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Die Vorstellung von einer Laserkanone zur Zerstörung anfliegender Interkontinentalraketen ist heutzutage so phantastisch wie einst die Reise zum Mond. Vom technischen Standpunkt aus gibt es aber beträchtliche Bedenken in Bezug auf die Wirksamkeit von SDI: es scheint in der Tat leicht, das Abwehrsystem irrezuführen, es außer Gefecht zu setzen und somit komplett unnütz zu machen.

Mögliche Gegenmaßnahmen

  • Eine simple Methode wäre die Verspiegelung der Raketenoberfläche. Dabei würden die Laserstrahlen reflektiert und somit unwirksam gemacht werden.

  • Auch die Härtung der Schutzhülle mit Kohlenstoff-Fasern bietet eine Lösung. Legt man nur ein Gramm dieser Faser pro Quadratzentimeter auf, vergrößert sich die Hülle gegen Laserstrahlen an die fünf- bis zehnmal. Die Rakete wird dadurch lediglich um ein paar hundert Kilo schwerer – dies entspricht dem Gewicht von zwei Gefechtsköpfen.

  • Durch einfache Rotation der Rakete um ihre Längsachse wird die Brenndauer des Laserstrahls stark verkürzt und somit auch die Wirkung.

  • Eine andere Möglichkeit liegt in der Verkürzung der Antriebsphase. Durch Herabsetzen der Ratenbrenndauer auf unter eine Minute, erlischt der Feuerschweif noch bevor die Rakete die irdischen Lufthülle verläßt. Ein Abwehreinsatz des Lasers in der ersten Flugphase erweist sich in diesem Fall als unnütz.

  • Mittels einer kleinen Nuklearexplosion in der oberen Atmosphärenschicht kann ein Infrarot-Hintergrund erzeugt werden, von dem die aufsteigende Rakete nicht mehr zu unterscheiden ist; hochempfindliche Kommunikations- und Führungsmechanismen werden demnach ausgeschaltet.

  • Der Massenstart von Täuschkörpern, die gleichzeitig mit den Gefechtskörpern ausgesetzt werden (z. B. aluminiumbeschichtete Luftballons in der Form von Raketen): Die Ortungssysteme müssen diese "Köder" von den echten Sprengköpfen unterscheiden, was nicht nur einen erheblichen Zeitaufwand erfordert, sondern auch die Wirksamkeit des Laserstrahls wiederum stark vermindert.

  • Es ist ebenfalls ein Leichtes, das Abwehrsystem mittels Flugzeugen, Marschflugkörpern, seegestützten Systemen oder Mittelstreckenraketen zu unterfliegen – ihm also jeglichen Sinn zu rauben.

  • Selbst mit der Weiterentwicklung der Teilchenstrahlen bleiben die angestrebten Ziele des SDI-Programms unerreichbar. Denn die physikalischen Gesetze erlauben nicht, ein Objekt in der Atmosphäre aus großer Entfernung abzuschießen. Hochenergetische Teilchenstrahlen werden nämlich in ihre Bestandteile zerlegt (Elektronen und Atomkern), die vom Magnetfeld der Erde ausgebreitet werden. Röntgenstrahlen dagegen haben sehr kurze Reichweiten und bleiben in der Atmosphäre stecken. Versuche, die "konventionellen" Laser (also infra-

rote, sichtbare und ultraviolette) auf große Entfernungen zu bündeln, scheitern, da die Strahlung vorzeitig auseinanderläuft und untauglich wird.

  • Außerdem wird ein Testen des Systems unter realistischen Bedingungen vor einem tatsächlichen Einsatz nicht möglich sein. Die kurze Betriebszeit wird zudem weder eine Fehlerbeseitigung noch eine Modifikation erlauben.

  • Als letztes ist hervorzuheben, daß unmöglich alle Gegenmaßnahmen des Angreifers vorauszusehen sind, mit denen er das Abwehrsystem zu neutralisieren trachten wird.

Wirksamkeit der Gegenmaßnahmen?

All diese Mängel des Schutzschirmsystems führen seine Befürworter darauf zurück, daß man eben erst am Anfang der Forschungsarbeiten steht. In ihren Augen ist die Beseitigung der Fehler eher eine Frage der Zeit. Andererseits bezweifeln sie, daß die angeführten Gegenmaßnahmen tatsächlich technisch durchführbar sind.

Innerhalb des SDI-Forschungsprogramms arbeiten zwei Gruppen, von denen die eine zur Aufgabe hat, einen potentiellen Schutzschirm zu konstruieren, während die andere die Möglichkeiten zur Verhinderung einer Zerstörung des Systems erforscht.

  • Die Antriebsphasendauer soweit herabsetzen, daß eine Zerstörung unmöglich wird, ist nach Auffassung der SDI-Forscher technisch nicht zu bewerkstelligen.

  • Beträchtliche Hoffnungen setzt man in die Weiterentwicklung der Teilchenstrahlen. Unregelmäßigkeiten in der Atmosphäre, die aus deren Erwärmung und der Wärme-Rückstrahlung von der Erdoberfläche resultieren, können anhand der Anpassungsoptik und einer Vielzahl von Korrekturspiegeln umgangen werden.

  • Daß die Rechnerfunktionen vom Angreifer durch kleine Nuklearexplosionen gestört werden können, ist kaum zu erwarten, da die Sowjetunion einer Atomexplosion über dem eigenen Territorium wohl lieber aus dem Weg geht.

  • Die Verspiegelung oder eine mögliche Ausstattung der Rakete mit einer Schutzhülle sind nicht zu befürchten, da diese Maßnahmen leicht zu überspielen sind. Außerdem wöge eine Rakete, die gegen alle Waffenwirkungen gesichert ist, viel zu schwer. Folglich würde ihre Geschwindigkeit stark vermindert werden.

DOSSIER

  • Außerdem berufen SDI-Verfechter sich darauf, daß die wichtigsten Forschungsergebnisse geheim gehalten werden, daß die breite Öffentlichkeit (und sehr viele Wissenschaftler) somit gar nicht beurteilen könnten, wie sicher oder wirksam SDI tatsächlich sei.

Bedeutet dies, daß einzig die implizierten Forscher (also diejenigen, die von diesem Projekt leben) darüber zu bestimmen haben, wie unsere Zukunft aussieht, und daß namhafte Wissenschaftler irren, wenn sie, wie der Nobelpreisträger Hans Berthe, erklären, die Ziele des SDI-Programms seien nicht durchführbar?

Wer recht behalten wird, kann nur die Zukunft zeigen – z.Zt. spielen die vielen Unbekannten zum Vorteil der SDI-Forschung und die Diskussion über seine tatsächliche Tauglichkeit geht zugunsten der Machbarkeit unter. Technisch das Unmögliche wollen, physikalische Gesetze ignorieren, gleichzeitig dem Möglichen das Wasser (Geld) entziehen – es ist wohl mehr Prestige damit verbunden, einen vermeintlichen atomaren Schutzschirm im Weltall aufzustellen als das Geld für die Erforschung weniger spektakulärer und nicht automatisch die ganze Menschheit gefährdende Verteidigungsstrategien einzusetzen.

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