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Meldungen internationaler Presseagenturen (REUTER/AP/AFP…) bilden das Rückgrat der Berichterstattung über die Ereignisse von Mai 68 in der einheimischen Tagespresse. Bezeichnender für die Beurteilung der damaligen Lage von Luxembourg aus, sind aber die in Journal (J), Luxemburger Wort (LW), Tageblatt (t) und Zeitung (Z) veröffentlichten Leitartikel, Stellungnahmen und Korrespondentenberichte. Folgenden kurzen Überblick haben wir auf Grund einer ausführlicheren Dokumentation von Pierre Mores zusammengestellt.
15.05.68: LW / Was wollen wir? (Hd) … öffentliche Meinung: "Entlädt ihr Unmut sich auch nicht immer gegen die Demonstranten selbst, die – was sie in erster Linie wahrnehmen – die öffentliche Ruhe stören, Schaden anrichten, usw., so jedenfalls gegen jene, die es nicht fertigbringen, diese Ruhe und die gewünschte Ordnung zu garantieren."
17.05.68: Z / Les étudiants luxembourgeois aux côtés de leurs camarades parisiens (A.H.) – Description des combats de rue
18.05.68: J / Eine "Elite", nein! (Jacques-Yves HENKES) – "… Der Sekundarunterricht soll auf die Zukunftsgesellschaft ausgerichtet werden. Zu diesem Zwecke muss das Prinzip aufgegeben werden, dass eine sogenannte Elite der Jugend herangezüchtet wird, die eine Allgemeinbildung besitzt, welche es ihr erlaubt so ein bisschen alles zu verstehen und zu kennen … Kurz, die Studenten werden
den in Zukunft zu Menschen herangebildet werden müssen, die ihren Beruf gründlich kennen, indem sie sich schon ziemlich früh spezialisieren … Die unmittelbaren Probleme, die sich augenblicklich für den Sekundar- und den Hochschulunterricht stellen, können nur zufriedenstellend gelöst werden, wenn die Regierung die Vorschläge der Schüler und Studenten "tel quel" annimmt. Wir haben keine Universitäten und dennoch haben wir Hochschulprobleme…"
t / Betrifft Studentenmanifestationen (j.l.v.) – Es geht um die Zukunft der Jugend, denn sie hat die Früchte heutiger Entscheidungen zu ernten.
20.05.68: J / Studenten rufen zum Streik und zur Manifestation auf (j.y.h.)
21.05.68: LW / Pressekonferenz des Staatsministers. – "… Herr WERNER erklärt sich überzeugt, dass die Jugend von heute einer schönen Zukunft entgegengeht, wenn sie alle sich bietenden Gelegenheiten zu nutzen weiss, ohne dafür die Verbindung mit der Vergangenheit einfach abzubrechen…"
LW / Auch in Luxembourg (H.d.) – Dieser Leitartikel setzt sich u.a. mit Jacques-Yves HENKES‘ Veröffentlichung vom 18.05.68 (J) auseinander.
t / Die Revolte der Jugend (R.G.) – Es handelt sich um die Revolte der Kinder des Fortschritts. "… Trotzdem ist ihr Aufbegehren nicht umsonst. Es bringt eine mehr als notwendige Gewissensfor-
"Dem
DUTSCHKE ass
éng gudd
passé’ert, mais
kén vun lech
huet draus
gelé’ert."
schung mit sich und führt vielleicht dazu, dass das Jahr 1984 nicht gerade so aussehen wird wie Georg ORWELL es beschrieben hat".
Z / KP interpelliert Regierung über Studentenstreik und Koalitionskrise.
22.05.86: LW / Unsere studierende Jugend streikt und manifestiert (Fernand HOFFMANN) – Die Schüler und Studenten bemängeln das Fehlen von Information und Mitspracherecht. Diese Kritiken sind berechtigt.
