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1947 – Vor 35 Jahren beschloss die UNO die Teilung Israels.
1967 – Vor 15 Jahren eroberte Israel die Sinai-Halbinsel, Westjordanien, den Gaza-Streifen und die Golan-Höhen.
1972 – Vor 10 Jahren überfielen palästinensische Terroristen das olympische Dorf in München und ermordeten unschuldige israelische Sportler.
1982 – Im Juni überfiel die israelische Armee den nördlichen Nachbarstaat und besetzte den Südlibanon und die Hauptstadt. Im September überfielen christliche (sic !?) Milizen palästinensische Lager in West-Beyruth und ermordeten unter den wissenden Augen israelischer Soldaten unschuldige Frauen, Kinder, Greise.
Anlässe, den Thema Palästina ein "forum"-Dossier zu widmen, gibt es wahrhaftig genug. Wohl weil das Thema immer aktuell ist -leider-, hat es bisher noch kein solches Dossier gegeben. Wir möchten daher auch nicht auf die jüngste Aktualität und die Geschehnisse im Libanon(1) eingehen, denn beim Erscheinen dieser Nummer sind unsere Informationen möglicherweise schon von neuen Ereignissen überholt worden.
Uns geht es hier vielmehr um die tiefer liegenden Hintergründe dieses Dauerthemas. Es scheint uns, dass die öffentliche Diskussion häufig zu simplistisch geführt wird, die Meinungen zu einfach in eine Pro-PLO- oder eine Pro-Israel-Haltung aufgeteilt werden. Dieses Dossier wird daher in erster Linie informieren, alle Seiten zu Wort kommen lassen, weniger eigene Meinungen und Kommentare vermitteln.
Obschon das Thema die Schlagzeilen der Tagespresse auch in Luxemburg seit Jahren füllt, können wir sie nicht ganz freisprechen von der Schuld an diesem Informationsdefizit. Bei den meisten luxemburgischen Presseorganen (geschriebene und gesprochene Presse) ist die Auslandsberichterstattung ganz einfach zu unterentwickelt, als dass eine nuancierte Meinungsbildung möglich wäre. Im L.W., wo dieser Mangel nicht besteht, ist die Berichterstattung unerlaubt tendenziös. Eine Analyse der blinden Unterstützung der israelischen Politik durch die L.W.-Informatoren würde Seiten füllen; wir haben uns sie erspart. Zwei rezente Beispiele seien aber angeführt: Die Israel-treue des L.W. geht weiter als jene der jüdischen Gemeinde in Luxemburg. Während das jüdische Konsistorium unmissverständlich eine Aufklärung der israelischen Verantwortung bei den Massakern in Sabra und Schatila forderte, ließ ein LW-Leitartikler sich nur dazu her, Israel zu bedauern, dem man diese "tragische Verstrickung"(…) gerne erspart gesehen" hätte. Judenfreundlicher als der Papst ist das sonst so papsttreue L.W. in diesem Falle auch (Übrigens seit Jahren): der Empfang von Yassir Arafat durch Johannes Paul II wurde recht
stiefmütterlich auf Seite 2 erwähnt. Genaueres könnte wohl zur "Verwirrung der Geister" (Hd) beitragen.
Eine ähnliche undifferenzierte Unterstützung für die Sache der PLO lässt sich in gewissen Linkskreisen feststellen, für die palästinensisch gleichbedeutend mit progressistisch zu sein scheint. Da diese Position in der öffentlichen Meinung aber seltener anzutreffen ist, sei hier in erster Linie ein Versuch gemacht, die viel weiter verbreitete blinde Identifikation mit Israel zu erklären (2):
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Viele Europäer empfinden auf Grund der Geschehnisse im Nazi-Deutschland- und wegen des Schweigens der damaligen Zeitgenossen (gerade auch im L.W.) – eine unverarbeitete Schuld gegenüber den Juden, die sie jetzt durch eine übertriebene Judophilie wettmachen wollen. Der Sinn für höherstehende Werte wie das Selbstbestimmungsrecht aller Völker, das Recht aller Völker auf einen Heimatstaat usw. geht dabei verloren.
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Israel wird von den Herrschenden im Westen angesehen als politischer Vorposten in einer angeblich vom "Kommunismus" (als solcher gilt für sie jede revolutionäre Regung, ob marxistischer, nationalistischer oder gar religiöser Prägung), lies der Sowjetunion, bedrohten Umwelt. Israel ist (ausser dem Libanon) der einzige Staat mit einer Demokratie westlichen Musters in jener Weltgegend. (Die jüngste Reaktion der israelischen Öffentlichkeit nach den Massakern in Beyruth hat dies erfreulicherweise bestätigt.) Also wird seinen Herrschern blindlings vertraut.
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Ein genauer Beobachter wird nun allerdings ein steigendes Interesse der westlichen Führungsmacht USA an Ländern wie Ägypten und Saudiarabien
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Was die Israel-treue Linie im L.W. anbelangt, so lässt sie sich wahrscheinlich schon zum grossen Teil dadurch erklären, dass der vormalige Ressortleiter -selbst ein Jude- ein Netz von fast ausschliesslich jüdischen Auslandskorrespondenten aufbaute.
