Mitverantwortung der Laien

Nur ein Schlagwort?

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Nur ein Schlagwort?

Mitverantwortung der Laien

Zur Vorbereitung ihres 1982 stattfindenden ‚Forum Européen des Laïcs‘ über die Verantwortung des christlichen Laien in einer säkularisierten Welt hatten die dem Weltrat der Laien nahestehenden Organisatoren schon 1980 einen Fragebogen an die Laienräte oder ähnliche Institutionen der nationalen Kirche versandt. Da es noch keinen Pastoralrat in Luxemburg gab, sollte die ‚Conférence des Mouvements Catholiques Luxembourgeois‘ im Namen der Luxemburger Laien in der katholischen Kirche darauf antworten. Kann man deren Repräsentativität für die katholischen Laien des Landes schon stark anzweifeln, so darf man noch erstaunter darüber sein, dass dieses Gremium den Generalvikar der Diözese, M. Schiltz, mit der Beantwortung des Fragebogens beauftragte!

Diese Antwort, die am 19.1.1981 vom Generalvikar unterzeichnet wurde, galt bis Ende 1981 als Geheimsache, wurde dann aber an die Laienverbände verschickt und so erhielt nun auch ‚forum‘ ein Exemplar zugespielt. Wir möchten hier kurz einige Auszüge dokumentieren und kommentieren.

Eingangs bedauert der Generalvikar die andauernde Passivität der Laien: ‚Nous sommes loin d’un éveil général du peuple de Dieu au sens de ses responsabilités. Nos fidèles ont été trop longtemps habitués à la passivité pour que la cores-

coresponsabilité de tous puisse se réaliser en un tour de main‘.*

Inzwischen hat der Bischof selbst in seinem Hirtenbrief über den akuten Priestermangel vom 1.1.1982 (vgl. LW,16.u.23.1.1982) dieselbe Feststellung gemacht und zur Mitverantwortung der gesamten Gemeinde aufgerufen. Konkret wird aber nur ein Schnellkursus zur Ausbildung von Gottesdiensthelfern organisiert, um in Abwesenheit des Priesters religiöse Sonntagsfeiern durchführen zu können. Die Chancen scheinen klein, dass die Gemeinden zur Verantwortung erwachen, wenn man wie in diesem Hirtenschreiben am traditionellen, hierarchischen, zölibatären Priesterbild festhält, die Gottesdiensthelfer also trotz aller Beteuerungen nur eine Notlösung bleiben. Immer noch geht man davon aus, dass die Kirche lies: der Bischof, die Priester für die Laien sorgen müssen, ihnen Gottesdienst sichern, statt auf die Laien zu hören, mit ihnen zu überlegen, wie man als christliche Gemeinschaft im 20. Jh. Jesus Christus nachfolgen und sein Gedächtnis feiern, seine Frohbotschaft verkünden könnte!

Der Generalvikar fährt in seiner Antwort fort und stellt fest, dass die meisten Laienorganisationen das innere Kirchenleben zum Objekt haben, nicht aber die Gestaltung der (profanen) Gesellschaft nach christlichen Regeln. Insbesondere sei daher

VOYAGES PONTIFICAUX S.A.

Au Vatican, on feint souvent d’être choqué par les comparaisons, chez les journalistes, du pontificat de Jean-Paul II avec le monde du spectacle, telles « Jean-Paul II superstar » ou le « show Wojtyla ». Mais qui tire le maximum de profit commercial des déplacements pontificaux ?

La télévision britannique vient de le découvrir à ses dépens : le Times de Londres révèle, en effet, que le Vatican veut obtenir l’exclusivité de la production et de la commercialisation de la bande vidéo sur la visite du pape en Grande-Bretagne, au mois de mai prochain.

Les prétentions du Vatican, en ce domaine, ont « étonné les professionnels britanniques » des chaînes de télévision publique (B.B.C.) et privée (I.T.V.), ajoute le quotidien londonien. La stratégie commerciale a été mise au point par la société « Papal Visits Limited » (Voyages pontificaux S.A.), créée par l’Église pour assurer la promotion de la visite, et qui entend produire la seule bande vidéo de cet événement, en collaboration avec une société de conseil, « International Management Group », qui organise les tournées de célébrités du spectacle ou du monde du sport, tel le boxeur Mohamed Ali.

Déjà, lors des précédents

voyages de Jean-Paul II, des photographes avaient été choqués par les faveurs accordées à leur confrère du Vatican, qui a eu l’exclusivité de certaines prises de vues, et par les conditions de vente de photographies du pape à certaines revues.

L’Évangile dit qu’il faut choisir entre Dieu et Mammon. Tout au long de l’histoire de l’humanité, la religion et l’argent ont, pourtant, fait bon ménage. On a souvent souligné, à juste titre, la haute valeur spirituelle des voyages pontificaux. Mais en faire commerce avec un tel acharnement, n’est-ce pas inventer une forme moderne de simonie ?