Z / Luxemburg: Neofaschistische Provokation gegen Studenten. "… Heute nacht wurden an verschiedenen Stellen der Hauptstadt Zettel geklebt, die mit provokatorischen Parolen gegen die Studenten bemalt waren. Hier einige ‚Kostproben‘ davon: ‚All Student eng Schöpp an d’Hand, dann hu mer Ro’h an eisem Land!
Wer an diesem Text noch nicht erkennen sollte, wes Geistes Kinder die Urheber sind, den müsste es bei dem folgenden einleuchten: ‚Dem DUTSCHKE ass eng gudd passé’ert, mais kén vun iech huet draus gelé’ert." oder an diesem: ‚d’Studenten soén, a Russland ass et schinn, mär schloen vir, scheckt se all dohinn!"
24.05.68: LW / Der Studentenstreik Der Aufruf zum Streik (22.05) wurde weitgehend befolgt. Die Studentenforderungen wurden nicht in den Wind geschlagen. Die Manifestationen verliefen diszipliniert. Doch ‚Eigentlich stand die Nachmittagskundgebung unter anrüchigem Vorzeichen, da das vormittägliche Meeting tatsächlich an Folklore erinnerte und gar zu übelster Geschmacklosigkeit ausartete, als die Menge simple Verse mit Bezug auf Regierung, Parlament und Staatsrat – sind
diese tatsächlich von Studenten der Oberkurse verfasst worden? – nach der Melodie von ‚O Mamm, léf Mamm‘ gröhlte…"
t / – Imposante Studentenmanifestation vor der Abgeordnetenkammer. t / – Studentendemonstrationen in der Hauptstadt. – Der Umzug war alles andere als ein Schweigemarsch. So wurden z.B. auf bekannte Weisen folgende Lieder von der Menge gesungen: ‚Eng Reform zu Letzebureg – Jo dat ass eng schwe’er Saach- Ass se gudd, kennt se net durech – Kennt se durech, ass et eng Blamage.‘ ‚Fro dir no alle Seiten hin – Dat kenne keng Diplomer sinn."
t / Dialog in Esch. – In einer Versammlung von Schülern und Professoren wurde die Grundsatzentscheidung für die Wahl eines Schülerparlamentes getroffen.
Z / 2.000 Studenten demonstrierten. "… Losungen, die nicht gerade von einer grossen Kenntnis unserer politischen Einrichtungen zeugten (wurden vorgetragen). Auch über die von den Verantwortlichen hergestellten Liedertexte und manche Schlagworte, die gerufen wurden (‚Chamber op den Tip‘) dürfte man als Zeichen einer undemokratischen Grundhaltung bei Verschiedenen ansehen…"
Z / Teach-in über Schülerprobleme. – Gemäss Andre HOFFMANN, hätten die Manipulationen von rechts dazu geführt, dass die Kundgebung in ‚Folklore‘ ausgeartet sei. Claude WEHENKEL erscheint die Manipulation von rechts ebenfalls offensichtlich.
25.05.68: LW / Gesellschaftsreformen (H.d.). "… (dass) ausgerechnet Soziologiestudenten, also
So sieht die "Roud Wullmaus" die Presse
angehende oder ausgebildete Gesellschaftswissenschaftler die Auffassung vertreten, es müssten die fälligen Reformen, von denen die allerwenigsten wissen, wie sie konkret aussehen sollen, mit Gewalt durchgeführt werden… (ist eine) glatte Verneinung der eigenen Wissenschaft. Denn wenn einer von seiner Disziplin und seinem Studium wissen muss, dass man Gesellschaftsstrukturen und Mentalitäten nicht im Reagenzglas oder im luftleeren Raum heranbilden resp. nach Belieben und Befehl ändern kann, dann doch ganz gewiss der Soziologe…"
29.05.68: J / Tribune Libre: Après l’insulte. Lettre à M. Daniel COHN-BENDIT (Edy STEFFEN). "… vous et vos acolytes de pseudo-étudiants détruisz Paris et le rendez malheureux. Depuis 1871 Paris n’a tant souffert qu’aujourd’hui. Les étrangers à la solde de forces obscures n’ont pas le droit de se mêler aux affaires qui concernent uniquement les étudiants français, un point c’est tout… Nous vous proposons, après avoir traité l’Arc de Triomphe et la Tombe du soldat inconnu de monuments "con", de faire des démarches auprès de vos autorités civiles en vue de changer votre nom de famille. Notre proposition serait "Con-Bandit". Autre question, d’où viennent vos moyens financiers pour payer vos déplacements? Nous supposons quelque source pas très catholique. Est-ce vrai?"
