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Der Sport befestigt die bestehenden Machtverhältnisse, schwächt Klassengegensätze ab und segnet das Leistungsprinzip unserer Gesellschaft ab.
Allein diese verschiedenen Aspekte wären der Mühe wert, näher analysiert zu werden.
Hier wollen wir uns aber bewußt auf einen bestimmten Aspekt beschränken, der uns zeigt, wie der Sport dazu benutzt wird, hier in Luxemburg verschiedenen Politikern oder Möchtegernpolitikern in den Sattel zu
verhelfen. Es soll keine wissenschaftliche Analyse sein, sondern lediglich eine kleine Anzahl von Bemerkungen, die verschiedene Aspekte des politischen Lebens in Luxemburg beleuchten.
Interessant ist festzustellen, daß recht viele Kandidaten bei den letzten Parlamentswahlen auf ihre direkte (= Aktive) oder indirekte Sportkarriere (Funktionäre) hinwiesen.
Sicherlich schwebt allen das Beispiel Colette Flesch
und Josy Barthel vor. Hätte Luxemburg einige Jahre früher die Olympischen Spiele boykottiert (politische Anlässe gab es dazu noch immer), würden der Bürgermeister der Stadt Luxemburg und der Umweltminister heute bestimmt anders heißen. Beide wurden von der DP (bei der sich übrigens diese Methode institutionalisiert hat) als Kandidaten aufgeboten, nicht weil sie irgendeine bestimmte politische Meinung vertreten haben, sondern weil sie vor Jahren sportlichen Ruhm erlangt hatten.
Überhaupt überschlagen sich in Luxemburg viele Politiker, um bei verschiedenen Sportmanifestationen anwesend zu sein. Einige haben ihre Präsenz zum System entwickelt. Die Karikatur davon sieht folgendermaßen aus: Fußballmeisterschaftssonntag in der Hauptstadt: Unser Politiker will einen neuen Rekord aufstellen, der folgendermassen aussehen soll:
15 Uhr: erste Halbzeit auf dem Spielfeld Hollerich
1545: Abfahrt nach Mühlenbach wo mit den Supportern "e Patt geholl" wird
1615: Abfahrt nach Beggen, 2. Halbzeit des Spiels der Beggener Mannschaft
17 Uhr: Abfahrt nach dem Union-Lokal, um mit den dortigen Supportern "e Patt ze huelen"
Diese systematische Abgrasung der potentiellen Wählerschaft trägt auf die Dauer bestimmt ihre Früchte.
Ein begehrter Posten für Nachwuchspolitiker ist die Präsidentschaft von irgendeinem Sportverein. Eine bestimmte Begabung oder Fachkenntnisse sind nicht erfordert. Beispiel: Nachwuchspolitiker X (Name der Redaktion bekannt) will sich systematisch in einem Vorort der Stadt Luxemburg einnisten. Es fehlt ihm die Bürgernähe. So versucht er systematisch, in einer Reihe von Vereinen einen wichtigen Posten zu erhaschen. So wird er zum Präsidenten des Supporterclubs der Fußballmannschaft Y, obwohl er bis dahin sich
La performance
Après avoir pulvérisé un record du monde en ouvrant son parachute à 30 mètres du sol seulement, il améliora son record personnel en ne l’ouvrant pas du tout.
JACQUES STERNBERG
für Fußball überhaupt nicht interessiert hat, geschweige denn praktiziert hat. Und gleichzeitig wird er Vizepräsident im Tischtennisverein und …
Die Liste dieser Beispiele könnte man beliebig verlängern.
Beängstigend ist diese Entwicklung und kritisch muß man ihr gegenüberstehen.
Hier werden erstens der Sport und die Sportler (einmal mehr) mißbraucht. Politisch ausgedrückt nennt man das "Rekuperation". Diesen Politikern geht es überhaupt nicht um den Sport oder um irgendeine Unterstützung, hier wird ausschließlich persönlicher Profit (lies Wählerstimmen) erwartet.
Vor allem aber ist folgendes zu bedenken, und dies sollten sich vor allem alle linken Politikern zu Herz nehmen: Dieser Weg bedeutet eine gefährliche Entpolitisierung und Entideologisierung, die langfristig nur den konservativen Kräften zugute kommen. Hier wird nicht mehr für diese oder jene Idee oder politische Einstellung geworben, sondern für diese oder jene Person ("image"), die es fertiggebracht hat, auf einem Maximum von Veranstaltungen zu erscheinen, ohne dort aber eine bestimmte Politik verbreitet oder sonst aufklärerisch gewirkt zu haben.
René Kollwelter
Sportler und Kandidat bei den Parlamentswahlen
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