- Wohnungskrise
Sozialwohnungen gesucht … und gefunden
Dass die Wohnungsnot in Luxemburg himmelschreiend groß ist, ist wahrlich keine neue Erkenntnis. Dass die sozial benachteiligten Familien ganz besonders darunter leiden, auch nicht. Für Flüchtlinge bedeutet das, dass sie noch Monate nach der Anerkennung ihres Schutzstatuts und damit ihres Rechts auf Arbeit und freie Bewegung in den Flüchtlingsheimen wohnen bleiben, weil sie auf dem freien Markt keine erschwingliche Wohnung finden. Dadurch wird die Aufnahme neuer Flüchtlinge mangels Unterkunftsmöglichkeit in den Heimen verhindert.
Unter diesen Umständen ist es ein regelrechter Skandal, dass die ehemaligen Gendarmeriekasernen auf Verlorenkost (3-19, rue Auguste Lumière) nach dem Auszug der Polizeischule, ihres letzten Benutzers, nun schon seit Jahren leer stehen. Die zwischen 1949 und 1956 errichteten Gebäude waren als Dienstwohnungen für Gendarmen und ihre Familien gedacht und wären somit leicht wieder für die ursprüngliche Nutzung umzubauen. Die sehr solide Bauweise aus den 50er Jahren macht sie sozusagen unverwüstlich. Höchstens Küchen und Badezimmer verdienen wohl eine Modernisierung. Die ursprüngliche, sehr moderne Zentralheizung der vier Gebäude wurde schon erneuert.

Nach den Plänen des bekannten Staatsarchitekten Hubert Schumacher gebaut, stellen sie darüber hinaus ein selten gewordenes Zeugnis staatlich errichteter Gebäude aus der Nachkriegszeit dar, die keine Verwaltungsgebäude waren und unbedingt unter Denkmalschutz gehören. Ihre Umwidmung zu schätzungsweise 36 Sozial- oder Flüchtlingswohnungen mit je zwei oder drei Schlafzimmern wäre eine Garantie, dass das historische Bauerbe auf Verlorenkost erhalten bleibt. Nimmt man das leicht abseitsstehende vierte Gebäude hinzu, in dem das Schifffahrtskommissariat untergebracht ist, kämen nochmals um die 12 Wohnungen hinzu. Vielleicht würden’s auch ein paar weniger, wenn man den Künstlerateliers, die zurzeit in einem Block eingerichtet sind, weiterhin eine Chance lässt. Durch deren Präsenz sowie dank der Menge und der Qualität wäre sogar eine soziale Durchmischung denkbar.
Aus der Sicht des Denkmalschutzes kommt hinzu, dass die Bauten nach dem älteren Gebäude des Staatslaboratoriums, in das demnächst das Institut national pour le patrimoine architectural einziehen soll, die ersten Zeugnisse der urbanistischen Erschließung eines neuen Stadtteils auf Verlorenkost darstellen. Ihre Erhaltung würde auch an Zeiten erinnern, in denen die Zurverfügungstellung einer Dienstwohnung für Gendarmerie noch staatliche Pflicht war. Ein eventueller Abriss, um sie durch Betonkisten zu ersetzen, die eine Verdichtung der Wohngegend mit sich bringen sollen, wäre nicht nur eine aus ökologischen Gründen unverzeihliche massive Vergeudung grauer Energie, sondern auch pure Hypokrisie, da schnell verfügbare, leider aber schon lange leer gelassene Wohnungen Platz machen müssten für erst zu planende Wohnbauten, deren Qualität sicher nie an jene der 50er Jahre herankommen wird.
Bibliografie:
Centenaire : Administration des bâtiments publics, Luxembourg, sous la direction de Jean Leyder, Luxembourg, 2010, S. 74f.
Michel Pauly ist Historiker und Mitglied der forum-Redaktion.
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