01.06.68: LW / Kritik allein genügt nicht (Hd.). – Zu klären bleibt "zu welchen Werten sich die aufstrebende Generation letzten Endes bekennen will und wie dieselben sich in unserem Gesellschaftskörper inkarnieren lassen."
t / Blumen für COHN-BENDIT (J.F.P.). "… Das Land befindet sich in einer prärevolutionären Phase … Alle politischen und sogar gewerkschaftlichen Formationen, die in den letzten Jahren eher darauf aus waren ihre Schäflein ins Trockene zu bringen, statt das Regime in Frage zu stellen, sind damit gemeint … Dies alles (Aufbesserung des SMIG um mehr als 35%…) ist in der kapitalistischen Wirtschaft drin. Blumen verdienen eigentlich die Abenteurer, die dies bewiesen haben."
t / Le phare: La révolte des étudiants (E. HEMMEN). – La sensibilité politique des étudiants, leur sens de l’internationalisme a été aiguisé par la guerre du Vietnam. Maintenant nous sommes tous concernés par la remise en cause de la morale so-
ciale et de la vie spirituelle.
Z / Stimmungsmache "In der Redaktion des französischen Programmes von Radio-Luxembourg sind offenbar genaue Weisungen aus französischen Regierungskreisen eingetroffen. Seit zwei Tagen bauschen die Sprecher dieser Station von neutraler Seite als "cas isolés" bezeichnete Arbeitsaufnahmen in allen Tonarten auf. Dies in der klaren Absicht Stimmung für die Wiederaufnahme der Arbeit zu machen."
Z / Rede Grandgenets in der Kammersitzung vom 19.05.68. – Vorschlag: Herabsetzung des aktiven Wahlalters auf 18 Jahre. Das passive Wahlrecht müsse ab 21 Jahren zuerkannt werden.
06.06.68: LW / Sozialpolitische Überlegungen (H.d.). – Was geschähe anderswo mit COHN-BENDIT? fragt sich der Autor. Ferner erscheint ihm die Revolte der Jugend auch geprägt vom Leitsatz: Ote-toi, que je m’y mette. Abschliessend bemerkt er: "Interessant wird es sein später mal zu beobachten wie sich die heute Protestierenden diesbezüglich benehmen werden, wenn sie in leitende Positionen aufgerückt sein werden und eine andere Jugend ihnen die gleichen Worwürfe macht …"
12.06.68: LW / Verständnis für die Jugend (Jean WOLTER). – In diesem Leitartikel wird eine Herabsetzung des Wahlalters gefordert.
14.06.68: J / La révolution avortée!? (A.M. de Sterio). Letzter Artikel einer Reihe, die der Autor, damals Student in Paris, seit dem 20.5. im Journal veröffentlicht hat.
17.06.68: Z / Am Samstag in Luxemburg. Gegen den Faschismus. Protestmarsch vor die französische Botschaft. Assos und Clan des Jeunes warnen vor aufkommendem Faschismus in Frankreich.
21.06.68: J / Die Zielscheibe / Fernand WELTER. Der Autor kommentiert die Wortberichterstattung über die Assos und Clan des Jeunes Manifestation gegen den Faschismus.
22.06.68: t / Die Sozialisten zur Frage der Abschaffung der Collation des Grades. – Abschaffung wird befürwortet.
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