Kinder- und Jugendbücher

Daniella Carmi: "Explosion in der Ahalanstraße"

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Daniella Carmi: Die Explosion in der Ahalanstraße
dtv junior 78042
ISBN 3-922-722-53-5

Natascha heißt Natascha, weil nur ein so harmloser Name gleichzeitig den arabischen Verwandten vom Dorf und der jüdischen Großmutter aus Tel Aviv gefallen kann. Denn Natascha hat mehr als genug Probleme wegen ihrer außergewöhnlichen Familie. Sie lebt nämlich in Israel, und da verbietet es z.B. das Gesetz ihrem arabischen Vater, ihre jüdische Mutter zu heiraten.

Ganz schlimm kommt es aber erst, als in der Ahalanstraße – dort lebt die Familie – im Minimarkt des Herrn Liebermann eine Bombe hochgeht. Der Schaden ist gering, aber noch in derselben Nacht wird Nataschas Vater verhaftet. Erst aus der Zeitung erfahren Mutter und Tochter den Grund: Er gehört einer Minderheit an. Das reicht für eine Verhaftung.

Eine Besuchserlaubnis wird der Mutter verweigert, weil sie offiziell kein Familiemitglied ist. Freunde und Bekannte lassen sie im Stich: Nataschas einziger Freund darf sie nicht mehr besuchen; das angesehene Rechtsanwaltsbüro, für das der Vater lange Jahre gearbeitet hat, übernimmt die Verteidigung des Mitarbeiters nicht, die Familie könne sich das finanziell nicht leisten, heißt es. Erst ein Jugendfreund der Mutter übernimmt schließlich den Fall, doch auch er kann nicht verhindern, daß die Haft immer wieder verlängert wird, obwohl keinerlei Beweise gefunden werden. Schließlich wird alles zuviel für Natascha. Sie wird krank…

Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen, weil er sehr spannend ist. Außerdem erfährt man viel über die Lage in Israel, über die Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Arabern. Die Schriftstellerin Daniella Carmi ist selbst Israelin; sie sieht ihre Heimat jedoch mit sehr kritischen Augen. Zum Schluß stellt sich zwar heraus, daß der Vater unschuldig ist, aber von einem richtig schönen Happy-End kann trotzdem keine Rede sein. Daniella Carmi vergleicht sogar die Unterdrückung der Araber durch die israelischen Behörden mit der Judenverfolgung in der Nazi-Zeit, was ich doch für etwas übertrieben halte, aber immerhin wird klar, daß noch viel getan werden muß, ehe es zu einem wirklichen Frieden im Nahen Osten kommen kann.

Angélique Arnould (14J.) LHCE

Leere Welt

John Christopher: Leere Welt
Arena-Taschenbuch
Arena Life 2505
ISBN 3-401-02505-8

Neil Miller, 14, überlebt den schrecklichen Verkehrsunfall, dem seine ganze Familie zum Opfer fällt. Er wohnt nun bei seinen Großeltern in Winchelsea, einem verschlafenen Städtchen in Südengland, in dem nur der Leichenbestatter gute Geschäfte macht. Aus dem aufgeschlossenen und lebhaften Jungen wird ein introvertierter Einzelgänger, der Mitleid und Neugierde gleichermaßen zurückweist.

Da bricht am anderen Ende der Welt, in Indien, eine Seuche aus, die Kalkutta-Krankheit. Ihre Opfer verfallen einem rapiden Alterungsprozeß, der sie innerhalb von Wochen zu Greisen verkommen läßt. Sieht die westliche Welt dem Aufkommen der Krankheit zunächst mit mäßigem Interesse zu, bricht schnell Panik aus, als sich herausstellt, daß die Epidemie vor den Schranken des Wohlstands nicht haltmacht und daß immer jünger Menschen, selbst Kleinkinder, ihr zum Opfer fallen. Jeder versucht mit allen Mitteln sein Leben zu retten, die Behörden erweisen sich als hoffnungslos überfordert.

