höheren Fernsehkonsum, verbringen mehr Zeit in sozialen Netzwerken und haben ein distanzierteres Verhältnis zu Büchern, Kultureinrichtungen sowie sportlichen und künstlerischen Aktivitäten. Die LISER-Studie verwendet den Begriff „culture de chambre“.

Über diesen allgemeinen Aspekt hinaus liefert die Studie eine Fülle von Detailinformationen. Ein Beispiel ist die nebenstehende Grafik, die die Nutzung einzelner Internetangebote nach Lebensalter zeigt. Das von jungen Menschen am meisten genutzte soziale Netzwerk ist zweifellos YouTube, gefolgt von Kommunikations-Apps (Snapchat, Messenger, WhatsApp usw.). Etwa die Hälfte nutzt Instagram und TikTok und etwa ein Viertel Pinterest und Facebook. Die Nutzung von Twitter ist marginal. Schon 70 % der Kinder im Alter von 6 Jahren benutzen YouTube, der Gebrauch von Kommunikations-Apps nimmt langsam zu und erreicht mit 12 Jahren einen Sockel von 90 %.

Auch die Nutzung sozialer Netzwerke ist signifikant mit dem sozialen Hintergrund der Jugendlichen verknüpft. Kinder aus bildungsfernen Milieus haben eine höhere Nutzerrate, und zwar unabhängig von dem betrachteten sozialen Netzwerk. Die größten Unterschiede gibt es bei TikTok (ca. 40 Prozentpunkte zwischen den Bildungsniveaus bzw. 30 Prozentpunkte zwischen den Berufen), Instagram (ca. 30 bzw. 20 Prozentpunkte) und Facebook (ca. 20 bzw. 20 Prozentpunkte).

ff

Usages des réseaux sociaux selon l’âge
par les 6-21 ans (%) en 2023 (N=6056)

Source : Les pratiques culturelles des jeunes en 2023, ministère de la Culture
et LISER 2025

1 Monique Borsenberger & Nathalie Lorentz, Les pratiques culturelles des jeunes de 6 à 21 ans au Luxembourg, volume 1 & 2, Luxemburg, Ministère de la Culture et LISER, 2025. https://mcult.gouvernement.lu/fr/actualites.gouvernement2024+fr+actualites+toutes_actualites+communiques+2025+04-avril+24-jeunes-pratiques-culturelles.html (alle Internetseiten, auf die in diesem Beitrag verwiesen wird, wurden zuletzt am 12. Juni 2025 aufgerufen.)

2 Laurence Brasseur & Manon Breden, La vie culturelle au Luxembourg: Rapport de synthèse de l’enquête, Luxemburg, Ministère de la Culture, 2025. https://mcult.gouvernement.lu/fr/publications/rapport-etude-analyse/enquete-la-vie-culturelle-au-luxembourg/enquete-la-vie-culturelle-au-luxembourg-rapport.html

3 Fernand Fehlen, „Faktuell 48. Das Stichprobenproblem: wie Meinungsumfragen eine falsche Wirklichkeit erschaffen“, in: forum, 433 (2023), S. 12-13. https://www.forum.lu/article/das-stichprobenproblem-wie-meinungsumfragen-eine-falsche-wirklichkeit-erschaffen/

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