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Wenn auch jährlich Milliarden Bücher auf der Welt gedruckt werden, wenn auch allein in der BRD rund 50 000 verschiedene Titel erscheinen und gar in Luxemburg rund 900 jährlich verlegt werden (1), wenn auch die BRD 1982 z.B. für fast 800 Mio DM Bücher exportierte und für rund 450 Mio. DM importierte (2), muß man dennoch festhalten: "das Buch" steckt in einer Krise. Als allmächtiger Feind gilt vor allem das Fernsehen, aber auch die Preise sind überdurchschnittlich gestiegen.
Diese paar allgemeine Bemerkungen sollen dazu dienen, den "Bücherbus", der seit 1978 durchs Land fährt, ins rechte Verhältnis zu setzen. Der Bücherbus ist keine rollende Annexe der Nationalbibliothek, wie manche meinen, sondern untersteht direkt dem Kulturministerium. Angefangen hat es 1978 als das wallonische Kulturministerium uns probeweise einen Bus zur Verfügung stellte. Das Experiment verlief so erfolgreich, daß trotz Regierungswechsel 1979 die Anschaffung eines eigenen (Mini-) Busses beschlossen wurde. (In Belgien fährt man inzwischen übrigens mit einem umgebauten Schwerlastwagen durch die Gegend!)
Ein einziger Beamter, Frau C. Fautsch-Fellens, erledigt zur Zeit die ganze Arbeit: sie führt das Lager in der alten Diekircher Brauerei, katalogisiert die Neuerwerbungen, versieht die Bücher mit einer Schutzfolie, fährt selbst mit dem Bus über Land, empfängt die Kunden und betreut die Ausleihekarten. In den vergangenen 18 Monaten stand ihr zusätzlich ein Arbeitsloser zur Verfügung, aber damit ist es jetzt vorbei, ohne daß die Regierung Ersatz beschlossen hat.
Rund 10 000 Bücher stehen im Diekircher Lager im Regal. Einen Grundstock hatte die Nationalbibliothek aus ihren Doubletten anfangs bereitgestellt. Im Bus gehen jeweils etwa 2 000 mit auf die Reise. In 14tägigem Rhythmus werden auf 4 Touren 35 Ortschaften berührt: die 1. Tour führt ins Diekircher Hinterland an der Mittelsauer, die 2. in die Nordspitze des Landes, die 3. nach Clerf und Esch/Sauer, die 4. an den Stausee. Geplant ist für 1987 die Anschaffung eines 2. Busses, der einerseits im Falle von Wartungsarbeiten den ersten ersetzen soll und der andererseits, wenn auch endlich eine zusätzliche Arbeitskraft bewilligt wird, eine Tour an der Untersauer und an die Mosel ermöglichen soll. Ganz bewußt werden nur kleine Ortschaften angefahren, während größere Zentren wie Wiltz, Ettelbrück, Diekirch ausgespart bleiben: die Verantwortlichen im Kulturministerium sind der Meinung, die betreffenden Gemeinden sollten selbst Anstrengungen in Sachen Volksbücherei unternehmen.
Im Staatsbudget 1985 stehen 850 000 F. für Neuanschaffungen zur Verfügung. Das ist nichts zuviel wenn man bedenkt, daß einerseits der durchschnittliche Buchpreis von 250 F.(1978-79) auf 600 F. angestiegen ist, und daß andererseits (vielleicht deswegen!) die Nachfrage stetig steigt. 1983 wurden 27 795 Bücher an 13 303 verschiedene Leser
Wer liest denn da schon wieder?
R. Löffler
ausgeliehen. Pro Fahrt waren das im Durchschnitt 335 Bücher für 160 Leser. Auffallend ist dabei vor allem der sehr hohe Anteil von Kindern: 6 761 (50,8 %) liehen 1983 14 119 Bücher (50,8 %) !. Im Kulturministerium ist man natürlich erfreut über diese Tatsache. Sie zeigt, daß es sich gelohnt hat, vor allem Wert auf die Anschaffung qualitativ ausgezeichneter Kinderbücher zu legen. Und man darf optimistisch sein: vielleicht hat man tatsächlich bei den Jüngsten einen Trend weg vom Fernseher in Bewegung gesetzt! Andererseits muß man sich allerdings auch fragen, ob diese Nachfrage nicht auch auf einen chronischen Büchermangel in den Dorfschulen schließen läßt !!? Bei den Erwachsenen dominiert die Nachfrage nach leichter Unterhaltung (Krimi, Fließbücher…) und Sachbücher (Hobbys, Gartenpflege, Geschichte, Luxemburgensia). 65 % der Bücher sind deutsch, 35 % französisch, einige selbstverständlich luxemburgisch.
Es scheint zwar noch etwas früh für gesicherte Schlußfolgerungen, ob tatsächlich so wieder mehr Menschen zum Lesen gebracht werden konnten, doch eins steht fest: eine notwendige Ergänzung der kulturellen Infrastruktur unseres Landes ist der Bücherbus auf jeden Fall.
(1) Nach A. Ries, L’économie de la presse écrite au Grand-Duché de Luxembourg, in: Institut Grand-Ducal. Section des sciences morales et politiques, Presse écrite et télécommunications, Luxembourg 1983, pp. 49-131; hier p. 69 (Durchschnitt 1978-1981).
(2) Der Fischer-Weltalmanach 1985, Frankfurt a.M. 1984, Sp. 939 f.
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