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Ist es das Durchnehmen von möglichst vielen Arbeitsblättern mit Lückentexten, Seriensätzen, grammatischen Übungen und Rechtschreibübungen? Ist es das sture, monotone Üben von französischen Verben? Ist es das Auswendiglernen von Vokabeln? Wohl kaum! Sicher, man kommt an den Büffel- und Exerziermethoden nicht vorbei. Aber sie sollten doch auf das wirklich Notwendige beschränkt bleiben. Denn bei diesen Methoden scheint mir der Lehrer der einzige zu sein, der wirklich aktiv ist. Genau das Gegenteil aber müsste doch der Fall sein. Schulische Erziehung sollte doch Erziehung zur Aktivität sein. Der Schüler, nicht nur der Lehrer, soll aktiv werden. Er soll lernen, sich selbständig Wissen zu erarbeiten. Er soll lernen, wie man ein Problem angeht und wie man es aus eigenen Kräften löst. Er soll lernen zu lernen. Selbständige Schwierigkeitsbewältigung könnte man es auch nennen.
Was bedeutet das nun in der Praxis? Wie kann man den Schüler zu mehr Aktivität bewegen? Wie kann man in ihm wahres Interesse an der Sache und nicht nur an den Punkten wecken? In der Folge will ich aus meiner persönlichen Erfahrung berichten, um nicht wieder ins Theoretisieren zu verfallen.
In meiner Klasse dürfen die Schüler zu jeder Zeit freie Aufsätze, das heisst Aufsätze ihrer Wahl abgeben. So erzählen sie von einem Besuch in den Grottes de Han, von ihrer Party, von ihren Ferien usw. Diese Aufsätze werden von mir verbessert und dann von Schüler vorgelesen. Die Klasse darf an-
anschliessend alle möglichen Fragen zu dem Aufsatz stellen. So können wirklich gelungene Stunden entstehen.
Manchmal wird der Aufsatz gemeinsam mit der Klasse verbessert, oder aber eine Gruppe von vier Schülern geht zusammen mit dem Autor den Aufsatz noch einmal durch. Die so durchgenommenen Aufsätze kommen dann mit Illustrationen in die Schülerzeitung. Die Schülerzeitung ist eine enorme Motivation, um aktiv zu werden. Selbst schwache Schüler wollen zu Worte kommen.
In die Schülerzeitung kommen ausserdem Berichte, welche die Schüler anfertigen. Die Themen der Berichte werden zum Teil von den Schülern gewählt, zum Teil aber auch aufgegeben. Beispiele: -Der Eichelhäher -Das Mauswiesel -Die Kopfweide -Die Wikinger -Das Weltall -Island
Bei der Anfertigung von Berichten muss man anfangs bei der Dokumentation, bei der Einteilung, bei dem Setzen von Schwerpunkten öfters helfend eingreifen. Diese Hilfe wird mit der wachsenden Erfahrung des Schülers aber immer weniger notwendig. Diese Berichte werden natürlich auch vorgetragen. Dabei brauchen sie durchwegs nicht in der Luft zu hängen.
Beispiel: Am Anfang des Jahres nahmen wir in der Klasse einen Text über den Habicht durch. Unter den Beutetieren des Habichts befindet sich der Eichelhäher. Zufällig besass ein Junge einen ausgestopften Eichelhäher, den er mitbringen durfte. Was lag näher als einen Bericht über den Eichelhäher zu schreiben?
Weiter eignen sich für die Schülerzeitung, Aufsätze über etwas, was die Klasse zusammen erlebt hat (Compte-rendu könnte man es auch nennen). Bsp. La cueillette des pommes
Wir besuchen die Wetterstation auf Findel
In Schrassig
Wir schneiden eine Kopfweide Unterwegs
Kanner erliewen d’Fréijöer
Wie man anhand dieser Beispiele ersehen kann, wird der Klassenraum des öfteren verlassen.
In der Tat lässt sich ein fliegender, lebender Eichelhäher, eine Kopfweide, auf die man klettern kann, eine Erforschungsreise entlang der schwarzen Ernz bis zur Quelle nur begrenzt durch Karten, Dias und Filme ersetzen. Diese Ausbrüche in die Realität lassen sich dann auf vielerlei Art im Schulbetrieb verwerten.
Nehmen wir als Beispiel den Themenkreis Kopfweide. Wie schon gesagt, werden darüber Aufsätze und Berichte geschrieben. Im Basteln stellt man eine Niströhre für Steinkäufe her. Im Zeichnen malt man Kopfweiden. Im Rechnen kann man Aufgaben erfinden über das Holz, das man beim Schneiden erhält (Wert; Rauminhalt usw.). In der Geographie werden die Kopfweiden der Gemeinde in eine Karte eingetragen. Sogar im Französischen lassen sich
„Sicher, Herr Kollege, er hat ungewöhnliche Methoden — aber die Kinder mögen ihn“
Uebungen, die sich auf die Kopfweide beziehen, erfinden.
Fächerübergreifende Projektarbeiten nennt man ein solches Übergreifen eines Themas auf möglichst viele Fächer.
Eine weitere Möglichkeit, die Aktivität der Schüler zu fördern wäre das Anfertigen einer Schulsammlung. Bsp: getrocknete Blätter der einheimischen Bäume Zeitungsausschnitte zu einem Thema
In dieselbe Richtung geht das Organisieren von Ausstellungen. So zeigten wir letztes Jahr in der Maison d’Education de Schrassig das, was wir im Laufe des Jahres gebastelt hatten, die Wandzeitungen (Plakate), die wir zu einigen Themen angefertigt hatten, unsere Schülerzeitung. Ausserdem trugen wir einige Lieder vor.
Vielleicht könnte man sogar die strengere Klausur unserer Klassensäle etwas lockern. So könnten Eltern mit den Kindern weben
oder musizieren, wenn der Lehrer keine besondere Begabung auf diesem Gebiete hat.
Andere Möglichkeiten, in denen ich aber keine persönlichen Erfahrungen besitze, wären etwa der Briefverkehr zwischen zwei Klassen, Theatervorstellungen usw.
Es soll aber nicht der Eindruck entstehen, ich würde in meiner Klasse nur mehr nach diesen Methoden arbeiten. Auch ich komme an Diktaten, aufgegebenen Aufsätzen und Vokabeln nicht vorbei: Nur allzu oft habe ich den Eindruck, als habe das Programm mich wieder fest im Griff.
Ausserdem muss ich darauf hinweisen, dass diese Methoden nicht von heute und gestern sind. Die Schülerzeitung "La Source" aus Rosport besteht schon seit 20 Jahren. Ich bin mir also durchaus bewusst, dass nichts Neues eingeführt werden soll. Ich wollte hier nur dem Nichtfachmann zeigen, was man unter kindgerechterem Unterricht verstehen könnte.
Georges
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