Südafrika: Wer ermordet Missionare?
aus: Publik-Forum 25/26, 1978
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Einseitige Berichterstattung und Kommentierung
Wer ermordet in Rhodesien Missionare und warum? Mit dieser Frage befaßt sich der Autor dieses Beitrages. Abweichend von der allgemein üblichen Berichterstattung und Kommentierung kommt er zu dem Ergebnis, daß diese Mordtaten nicht den schwarzen Befreiungsgruppen, sondern der Regierungsseite anzulasten sind. Es ist uns persönlich nicht möglich, jedem einzelnen Mordfall an Ort und Stelle nachzugehen, doch decken sich Berichte von Missionaren, die uns erreichen, nicht mit jenen Nachrichten, die über „weiße“ südafrikanische Agenturen die öffentliche Meinungsbildung bestimmen.
Für die meisten Massenmedien im Westen — und auch für viele kirchliche Beobachter der Entwicklungen in Rhodesien — ist die Sache eindeutig: die Massaker an weißen Missionaren in Rhodesien, die seit einiger Zeit immer wieder Schlagzeilen bei uns machen, sind allein den Guerillas der schwarzen Patriotischen Front anzulasten. Diese aber haben diesen Vorwurf immer wieder zurückgewiesen und öffentlich erklärt, daß die Regierung Smith, — seit Anfang März 1978 im Rahmen einer „Internen Lösung“ auch von schwarzen Politikern mitgetragen —, für diese Morde verantwortlich sei.
In letzter Zeit sind nun einige Berichte, u. a. von ehemaligen Söldnern in den Sicherheitskräften des Smith-Regimes, veröffentlicht worden, die diese Aussage der Patriotischen Front bekräftigen und erhebliche Zweifel erzeugen können an der Selbstverständlichkeit, mit der Smith den Guerillas die Schuld an diesen Morden in die Schuhe schiebt. Der Schweizer Missionar Josef Rutishauser, der selbst lange Jahre in Rhodesien tätig war und enge Beziehungen zu der Mission in Elim hat, wo im Sommer dieses Jahres 13 Missionare und Nonnen ermordet wurden, weist in einem Bericht für die Berner Tageszeitung Der Bund darauf hin, daß die Sicherheitstruppen seit Verschärfung des
Krieges im Jahre 1976 wiederholt Massaker an der Zivilbevölkerung begangen hätten, wobei sie sich häufig als Guerillas verkleidet hätten. Rutishauser führt eine Reihe von verlässlichen Zeugenaussagen an, so auch von ehemaligen Mitgliedern der Sicherheitskräfte. Insbesondere die Spezialtruppe Selous Scouts, in der auch Afrikaner gegen „erfolgabhängige“ Entlohnung tätig sind, zeichnete sich durch rücksichtslose Behandlung der Zivilbevölkerung aus. Diese hätte aber auch Attacken auf Missionsstationen zu verantworten. Dabei würden die Selous Scouts sich in der Regel als Untergrundkämpfer tarnen.
Schwester Janice McLaughlin, die wegen ihrer Arbeit für die Katholische Kommission für Gerechtigkeit und Frieden in Rhodesien im letzten Jahr deportiert wurde, zeigt in einem Beitrag für das amerikanische Magazam seven days ebenfalls auf, daß diese Spezialtruppe für Morde an Missionaren verantwortlich sei, wie kirchliche Untersuchungen ergeben hätten. Sie weist zudem darauf hin, daß alle ausländischen Journalisten, die sich in diesen Fällen nicht nur auf die Verlautbarungen der Smith-Regierung verlassen wollten, ausgewiesen oder aber gar nicht erst ins Land gelassen worden seien, so daß nur die Version der Regierung berichtet worden sei. (…)
In einer ausführlichen Analyse des Massakers von Elim, die in der November-Ausgabe des angesehenen britischen Magazins New African veröffentlicht wurde, wird der Vorgang, fußend auf Aussagen eines ehemaligen afrikanischen Mitglieds der Selous Scouts namens Flint, beschrieben. Sicherheitstruppen hätten, nachdem sie in einen Hinterhalt von Guerillas geraten waren, einige ihrer Gefangenen verhört und nach Foltern erfahren, daß die Guerillas Informationen von den Missionaren in Elim über die Bewegungen der Sicherheitstruppen erhalten hätten. Daraufhin hätten die Selous Scouts die Missionare festgehalten, verhört und schließlich, um zu verhindern, daß diese ihre besondere Operationsart (nämlich die perfekte Verkleidung als Guerillas) weitererzählen konnten, mit Waffen, wie sie üblicherweise Guerillas benutzen, getötet. Eine ähnliche Aussage machte unlängst ein französischer Söldner, der ebenfalls an derartigen Operationen beteiligt gewesen war, sich dann aber nach Mosambik abgesetzt hatte; er wies im übrigen darauf hin, daß alle diese Akte der verzweifelten militärischen Situation entspringen, in der das Smith-Regime sich befände.
Alle diese Berichte stimmen darin überein, daß sie in der Beurteilung der Motive für die Morde an den Missionaren eindeutig sind. Sie verweisen darauf, daß die Guerillas nicht nur von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt werden, sondern auch von den Missionaren, die ihren Zielen weitgehend sympathisierend gegenüber stünden, darüberhinaus auch Informationen über die Aufenthalte von Guerillas der Regierung vorenthalten hätten, was in Rhodesien unter Strafe steht. In der Tat sind bekanntlich bereits mehrere Mitglieder der Katholischen Kommission für Gerech-
tigkeit und Frieden, u. a. ihr Vorsitzender, Bischof Donal Lamont, deswegen verurteilt und ausgewiesen worden. Diese Kommission war die einzige Stelle, die unabhängig von den Regierungsverlautbarungen Übergriffe von Sicherheitstruppen aufzeichnete und darüber berichtete.
