Der katholische Mauerbau

Zum Ergebnis der 5. Bischofssynode über die Familie (Editorial)

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(…) Was bisher schon aus der Presse entnommen werden kann, ist deprimierend und lässt eine lange Periode katholischer Restauration zur Gewissheit werden.

Für das Problemfeld "Ehe und Familie" werden die Katholiken der Welt mit Wegweisungen bedacht, die an jeder Realität vorbeigehen:

*Sexualität und geschlechtliche Liebe darf es nur innerhalb der kirchenrechtlich einwandfrei geschlossenen Ehe geben, und auch hier wahrscheinlich nur – wenn man die Worte des Papstes über den innerehelichen Ehebruch berücksichtigt – bei weitgehender Ausschaltung sexueller Motive.

  • Jede differenzierte Behandlung der sittlichen Qualität (kirchenrechtlich) ausserehelicher Geschlechtlichkeit wird abgelehnt. Weder konnten afrikanische Bischöfe eine milde Beurteilung dort üblicher vorehelicher Gemeinsamkeit späterer Ehepartner erreichen, noch wurden westliche Gedanken über eine sukzessive Eheschliessung -falls sie überhaupt eingebracht wurden- zugelassen. Junge Menschen mit fester Partnerbindung, ja selbst Verlobte sehen ihre ersten, von ihnen als beglückend und zur Ehe hinführend erfahrenen geschlechtlichen Gemeinsamkeiten weiterhin nicht viel besser qualifiziert als einen Bordellbesuch; von den Problemen "sexueller Minderheiten" (den unfreiwillig Unverheirateten, den Homosexuellen, den Behinderten) ganz zu schweigen.

  • Das immer drängender werdende Problem der Pastoral geschiedener Wiederverheirateter wird gemäss alter Tradition, man kann es nicht anders sagen, brutal und ohne jede christliche Barmherzigkeit "gelöst": Am sakramentalen Leben der Kirche (vor allem Beichte und Kommunion) dürfen sie nur teilnehmen, wenn "sie ganz in der Enthaltsamkeit leben, das heisst, dass sie sich der eigentlichen Akte der Eheleute enthalten". Es lebe das Gesetz, der Mensch mag zugrunde gehen. Man möchte den Pfarrer sehen, der solches nicht nur vom Postament der Kanzel, sondern den Betroffenen ins Angesicht zu sagen wägt.(…)

Eine interessante Frage taucht allerdings auf: Wer kontrolliert die Einhaltung dieser Regel? Oder glaubt man den Eheleuten einfach? Heisst das dann, dass jeder Wiederverheiratete, der zur Kommunionbank geht,

Der nebenstehende Artikel ist das Editorial der Zeitschrift "imprimatur" (Nr. 7/ 12.11. 1980 /13 Jg.).

Das in Trier erscheinende "imprimatur" ist sicher eine der kritischsten Zeitschriften aus dem deutschen Raum mit Nachrichten und Meinungen zu Theologie und Kirche. Neben der kritischen Einstellung seien aber auch ausdrücklich die sorgfältigen Serien mit theologischer Information (z.B. über Islam, über Paulus usw.) hervorgehoben, die jeweils die neuesten Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung für den Praktiker (Pfarrer, Lehrer, u.ä.) sachgerecht verarbeiten. "imprimatur" enthält ausserdem jeweils die "SOG-Papiere", das Informationsblatt der Arbeitsgemeinschaft von Priester-und Solidaritätsgruppen in der BRD.

Adresse: AK imprimatur, Ludwig-Simonstrasse 26, D-55-Trier; Konto-Nr. 486787 bei der Kreissparkasse Saarbrücken; Abonnement: 24 DM

mit diesem Gang ein öffentliches Bekenntnis über seine eheliche Enthaltsamkeit ablegt? Wie wird das sein – möglicherweise bekenntnisverschiedener- Ehepartner aufnehmen? Das sogenannte Intimleben als öffentliche Angelegenheit, ein herrlicher Diskussionsgegenstand für fromme Christen der Pfarrei?

  • Humanae vitae und das in dieser Enzyklika eingeschärfte Verbot einer künstlichen Geburtenregelung sind aus aller bischöflichen Bedenklichkeit und allem päpstlichen Selbstzweifel herausgewachsen. Der Papst hält die von seinem Vorgänger unter quälenden Ueberlegungen publizierte Enzyklika für ein ‚prophetisches‘ Wort; die Bischöfe, wenigstens die vor Jahren in dieser Frage noch sehr differenzierten deutschen Bischöfe, akzeptieren sie ohne Wenn und Aber. Sollte es noch irgendwo bischöfliche Abweichler geben, sie werden bald die Altersgrenze erreicht haben und durch bessere ersetzt werden. Modell: von Döpfner zu Ratzinger und Höffner, von Bischof Stein (Trier) zu …?

Sollte de Synode darüberhinaus auch Erwägungswertes gesagt haben, etwa zum Schutz der Familie, zur Würde der Frau und der Kinder, es wird verdeckt bleiben hinter dem Aergernis und kein Gehör finden. Zudem scheint es, dass selbst diese Aspekte in einer Sprache formuliert sind, die ein Verständnis erschwert. Wenn z.B. hervorgehoben werden sollte, dass die Frau auch in der Ehe nicht zum blossen Sexualobjekt werden darf und auch dort frei und selbstbestimmend bleibt: Warum muss dann von ‚Ehebruch in der Ehe‘ u.ä. geredet werden? Eine solche Sprache ist ähnlich lächerlich wie die von den ‚eigentlichen Akten der Eheleute‘.

Das Ergebnis der Synode? Die oberste Amtskirche

schliesst sich fest und eng zusammen, keinerlei Fragen und Zweifel und weltliche Realität werden noch zugelassen. Eine Mauer wird errichtet, eine feste Burg gebaut, das Gesetz als Schutzwall hingestellt. Aber die normalen Christen, die Seelsorger, die Theologen bleiben, wenn sie nicht vieles, was sie für richtig halten, über Bord werfen, draussen. Die Synode hat auf eine missionarische Vermittlung verzichtet, sie verteidigt nur noch den status quo ante. Die Christen müssen selbst sehen, welchen Weg sie gehen; das Kirchenamt entfunktionalisiert sich selbst.

Die Menschen brauchen heute eine klare Führung, die Amtskirche habe -wie Jesus- den Mut zu Unpopularität, wird eingewandt. Ja, hätten sie den Mut ihres Meisters, gegen die immer neue Vergewaltigung der Menschenwürde, auch in der Frage des sexuellen Verhaltens im weitesten Sinn, gegen seine Handhabung nur als Fall eines Gesetzes zu protestieren, wie Jesus für Barmherzigkeit und siebenmalsiebzigmal Verzeihen einzutreten- gegen alle Bedenklichkeit der Ideologen-, dann würde man sie hören. Dann könnten Menschen, die wahrhaftig genug in gesellschaftliche Zwänge und auch eigene Defizienzen verstrickt sind (niemand will ja hören, es gebe keine Schuld mehr), eine kleine Hoffnung, einen kleinen Trost finden.

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