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Monatelang schon sind sie im Training. Keine Anstrengung ist ihnen zu gross. Um das Ziel zu erreichen nehmen sie viele Unannehmlichkeiten in Kauf. Doch viele persönliche Entbehrungen allein genügen nicht; um selektioniert zu werden, bedarf es auch des Wohlwollens des ZK.

Gilt dieser ganze Aufwand den Olympischen Spielen in Moskau? Keine Anstrengung wäre zu gross, ist doch das Wesentliche, laut de Coubertin, das Dabeisein. Wir wissen dass diese wunderbare Maxime im Olympia der Staatenrivalität, der Reklame und des Handgeldes für Sportler überlebt ist. Doch wie ein Wunder, dieser hehre Leitsatz hat sich hinübergerettet in ein dem Sport sehr verwandtes Gebiet, die Politik.

Die Amateure sind seit Monaten angetreten zum grossen Selektionsrennen. In den letzten Wochen sind die Glücklichen erwählt worden. Ihres Listenplatzes sicher, dürfen sie sich jedoch keineswegs auf ihren Lorbeeren ausruhen: noch gilt es ja die Medaillen zu erkämpfen. Bis Juni heisst das für die Kandidaten: verschärftes Training und eiserne Gesundheit. Mehr als einer kann sich bei diesen letzten Vorbereitungen überfordern: alltägliche Erprobung der Trinkfestigkeit, Allgegenwärtigkeit auf Sport- und Kulturstätten sind nur einige gewünschte Qualitäten, nebst Spendierfreudigkeit.

Doch heutzutage genügt ein empirisches Vorgehen kaum, Programmierung muss her: verschiedene Kandidaten haben einen genauen Schlachtplan erstellt, woraus sich für sie eine regelmässige Passage in sämtlichen Cafés ihres Bezirks ergibt.

Eigentlich müsste dem Polit-Laien, sprich Nicht-Sportler, dieser uneigennützige

Einsatz imponieren, leider aber beschränkt sich der Zuschauer auf oberflächliche Kritik und die übrigen Nicht-Sportler haben sich von den Sportstätten abgewandt. Umso mehr Mühe müssen die Athleten sich geben; denn sie hängen ja hundertprozentig von der Gunst des Publikums ab. Kein Wunder, dass sie ebendieses Publikum umwerben.

Von vorneherein hat das Publikum auch noch ‚geteilte Interessen‘; nicht alle sind z.B. Fussballanhänger, viele sogar dem runden Leder abgeneigt.

Doch, was soll’s, die Sportler tragen dieser Vielfalt keinesfalls Rechnung. Mit dem Stichwort Sport muss der Zuschauer sich zurechtfinden. Mehr noch: die Athleten verraten ihre Disziplin erst, wenn sie es bis in die Arena geschafft haben! Dies alles trägt also nur zur Verwirrung bei: Was soll ein Boxer und ein Fechter mit einem Turner in derselben Mannschaft gemeinsam haben? ‚Sportliches Interesse eint sie doch‘, sagt der Fachmann und hat recht, nur kann dies den Laien nicht befriedigen. Dieser möchte klare Trennung, um seine Unterstützung gezielt anwenden zu können, er würde es vorziehen, wenn die Medaillenanwärter klar zu erkennen geben würden, ob sie im Hindernisrennen, im Hundertmeter- oder im Staffellauf, im Boxen oder in einer Mannschaftssportart antreten. So könnte er Spass finden, sie zu unterstützen und wäre interessiert – da es für ihn modellhaft sein könnte – an ihrem Trainingsprogrammen und an ihren Zielvorstellungen.

Doch da er wirklich der einzige ist, der an Programmen interessiert ist, muss er sich nun mal mit den Kandidaten zufrieden stellen. Uebrigens leuchtet es ihm auch ein, dass, wenn ein Kandidat sein Programm ankündigen würde, es eventuell keinen einstimmigen Beifall beim Publikum ernten könnte. Wen sollte es auch wundern, wenn der Kandidat nicht immer genau weiss, ob er jetzt boxen oder rudern soll – bei all seinen Anstrengungen, dabeizusein, ist ein solcher Lapsus wirklich verzeihbar.

serge

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