Inmitten der allgemeinen Hysterie ist Neil einer der wenigen, die Ruhe bewahren. Für ihn hat der Tod seinen Schrecken längst verloren, und er würde die Krankheit, vor allem nach dem Tod der Großeltern, eher als eine Erlösung empfinden. Doch ironischerweise spart das Schicksal gerade ihn aus, während um ihn herum alle sterben, alle Ordnungen sich auflösen. Schließlich ist er der einzige Überlebende in seiner Heimatstadt. Nach Phasen der Verzweiflung siegen in dem Jungen die Neugier und der Wunsch, den Planeten zu erkunden, der ihm geschenkt worden ist.

Der zweite Teil des Romans schildert Neils Reisen und seine Begegnungen mit anderen Überlebenden, z.B. mit Clive, der nach dem Verlust der über alles geliebten Schwestern sein Herz nur mehr Juwelen und Kunstschätzen schenken kann. In London trifft Neil schließlich zwei Mädchen, die jungenhafte, burschikose Billy und die hübsche, freundliche Lucy. Während Billy Neil als Bedrohung empfindet und alles tut, um den Eindringling wieder loszuwerden, nimmt ihre Freundin Neil bereitwillig auf. Zum offenen Konflikt kommt es, als Lucy und Neil sich ineinander verlieben…

Dieser Klassiker des englischen Science-fiction-Autors John Christopher war einige Jahre vergriffen und ist nun endlich wieder als Taschenbuch erhältlich. Der Roman erschien in Deutschland – in einer vorzüglichen Übersetzung von Hans-Georg Noack – zum erstenmal 1979, er hat jedoch im Lauf der Jahre nichts von seinem Reiz verloren.

Erstaunlich ist zunächst die bleibende Aktualität des Buches, erinnern doch die Reaktionen auf die Kalkutta-Krankheit (von anfänglicher Gleichgültigkeit bis zur Panik bei hilflosen Beschwichtigungsbemühungen der verantwortlichen Behörden) zwangsläufig.

Inmitten der allgemeinen Hysterie ist Neil einer der wenigen, die Ruhe bewahren. Für ihn hat der Tod seinen Schrecken längst verloren, und er würde die Krankheit, vor allem nach dem Tod der Großeltern, eher als eine Erlösung empfinden.

fig an die auch bei uns zeitweilig grassierende AIDS-Hysterie, und ist nicht eben in diesen Tagen wieder eine Seuche – auch aus Indien kommend – dabei, uns in Angst und Schrecken zu versetzen?

Darüber hinaus erweist sich wohl auch die Vorstellung eines Lebens auf einem menschenleeren Planten, den es zu erkunden und zu bewältigen gilt, für einen etwas phantasiebegabten Leser nach wie vor als überaus reizvoll.

Ärgerlich ist lediglich der Schlußteil mit seiner klischeehaften Darstellung der beiden Mädchen: Billy, die in Männerdomänen einbricht, wird als unattraktiv, unsympatisch und sogar als gefährlich geschildert, während die liebliche Lucy, die sich vorzugsweise mit Nähen und Kochen beschäftigt, anscheinend als weibliche Idealgestalt anzusehen ist. Doch selbst dieser Nachteil des Romans kann positif ge-

nutzt werden: als Anlaß zum Nachdenken und Diskutieren über Frauenfeindlichkeit, über sich im Lauf der Zeit verändernde Rollenvorstellungen von Mann und Frau…

Alles in allem handelt es sich bei "Leere Welt" um einen spannenden und unterhaltsamen Roman mit ernstem Hintergrund, der Jugendliche ab 14 und selbst Erwachsene faszinieren kann.

John Christopher hat zahlreiche Science-fiction Romane für Kinder und Jugendliche verfaßt; die meisten davon sind auch in deutscher Übersetzung erhältlich. Um nur einige zu nennen:

  • Die Lotushöhlen (Arena 1407, ab 12),
  • Die dreibeinigen Monster (Arena 1550, ab 12),
  • Die Wächter (RTB 441, ab 14)

Marie-Rose Wirtz

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