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Die wenigsten von unseren Lesern mögen es bemerkt haben, die Post hat nicht nur ihr Briefporto von 12 auf 14 Franken erhöht, sie hat, unter dem Deckmantel der Vereinheitlichung ihrer Tarife, verschiedene ihrer Dienstleistungen im Preis verdoppelt und verdreifacht. In dem Werbeblatt "Eis Post" (Januar 1991) klingt das dann folgendermaßen: "Plus de casse-tête pour déterminer si votre envoi constitue une lettre, un imprimé, un périodique ou un petit paquet, un colis postal ou si votre carte de vœux comporte un ajouté manuscrit. Plus besoin de porte-timbres pour conserver la panoplie de mentions à apposer sur vos enveloppes. La Poste vous simplifie la vie."

Mit dieser Vereinfachung ist das Wegfallen der besonders günstigen Tarife für Drucksachen, Zeitschriften, kleine Päckchen usw. gemeint. Alle Kategorien werden jetzt zum wesentlich teureren Brieftarif befördert. Wenn sie also demnächst, liebe Leserin, lieber Leser, Ihrer Oma, die ihren Schal bei Ihnen vergessen hat, diesen auf dem Postweg nachschicken wollen, werden sie dafür den vollen Brieftarif bezahlen müssen.

Diese Tariferhöhung durch die Hintertür hat nur wenig Proteste ausgelöst, da die Privatpersonen nur selten davon betroffen sind. Für "forum" und ähnliche Unternehmen aber bedeutet dies eine wesentliche Belastung. Wir sind konkret in fünffacher Weise betroffen.

  1. Der Versand einer Nummer¹ ins Ausland kostet nicht mehr 20 Franken sondern 60 Franken. Bei acht Nummern macht dies Versandkosten von 480

Franken aus. Angesichts der knappen Kalkulation müssen wir diese Mehrkosten leider unseren Auslandsabonnenten verrechnen. Somit wird das Auslandsabo demnächst 900 Franken betragen.

  1. Die genannten Zahlen beziehen sich auf das europäische Ausland, die Überseetarife steigen noch stärker, für eine Nummer liegen sie bei 155 Franken, also 1240 Franken für ein Jahresabonnement. Das Gros der 6 Überseabonnements geht an Luxemburger, die in der Entwicklungshilfe engagiert sind. Deshalb scheint es uns selbstverständlich, daß wir auch in Zukunft keinen besonderen Portozuschlag für diese Länder erheben und die Preissteigerung unter den allgemeinen Unkosten verbuchen.

  2. Auch der Inlandversand ist betroffen: die überwiegende Mehrheit unserer Abos werden zu einem ausgesprochen günstigen Tarif, dem sogenannten Tarif des "procédé sommaire", für 3 Franken verschickt. Aber einige müssen aus Gründen, die man allgemein als technisch bezeichnen kann, als Streifbandzeitschrift versandt werden. Da es diese Kategorie nicht mehr gibt, werden sie in Zukunft als Brief, für 40 Franken versandt werden. Dort, wo die Versandart auf Wunsch des Kundens erfolgt, zum Beispiel, weil der Empfänger, in einer Behörde ohne genaue Adressenaufschrift nicht erreichbar ist, werden wir in Zukunft einen Portozuschlag fakturieren. Dort, wo der Versand auf diesem Wege erfolgt, weil der zuständige Postbote es nicht schafft, die Schwierigkeiten des "procédé sommaire" zu meistern, gehen die Mehrkosten zu Lasten von "forum".

G.W. Stoos,
Gränge Spoun

| par envoi | envois postaux | imprimés ATR | certains* périodiques |
| — | — | — | — |
| jusqu’à 20 g (normalisé) | 14 F | 5 F | 4 F |
| 20 g (non normalisé) | 18 F | … | 6 F |
| 50 g (normalisé) | 18 F | 7 F | 6 F |
| 50 g (non normalisé) | 25 F | | 9 F |
| 100 g | 25 F | | 9 F |
| 250 g | 40 F | | 16 F |
| 500 g | 60 F | | 20 F |
| 1000 g | 80 F | | |
| 2000 g | 100 F | | |
| 3000 g | 110 F | | |
| 4000 g | 120 F | | |
| 5000 g | 130 F | | |
| 10000 g | 150 F | | |
| 20000 g | 170 F | | |

  • Letzeburger Journal, Letzeburger Land, Luxemburger Wort, Revue, Tageblatt, Télécom, Zeitung vom Letzeburger Vollek
  1. Der Einzelversand und die Nachbestellungen einzelner Nummern verteuern sich auch von 20 auf 40 Franken. Bislang haben wir einzelne Nummern zum offiziellen Verkaufspreis abgegeben, in Zukunft werden wir eine Versandpauschale fakturieren, denn dünne Nummern kosten (ohne Porto) 80 Franken.

  2. "forum"-Nummern sind leicht; viel schwerer getroffen von den neuen Bestimmungen werden die Buchverleger. Bislang hat "forum" nur ein Buch verlegt, aber weitere sind nicht ausgeschlossen. Das Luxemburger Verlagswesen ist durch diese Erhöhung besonders getroffen, da mangels eines Buchvertriebes der Anteil der mit der Post ausgelieferten Bücher besonders hoch ist. Man denke an die sog. Subskription.

Diese fünffache Betroffenheit der "forum"-Redaktion verwandelte sich in Wut, als wir im ausführlichen Posttarifheftchen, das entdeckten, was in den gängigen Tarifinformationen für das breite Publikum schamhaft verschwiegen wird (siehe Kasten): für sieben ausgewählte, alteingesessene Zeitschriften, nämlich genau die, die sowieso schon vom Staat massiv Geld in Form von Pressehilfe kassieren,

gelten niedrigere Tarife, die sogar noch unter den alten liegen.

Folgendermaßen kommentiert der ‚Grénge Spoun‘ diese Regelung: "Hier war wieder einmal die richtige Lobby zur Zeit informiert, um schnell noch ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen. Es fällt auf, daß diese Sonderregelung überstürzt in die neue Tarifisation hineingenommen wurde, da zum Teil Tarifsituationen vorgesehen sind, die es in Wirklichkeit nie geben kann. Wann z.B. wird eine der 7 staatlich geförderten Blätter eine Ausgabe unter 50 oder gar unter 20 Gramm herausbringen?"²

Wir fragen uns, womit die Sonderbehandlung dieser Zeitschriften zu rechtfertigen ist, und bitten die Postverwaltung, uns und unsere Abonnenten, sowie alle anderen betroffenen Zeitschriften, in diesen erlauchten Kreis der Privilegierten aufzunehmen.

die Redaktion

  1. Alle Beispiele gehen von einem Gewicht zwischen 100 und 250 Gramm aus.

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