Nicht nur zur Weihnachtszeit

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Jedes Jahr ärgern wir uns über den St. Nikolausrummel, die weihnachtliche Geschenklawine oder die Werbungen für gediegene ‚Réveillon‘ -Feiern. Wir finden sehr leicht die Geschenke bei andern ‚übertrieben‘, ihre Feste ‚kriminell‘. Besonders empörend ist es allerdings, wenn wir merken, wie wir selbst diesem organisierten Unfug verfallen. Doch, kann man als einzelner gegen den Strom schwimmen?

Drei strategische Rückzieher

Beginnen wir in aller Bescheidenheit. Auch wir kochen mit Wasser. Ehe wir überhaupt von ‚Konsumverzicht‘, ‚alternativem Leben‘ oder ‚christlichem Schenken‘ sprechen, sollten wir uns drei Tatsachen vor Augen halten:

  • Erstens: Wir schaffen die Gesellschaft nicht ab. Wir leben jeden Tag in der organisierten Schizophrenie; unser System (der Kapitalismus) prägt unsere Handlungsweise, wir bewegen uns in gegebenen Strukturen. Niemand haust in einer Höhle oder in einem Fass, wir besitzen ein gut eingerichtetes Haus, einen Wagen und einen Teil der überflüssigen Dinge die man als Luxus bezeichnet. Unsere Kinder haben Freunde und Kollegen, die sie mit ihren Ansprüchen beeinflussen.

  • Zweitens: Wir schaffen die Familie nicht ab, besonders die Grosseltern nicht. Sie haben ein Recht auf beschenkbare Enkel.

Drittens: Wir schaffen die Feste nicht ab. Beim St. Nikolaus freuen sich bei uns drei Generationen. Weshalb soll man ihnen diese Freude nehmen? Ohnehin scheint mir das Feiern eine wesentlich menschliche Handlung – auch wenn es mit Konsum verbunden ist.

in: Revue

… Und was kann man konkret tun?

Die Frage ist brutal.

Beginnen wir wieder in aller Bescheidenheit: Wenn wir uns eine Stereoanlage kaufen, einen grösseren Wagen oder ein modisches Kleid, finden wir immer plausible Rechtfertigungen. Seien wir also nicht strenger für unsere Kinder.

Was nun Nikolaus- oder Weihnachtsgeschenke anbelangt, versuchen wir in unserer Familie uns an ganz einfache Regeln zu halten:

  • Im Ausmass und in der Auswahl der Geschenke in erträglichen Grenzen bleiben. "Limiter les dégâts", was Qualität und Quantität der Spielsachen anbelangt. Wir haben vorgeschlagen, dass unsere Kinder bei der einen Mannschaft Grosseltern für St. Nikolaus, bei der andern für Weihnachten beschenkt werden.

  • Wir versuchen unseren Kindern klarzumachen (es ist leider schwer!), dass Beschenktwerden auch Beschenken heisst, dass es natürlich ist, mitzugeben, zu teilen, wenn es uns gut geht.

  • Für die Feiern selbst sollte man eher das Zusammensein betonen als die materielle Erwartung – allerdings interessieren sich die Kinder eher für die Bescherung. Jedenfalls sollte der Sinn des Festes erläutert werden: Warum feiern wir St.

Nikolaus? Was bedeutet Weihnachten?

Das alles klingt recht banal. Das Hauptproblem scheint mir auch nicht in diesen Verhaltensregeln zu liegen, die ohnehin von Familie zu Familie ändern. Man sollte den Kindern nicht zu laut auf der Moraltrompete blasen und jede Freude madig machen. Viel wichtiger scheint mir die Haltung, die wir selbst während des ganzen Jahres gegenüber Besitz und Prestige einnehmen. Diese konkrete Lebenssituation sehen die Kinder während zwölf Monaten. Dort entscheidet es sich, ob sie im täglichen Umgang mit uns den "Seins- oder den Haben-Modus" vorfinden, wie Erich Fromm es formuliert. Vielleicht sind dann die Feiertagsprobleme automatisch leichter zu lösen.

pit

Ernesto Cardenal, der im Exil lebende nicaraguanische Dichter, Priester und Revolutionär, hat dem Vatikan vorgeworfen, das Regime Somoza in Nicaragua durch eine insgesamt „opportunistische und heuchlerische“ Außenpolitik zu unterstützen. Nicht einmal Papst Johannes Paul I. habe „ein einziges Wort zugunsten des Volkes von Nicaragua gesprochen“. Cardenal: „Als die Stadt Leon bombardiert wurde, stieß der Nuntius des Heiligen Stuhls mit Somoza an, bei einer Diplomaten-Party in seinem Bunker, deren Besuch der amerikanische Botschafter abgelehnt hatte.“ Nuntius Montalgo sei ein Somoza-Anhänger, der ständig versucht habe, die Bischöfe Nicaraguas unter Druck zu setzen, um sie von ihrer oppositionellen Haltung abzubringen. Papst Paul VI. habe den Erzbischof von Managua, Miguel Obando Bravo sogar einmal vergeblich beauftragt, Somoza seinen besonderen Segen zu überbringen. (im Public Forum 22/7)

Anastasio Somoza, diktatorischer Präsident von Nicaragua, Generalvertreter des Stuttgarter Automobilkonzerns Daimler-Benz, antwortete auf die Frage, ob er denn als Präsident des Landes auch noch Automobile vertreiben müsse: „Diese Generalvertretung habe ich als junger Mann übernommen als ich noch nicht einmal davon träumte, Präsident zu werden. Das Geschäft läuft so gut, darauf möchte ich nicht verzichten, wenn ich eines Tages nicht mehr Präsident bin.“ Die Firma Daimler-Benz

hatte kurz zuvor erklärt, daß Somoza „unser Haus nicht in Zentralamerika vertritt, sondern verschiedene Angehörige der Familie Somoza Anteile an der Vertriebsgesellschaft in Nicaragua halten“. (im P. 18/7)

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