Aus der XVI. Vollversammlung vun der Lëtzeburger Diözesansynod
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vun der Lëtzeburger Diözesansynod
Eigentlich habe ich gar keine Lust, noch lange
Kommentare zur Synode zu schreiben. Ein paar Notizen sollen genügen.
Die Synode liegt nämlich auf dem Sterbebett, und
ich möchte mich nicht am qualvollen Spiel der 16.
Vollversammlung vom 18.-19.11.1978 beteiligen,
die Kranke kurz vor ihrem Tode nochmals aufzupäppeln. Zu bedauern ist nur, dass es die der Kirche
gehörende Presse war, die durch ihren Synodenboykott dem 1971 gesund geborenen Mitbestimmungsorgan der katholischen Kirche die Todesspritze versetzte.
Im Übrigen blieb mir der Einsatz, um den es bei
den Diskussionen über das Ordensleben in Luxemburg ging, schleierhaft. Vielleicht kann mal eine
kompetentere Person in "forum" die Wichtigkeit
der Orden für das Leben der Gesamtkirche im sich
saekularisierenden Luxemburg darstellen. Avis
aux amateurs.
Ich bin in den Orden eingetreten,
um der Gleichförmigkeit unseres
heutigen Lebens zu entrinnen.
Die Debatten über die Privatschulen verliefen,
abgesehen von einer demagogischen Intervention
eines Religionslehrers, der die Synodalversammlung gegen die jungen Lehrer aufhetzen zu müssen
glaubte, einigermassen sachlich. Ob die zuständige Kommission, und die Vollversammlung, das
eigentliche Problem aber besser begriffen haben,
wage ich zu bezweifeln. Die KO 2 gab nicht einmal eine abschliessende Stellungnahme mit Antworten auf die Fragen ab, die in der Generaldebatte aufgeworfen worden waren. Und doch waren
das keineswegs nebensächliche Detailfragen. Die
von mehreren Rednern aufgestellte These, das
Problem "Privatschulen" werde in der Vorlage zu
eng gesehen, zu "klerikalistisch" könnte man sagen, denn die Alternative sei nicht Staats- oder
Privatschule, sondern freie, von den Betroffenen
getragene und organisierte oder zentralistisch
(von Staat oder Kirche) verwaltetet Schule (vgl.
"forum" 22 / 19.2.78), wurde von der KO genügsam
ignoriert. Ja, die Vollversammlung rief sogar
zur Schaffung einer Kampfgruppe auf, um nach dem
Beispiel von "La vie naissante" die Interessen
der katholischen Privatschulen offensiv zu vertreten. Diese Diskussion hatte den Verdienst,
deutlich zu machen, dass die Hauptschwierigkeiten finanzieller Natur sind, und ganz einfach
eine Unterstützung durch die Allgemeinheit erwartet wird. Darüber kann man in der Tat diskutieren, doch die Vorlage wollte dieses Kernproblem offensichtlich verdecken und erging sich
seitenlang in Beweisführungen über die prinzipielle Berechtigung nicht-staatlicher Schulen,
die m.W. niemand in Luxemburg bestreitet.
Wie unrealistisch manche Synodalen diese hochpolitischen Fragen angehen, wurde einmal mehr
deutlich: "Wann d’Katholiken all eng Partei
geifen wielen, di fier d’Privatschulen anträtt
wär de Problem schnell geléist," meinte ein
Redner. Rauschender Beifall war ihm sicher,
während den Demokraten ein Schauern durchfuhr.
Den Vogel in Sachen Klerikalismus schoss aber
Generalvikar M.Schiltz in einem Kommentar für
RTL ab: "Wu d’Staatsschule nach katholisch
waren, huet de Problem sech nät gestalt!"
Arme Kirche, deren "Hirten" immer noch der
Christenheit nachtrauern, die es nach J. Delumeau nie gegeben hat. Ob sie wohl wissen, wie
demobilisierend solche Parolen wirken können
und wie politisch unklug sie sind? Warum z.B.
sollte man dann noch Religionsunterricht in
den Staatsschulen haben, wenn es kath. Privatschulen gibt? Und wäre es nicht die erste Aufgabe eines christlichen Lehrers in den Staatsschulen gegen den dortigen "Profitgeist und
Materialismus", Leistungszwang und Rücksichtslosigkeit, "Konsum- und Luxusdenken" (so die
Beschreibung in der Vorlage) anzugehen. Aber
wenn schon der Generalvikar der Diözese einem
in den Rücken fällt und zum Rückzug ins Privatschulgetto bläst …
Dieser Rückzug ins katholische Ghetto scheint
von den Synodenverantwortlichen auch auf dem Gebiet der Presse angetreten worden zu sein. Nach
dem Ausschluss eines "tageblatt"-Journalisten
vom synodalen Pressetisch (vgl. "forum" 17 /
16.7.1977) wird seit einiger Zeit auch dem "Lëtzeburger Land" kein Material aus der Synode mehr
zugestellt. (vgl. L.L., 17.11.1978) Wann werden
diese Fehlentscheidungen ausgebügelt werden?
m.p.
Einmal mehr wurde in der letzten Vollversammlung
der Synode die Frage der politischen Rechte der
Ausländer aufgeworfen. Einmal mehr machte sich
ein grosses Unbehagen breit. Die Synode will
Gleichberechtigung, doch wenn es um das Konkrete
geht, scheiden sich die Geister.
Einerseits wollten die Antragsteller gleiche soziale, zivile und politische Rechte für die Ausländer. Selbstverständlich ist es nicht Aufgabe
der Synode, hier Modalitäten und Etappen vorzu-
schlagen, sondern auf die Verbesserung der Demokratie hinzuweisen. Andererseits wurden Angstgefühle beschworen, auf die Sicherheit der Luxemburger angespielt, der Kirche Einmischung in die Politik vorgeworfen. Hauptsächlich wurden die Begriffe ‚politische Rechte‘, ‚zivile Rechte‘ zerredet und verschiedenartig ausgelegt.
Ziel der Antragsteller war es, Gleichberechtigung auf allen Gebieten zu fordern. Spricht man von Zuerkennung von politischen Rechten, ist es selbstverständlich, dass die Voraussetzungen dazu, nämlich 100% Gleichstellung auf sozialem und zivilem Gebiet, gegeben sein müssen.
Übrigens hat ein Sprecher der Antragsgegner nachher, im Privatgespräch, seine grundsätzliche Opposition zum Wahlrecht, auch bei Gemeindewahlen, eingestanden. Im Plenum wurde diese klare Position leider mit formellen Anträgen zugeschüttet. Schade! Immerhin wurde der Antrag nur knapp verworfen: 62 Stimmen dafür, 57 dagegen sowie 11 Enthaltungen.
Leider hat die Synode sich nicht vom ‚Realismus‘ der Berufspolitiker loslösen können um prophetisch ‚den zügigen Ausbau der Rechte der Ausländer bis hin zur Gleichberechtigung‘ zu fordern.
Serge
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