150 Nummern unabhängiges „forum“

Eine Bilanz

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Eine Bilanz

Eine besondere Ausgabe erwartet die Leser, um die 150. Nummer von "forum" zu feiern. Keine programmatischen Artikel, keine nostalgischen Rückblicke, keine Selbstbeweihräucherung… aber auch kein Dos-

sier. Wir wollen in dieser Nummer einfach einige Themenschwerpunkte aufgreifen, die uns in den letzten Jahren besonders am Herzen lagen und von denen viele schon ihren Niederschlag in einem Dossier

gefunden haben. Es gibt natürlich auch Themen, die uns nicht weniger wichtig sind, die aber leider in dieser Ausgabe nicht vertreten sind, wie etwa Schule und Erziehung, Kulturpolitik, Staat, Presse… Außerdem wollen wir an dieser Stelle unseren Lesern einen Einblick in unsere finanzielle Situation gewähren.

"forum"-Finanzen 1993

Die Nummer 150 ist eine Gelegenheit, um über die materielle Basis zu sprechen, aufgrund derer ein Unternehmen wie "forum" möglich ist.

Zum 31.12.1993 – und vorbehaltlich der Zustimmung der für den 27. April 1994 einberufenen Generalversammlung der Mitglieder der "forum" a.s.b.l. – sieht diese Bilanz in groben Zügen folgendermaßen aus:

| Ausgaben: | |
| — | — |
| Druckkosten | 486 000 Franken |
| Versand | 95 000 |
| Löhne u. Sozialversicherungen | 1 032 000 |
| Autorenhonorare | 89 000 |
| Miete u. Nebenkosten | 166 000 |
| Büromaterial, Telefon u.ä. | 190 000 |
| Steuern | 12 000 |
| Werbung | 60 000 |
| Total | 2 130 000 |

| Einnahmen: | |
| — | — |
| Abonnements, Einzelverkauf | 1 020 000 |
| Zuschuß Kulturministerium | 450 000 |
| Daueraufträge von Spendern | 524 000 |
| Total | 1 994 000 |
| Ausgabenüberschuß: | 136 000 |

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Erstmals seit Bestehen und trotz (langsam) steigender Abonnentenzahlen überschreiten 1993 die Ausgaben des "forum"-Unternehmens seine Einnahmen.

Dafür gibt es sicher eine Reihe von guten Gründen, wie etwa die Anschaffung eines leistungsfähigeren Computers oder die an den Preisindex gebundene Miete unserer Redaktionsstube im Herzen der City.

Dramatisch ist die Lage jedoch noch nicht. Aus vergangenen Jahren verfügen wir über genügend Rücklagen, um den Ausgabenüberschuß decken zu können. Doch für die Zukunft müssen wir etwas strenger kalkulieren.

Neue Kalkulationen notwendig

Das ist umso wichtiger als das dritte Standbein der "forum"-Finanzen, der staatliche Zuschuß, den uns das Kulturministerium im Rahmen der "aide à la presse culturelle" bewilligt, 1994 knapper auszufallen droht. Der Gesamtbetrag im Staatshaushalt wurde nämlich für 1994 nicht erhöht, obschon durch die Anerkennung der von der ASTI herausgegebenen Zeitschrift "ensemble" als Kulturpresse der Kreis der Empfänger von acht auf neun gestiegen ist und die Ausgaben bei keiner Zeitschrift 1994 geringer ausfallen dürften als im Vorjahr.

"forum" wird also seine anderen beiden Finanzstandbeine konsolidieren müssen. Daher wird der Generalversammlung ganz sicher eine Erhöhung der

Abonnementpreise vorgeschlagen werden. Wer 1993 "forum" regelmäßig im freien Verkauf erwarb, mußte für die acht Nummern insgesamt 860 Franken hinblättern. Je nach Umfang schwankte der Einzelpreis zwischen 100 und 120 Franken. Ein Abonnement hingegen kostete (und kostet immer noch) nur 650 Franken; für Studenten oder zwecks Geschenk kostet es gar nur 550 Franken. Diese Preise waren berechnet auf einen Durchschnittsumfang einer "forum"-Nummer von 44 Seiten. In Wirklichkeit umfaßte der Jahrgang 1993 420 Seiten, also im Schnitt 52,5 pro Nummer. Entweder müssen wir also den Umfang kürzen – was uns aber sehr schwer fällt, da ohnedies häufig mehr Material vorliegt als wir überhaupt veröffentlichen können – oder die Abonnementpreise müssen der tatsächlich gelieferten Lesekost angepaßt werden.

Aus der obigen Bilanz geht hervor, daß die Personalkosten 1993 1 031 000 Franken betrugen. Davon wurden 450 000 Franken vom Staat aufgebracht, 524 000 Franken erhielten wir mittels Daueraufträgen, die rund 100 "forum"-Leser zugunsten des "Fonds interculturel" mit der Zielbestimmung "forum" eingerichtet haben. Es fehlen also noch 57 000 Franken. Die regelmäßige Anpassung der Löhne an den Preisindex wird für eine Steigerung dieses Ausgabepostens sorgen.

