Newsletter


Soyez informé(e) de nos publications et événements (tables rondes et discussions) et inscrivez-vous à notre newsletter ici.


31 Vorschläge für eine Politik der Resilienz (Reaktion auf Vorschlag 9: Jeffrey Drui)

Vorschlag 9 der forum-Redaktion: Beteiligungen der öffentlichen Hand an fossilen Industrien (insbesondere im Rahmen des Pensionsfonds und des Zukunftsfonds) müssen dringend abgestoßen werden.

Reaktion 9 von Jeffrey Drui

Mit der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens im Dezember 2015 stimmten die Vertragsländer u. a. Artikel 2.1.c) zu, der klimafreundlicheren Finanzverkehr fordert. Zu den Unterzeichnerstaaten zählte auch Luxemburg.

Der luxemburgische Pensionsfonds, der sogenannte Fonds de compensation commun au régime général de pension (FDC), wendet seit 2011 neben sozialen auch Umweltkriterien an, um eine nachhaltigere Investitionspolitik zu verfolgen. 2017 wurden die Bemühungen des Pensionsfonds in Sachen Nachhaltigkeit weiter intensiviert. Investitionen und die dahinterstehenden Unternehmen und Industrien werden seitdem hinsichtlich ihrer Vereinbarkeit mit den Bestimmungen des Pariser Klimaabkommens überprüft. Trotz dieser Bemühungen fällt die Bestandsaufnahme der 2019 veröffentlichten Bilanz ernüchternd aus.

Der FDC investiert weiterhin in Konzerne wie Shell, Total, BP, Chevron, Equinor, Fortum und andere Unternehmen, die fossile Brennstoffe herstellen, und kann seinem eigenen Anspruch der Nachhaltigkeitsverpflichtung somit nicht gerecht werden. Ein Vergleich mit der Global Coal Exist List (GCEL) zeigt, dass die Investitionen des FDC in große Kohleunternehmen 2019 gestiegen sind. Außerdem erhöhte der FDC seine Investitionen in Carbon Majors, also die 100 aktivsten Hersteller fossiler Brennstoffe (z. B. ExxonMobil, Shell, BHP Billiton und Gazprom). Zwar wird im Jahresbericht die Integration der ESG-Kriterien (environmental, social, governance) unterstrichen, am Ende sieht es jedoch danach aus, als geschehe recht wenig. Fondsmanager*innen berücksichtigen Konzepte wie Best-in-Class bei ihrer Anlagenauswahl. Best-in-Class-Investitionen beziehen sich auf die Zusammensetzung von Portfolios durch die aktive Auswahl solcher Unternehmen, die eine durch die ESG-Kriterien definierte Ranking-Hürde erfüllen. Um unterschiedliche Industrien nicht kategorisch auszuschließen, werden jene Unternehmen mit dem besten ESG-Rating ausgewählt. Durch dieses Selektionsverfahren können so auch Unternehmen zurückbehalten werden, die ihr Geld mit umweltschädlichen Produkten oder Dienstleistungen verdienen. Hinzu kommt, dass Firmen nicht auf das Endprodukt bewertet werden, sondern auf Kriterien, die während der Produktion eine Rolle spielen. Es kann also sein, dass sich eine Öl-Raffinerie in der oberen Hälfte einer Liste von Firmen befindet, die auf Umweltkriterien bewertet werden. Es ist ein Widerspruch, die Steuerzahler*innen beispielsweise durch höhere Benzinpreise zur Kasse zu bitten und gleichzeitig aktiv in Ölfirmen zu investieren. An dieser Stelle muss mehr Transparenz walten und klar Stellung bezogen werden, wie man solche Investitionen rechtfertigen kann. 

Privatinvestoren*innen sind heutzutage nicht nur auf der Suche nach Rendite, sondern wollen mit ihrem Geld auch einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft und das Klima nehmen, sprich nachhaltig investieren. Eine nachhaltige Investitionsstrategie ist dabei nicht automatisch mit weniger Rendite verbunden. Im Gegensatz: Fondsmanager*innen setzen auf nachhaltige Fonds, um Risiken zu minimieren. Es existieren inzwischen zahlreiche Studien, die belegen, dass diese zwei Zielsysteme im Hinblick auf Nachhaltigkeitsaspekte keinesfalls im Widerspruch zu einander stehen. Die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in Investmententscheidungen des FDC ist daher nicht nur aus einer moralischen Verantwortung heraus geboten, sie ergibt sich aus dem Mandat des Pensionsfonds als Pflicht.

