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Im August 1992 erhielt die Friedensbewegung in Europa den Aufruf der Antikriegskampagne in Zagreb mit der Bitte, internationale Freiwillige für die Arbeit in Flüchtlingslagern in Kroatien zur Verfügung zu stellen. Pax Christi sowie weitere Friedensorganisationen in ganz Europa haben diesen Appell aufgegrif-
fen und entsenden seitdem Woche für Woche freiwillige Helferinnen und Helfer in verschiedene Flüchtlingslager in Kroatien.
Seit kurzem hat Pax Christi, in Zusammenarbeit mit den Mennoniten und deren Regionalbüro in Split, die
Betreuung von drei Lagern übernommen, die bisher sich allein überlassen waren. Über 400 Freiwillige konnte Pax Christi in den beiden letzten Jahren in Flüchtlingslager schicken. Während der drei Wochen ihres Einsatzes haben sie Kinder, Jugendliche und Frauen betreut und beschäftigt, Sprachunterricht erteilt, alte Menschen gepflegt sowie die allgemeinen Lagerbedingungen verbessert.
Auch wenn die Freiwilligen nur drei Wochen arbeiten, so haben wir es doch geschafft, Kontinuität in die Arbeit zu bringen. Die Helfer/innen faxen aktuelle Berichte an Pax Christi und wir leiten sie weiter an die nachfolgenden Gruppen. So können wir auch dringend benötigte Sachen beschaffen und mitgeben.
Als wir Sylvester 1993 einen Aufruf veröffentlichten, glaubten wir nicht an ein großes Interesse der Luxemburger. Schnell und großzügig öffnen viele ihren Geldbeutel um zu spenden, doch selbst anpacken tun nur wenige. Trotzdem haben sich einige Interessenten gemeldet, die sich in den nächsten Wochen auf ihren Einsatz vorbereiten werden. Wir brauchen aber ständig, gerade außerhalb der Ferienzeiten, Menschen die sich zu einem Einsatz bereit erklären, um Kontinuität in der Betreuung zu gewährleisten. Aber auch auf Geldspenden sind wir angewiesen um einerseits die Einsatzkosten eines Freiwilligen in Höhe von 10.000 bis 12.000 LUF zu bezahlen und andererseits den Helfer/innen Geld mitgeben zu können um vor Ort benötigte Güter wie Obst, Brot, Gemüse, usw. einzukaufen.
Ich möchte im Folgenden nun die verschiedenen Dimensionen der Bedeutung dieses Friedensdienstes herausarbeiten.
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Der Dienst der freiwilligen Helferinnen und Helfer ist ein Dienst an den Flüchtlingen. Sie helfen den Kindern und Jugendlichen, ihrem Leben einen neuen Lebensinhalt zu geben, über das Leid hinwegzukommen und neuen Mut zum Leben zu fassen. Dies geschieht durch ein strukturiertes Angebot zum Spielen und Lernen. Durch den Dienst der Freiwilligen in den Flüchtlingslagern ist die Atmosphäre spürbar besser geworden. Die Aggressivität der Kinder und Jugendlichen hat sehr stark nachgelassen. Aus den Zeichnungen der Kinder wird deutlich, daß sie in der ersten Phase noch sehr stark von Krieg und Leid geprägt sind, sich aber im Laufe der Zeit für neue lebensbejahende Inhalte öffnen können. Bei Frauen und alten Leuten versuchen die Freiwilligen durch Beschäftigungsangebote ihnen zu helfen, über ihre Depressionen infolge der Kriegsereignisse hinwegzukommen und wieder Verantwortung für bestimmte Aufgaben und für ihr Leben zu übernehmen. Beschäftigungs- und Gesprächsangebote sollen helfen, zu einer Normalität des Alltags zurückzufinden. Dabei fällt auf, daß die Erwachsenen und alten Menschen sehr stark an der Vergangenheit hängen und in der Hoffnung leben, daß in den nächsten Tagen das Flüchtlingsdasein wieder beendet wird und sie zurück in ihre Heimat können. Diese Haltung kann leicht dazu führen, daß sie für die Aufgaben im Hier und Jetzt keine Verantwortung übernehmen möchten, weil dies sich aus Ihrer Sicht ja nicht lohnt. Durch die Arbeit der Freiwilligen ist es gehängen, sie in die Verantwortung im Hier und Jetzt einzubinden und ihnen neuen Mut zum Leben zu geben.
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Der Dienst der Freiwilligen ist ein Zeichen der Solidarität mit dem Schicksal der Flüchtlinge. Die Freiwilligen teilen ihr Leben auf Zeit mit dem der Flüchtlinge. Sie vermitteln dadurch den Flüchtlingen den Eindruck, daß sie nicht alleingelassen sind, daß sich Menschen aus ganz Europa um ihr Schicksal kümmern und durch die Anwesenheit bei den Flüchtlingen ihre Solidarität bekunden.