Ein ‚Steuerboycott‘ besonderer Art

Unser Ziel ist es, diese rund 60 000 Franken durch Daueraufträge von unseren aktuellen und zukünftigen Spendern zu erhalten. Abgesehen von der mit an Sicherheit grenzenden Vermutung, daß der Staatszuschuß kaum steigen wird, möchte die Redaktion nämlich auch nicht allzusehr auf jenes Standbein angewiesen sein, um ihre freie Meinungsäußerung nicht in Gefahr zu bringen. Eher schon ist sie überzeugt, daß genügend "forum"-Leser am Erhalt einer unabhängigen Zeitschrift interessiert sind, daß sie auch bereit sind, mehr als nur ihr Abonnement zu bezahlen, und durch einen Dauerauftrag die Besoldung der hauptamtlichen "forum"-Mitarbeiterinnen absichern helfen.

Eigentlich geht es dabei nur darum selbst zu bestimmen, wohin ein Teil der geschuldeten Einkommensteuern fließen soll. Da diese Spenden über den "Fonds interculturel" an die "forum" a.s.b.l. zu überweisen sind, können sie nämlich vom besteuerbaren Einkommen abgesetzt werden. Ein Rechenbeispiel: ein "forum"-Leser, dessen versteuerbares Jahreseinkommen in der Steuerklasse I über 1 357 200 Millionen liegt, muß nämlich wie alle Luxemburger Steuerzahler diesen Mehrbetrag mit 50% versteuern lassen (loi du 22. 12. 1993). Will dieser ‚Großverdiener‘ der "forum" a.s.b.l. beispielsweise eine monatliche Spende von 1000 Franken zukommen lassen, kann er ruhig einen Dauerauftrag von 2000 Franken pro Monat einrichten. Dadurch erhält "forum" in der Tat 2000 Franken, der Spender hat aber nur 1000 aus der eigenen Tasche bezahlt und von weiteren 1000 Franken, die er ohne diese Spende dem Steueramt hätte zuführen müssen, hat er ganz legal selbst die Zweckbestimmung festgelegt statt sie dem Staat zu überlassen, ohne zu wissen, welchen Unfug der damit an-

stellen wird. Wer über ein geringeres besteuerbares Einkommen verfügt, muß sich selbst ausrechnen, um wieviel er seinen Spendenbetrag erhöhen kann, ohne aus der eigenen Tasche mehr auszugeben.

Jede noch so bescheidene Zuwendung hilft uns überleben und kann zusammen mit den Spenden zugunsten des Entwicklungshilfefonds, des Ökofonds, des Kulturfonds u.a. vom besteuerbaren Einkommen abgezogen werden, bis zu einer Gesamtsumme, die 10% des Einkommens nicht überschreitet.

Der langen Rede kurzer Sinn: Falls Sie "forum" über ein Abonnement hinaus unterstützen wollen, so rufen Sie in der Redaktion an, um ein vorgedrucktes Formular zur Einrichtung eines Dauerauftrags beim "Fonds interculturel" (CCP 87875-90) zu erhalten. Im übrigen möchten wir auch unsere altbekannten Spender darauf aufmerksam machen, daß unsere

Löhne indexgebunden sind, ihre Spenden aber nicht automatisch steigen: auch mit ihrer Hilfe ist eine Vergrößerung des Spendenaufkommens zu erreichen …

Eine Einladung

Zum Schluß sei aber klargestellt, daß die Finanzen nicht zu den Hauptsorgen unserer Redaktion gehören. Die vier Freizeitaktivisten, die sich Woche für Woche treffen, um die acht "forum"-Nummern im Jahr auf den Weg zu bringen, würden sich wahnsinnig freuen, wenn sie gelegentlich auch mal zu fünft oder zu sechst wären. Schreibfähigkeiten sind zum Mitdiskutieren und -planen keineswegs erfordert. Moralische Unterstützung in diesem Sinne ist uns sicher wichtiger als materielle, auch wenn ohne letztere halt überhaupt nichts läuft.

Alle unsere Leser – und keineswegs nur unsere Mitarbeiter oder Abonnenten – laden wir ein, am 16. April 1994 ab 19.30 Uhr im Bettemburger Schloß Collart mit uns zu feiern, zu essen, zu trinken, zu tanzen, einen Plausch zu führen, um uns gegenseitig besser kennenzulernen, um im Endeffekt eine noch besser den Wünschen der Leser Rechnung tragende Zeitschrift herzustellen. (Anmeldung: siehe Rückseite dieser Nummer)

Falls Sie ‚forum‘ in Ihrem Bekanntenkreis bekanntmachen möchten, so scheint uns die vorliegende Nummer, die einen Beitrag zu den meisten der in "forum" regelmäßig behandelten Themen enthält, dafür hervorragend geeignet. Aus dem Grund haben wir auch ein paar mehr als üblich drucken lassen, damit

Sie sie als Freiexemplare unter Ihren Bekannten verteilen können. Fordern Sie ruhig etliche bei der Redaktion an, oder nehmen Sie sie am 16. April einfach mit!

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