Mors certa, hora incerta
Seit diesem Sommer wissen auch einfache Zeitungsleser, welche Lektüre unsere Staatsmänner während der Ferienzeit zur Erbauung, Entspannung und Inspiration wählen. Mit Blick auf die angekündigte Grippe-Pandemie lässt zumindest die Wahl von George W. Bush auf einen hohen Grad an Voraussicht hoffen. Doch auch Luxemburg sollte sich für einen (selbst unwahrscheinlichen) Notfall dieser Größenordnung nicht alleine […]
Unbearbeitet, unzugänglich, unwert oder unauffindbar
Jean-Marie Reding Unbearbeitet, unzugänglich, unwert oder unauffindbar Staatliche Archivkultur in Luxemburg Archive und Bibliotheken sind das Gedächtnis einer Gesellschaft. Was aus ihnen verschwindet, ist zumeist unwiderruflich verloren. Ein gutes Beispiel dafür ist die sogenannte „Putsch-Akte“ aus dem Prozess gegen die Offiziere Robert Winter, Jean Jüttel, Emile Krieps und Rudy Ensch und den Resistenzler Albert Wingert. […]
Innenpolitische Konflikte und Erinnerungskultur in der Nachkriegszeit
Auf der Suche nach dem Neuanfang Innenpolitische Konflikte und Erinnerungskultur in der Nachkriegszeit Marc Schoentgen Einleitung Hatten die Unabhängigkeitsfeiern des Jahres 1939 im kleinen Großherzogtum schon unter den dunklen Vorzeichen des sich ankündigenden Krieges gestanden, so waren die Feierlichkeiten, die nach der Befreiung des Landes von der nationalsozialistischen Terrorbesatzung zahlreich stattfanden, ein lebhafter Ausdruck nationalen […]
Vergessen, verraten und missverstanden
Roger Seimetz Vergessen, verraten und missverstanden Zeugenaussagen und Innenansichten aus der Gefühlswelt der KZ-Heimkehrer Ein „coming home“ birgt in sich, dass es entsetzliche Begegnungen gibt, unterschiedliche Gefühlsmomente des Wiedersehens, verlassene Ehemänner, tote Familienmitglieder, verstümmelte Eltern, kaputte Häuser, aber auch die Freuden über verschollen geglaubte Brüder usw. In den Augen vieler KZ-Häftlinge konnte jedoch nichts drastischer, […]
Überlegungen zur „Putschaffäre“ und zur luxemburgischen „Nachkriegsmalaise“
Marc Kayser / Marc Limpach Überlegungen zur „Putschaffäre“ und zur luxemburgischen „Nachkriegsmalaise“ Am frühen Morgen des 2. August 1946, verhaften Beamte des Öffentlichen Sicherheitsdienstes, der Sûreté, die Offiziere, ehemaligen Resistenzler und Kämpfer in den alliierten Streitkräften, Robert Winter, Emile Krieps, Rudy Ensch und Jean Juttel, die man anschließend an unterschiedlichen Orten in Gewahrsam hält.¹ Wegen […]
Als die Regierung ihre Kritiker einsperren ließ
Rob Roemen Als die Regierung ihre Kritiker einsperren ließ Stellen Sie sich einmal vor, während der zum Teil sehr heftigen Auseinandersetzung um das Mitte dieses Jahres abgehaltene Referendum wäre es kurzerhand zur Verhaftung von Gegnern der durchaus umstrittenen Europäischen Verfassung gekommen. Was hätten Sie, auch wenn Sie ein glühender Bejaher der Referendumsfrage gewesen wären, davon […]
„Affaire montée“
Vers cinq heures du matin, le 2 août 1946, je fus réveillé chez moi, au numéro 36 de la rue Belair, par des coups de sonnette intempestifs. Du 2$^{e}$ étage, je descendis en robe de chambre pour ouvrir la porte d’entrée de l’immeuble. A ma grande surprise, des agents de la Sûreté publique, accompagnés du […]
Fußnoten der Geschichte – Der Putsch von 1946
Geschichtsschreibung ist immer auch gesellschaftlich und politisch eingebunden. Die Interpretation unserer Vergangenheit legitimiert und delegitimiert politisches Handeln in der Gegenwart. Es darf deshalb nicht erstaunen, dass die Luxemburger Geschichtsschreibung ebenso einseitig ist wie unsere politische Landschaft. Mit dem vorliegenden Dossier zum angeblichen Putschversuch von August 1946 widmet forum sich einem historischen Ereignis, das in den […]
Multilateralismus: Eine realistische Utopie
Interview mit Außenminister Jean Asselborn Jean Asselborn hat wichtige außenpolitische Erfahrungen zu Beginn des Irakkriegs gesammelt, als er als Sprecher seiner Partei und aus der Opposition heraus die ablehnende Position Luxemburgs gegenüber dem anglo-amerikanischen Alleingang mittrug. Seit seinem Amtsantritt als Außenminister vor einem Jahr besuchte Asselborn schon zum dritten Mal die UN, deren zentrale Rolle […]
Kleines Parlament in einer großen Welt
Die Abgeordnetenkammer Luxemburgs Kleines Parlament in einer großen Welt Nach Rückkehr der luxemburgischen Parlamentsspitze von offiziellen Besuchen in China und der Äußeren Mongolei begann Mitte Oktober die Rentrée parlementaire 2005 der luxemburgischen Kammer. Vorausgegangen war Mitte September eine Ankündigung ihres Präsidenten Lucien Weiler, sich ab und zu aus seinem repräsentativen Korsett heraustretend zu Sachfragen erklären […]
Zur Junkerschen Erklärung zur Lage der Nation
Schon 1975 stellte der Soziologe Albano Cordeiro fest, dass Luxemburger und Ausländer friedlich nebeneinander leben. Seither gab es noch keine bewusste Integrationspolitik, welche die einen und die andern hätte näherbringen sollen. Herrn Junckers Erkenntnisse sind nicht die eines Sozialwissenschaftlers, sondern die eines Politikers der in diesem Gebiet sehr zurückhaltend gehandelt hat. Auch wenn wir jetzt […]
Luxemburg im Konvergenzstrom europäischer Integrationspolitiken?
Professor Friedrich Heckmann sprach kürzlich an der Uni Luxemburg über Kontinuität und Konvergenz nationaler Integrationsweisen. Seine Aussagen basieren auf einer Studie folgender Länder: Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Niederlande, Schweden, Schweiz und Spanien. Somit wird ein weites Länderspektrum beleuchtet und die Schlussfolgerungen sind umso interessanter für Luxemburg, wo die Diskussion um Immigration und Integration bevorsteht. Trotzdem hatte […]