Leserzuschrift aus Titanic 4/94
Theodizee-Problem endlich gelöst
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Hei e klenge Beitrag aus der däitscher Satire-Zeitung "Titanic", fir Äer theologesch Problemer ze léisen.
René Clesse
Theodizee-Problem endlich gelöst
Warum läßt Gott zu, daß auf der Welt soviel Leid geschieht? Warum tut er nichts? Nach fast zweitausend Jahren fruchtloser Diskussion ist die Antwort auf diese uralte Menschheitsfrage nun Anfang 1994 urplötzlich gefunden worden – und das von einem völligen Außenseiter.
Und zwar sieht sie folgendermaßen aus:
Nehmen wir einmal an, Gott verhielte sich anders. Nehmen wir an, Gott bediente sich endlich seiner Allmacht und schritte ein. Er "gibt dem Menschen eine Welt ohne Hunger und Krieg." Wie reagiert der
Mensch? Er "ist eine kleine Weile zufrieden, dann will er eine Welt ohne Krankheit und Elend. Gott hat ein Einsehen und gibt dem Menschen eine Welt ohne Krankheit und Elend." So weit, so gut. Allein: "Der Mensch ist eine kleine Weile zufrieden, dann will er eine Welt ohne schlechte Laune und Mehrwertsteuer. Der Herr hat ein Einsehen…" – Was man einmal angefangen hat, das muß man auch zu Ende bringen.
Und deshalb fängt der Herr auch gar nicht erst an. Denn sonst geht das immer so weiter, "bis zum bösen Ende: Der Mensch liegt auf dem Sofa, und Gott steht in der Küche und wäscht ab."
Ein Gedankengang, der es verdient hätte, als Koczwarascher Schlußpunkt in die Philosophiegeschichte einzugehen. Denn es ist Werner Koczwara, der ihn sich hat einfallen lassen. Sein neues Kabarettprogramm heißt "Wenn die Keuschheit im Bordell verpufft" und ist überhaupt sehr, sehr komisch.
aus: Titanic 4/94
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