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Über die stategischen Hintergründe dieser Militäraktion: vgl "forum", Nr. 57/3.7.1982, SS. 30-32.
feststellen, das allerdings von der Begin-Regierung offenbar nicht wahrgenommen wird. Auch in Europa und Luxemburg lassen sich namhafte Kommentatoren (Bsp.LW) nicht von den (sicher gemässigten) Rügen von US-Präsident R.Reagan an Begin und Sharon beeindrucken. Selbst die Massenbombardements des Libanons und seiner Hauptstadt (17.000 Tote, 30.000 Verletzte – an einem Tag mehr Tote als die palästinensischen Terroristen seit 1967 insgesamt auf dem Gewissen haben) haben im L.W. (z.B.) kaum zu einer Infragestellung der unbedingten Israeltreue geführt. Neben dem politischen Interesse scheinen hier noch tieferliegende kulturelle Faktoren mitzuspielen: die heutige Kultur Israels ist weitgehend westlich geprägt, im arabischen Umland, und umgekehrt sind die jüdischen Wurzeln der westlichen Kultur nicht zu verleugnen. Nicht zufällig nimmt ja z.B. Israel als einziges nicht-europäisches Land am ‚Grand Prix européen de la Chanson‘ teil. Bei manchen dürfte diese kulturelle Verbundenheit klar antiarabische Züge tragen (als Spätfolgen der misslungenen Kreuzzüge?). Israel spielt insofern die Rolle eines Kristallisationspunktes eines vielleicht unbewussten eurozentristischen Rassismus.
Hatte die israelische Militäraktion unter dem höhnischen Kodenamen ‚Friede für Galiläa‘ die physische Ausschaltung der PLO offiziell zum Ziel, so hat sie de facto eher das Gegenteil bewirkt: Nach heroischem Widerstand militärisch geschlagen geht die PLO als politischer Sieger aus den Kämpfen in West-Beyruth hervor. Selbst Ronald Reagan verurteilt nicht nur die neuen Siedlungspläne der Israeli in Cisjordanien und im Gazastreifen; sein Friedensplan vom 1.9.1982 sieht zwar keinen Palästinenserstaat vor, schliesst ihn aber auch nicht mehr aus.
Auf der politischen Weltbühne sind die Fronten also in Bewegung geraten. Es war noch immer ein Ziel von ‚forum‘, erstarrte Fronten aufzubrechen. In diesem Sinne hoffen wir, mit diesem Dossier, was die Stellungnahmen zum Thema Palästina in der Luxemburger Öffentlichkeit anbelangt, einen Beitrag dazu geleistet zu haben.
Wir stellen unsern Lesern die Haltung der Tel Aviver Regierung vor und jene eines kritischen Juden aus Luxemburg. Beide sind – manche wird’s erstaunen – bei aller Freundschaft für Israel nicht deckungsgleich. Wir lassen auch einen Palästinenser zu Wort kommen und baten eine Luxemburgerin, die über zwanzigmal dort weilte, die Verhältnisse vor Ort zu schildern, aus der Sicht der von den Juden aus ihrer Heimat Vertriebenen. Die Direktorin des UNO-Informationsbüros, Madame Thérèse Gastaut, hat sich selbst
angeboten (sic!), die aktive Rolle der UNO zu schildern, die sich keineswegs auf von den USA verhinderte oder von Israel souverän missachtete Resolutionen beschränkt. Die luxemburgische Aussenministerin Colette Flesch war freundlicherweise bereit, uns in einem eigenen Interview die Haltung unserer Regierung darzustellen. Robert Medernach schliesslich präsentiert die ideologiekritischen Thesen, mit welchen in der sog. ‚undogmatischen Linken‘ die Rolle Israels analysiert wird. Richtig verständlich werden diese oft widersprüchlichen Stellungnahmen aber erst, wenn man einen Überblick über die historische Entwicklung in Nahen Osten hat, mit dem also unser Dossier beginnt.
Die ‚forum‘-Redaktion identifiziert sich mit keiner der im Dossier zum Ausdruck kommenden Stellungnahmen. Sie widersprechen sich ja sowieso. Wir sind jedenfalls der Überzeugung, dass sowohl Israeli wie Palästinenser ein Recht auf einen eigenen Staat haben. Wir glauben auch, dass die Probleme nur im direkten Dialog zwischen israelischer Regierung und der PLO zu lösen sind. Einen eigenen Lösungsvorschlag kann man von der Redaktion in diesem Dossier ja wohl nicht verlangen.
Die hier angebotene Information ist unser Beitrag zum ‚Internationalen Tag der Solidarität mit dem palästinensischen Volk‘, den die UNO seit 1978 jährlich am 29. November feiert. Madame Gastaut bedauerte in einem Gespräch mit der ‚forum‘-Redaktion, dass die Botschaft des UNO-Generalsekretärs zu diesem Tag – im Gegensatz zu andern Botschaften ihres Vorgesetzten – noch nie im L.W. gedruckt wurde.
Unter der Schirmherrschaft des Brüsseler UNO-Informationsbüros feiert das Luxemburger Palästina-Komitee am 4. Dezember 1982 den
UNO-TAG DER SOLIDARITÄT MIT DEM PALÄSTINENSISCHEN VOLK
im Cercle-Gebäude (place d’Armes) in der Hauptstadt. Neben Informationsständen werden UNO-Filme über Palästina gezeigt und es werden Vorträge und Rundtischgespräche stattfinden mit Madame Th.Gastaut, Direktorin des UNO-Informationsbüros für Benelux, sowie Vertretern des palästinensischen Volkes und der PLO.
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