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Es ist das gute Recht eines jeden, jede beliebige Fremdsprache zu erlernen und zu sprechen. Es war und bleibt das Recht der Luxemburger Oberschicht zu glauben, sie könnte sich am besten in der französischen Sprache ausdrücken. Nur – die Oberschicht ist die Oberschicht, die ‚Elite‘, die Minorität, die das ‚Wort ergreift‘, die das Sagen hat, die ihre Vorstellungen zur allgemeingültigen Regel macht.
So war und bleibt die Beherrschung des Französischen ein Element im Selbstverständnis des rechten Luxemburger Bürgers. Mit Hilfe des Französischen hebt sich die luxemburgische Oberschicht vom ‚ungebildeten‘ Volk ab.
Die Schule ist die Institution, welche die Menschen unwiderruflich einteilt in Berufene und Verwerfene. Sie ist der Tempel der herrschenden Kultur: es gilt der erste, der stärkste zu sein, nach dem Vorbild der Herrschenden. Hier beginnt der tolle Wettlauf, ein ungleich begonnener Wettlauf, ein mörderischer Wettlauf. Ziel sind nicht Kenntnisse, sondern ‚mehr‘ Kenntnisse. Die Öffnung hin zur Kreativität, die originelle, jedoch nicht messbare Leistungen hervorbringen würde, passt nicht in dieses Konzept.
Zwei Sprachen sind mehr als eine. Die Frage jedoch, ob zwei mangelhaft beherrschte
Sprachen nicht weniger sind als eine, beherrschte, wird nicht gestellt. Bedenkenlos wird der Mehrheit des Volkes die Möglichkeit genommen, eine Sprache, ihre Sprache zu haben. Wird dieser wahrlich katastrophale Zustand nicht implizit zugegeben, wenn als Rechtfertigung der Zweisprachigkeit der Vorteil ‚unserer‘ Studenten auf den ausländischen Hochschulen bemüht werden muss?
Nun, solche Fragen zu stellen ist müßig. Längst definieren sich die Luxemburger als zweisprachig. Heute kann man ohne Widerspruch behaupten: ‚…c’est cela qui nous distingue des Allemands, que tous les Luxembourgeois écrivent, parlent et comprennent le français!‘ (F. Hoffmann, LW 18.3.80) Eine völlig unseriöse, lächerliche Behauptung! Doch einer von der Kultur hat gesprochen: Manche glauben es dann selbst, andere bekommen ein schlechtes Gewissen, sie sind Unfähige, sie sind keine vollwertigen Luxemburger.
Der Oberschicht unsere Zweisprachigkeit ankreiden als teufelisches Mittel zur Herrschaft, ist das nicht doch zu simpel? Da gibt es ja offensichtlich historische, politische, wirtschaftliche Ursachen. Luxemburg, ein Staat, der nur bestehen kann dank einer sprachlichen Heimatlosigkeit! Ein rätselhafter Zustand, zu dessen Notwendigkeit zwingende Beweise fehlen.
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In allen Fällen jedoch wird die Sprache ihrem Zweck entfremdet, pervertiert. Sie ist nicht mehr vorrangig da, um gesprochen zu werden.
Der Verdacht, dass die alleinige Oberschicht die Zweisprachigkeit diktiert, wird bestärkt, wenn wir uns den Menschen zuwenden, die von Luxemburg importiert, sich in Luxemburg niedergelassen haben.
Diese Einwanderer bilden das Proletariat von heute. Sie leben in einer Situation der Apartheid, einer Apartheid, die sich von der Südafrikas nur dadurch unterscheidet, dass sie in Luxemburg nicht als solche gesetzlich festgelegt ist.
Doch wir Luxemburger, wir haben uns ja auch geplagt, wir haben unsern Wohlstand geschaffen! Die Ausländer können sich ja auch emporarbeiten! Integrieren sollen sie sich!
Gemeint ist eine Integration durch Assimilation, durch Unterwerfung. Die Einwanderer sollen ihre Eigenart so gut wie vollständig aufgeben und sich den Alteingesessenen anpassen, deren soziale Kontrolle anzuerkennen ist, während die Alteingesessenen unverändert bleiben.
Das heisst unter anderem, dass die Einwanderer aus dem romanischen Sprachraum gezwungen werden, die deutsche Sprache zu erlernen. Eine Sprache also, die offiziell auf der Abschussliste steht.
Wenn es gilt, Privilegien zu verteidigen, sind alle Mittel gut. Denn bei einer nicht-
eingleisigen Integration geht es nicht vorrangig um die Sprache. Sie ist nur ein Vorwand, der Aufhänger für die Diskriminierung und die Zuweisung eines besonders niedrigen sozialen Ranges. Leute, die sich wegen ihrer sozialen Stellung gegenseitig verachten, haben sich sowieso nichts zu sagen. Es geht vielmehr darum, wie der Zugang zu den relevanten Statusdimensionen (Beruf, Bildung, Wohnung) geregelt ist. Die Segregation, von der die Schwarzen in den USA betroffen sind, beweist dies, hier besteht kein Sprachunterschied. Die Unbeliebtheit der "Eurokraten", selbst wenn sie eine unserer Sprachen sprechen, legt dieselbe Schlussfolgerung nahe.
Perversion der Sprache! Sie wird Mittel zur Unterdrückung.
Vielleicht ist das von den Herrschenden alles nicht so gewollt – von den Unterdrückten wird es so erlebt. Der Reiche sieht nicht durch seinen Fettpanzer hindurch. Er sieht nicht das Elend der Kinder, die in der Schule nur Zuschauer, Unfähige, Verworkung sind. Er sieht nicht den Groll der Unterdrückten, die gezwungen werden, die Sprache ihrer Herren zu sprechen. Er sieht nicht die Verzweiflung der Heimatlosen. Er sieht nicht den Hass, der sich aufstaut.
Für wann das Recht auf Eigenständigkeit in gegenseitiger Achtung, Partnerschaft? Werden die Herrschenden noch 1000 Jahre herrschen? Jean Dumont
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