Eine börsennotierte Gesellschaft, die ihr Business-Modell nicht an nachhaltige Kriterien anpasst, schadet auf lange Sicht sich selbst und kann nicht als clevere Anlage wahrgenommen werden. Globale Anleger*innen sind also mit einer Entscheidung konfrontiert: Entweder rechnen sie damit, dass ihre Investitionen stark beeinträchtigt werden, sollten negative Aspekte des Klimawandels ihre Industrie belasten, oder sie passen ihr Business-Modell an und setzen auf Nachhaltigkeit. Da großen Fondsmanagern*innen ein Teil der Firmen gehört, können jene so auch Druck ausüben und die Richtung des Business-Modells anpassen. Dies ist eine einzigartige Möglichkeit, um nicht nur ein Zeichen zu setzen, sondern auch, um die Firmen in ein nachhaltigeres Business-Modell zu führen. Der norwegische Pensionsfonds hatte zum Beispiel eine Reihe Firmen aus seinem Investmentuniversum ausgeschlossen. Die Gründe hierfür sind divers: das Nichteinhalten von Menschenrechten, die Waffenindustrie, Kohleproduzenten oder andere umweltschädliche Produkthersteller.

Als der zuständige Minister der „Sécurité sociale“ gefragt wurde, wie hoch die CO2-Bilanz des Fonds sei, wollte er nicht antworten. Die Fragen, welche Maßnahmen ergriffen würden, um die Pariser Verträge, genauer gesagt Artikel 2.1.c., einzuhalten, oder ob der Fonds die Klimafinanzrisiken der verschiedenen Anlagen prüfe, blieben ebenso unbeantwortet. Zusätzlich konnte der Fonds in der Vergangenheit auch keine Transparenz in Bezug auf Nachhaltigkeitsaspekte herstellen.

Der FDC ist per Gesetz dazu verpflichtet, über ein breit diversifiziertes Portfolio unter optimalen Rendite-Risiko-Aspekten zu investieren, um die langfristige Überlebensfähigkeit des Rentensystems zu gewährleisten. Die Ölindustrie bietet historisch stabile Dividenden. Somit bevorzugen Pensionsfonds diese, da sie mit einem mehr oder weniger sicherem Einkommen rechnen können. Es sollte auch betont werden, dass es ungünstig wäre, große Firmen mit tiefen Investitionstaschen aus der Energiewende rundum auszuschließen.

Die Herausforderungen im Kampf gegen den Klimawandel und die globale Erderwärmung sind vielfältig. Falsch und verantwortungslos ist es jedoch, besonders die jungen Generationen im Glauben zu lassen, sie würden durch 40 Jahre lange Einzahlungen in den FDC zur Absicherung ihrer Zukunft beitragen, während eben dieser Fonds jene durch klimaschädliche Investitionen zerstört.

Um diese Missstände zu beheben und den Fonds schnellstmöglich in Einklang mit den politischen Zielen sowie den Pariser Klimazielen zu bringen, müssen von Seiten der Politik und von Seiten des FDC-Managements umgehend folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Eine klare, transparente Strategie zur Umsetzung der Bestimmungen des Pariser Klimaabkommens im Rahmen des FDC innerhalb der kommenden fünf Jahre sowie eine jährliche Auflistung der einzelnen Positionen des Fonds.
  • Eine konkrete Strategie zum Ausstieg aus allen Carbon Majors innerhalb der kommenden fünf Jahre.

 

Jeffrey Drui ist gelernter Finanzberater. Er ist Präsident der DP Schifflingen und Mitglied des Exekutivbüros der Jonk Demokraten sowie des Comité Directeur der DP.

Laisser un commentaire

Votre adresse e-mail ne sera pas publiée. Les champs obligatoires sont indiqués avec *