Auf der anderen Seite habe die Regierung allen Grund, nicht nur die Zivilbevölkerung zu drangsalieren, sie von den Guerillas isolieren zu wollen oder sogar zu töten, sondern auch gegen die Missionare vorzugehen. Diese sympathisierten nicht nur mit der schwarzen Bevölkerung und den Zielen der Befreiungsbewegung, sie enthielten der Regierung auch wesentliche Sicherheitsinformationen vor, die sie auf Grund ihres engen Kontaktes mit Bevölkerung und Guerillas erhalten würden; sie ließen darüber hinaus auch den Guerillas Hilfe z. B. bei der medizinischen Versorgung zukommen. Solche Missionare zu eliminieren — so etwa könnte die zynische Kalkulation der Administration Smith lauten — hätte den großen Vorteil, daß zudem die Weltöffentlichkeit gegen die Guerillas aufgebracht werden könnte — und zum Teil eben auch die Zivilbevölkerung, auch wenn angenommen werden kann, daß diese in der Regel „ihre“ Guerillas kennt. Dazu ist allerdings notwendig, daß es gelingt, der Weltöffentlichkeit weiszumachen, daß die Massaker von der Befreiungsbewegung zu verantworten sind.
In verschiedenen Berichten wird denn auch betont, daß diese Aktionen gegen Missionare immer dann erfolgten, wenn die Regierung Smith sich in einer prekären Lage befand und besonders auf internationale Unterstützung angewiesen war.
Ein Sprecher der Katholischen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden äußerte unlängst die Einschätzung, daß bei freien und gerechten Wahlen bei etwa 1,5 Millionen Wahlberechtigten die führenden Vertreter der „internen Lösung“ nur jeweils Stimmen in der Größenordnung von einigen tausend erhalten würden, wobei Smith auf die Mehrzahl der Stimmen der Weißen rechnen könnte, auch wenn er sich einer Opposition von rechts gegenübersieht.
Der Grund für diese schwache politische Verankerung der Regierung der „Internen Lösung“ mit Häuptling Chirau, Pfarrer Sithole und Bischof Muzorewa, so erklärte der ehemalige rhodesische Ministerpräsident Garfield Todd unlängst, liege daran, daß
… UND IM VERHALTNIS DER MENSCHEN UNTEREURANDER.
auch den einfachsten Leuten in Rhodesien nicht verborgen bleibe, daß auch die schwarzen Mitglieder der Regierung der „Internen Lösung“ für Maßnahmen verantwortlich seien, die sich gegen die schwarze Bevölkerung insgesamt richteten. Maßnahmen wie das Verbot der schwarzen Zeitung Times of Zimbabwe, die Ausrufung der Wehrpflicht auch für Schwarze (der im übrigen Muzorewas eigene Partei heftig widerspricht), die Verhängung des Kriegsrechtes und Angriffe auf Mosambik und Sambia, die überwiegend wehrlose Flüchtlinge trä-
in: Publik-Forum Nr. 25/26, 15. Dezember 1978
fen, würden nicht nur von Smith veranlaßt, sondern auch von Muzorewa und Sithole getragen und unterzeichnet.
Wenn die Regierung insgesamt die Verantwortung für militärische Operationen trägt, kann kaum ein Zweifel daran bestehen, daß auch die schwarzen Mitglieder der Regierung der „Internen Lösung“ die Einsatzbefehle für die Selous Scouts zur Kenntnis nehmen, dulden und billigen, was immer sie in der Öffentlichkeit zu ihrer eigenen Ehrenrettung erklären mögen.
Peter Ripken
Die beste Schau des Jahres 1978 war die Fernsehübertragung in Mondovision vom Petersplatz in Rom, als Papst Johannes Paul II. feierlich in sein Amt eingeführt wurde. Jedenfalls fand dies eine der größten bundesdeutschen Fernseh-Programm-Zeitschriften, die „Hör zu“, weshalb sie dem derzeitigen Papst auch gleich die „Goldene Kamera“ verlieh. Die Meldung über die feierliche Zeremonie der Preisverleihung lief um die Welt.
Man erinnere sich an Papst Paul VI. Als dieser sich bei einer seiner Reisen den Federschmuck eines Indianerhäuptlings umlegen ließ, um so seine Verbundenheit mit diesen Völkern zu unterstreichen, gab es einige Verärgerung darüber, daß ausgerechnet das Bild des federgeschmückten Papstes durch die Weltpresse präsentiert wurde. Doch heute regt sich seltsamerweise niemand darüber auf, daß der Papst wie ein Showmaster behandelt wird.
Nichts gegen die „Goldene Kamera“. Vielleicht erhält der Papst ja auch noch den „Bambi“ für Mexiko. „Mann des Jahres“ ist er ja sowieso schon. — So eindrucksvoll die Übertragung vom Petersplatz auch gewesen ist, gibt es denn niemanden, der protestiert, daß die Heilige Messe, eine sakrale Handlung, ein religiöses Erlebnis, zur Schau, ja zur besten Schau des Jahres degeneriert worden ist? hpo in: P.-E. 5/78
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