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Am 1. August 1990 starb der frühere Kultur- und Justizminister Robert Krieps. Während bis 1974 das Kulturressort meistens nur nebenbei verwaltet und als reines Subsidienreservoir für parteipolitische Freunde gehandhabt wurde, hatte er bei seiner ersten Regierungsbeteiligung 1974-79 die Kultur zum politisch eigenständigen Thema erhoben. Demokratisierung des Zugangs zur Kultur war die Leitlinie seines Wirkens; seither beschränkt sich Kulturpolitik nicht mehr nur auf Kirchenrenovationen und Prunkkonzerte. In Sachen Denkmalschutz sollten nicht mehr nur Burgen instandgesetzt, sondern auch Industriedenkmäler und die Zeugnisse der Wohn- und Lebensweise des kleinen Mannes geschützt werden. Die Förderung und Beteiligung der aktiven Kulturschaffenden an der staatlichen Kulturpolitik war sein besonderes Anliegen, das z. B. in der neuen Zusammensetzung des Nationalen Kulturrats zum Ausdruck kam. Auch seine Nachfolger kamen nicht mehr an dieser Akzentsetzung vorbei. In der Justizpolitik beschränkte er sich nicht auf anonyme Rechtsreformen, sondern führte z.B. Maßnahmen zugunsten eines humaneren Strafvollzugs ein.

Robert Krieps gehörte 1968 zu den Initiatoren der Protestaktionen gegen den Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in die CSSR, und 1973 marschierte er an der Spitze des Demonstrationszuges gegen den Militärputsch in Chile. Für ihn war Politik – der Kompromisse so weit wie möglich vermeidende – Einsatz für ein Ideal, was auch gewissen Machtpolitikern in der eigenen LSAP öfters ein Kopfschütteln abverlangte. Selbst für eine ungeschminkte Sprache bekannt, gab seine Politik auch immer wieder Anlaß für Anfeindungen seitens seiner politischen Gegner. CSV und ‚Luxemburger Wort‘ forderten in den 70er Jahren seinen Rücktritt, weil ein Verbrecher die Strafvollzugsliberalisierung mißbraucht hatte. Die DP-Vorsitzende C. Flesch schalt ihnen vor zwei Jahren einen Feigling, weil er sich weigerte, seine Meinungsverschiedenheiten mit dem Bautenminister und Parteifreund Marcel Schlechter in die Öffentlichkeit zu tragen. Dem aktiven Widerstandskämpfer und einem der jüngsten Luxemburger KZ-Häftlinge taten solche Vorhaltungen sehr weh, weil er sein Menschenverständnis und seinen Einsatz für die Menschenrechte damit in Frage gestellt sah. Ernste Sorgen bereiteten ihm die Wahlerfolge der Le Pen, Schönhuber und Konsorten; diese alten Nazis und Neorassisten gegeneinander aufzustacheln, war eine seiner letzten Freuden im Europaparlament gewesen.

Als Sozialdemokrat und Agnostiker war Robert Krieps – bei allem Respekt, den sein Humanismus als selbstverständlich ansah – kein Freund der Klerikerkirche gewesen. Die katholische Soziallehre hatte er bei Gelegenheit eines Krankenhausaufenthalts studiert und den Mangel an echten Christen in Luxemburg mehr als einmal bedauert.

Unsere Zeitschrift, die er von Anfang an mit Interesse las, ist dem früheren Minister nicht nur zum Dank verpflichtet, weil er 1978 als erster ‚forum‘ finanzielle Förderung zukommen ließ, sondern ihre Initiatoren und Mitarbeiter auch stets moralisch unterstützte. Er hatte 1988 die Schirmherrschaft über den von ‚forum‘ organisierten ersten nationalen Cartoon-Wettbewerb übernommen. Ein Beitrag zum Thema Streit um den Religionsunterricht, den er uns für den Herbst versprochen hatte, wird leider nicht mehr erscheinen. Ob das von ihm vorgeschlagene Komitee zur Überwachung der Menschenrechte in der Folge des Schengener Abkommens je aktiv werden wird, bleibt abzuwarten.. forum

Robert Krieps als Umweltminister, ein dankbares Objekt für den Karikaturisten. Guy W. Stoos in: De Kélsécker 5/85

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