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Das Wort ‚alternativ‘ ist in: darum haben wir es in die Überschrift gesetzt. Das arme Wort wird viel malträtiert. Man begegnet ihm auf Schritt und Tritt und jedesmal hat es einen andern Partner. Es geht oft fremd – wie man heute sagt. Ob es in Verbindung mit ‚Hochzeitsfeier‘ auch fremd geht, das müssen Sie jetzt selbst herausfinden!

Zuerst einige Kleinigkeiten: jeder konnte anziehen, was er wollte, langes Zeug, kurzes Zeug, mit Hut, ohne Hut … freie Bahn für Phantasie.

Zu den – zugegebenerweise ungewohnten – Kleinigkeiten gehörte auch das Essen, aber in einem anderen Sinne, als Sie jetzt vielleicht meinen. Aber zuerst eine Kurzgeschichte dazu; aus China:

Das Hochzeitsgeschenk

Irgendwo sollte eine Hochzeit gefeiert werden. Die Brautleute hatten nicht viel Geld, aber dennoch waren sie der Meinung, dass viele Leute mitfeiern sollten. Geteilte Freude ist doppelte Freude, dachten sie. Es sollte ein grosses Fest werden, beschlossen sie, mit vielen Gästen. Denn warum sollte unsere Freude nicht ansteckend sein? fragten sie sich. Es herrschte unter den Menschen ohnehin mehr Leid als Freude. Also baten sie die Eingeladenen, je eine Flasche Wein mitzubringen. Am Eingang würde ein grosses Fass stehen, in das sie ihren Wein giessen könnten. Und so sollte jeder die Gabe des andern trinken und jeder mit jedem froh sein.

Als nun das Fest eröffnet wurde, liefen die Kellner zu dem Fass und schöpften daraus. Doch wie gross war das Erschrecken aller, als sie merkten, dass es Wasser war. Versteinerst saßen oder standen sie alle da, als ihnen allen bewusst wurde, dass eben jeder gedacht hatte: Die eine Flasche Wasser, die ich hineingiese, wird niemand merken oder schmecken. Nun aber wussten sie, dass jeder so gedacht hatte. Jeder von ihnen hatte gedacht: Heute will ich mal auf Kosten anderer feiern.

Unruhe, Unsicherheit und Scham erfasste sie alle, nicht nur, weil es lediglich Wasser zu trinken gab. Und als um Mitternacht das Flötenspiel verstummte, gingen alle schweigend nach Hause und jeder wusste: Das Fest hatte nicht stattgefunden.

Nun auf der Hochzeitsfeier, von der hier die Rede geht, hat das Fest stattgefunden: ein Teil der Gäste hatte zu Hause die kalten Platten zubereitet, zur Hochzeitsfeier mitgebracht – und alle teilten und wurden satt; sogar noch am darauffolgenden Tag, denn, weil so viel übrigblieb, kamen die meisten tagsdarauf mit Kind und Kegel wieder – und alle teilten und wurden satt.

Soviel zu den sogenannten Kleinigkeiten. Bei dem, was jetzt folgt, handelt es sich nicht mehr um eine Kleinigkeit.

Im Mittelpunkt dieser Hochzeitsfeier standen natürlich die Brautleute, aber nicht als schön gekleidete Marionetten, sondern als Menschen mit einem wohl überlegten Lebenskonzept; mit dieser Lebensauffassung identifizieren sie sich und können darum auch gar

nicht davon absehen, auch nicht an ihrem Hochzeitstag.

Für den ‚Metti van Tratten‘ (1) wird es eine ganz besondere Überraschung und Ermunterung sein, wenn er erfährt, dass in Luxemburg ein Brautpaar auf alle ihm persönlich zugedachten Geschenke verzichtet hat und die vielen Sympathien von Freunden und Bekannten über sich hinaus auf Menschen gelenkt hat, die in ihrem Leben keine Geschenke zu erwarten haben, die arm sind und weit weg, von denen also keine Gegengeschenke zu erwarten sind, sodass ein Geschenk ein Geschenk bleibt.

Ein Geschenk, nicht ein Tauschgeschäft, wie es hierzulande üblich ist: wie du mir, so ich dir. Ganz unerwartet fällt mir dazu ein Satz aus der Bergpredigt ein:

Wie könnt ihr von Gott eine Belohnung erwarten, wenn ihr nur die liebt, die euch auch lieben? Das bringen sogar die gewissenlosesten Menschen fertig. Was ist denn schon Besonderes daran, wenn ihr zu euren Brüdern freundlich seid? Das tun auch die, die Gott nicht kennen.

In dem spontanen Gestus dieser jungen Leute steckt mehr Erwachsenenbildung als in vielen Konferenz- und Diskussionsabenden; in ihm steckt mehr Christentum als in tausend Schubertsch ‚Ave Marias‘. Hier wurde Evangelium gelebt, nicht festlich aufgesagt, und Jesus war nicht der ungebetene Hochzeitsgast, von dem Kurt Marti humorvoll zu berichten weiss:

Der ungebetene Hochzeitsgast.

Die Glocken dröhnen ihren vollsten Ton und Photographen stehen knipsend krumm. Es braust der Hochzeitsmarsch von Mendelssohn. Der Pfarrer kommt! mit ihm das Christentum.

Die Damen knien im Dome schulternacht, noch im Gebet kokett und photogen, indes die Herren, konjunkturbefrackt, diskret auf ihre Armbanduhren sehn.

Sanft wie im Kino surrt die Liturgie zum Fest von Kapital und Eleganz. Nur einer flüstert leise ‚Blasphemie!‘ Der Herr. Allein, Ihm übersieht man ganz.

Während der Hochzeitsfeier hat jeder Gast seine Verbundenheit mit dem Brautpaar und dessen Einstellung zum Leben auf eine symbolische aber ergreifende Art und Weise zum Ausdruck gebracht. Bei der Gabenbereitung haben die Brautleute zwei Kerzen, Symbol ihres Lebens, angezündet und auf den Altar gebracht. Jeder Gast hat ein Ollängschen an diesen Kerzen angezündet und daneben auf den Altar gestellt – ein flammender Altar mit 90 Leuchten, äusseres Zeichen einer festlich feiernden Gemeinschaft, die sich in wesentlichen Dingen einig wusste.

Stangen/
D. Allg.
Sonntag/2013

Als dann der Brief von Metti laut vorgelesen wurde, wusste jeder, was seine brennende Ollampe zu bedeuten hatte: Ich fühle mich glücklich hier zu sein, ein Fest des Lebens mitzufeiern, das Fest von Menschen, die ihre eigenen Lebenschancen nur in Verbindung mit den Lebenschancen anderer Menschen sehen.

Die Feier fand nicht in einer Kirche sondern in einem grossen Saal statt, in dem gebetet und gesungen, gegessen und getrunken, gespielt und getanzt wurde. Im Saal brannten bis in die frühen Morgenstunden die Ollämpchen auf dem Altar.

Dabei muss die Freude, die man dem andern in einem persönlich zugedachten Geschenk machen will, nicht verloren gehen. Am Ende der Messfeier wurde den Brautleuten von Freunden ein handgefertigter Webrahmen überreicht. Alle Gäste zusammen haben während des Abends an einem farbenfrohen Wollteppich gewebt, den die Jungverheirateten mit nach Hause nehmen können. Es ist ein kleines Kunstwerk geworden und wird alle Besucher daran erinnern, dass geteilte Freude doppelte Freude ist.

Von einem, der dabei war.

in: ‚info-aktuell‘ des CCEA

(1) luxbg. Pfarrer in Lima (Peru)

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