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Frage: Der CinéClub 80 hat in den beiden letzten Jahren einen ungeheuerten Aufschwung miterlebt, was nicht zuletzt, gemessen an den mehr als 12.000 Zuschauern, die in der vergangenen Saison CinéClub 80 Initiativen beiwohnten, doch wohl an der verstärkten Oeffentlichkeitsarbeit des Clubs liegen muß. Woher der Aufschwung?

CC80 : Eigentlich begann der Aufschwung, was sowohl Mitgliederzahl als auch Komiteemitarbeiter betrifft, erst nach dem Gala-Abend mit François Truffaut und Claude Jade, die auf Einladung des CinéClubs nach Luxemburg gekommen waren, um ihren Film ‚L’AMOUR EN FUITE‘ im Marivaux vorzustellen. An diesem Abend war das Kino mitsamt seiner beiden Balkons bis auf den letzten Platz hin ausverkauft, und eine Publikumsdiskussion mit Truffaut zog sich bis spät nach Mitternacht, ohne daß viele Zuschauer den Saal verließen. Kurz darauf wurde das Komitee des CC80, das sah in mit etwa 5 oder 6 permanenten Animatoren eher schlecht als recht besetzt war, auf 20 Leute vergrössert, was natürlich den darauffolgenden Initiativen des Clubs einen gewissen Rückhalt gegeben hat. Gerade mit diesem neuen Potential an freiwilliger Arbeitskraft gelang es uns dann, ein sehr erfolgreiches Jubiläumsprogramm (CC80 feierte zehnjähriges Bestehen) auf die Beine zu stellen, ein Programm, dessen Höhepunkte eine ‚BLECHTROMMEL‘-Premiere im Europe, eine ‚QUINZAINE DU CINEMA AUSTRALIEN‘ im Vox (1850 Besucher) und die Vorstellung der ‚BILDER AUS AMERIKA‘ vor mehr als 1600 Zuschauern waren.

Frage: Wie sieht der CinéClub 80 seine Rolle in der luxemburgischen Kinoszene? Was sind die abgesteckten Ziele, die der Club mit seinen verschiedenen Initiativen erreichen will?

CC80 : Unsere Rolle in der einheimischen Kinoszene wollen wir als eine Ergänzende zum regulären Kinoprogramm der verschiedenen 5 Säle sowie zu den Programmen der Cinémathèque verstanden wissen. Unsere normalen Programme setzen sich dann auch zum großen Teil aus Filmen zusammen, die aus welchen Gründen auch immer den Weg

nicht in unsere Kinos gefunden haben, entweder weil sie wegen ihrer Thematik vielleicht zu weit vom kommerziellen Standpunkt der normalen Kinos entfernt sind, oder aber weil einfach hunderte von Filmen in ihren Blechbüchsen liegen bleiben, da ein absolutes Ueberangebot für die kleine Zahl von Luxemburger Kinos einfach nicht zu bewältigen ist. Aus gleichen Gründen finden sich auch jedes Jahr einige Reprisen auf unserm Programm wieder, da in den Kinos keine Programmzeit übrig bleibt, um solche Wiederholungen zu bringen. Was nun die Vorführung von Filmklassikern bei uns betrifft, so sind sie auf ein Minimum beschränkt worden, da u.E. nach diese Aufgabe der Publikmachung von Filmgeschichte der Kinothek zukommt, was sie ja auch in den letzten Jahren mehr und mehr realisiert hat. Was den Animatoren des CC80 am meisten am Herzen liegt, und was sich vor allem in den Weekend-Seminaren wiederfindet, ist die Filmerziehung, da auf diesem Gebiet die luxemburgische Kinoszene absolut brach daliegt. Von den Kinos wird keiner erwarten, daß sie hierzu beitragen, die Cinémathèque scheint leider auch nicht sehr viel auf Oeffentlichkeitsarbeit und Edukation zu schwören und das Unterrichtsministerium macht seit Jahren taube Ohren. Deshalb versucht der CC80 mit den bescheidenen Mitteln, die ihm als privatem Klub zur Verfügung stehen, wenigstens einen kleinen Teil des potentiellen Publikums mit den audiovisuellen Medien etwas vertraut zu machen.

Frage: In dieser Hinsicht wollen Sie ja sicherlich auch die neueste ihrer Initiativen, nämlich das ‚KINO FUER KINDER‘ verstanden sehen. Was erwarten Sie sich davon?

