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Als ich gefragt wurde, einen Artikel für die Broschüre der Adoptiveltern zu schreiben, nahm ich natürlich sofort an, aber dann dauerte es lange bis ich etwas produzierte. Warum?
Das Problem der unfreiwilligen Kinderlosigkeit ist so tiefgreifend für die Betroffenen, dass man sich bewusst sein muss, dass man bei den Nichtbetroffenen auf Unverständnis im besten Falle, auf fanatische Ablehnung im schlimmsten Falle stossen kann. Andererseits weiss ich wie schmerzlich das Problem für die Betroffenen ist und wie leicht man sie empfindlich treffen kann.
In einem ersten Artikel hatte ich im "Corps médical" auf die praktischen Probleme hingewiesen die man lösen müsste, wenn man eine anonyme Geburt zu betreuen hatte. Streichen wir hier nochmals den Mut und Fortschrittswillen der Minister Berg und Robert Krieps hervor sowie die vernünftigen Begründungen der Magistraten, ohne die das Gesetz über die anonyme Entbindung bis jetzt noch nicht verwirklicht worden wäre. Ich wies im Artikel darauf hin, dass man die junge ledige Mutter mit Verständnis und Diskretion behandeln sollte. Man sollte mit allen Mitteln sie vor Schuldgefühlen bewahren indem man ihr erklärte, dass sie ihrem Kind durch die Freigabe zur Adoption die besten Entwicklungsmöglichkeiten gäbe. Es sollte verhindert werden, dass die Gebärende sich durch den Anblick und das Anhören ihres Kindes Bilder schaffe die sie noch schwerer zu vergessen habe. Darum unter Allgemeinnarkose entbinden. Hart aber vernünftig.
So kamen bei mir 38 Kinder zur Welt. Anfangs illegal, aber durch vernünftige Magistraten geduldet (nach ihrem ersten Schreck) sowie durch ein paar kalte Paragraphenmenschen (keine Namen) kritisiert.
In den letzten 2 Jahren ging die Zahl der anonymen Entbindungen zurück. Ich führe das auf die Mentalität zurück, die durch die Liberalisation der Abtreibung in Frankreich und besonders Holland hervorgerufen wurde. Das hiesige Gesetz hat praktisch keinen Einfluss. Die Frauen fahren weiter nach Holland.
Die Warteliste wird immer länger, um ein Kind zu adoptieren. Aus diesem Grunde schauen viele kinderlose Paare mit Hoffnung auf die Wissenschaft.
Welche Möglichkeiten haben wir? Ich will jetzt keine wissenschaftliche Abhandlung von mir geben. Aus England kamen Nachrichten über Retortenbabys. In diesen Fällen handelte es sich um einen Eileiterverschluss. Durch eine Bauchspiegelung wurde ein Ei abgesaugt und dann in einer Retorte durch den Samen des Mannes befruchtet, um nach einem kurzen Reifungsprozess in die Gebärmutter der Frau implantiert zu werden. Dass dies gelang, muss man begrüssen. Dass verschiedene Stimmen laut wurden, um das zu verurteilen, kann nur durch den Unverstand oder die grundsätzliche anti-wissenschaftliche Haltung verkappter Ayatollahs erklärt werden. Ich glaube, es ist ein fundamentales Recht Kinder zu bekommen. Und dieses fundamentale Recht soll nicht durch kleinliche Auslegung grosser Prinzipien, die nur für die Allgemeinheit gemacht wurden, in Frage gestellt werden. Derjenige, der das Glück hat, eigene Kinder bekommen zu haben, soll sich gefälligst eines Urteils enthalten, und noch mehr diejenigen, die keine Kinder wollen.
Dann muss man die Fälle betrachten, wo die Ursache der Sterilität beim Manne liegt. Verschiedene sprechen von Schuld. Das ist Unsinn, ob es sich um den Mann oder die Frau handelt. Hier stellen sich einfachere medizinische, aber schwere moralische Probleme. Für die künstliche Befruchtung ist es gut ins Ausland, in grosse spezialisierte Kliniken zu gehen, wo die Anonymität sowie die Qualität garantiert werden können. Was hier die moralischen und psychologischen Probleme betrifft, glaube ich mit Gelassenheit wiederholen zu müssen, dass das eine sehr persönliche Frage ist, die diese schwer leidenden Paare zu lösen haben werden. Eine Einmischung oder ein Urteil Nichtbetroffener ist eine Anmassung.
Die kinderlosen Paare müssen je nach ihrem Fall an eine dieser Möglichkeiten denken. Es kann, ausser der Möglichkeit ein Kind aus einem unterentwickelten Land zu adoptieren, ihre einzige Chance sein.
Jede anonyme Geburt ist ein Einzelfall, ein Schicksal; jedes kinderlose Paar ist ein Einzelfall, ein Schicksal; darüber zu schreiben ist schwer.
Pierre Weyler
(Dieser Bericht wurde aus der Broschüre der A.L.P.A "L’adoption au Grand-Duché de Luxembourg" entnommen)
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