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Die Anwesenheit der Freiwilligen garantiert einen gewissen Schutz für die Flüchtlinge selbst. Die meisten Flüchtlingen kommen aus Bosnien-Herzegowina und sind in Kroatien nur geduldet aber nicht willkommen. Dies bekommen die Flüchtlingen des öfteren durch Kontrollen der kroatischen Polizei zu spüren. Die Freiwilligen aus allen Ländern Europas repräsentieren in dieser Weise die Öffentlichkeit und garantieren, daß das, was gegenüber den bosnischen Flüchtlingen von kroatischen Behörden geschieht, nicht im Verborgenen bleibt. Die internationalen Freiwilligen garantieren eine gewisse Öffentlichkeit und somit einen Schutz für die Flüchtlinge.
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Der Dienst der Freiwilligen als sozialer Friedensdienst bietet eine Chance zum Lernen und Handeln für die Freiwilligen selbst. Sie erfahren in ihrem eigenen Leben, daß sie nicht ohnmächtig zuschauen müssen, daß sie durch solidarisches Handeln anderen Menschen helfen können. Diese praktische Erfahrung bestärkt sie in der Haltung der Solidarität, fördert und ermöglicht soziale Werte und läßt sie die praktische Bedeutung dieser sozialen Werte erfahren. Der Dienst gibt den Freiwilligen einen Einblick in von Krieg und Leid geprägte Menschenschicksale und schärft den Blick und die Einstellung für das, was im Leben wichtig ist. Alle Freiwilligen bestätigen im Anschluß an ihren Dienst, daß sie diese drei Wochen in ihrem Leben nicht müssen möchten und daß sie für sich durch diesen Dienst sehr viel an Klarheit für ihr eigenes Leben gewonnen haben.
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Der Friedensdienst in den Flüchtlingslagern ist eine Chance zum Lernen in internationalen Zusammenhängen. Dabei lernen sie mit Menschen unterschiedlicher persönlicher und kultureller Herkunft umzugehen.
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Der Dienst der Freiwilligen als Friedensdienst ist ein Signal für die Bevölkerung hier zu Lande: wir sind als Menschen nicht nur Zuschauer des Geschehens, wir müssen nicht tagtäglich ohnmächtig vor dem Ferseher sitzen bzw. die Zeitung lesen, wir können handeln. Insofern hat der Dienst dieser Freiwilligen auch eine wichtige Bedeutung für die Friedensbewegung in Europa und auch für die Bevölkerung selbst.
Im Alltag dieses Friedensdienstes haben wir mit etlichen Problemen zu tun, die zum Teil auch damit zusammenhängen, daß immer noch in Bosnien-Herzegowina Krieg ist und in Kroatien aufgrund der ca. eine Million Flüchtlinge (legal und illegal) eine Ausnahmesituation herrscht. Die Lebensbedingungen in den Lagern sind so hart, daß mehr als einer krank wird. Oder es hat jemand, ohne vorher zu fragen, aus einer Spendensammlung Oberbekleidung mitgebracht, die nicht benötigt wird, währenddessen fehlt es an Unterwäsche. Oder die Ungleichbehandlung und Konflikte zwischen "kroatischen Vertriebenen" und "bosnischen Flüchtlingen" im Lager sind für uns
Die Freiwilligen aus allen Ländern Europas repräsentieren in dieser Weise die Öffentlichkeit und garantieren, daß das, was gegenüber den bosnischen Flüchtlingen von kroatischen Behörden geschieht, nicht im Verborgenen bleibt.
Fremde unverständlich und ärgerlich. Trotz aller Probleme und Unzulänglichkeiten bleibt die gelebte Solidarität mit den Flüchtlingen das Wichtigste.
Ein kurzfristiger Friedensdienst von drei Wochen bedeutet für die Flüchtlinge einen ständigen Wechsel von Freiwilligen. Besser wäre der längerfristige Friedensdienst, doch nur sehr wenige haben so viel freie Zeit. Andererseits kann ein kurzfristiger Dienst die Motivation für einen längeren Dienst schaffen. Auch wer nur einen dreiwöchigen Friedensdienst geleistet hat, macht in dieser Zeit so wichtige Erfahrungen, daß sie das Leben nachhaltig beeinflussen. Etliche Freiwillige sind ein zweites Mal ins Lager gekommen, haben nachher gezielt Spenden gesammelt oder
haben sich für Flüchtlinge in ihrer Heimat eingesetzt. Die bisherigen Rückmeldungen sowohl von den Freiwilligen wie von den Flüchtlingen bestätigen, daß der Dienst der Freiwilligen auch für das Leben der Flüchtlinge eine nachhaltige Wirkung hat. Wenn auch die Lebensbedingungen in den Flüchtlingslagern nicht grundlegend geändert werden können, so geben die Freiwilligen den Flüchtlingen neuen Lebensmut.
Wer selbst als Freiwillige/r mithelfen will oder die Informationen an Interessierte weitergeben möchte, wende sich an: Pax Christi, 3, rue du Curé – L-1368 Luxembourg.
Marc Muller
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