CC80 : Seit etwa einem Jahr beschäftigt sich eine spezielle Arbeitsgruppe im Komitee des Clubs mit der Problematik des Kinderkinos. Warum eigentlich? In unsern Kinos laufen nur wenige Streifen, die man als Kinderfilme betiteln könnte, und dann sind es meistens schmalzige Disneystreifen, die reichlich wenig oder überhaupt nichts übrig haben für Probleme und Wesen der Kinder. Und dabei gibt es im Ausland, vor allem in den Ostblockländern eine Ummenge an guten und interessanten Kinder- und Jugendfilmen, die zwar auch unterhaltend sein können, die aber daneben durch ihre Thematik Probleme aufwerfen und die Kinder zur Reaktion und Diskussion anregen. Auf diese Initiative wird ab dieser Saison ein ganz besonderer Schwerpunkt gelegt werden, da wir es als einen ersten Schritt zur wirkungsvollen Film- und Medienerziehung sehen, wenn der Kinogänger von klein an, mit einem kritischen, nicht auf Konsum bedachten Blick konfrontiert wird. Wir haben auch für diese Initiative sowohl bei der Stadtverwaltung als auch bei der Schulkommission offene Ohren vorgefunden, und besonders die Stadt Luxemburg wird uns in dieser Hinsicht sehr entgegenkommen.

Frage: A propos Stadtverwaltung und Cinémathèque: wie verhält sich der Cinéclub gegenüber der Cinémathèque? Es hat da einige Gerüchte gegeben.

CC80 : Wie schon oben angeführt, sind wir der Meinung, daß die Cinémathèque Municipale eine sehr wichtige Lücke in unserer Kinoszene und Kulturszene überhaupt auffüllt. Vor allem weil man hier die potentiellen Geldmittel zur Verfügung stellte, um ein solches ambitionieres Unternehmen zu Ende zu führen. Sicherlich kam es auch nicht von ungefähr, daß einige der Mitglieder des Cinéclubkomitees beim Aufbau der Cinémathèque tatsächlich mithalten, so gut was die Arbeit als auch die finanzielle Unterstützung betrifft. Wir stehen der Kinothek also durchwegs positiv gegenüber, und wenn es einige Reibungen gegeben hat, dann sicherlich nicht, weil wir der Cinémathèque böse gesinnt waren. Doch sowieso scheinen alle diese Probleme, dank dem Entgegenkommen der Stadtverwaltung, mehr oder weniger gelöst zu sein.

Frage: Wie verhält es sich denn zwischen Ihnen und den Kinobesitzern? Da scheint es ja allerhand an Kollaboration zu geben.

CC80 : Sicher. Denn wenn es einmal keine Kinos mehr hierzulande gibt, dann werden auch die Cinéclubs sich mehr oder weniger erübrigen. Und da wir uns ja nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu den Kinos verstanden sehen wollen, war es die natürlichste Sache der Welt, daß wir probierten, mit unsern beschränkten Mitteln, den Kinos dort zu helfen, wo wir es konnten, nämlich über den Weg der Promotion. So haben wir neben dem 2. Filmfestival auch einige Spezialvorstellungen und Avant-Premières mit den Kinodirektoren zusammen organisiert, die alle großen Erfolg hatten. Und wir glauben über den Impakt des Festivals brauchen wir nicht mehr viele Worte zu verlieren. Interessant ist nur noch drauf hinzuweisen, daß der CC80 vom Kulturministerium den Auftrag erhielt eine Studie über eine ständige Festivalskommission abzugeben, was auch geschehen ist. Diese Kommission wurde nun in Zusammenarbeit mit den Presseorganen,

mit RTL und natürlich dem Kulturministerium und der Stadt Luxemburg im letzten Monat gegründet, und hat ihre Arbeit schon aufgenommen. Das nächste Festival findet im Januar statt, und zwar im Europe und Marivaux.

Frage: Um abzuschließen, wie sieht es in nächster Zukunft mit dem Cinéclub 80 aus? Bleiben die aktuellen Schwerpunkte bestehen?

CC80 : Wir sehen auch weiterhin keinen Grund, unsere Schwerpunkte zu verlagern. Der Hauptimpakt in unserer Programmation besteht weiterhin aus der Vorstellung von Filmen, die sonst wohl nicht nach Luxemburg gekommen wären. Daneben gibt es auch wieder einige Reprisen von rezenten Klassikern, sowie einige experimentelle, schwierigere Filme, die wir zur Diskussion stellen. Auch die Kinderfilmarbeit wird weiter ausgebaut werden, in Zusammenarbeit mit einem Kinobesitzer werden wir auch den jungen französischen Film in einer Woche vorstellen. Und eigentliches Kernstück werden neben den Weekends, eine Retrospektive mit polnischen Filmen sowie ein Programm über Filmmusik sein, zu dem wir hoffentlich die Mitarbeit eines sehr berühmten französischen Komponisten und Oscarpreisträgers erhalten werden. Und im Komitee des Filmfestivals werden wir selbstverständlich auch tatkräftig mithelfen.

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