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Wir waren vor dem grossen Tag zusammengekommen, um uns auf diese wichtigen Stunden noch vorzubereiten. Wir hatten unsere Fragen vorbereitet, und waren also nicht ganz frei, uns auszusprechen. Einige Fragen wurden auch kritisiert und man schlug uns bessere Fragen vor. Der Grund dazu war sozusagen der Mangel an Zeit, und wir durften die Deputierten nicht mit ‚uninteressanten‘ Fragen aufhalten. Viele von uns hatten sogar die teilweise diktierte Frage aufzuschreiben, um sie nicht zu vergessen. Das ist also ein Zeichen, dass sie an dieser Frage nicht viel Interesse hatten.

Im grossherzoglichen Palais wurden wir von der Grossherzogin empfangen. Unter der Leitung eines Geschichtsprofessors, der uns alles zeigte und erklärte, und der Grossherzogin selbst besuchten wir das Haus. Danach stellten einige von uns mit langen Reden uns der Grossherzogin vor und erzählten ihr, was wir bis jetzt als Arbeit geleistet hatten. Ihre Reden waren zuviel vorbereitet und sie lasen den Text von ihrem Blatt einfach ab. Danach begrüssten wir den Grossherzog. Wir konnten uns mit dem Grossherzoglichen Paar auch persönlich unterhalten, was sehr spontan und ohne lange Reden geschah. Sie antworteten sehr nett auf alle unsere Fragen. Als wir von ihnen Abschied nahmen, war die allgemeine Meinung, dass es uns sehr gut gefallen habe und wir werden bestimmt alle eine gute Erinnerung von diesem freundlichen Empfang im Palais behalten.

Am Nachmittag wurde es interessant.

Wir hatten erwartet, von den Parlamentariern nicht ernst genommen zu werden, doch sie saßen uns trotzdem zahlreich gegenüber. Es war wahrscheinlich – die Deputierten versicherten uns zwar das Gegenteil – weil RTL diese Debatte übertragen sollte. Wir erwarteten nicht viel von ihnen, wollten aber versuchen, uns durchzusetzen. Bei den ersten Fragen, die gestellt wurden, versuchten schon einige Deputierte möglichst viel aufzufallen, indem sie lange und sehr laut redeten oder andere angriffen. Der Präsident, Herr Bollendorff, hatte manchmal Mühe, die Ruhe zu bewahren.

Die Deputierten sprachen zuviel, und dadurch kamen viele Jugendliche nicht an die Reihe, ihre Fragen zu stellen.

Ein grosser Fehler war auch, dass die Parlamentarier unsere Fragen schon gesehen hatten und sich darauf vorbereiten konnten. So konnten sie sich gegen jeden Angriff gut verteidigen. Doch einige unter ihnen standen auf unserer Seite und sprachen gegen sich selbst.

Wir bemerkten auch eine grosse Rivalität zwischen den einzelnen Parteien. Die einen versuchten, die Schuld auf die anderen zu schieben.

Einige Deputierte verliessen schon während der Debatte den Saal, alle mit einer guten Entschuldigung. Doch der Beweis, dass einige es doch ernst meinten, war, dass die Debatte eine Stunde länger als geplant dauerte.

Im allgemeinen waren viele aber ziemlich enttäuscht, denn die Deputierten antworteten nicht immer wie gewünscht auf unsere Fragen. Zum Schluss versicherten sie uns, dass es ihnen gut gefallen habe, dass man mit uns gut sprechen könne und sie wünschten, man müsse so etwas öfters wiederholen.

Doch ob sie es auch dachten, das blieb für uns ein Rätsel. Wenn es ihnen so gut gefallen hatte, warum haben sie dann auf das Jahr des Kindes warten müssen, um sich überhaupt um die Kinder zu kümmern? Wir wissen auch, dass wir nichts geändert haben. Vielleicht war es für viele Parlamentarier eine Last zu dieser Debatte zu kommen. Wir haben versucht uns durchzusetzen, auf unsere Probleme aufmerksam zu machen, und andere werden es nach uns versuchen. Wir haben später auch herausgefunden, dass viele unter uns einer normalen Kammersitzung beiwohnen möchten, um zu sehen, ob wir auch das richtige Bild einer solchen Sitzung gesehen haben. Es steht auch fest, dass nicht viele von diesen 59 Jugendlichen später auf den Parlamentarierplätzen sitzen und mitstreiten möchten. Aber bis dahin haben wir noch Zeit.

Isabelle Schaack
Cathy Folmer
Thierry Herz

Der Titel stammt von der Redaktion, die Karikatur aus Guy W. Stoos, Hochdruck, Ed. Kontext 1979

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