- Gesellschaft
Sorgen und Ängste der Jugend
Faktuell 55
Unter dem Titel Jung, politisch, engagiert? präsentierte das Zentrum für Kindheits- und Jugendforschung der Universität Luxemburg1 im Rahmen einer Veranstaltung des Mouvement Ecologique erste Ergebnisse2 des Youth Survey Luxembourg 2024 (YSL 2024). Mit Unterstützung des Centre des technologies de l’information de l’Etat (CTIE) wurden 21 850 Jugendliche in Luxemburg im Alter von 12 bis 29 Jahren eingeladen, an einer Online-Umfrage teilzunehmen. 5 307 haben die Webseite besucht und 3 895 haben den Fragebogen vollständig ausgefüllt.3 Mit dieser Methode ist die Jugendstudie wesentlich belastbarer als andere Erhebungen, die unter dem Schlagwort „Stichprobenproblem“ in der Rubrik „faktuell“ von forum (433) im September 2023 diskutiert wurden.4
Die Abbildung zeigt, dass sich die Sorgen und Ängste der jungen Erwachsenen (16-29 Jahre) zwischen den beiden letzten Jugendstudien vergrößert und verändert haben. Umweltverschmutzung und Klimawandel stehen nicht mehr an erster Stelle, dafür ist die Angst vor einem Kriegsausbruch in Europa vom fünften auf den ersten Platz vorgerückt. Auch die Angst vor persönlicher Beeinträchtigung (Bedrohung, Gewalt oder Diebstahl) hat deutlich zugenommen. Die Zuwanderung steht zwar nach wie vor nur an elfter Stelle der Ängste und Sorgen junger Erwachsener, hat aber auch um neun Prozentpunkte zugenommen.

Die Jugendforscherinnen und -forscher der Universität diagnostizieren bei den Jugendlichen ein hohes Engagement und Bewusstsein für gesellschaftliche Entwicklungen, aber eine zunehmende Distanz zur Politik. 47 % der befragten 12- bis 29-Jährigen geben an, sich wenig oder gar nicht für Politik zu interessieren, das sind vier Prozentpunkte mehr als vor 5 Jahren. Etwa die Hälfte (47 %) ist der Meinung, dass sich die Politiker nicht darum kümmern, was die Jugendlichen denken und was die Wähler wollen (52 %). Etwas weniger als ein Viertel (22 %) glaubt zu wissen, wie man politisch Einfluss nehmen kann. Nur 3 % sind in einer Partei oder Gewerkschaft und 2 % in einer Umwelt- oder Menschenrechtsbewegung organisiert. Im Gegensatz zu diesem geringen politischen und zivilgesellschaftlichen Engagement stellt die Studie fest, dass sich die Jugendlichen vor allem im lokalen sozialen Nahraum betätigen. So sind etwa 20 % in einem Sportverein, 7 % in einem Musik- oder Kulturverein und 8 % in einem Jugendverein aktiv; 2 % engagieren sich in einer kirchlichen Gemeinschaft und 2 % in einer Umwelt- oder Menschenrechtsbewegung. Die Mehrheit (59 %) der 16- bis 29-Jährigen ist jedoch in keiner Organisation aktiv, 29 % geben ein Engagement und 12 % zwei oder mehr Engagements an.
ff
Sorgen und Ängste junger Erwachsener (16-29 Jahre)
Quelle: Youth Survey Luxembourg (YSL)
1 https://www.jugend-in-luxemburg.lu (alle Internetseiten, auf die in diesem Beitrag verwiesen wird, wurden zuletzt am 9. April 2025 aufgerufen.)
2 https://orbilu.uni.lu/handle/10993/64473
Fernand Fehlen ist Sprachsoziologe und Dozent an der Universität Luxemburg und langjähriger Autor bei forum.
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