ALAIN WOODROW,
in Le Monde, 22/1/1982

der Rückgang der ‚Katholischen Aktion‘ zu bedauern.

Interessant sind die anschliessenden Überlegungen, die wörtlich zitiert seien: ‚Il reste néanmoins que de nombreux chrétiens sont engagés dans les syndicats et organisations professionnelles ainsi que dans les partis politiques.

Ces formations ont un programme à base chrétienne. Mais ce n’est que trop sporadiquement et ponctuellement que se manifeste la préoccupation d’imprégner la société de valeurs chrétiennes. Les interventions allant dans ce sens ont souvent un caractère défensif. A l’intérieur d’une société libérale, voire permissive, dont on semble avoir pris son parti jusqu’à un certain degré (cf. le libéralisme diffus de toute société occidentale) on se contente trop de sauvegarder des espaces de liberté (souvent très formelle) pour l’action de l’Eglise et d’opposer des concepts conservateurs au lieu de développer une dynamique de transformation sociale fondée sur les valeurs de vérité, de justice, de liberté (authentique) et de paix. Ce qui fait surtout défaut, c’est un projet de société.‘

Eine so klare Schelte der CSV, LCGB u.ä. haben wir schon lange nicht mehr aus kirchlicher Feder gelesen. Der Generalvikar ist sicher für diese Klarsicht zu beglückwünschen. Er hätte noch hinzufügen können, dass durch die Usurpation des C so der Glaube für viele Zeitgenossen mit einer konservativen Ideologie identifiziert wird und die Kirche in ihrer Verkündigung der Befreiungsbotschaft Christi somit gehemmt wird.(1)

Andererseits sollte man aber nicht übersehen, dass der Generalvikar dem traditionellen Schema einer christlichen Partei verhaftet bleibt: Er bejaht implizit ihre Existenz, möchte sie nur offensiver christliche Werte in die gesellschaftliche Diskussion einbringen sehen.

Diese Sicht des parteipolitischen Engagements von Christen – dass sie nur frommer Wunsch bleiben kann, dürften doch die letzten drei Jahrzehnte deutlich gezeigt haben – geht noch aus einer andern Stelle seines Textes hervor. Während er wie

oben gesehen das mangelnde Engagement von christlichen Gruppen in gesellschaftlichen Fragen bedauert, schreibt der Generalvikar etwas später, es gebe auch Basisgemeinden, sie leben aber ‚la plupart du temps (…) en marge de l’Eglise officielle et institutionnelle (…) Il n’y a pas, à vrai dire, de coupure et d’opposition ouverte, mais on s’ignore mutuellement‘. Ob dieses Ignorieren wirklich gegenseitig ist? Sowohl zur Zeit der ‚Jugendpor‘ als nun als ‚forum‘-Redaktion haben wir z.B. immer den Kontakt mit unserm Bischof gesucht. Dafür gibt es zahlreiche Zeugnisse. Selten, um nicht zu sagen nie, hatten wir aber den Eindruck, dass von Seiten der Diözesanleitung ein eigenständiges Interesse an unserm Engagement für die christliche Sache bestand/besteht. Und unser Beispiel steht nicht allein.

Der Generalvikar liefert aber sofort die Erklärung für dieses mangelnde Interesse (seinerseits): ‚A noter que certains de ces groupes sont teintés d’une idéologie de gauche‘. Sobald also Christen ausserhalb der traditionellen – von Herrn Schiltz als zu konservativ bezeichneten – christlichen Partei politisch aktiv werden, wird ihnen Linkslastigkeit vorgeworfen. Wo denn nun der authentische Weg politisch aktiver Laien entlanggehen soll, bestimmt somit wohl letztendlich er.

Wer spricht da noch von Eigenverantwortung der Laien? Der Generalvikar hat jedenfalls das Thema des Fragebogens verpasst.

(1) Dies muss auch Hd. erkannt haben: In einem Leitartikel vom 23.1.82 im L.W. stellt er fest, die Jugend lehne die vorherrschende materialistische Lebensauffassung ab, gleichzeitig kehre sie aber der Kirche, die sonder Zweifel ebenfalls den Materialismus und Egoismus unserer Zeit anprangere und wie die Jugend für die sog. Grundwerte des Lebens eintrete, ab. Statt nun aber nach Ursachen für dieses ‚Missverständnis‘ (Hd.) zu suchen – z.B. in der oben genannten Verquickung von christlicher Heilsbotschaft und konservativer Politik – unterstellt er lieber der Jugend, es sei ihr wohl doch nicht so ernst gemeint mit der Ablehnung des Materialismus.

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