Wenn Frauen nachlesen, was geschrieben steht

Feministische Theologie

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Feministische Theologie

Wenn Frauen nachlesen, was geschrieben steht

Vierzehn Frauen der unterschiedlichsten Kulturen und Länder treffen sich in einem kleinen Hotel am Golf von Bengalen. Fremd sind sie sich als sie sich gegenseitig ihre Namen und Arbeitsgebiete mitteilen. Doch gemeinsam wollen sie das Thema "Partizipation – Teilhabe von Frauen aus biblischer Sicht" bearbeiten. Wie, dazu gibt es anfangs keine genauen Vorstellungen.

"Frauen sollen in der Versammlung schweigen, es ist ihnen nicht gestattet zu reden. Sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz es fordert (1.Kor.14,34)."

So mahnte Paulus in der Mitte des ersten Jahrhunderts in einem Brief an die Korinther. Sollten Frauen diesem Hinweis aus der Bibel nicht auch noch heute Gehorsam leisten? Nein – denn derselbe Paulus schrieb wenig später an die Galater: "Da ist kein Unterschied mehr zwischen Mann und Frau, denn Ihr seid alle eins in Christus Jesus."

Bemerkenswert ist es schon, daß diesen letzten Worten von Paulus jahrhundertelang keine Beachtung geschenkt wurde (und wird), der Brief an die Korinther dagegen gleich Gesetz wurde. Und das, obschon die Ursache für dieses letztgenannte Schreiben eine ganz konkrete war und keineswegs alle Frauen anging. Denn Paulus richtete sich ausschließlich an die Tempel-Prostituierten, die in jener Zeit weissagten und Pflichten erfüllten, die entscheidend waren für das Ritual der alten Religion. Die korinthische Gemeinde befürchtete, daß die neuen weiblichen Gemeindemitglieder die gleichen heidnischen Praktiken übernehmen könnten. Der erste Rat des Paulus war also durchaus vernünftig: Frauen sollten in der christlichen Gemeinde ihr Haar bedeckt halten und einen Schleier tragen (1. Kor.11,1-6), damit sie nicht mit den Tempel-Prostituierten verwechselt wurden, die ihre Haare lang und offen trugen. Nach diesen Erklärungen bekommt die zitierte Mahnung von Paulus einen ganz be-

bestimmten Sinn. Er wollte nie die Frau in der christlichen Gemeinde zurückstellen!

Doch auch heute noch werden solche Aussagen der Bibel zweckentfremdet, um Frauen klein zu halten. Der Mangel an Information und Selbstvertrauen verleitet leider auch immer wieder die Frauen dazu, diesen Sprüchen Glauben zu schenken und ihre Situation als ein von Gott bestimmtes Schicksal hinzunehmen. Und gerade dies ist die zentrale Sünde, die Frauen heute begehen. Es ist eine Sünde, wenn Frauen glauben, nicht als das Ebenbild Gottes erschaffen worden zu sein. Es ist Sünde, wenn Frauen mit der Gewißheit leben, weniger wert zu sein als Männer. Frauen sündigen, wenn sie meinen, ihr Körper sei unrein. Unzählige Beispiele in der Bibel bezeugen, daß Jesus gerade auch als Frauenerlöser in die Welt gekommen ist.

Dieses Buch

AUFRECHT UND FREI

Was Frauen heute in der Bibel entdecken
Bärbel von Wartenberg-Potter (Hg.)
Burckhardthaus – Laetare Verlag
94 Seiten, 14,80 DM, ISBN 3-76664-9231-4

zeigt, was die Bibel den Frauen heute alles zu sagen hat. Es erzählt die Geschichten von Frauen in der heutigen Welt, Leidensgeschichten von gepeinigten und gequälten Frauen – die dann für sie zu Lebensgeschichten wurden. Denn so wie der Titel des Buches es voraussagt: Aufrecht und frei gingen die Frauen ihren Weg weiter. Auch wenn sich ihre Lage in der Gesellschaft keineswegs verbessert hat. Nein, denn die Kraft ihr Leben zu meistern, schöpfen diese Frauen aus der Bibel – aus einer Bibel die sie lesen und deuten gelernt haben.

Ein wirklich lesenswertes Buch!

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