Neue Basis für alte Pfarreien

aus: Publik-Forum, 17.12.1976

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Et pour tout dire – mais ça n’engage que moi – je pense que ni le rite, c’est-à-dire le geste symbolique, ni le fait de croire, c’est-à-dire d’affirmer des valeurs qui engagent au-delà des raisons qu’on en donne (on peut alors, tout aussi bien, parler de morale), ne sont éliminables. Il s’agit de le savoir, et de faire en sorte que valeurs et symboles n’enferment pas alors les humiliés, les opprimés, mais contribuent à ce qu’ils se libèrent.

Paul Blanquart ■

England

Neue Basis für alte Pfarreien

Gemeinsame Studienkonferenz von Bischöfen und Priesterdelegierten

Mit einem sehr guten Beispiel gehen die englischen Bischöfe voran. Sie richteten eine – man höre und staune – gemeinsame Studienkommission ein, die von Delegierten der Bischofskonferenz von England und Wales und der Nationalkonferenz britischer Priester beschickt wurde. Man sollte sich auch in der Bundesrepublik eine solche Form der Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und der Arbeitsgemeinschaft von Priester- und Solidaritätsgruppen wünschen. Der erste Schritt dazu sollte von bischöflicher Seite erwartet werden können.

Jetzt hat die britische Studienkommission ein 45seitiges Dokument, in London der Öffentlichkeit vorgestellt, das gewiß auch für deutsche Verhältnisse anwendbar ist, insbesondere wenn man sich daran erinnert, daß die englische Traditionalität sprichwörtlich ist. Die Vorschläge sind beachtlich. Die Studienkommission tritt für eine Neustrukturierung des Gemeindelebens in kleine Basisgemeinden neben den traditionellen Pfarreien ein, für gewählte Gemeindevorsteher, für die Möglichkeit verheirateter Priester und eine stärkere Beteiligung der Laien an allen kirchlichen Entscheidungsprozessen. Durchgehende Begründung dafür

ist die absolute pastorale Notwendigkeit. Im einzelnen wird zur Intensivierung des Gemeindelebens die Förderung und – wo nicht vorhanden – Gründung von „Basisgruppen“ aus jeweils zehn bis zwölf Mitgliedern vorgeschlagen. Mehrere solcher Gruppen sollten sich zu einer „christlichen Gemeinde“ zusammenschließen, die insgesamt aber nur so groß sein sollte, daß jedes Mitglied alle übrigen persönlich kennen und sich mit deren Problemen persönlich verbunden fühlen könne. Diese neuen Gemeinden sollten, so sehen es die Vorschläge vor, aus ihrer Mitte eigene Gemeindeleiter wählen, die von den Bischöfen als solche anerkannt und gegebenenfalls Kandidaten für die Weihe zum Priesteramt sein sollten. Damit wird deutlich, daß die innerkirchliche Grundströmung in England „nordamerikanisches“ Ausmaß angenommen hat. Für die Zulassung von Frauen zum Priesteramt und die Abschaffung der Zölibatsverpflichtungen für Weltpriester hatte sich Ende Oktober der erste nationale „Konvent“ der katholischen Kirche in den USA in Detroit ausgesprochen. An der Versammlung, die etwa den Charakter eines Katholikentages hatte, nahmen 1300 Delegierte – Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien – teil, von denen jeder das gleiche Stimmrecht hatte. (Die US-Bischofskonferenz wird sich auf ihrer nächsten Vollversammlung im Mai 1977 mit den Empfehlungen des nationalen Konvents beschäftigen.)

Die britische gemischte Kommission empfiehlt der Kirche, „mit Mut“ endlich neue Wege zur Heranbildung von Geistlichen zu gehen. „Wir sind der Auffassung, daß die Anerkennung des zölibatären Lebens als Wert nicht die Möglichkeit göttlicher Berufung zum Priestertum auch für bereits Verheiratete ausschließt.“

Kritisiert wird, daß die Kirche „beinahe völlig von Klerikern regiert“ werde, was einer größeren Konsultation innerhalb des Volkes Gottes, mehr Flexibilität und demokratischerem Verfahren bei Diskussionen und Fragestellungen oft hinderlich sei. Laien sollten vor allem auch bei der Bewältigung und Kontrolle kirchlicher Verwaltungsaufgaben stärker herangezogen werden und aktuelle Pastoralprobleme sollten möglichst gemeinsam mit anderen christlichen Kirchen beraten werden. Als verbesserungsbedürftig sieht die Kom-

mission die innerkirchliche Kommunikation an: „Es ist unrealistisch, zu erwarten, daß sich Kirchenmitglieder völlig für die Kirche einsetzen“, heißt es, „wenn sie nicht vor Entscheidungen konsultiert werden.“

Schließlich spricht sich das Dokument für eine stärkere Vertretung der Frauen in innerkirchlichen Beratungs- und Entscheidungsprozessen aus. Alle Möglichkeiten, die der kirchliche Dienst für Frauen biete, sollten voll ausgeschöpft werden. Es solle auch die theologische Möglichkeit der Weihe von Frauen zu Ständigen Diakonen geprüft werden, heißt es in der Studie.

Mit der Diskussion der Vorschläge, die den Bischöfen von England und Wales nunmehr zur Begutachtung unterbreitet werden, soll sich nach dem Willen der Verfasser – bei entsprechender Billigung durch die Bischofskonferenz – in zwei Jahren eine Nationale Pastoralkonferenz befassen. A. M.

† in: Publik – Forum, 17. 12. 76 ↓

Schweizer Beispiele

„Man muß rationalisieren, Pfarren zusammenlegen, Aufgaben neu verteilen, das Kommunikative in der pastoralen Praxis fördern. Als Modell bietet sich die urchristliche Gemeinde an. Oder – als ein Beispiel – die praktizierte Ökumene in einer Gemeinde in der Nähe von Luzern: Evangelische und katholische Pfarrer halten dort abwechselnd Gottesdienst und die Gläubigen der beiden Konfessionen nehmen abwechselnd am Abendmahl bzw. an der Kommunion teil. Oder: Im Seminar in Luzern studieren erfreulich viele junge Männer Theologie, obwohl die meisten von ihnen die feste Absicht haben, zu heiraten. Sie sind Real-Utopisten, die ihre Hoffnung auf den nächsten Papst richten. Die Zeit, wo Priester frei zwischen Zölibat und Ehe wählen können, kommt – ob das nun manchen naßt oder nicht.“ Mario von Galli SJ

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